Leipzigs Mobilitätsstrategie 2030

Die Mobilitätsszenarien unter der Lupe (2): Das „Fortführungs-Szenario mit Fahrpreiskonstanz“

Für alle LeserAuf das Szenario kommt man, wenn man den Wunsch vieler LVB-Fahrgäste aufnimmt, dass die Fahrpreise endlich mal gedeckelt werden. Das würde wohl dazu führen, dass die Fahrgastzahlen noch schneller steigen – nur das Angebot nicht. Das System würde schon in den nächsten Jahren aus den Nähten platzen. Und trotzdem teurer werden. Denn was die Fahrgäste nicht extra bezahlen, muss die Stadt als zusätzlichen Zuschuss geben.

Wobei die Zahlen nicht ganz so dramatisch sind, wie gern verlautbart wird: Bis 2030 würde dieser Ausgleich von aktuell 51 Millionen auf wahrscheinlich 115 Millionen Euro steigen. Also jährlich um rund 5 Millionen Euro.

Nur so zur Erinnerung: Bislang tragen die Fahrgäste den Kostenanstieg fast allein. Sie würden am Ende also um rund 60 Millionen Euro entlastet.

Das Problem besteht an einer anderen Stelle: Viel mehr als die 45 Millionen Euro Zuschuss, die die Stadtwerke und die Wasserwerke erwirtschaften, wird nicht drin sein. Vielleicht mit Mühe 50 oder 55 Millionen Euro. Dann ist Schluss. Das heißt: Beim bloßen Betriebszuschuss hat die Stadt das Thema sowieso über kurz oder lang auf dem Tisch.

Das Szenario "Fortführungs-Szenario mit Fahrpreiskonstanz". Grafik: Stadt Leipzig

Das Szenario „Fortführungs-Szenario mit Fahrpreiskonstanz“. Grafik: Stadt Leipzig

Eine Möglichkeit, diesen ganz normalen Kostenanstieg zu puffern, sieht OBM Burkhard Jung darin, dass auch die Nahverkehrsdienstleister künftig Gelder aus den Regionalisierungsmitteln bekommen. Bislang fließt das Geld vor allem in den regionalen Zugverkehr.

Der Grundgedanke im Szenario „Fortführungs-Szenario mit Fahrpreiskonstanz“:

„Dieses Szenario zeigt eine Variante des Fortführungs-Szenarios. Bei sonst gleichem Handeln werden aber zukünftige Fahrpreiserhöhungen vermieden. Durch Verzicht auf zunehmende Anteile der Nutzerfinanzierung muss eine steigende öffentliche Finanzierung erfolgen.“

Die Probleme aber tauchen schnell auf, denn da werden zwar die Fahrgäste finanziell entlastet, aber das ganze Verkehrssystem verschlechtert sich trotzdem.

In der Übersicht der Planer:

– Verminderte Verkehrsqualität für alle Verkehrsträger

– Leichte Steigerung der Fahrgastzahlen im ÖPNV (aber bei 195 Millionen, die hier prognostiziert werden, wäre schon Schluss – und zwar nicht erst 2030, sondern wohl schon 2020 oder so.)

– Ebenfalls sinkende Durchschnittsgeschwindigkeit im ÖPNV und Kfz-Verkehr

– Einhaltung der Stickoxid-Grenzwerte kritisch, weiterhin hoher CO2-Ausstoß und Lärmbelastung sehr hoch

– Öffentlicher Finanzierungsaufwand für ÖPNV steigt stark an (zumindest im Betrieb)

– Langsamer Wirtschaftsverkehr/erschwerte Anlieferung

***

Also auch da eher ein Ausbremsen der Verkehre. Man müsste zwar jährlich auch um die 30 Millionen Euro zusätzlich investieren, um das System irgendwie am Laufen zu halten. Aber schon an den angepeilten Nutzerzahlen sieht man: Da kann man sich auch an die Straße stellen und kichern. Das ist ein Witz. Ohne eine deutliche Erweiterung im System funktioniert das nicht. Den Fahrgästen verschafft es zwar finanzielle Luft – aber es schafft den anderen Verkehrsarten keine Entspannung. Oder noch deutlicher gesagt: Gerade dieses Szenario macht deutlich, dass Leipzig sein ÖPNV-System deutlich erweitern muss, wenn die Stadt ihre Verkehrsprobleme in den Griff bekommen will.

Ohne die von Burkhard Jung ins Gespräch gebrachte Investition in der Größenordnung von 1 Milliarde Euro wird es nicht gehen. Alles andere ist Selbstbetrug.

Die neue LZ Nr. 48 ist da: Zwischen Weiterso, Mut zum Wolf und der Frage nach der Zukunft der Demokratie

 

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