Hat Leipzig nun gewonnen oder ist es Dritter geworden? So einfach ist das ja beim „Stadtradeln“ nicht zu entscheiden. Auch weil es nicht darum geht, ganz allein auf ein Siegertreppchen zu kommen. Es geht auch nicht nur ums CO2-Einsparen, sondern vor allem darum, mehr Aufmerksamkeit für das Radfahren zu schaffen. Und wenn Leipzig unter den Städten diesmal die meisten Kilometer erradelte, hat das damit zu tun, dass in der Stadt eine Menge Leute für einen besseren Radverkehr strampeln.

Aber die strampeln so emsig, dass diesmal die Millionengrenze bei den Kilometern weit zurückgelassen wurde.

Die 8.563 aktiven Radfahrerinnen und Radfahrer sind in den drei Wochen vom 31. August bis zum 20. September auf ihren täglichen Wegen durch die Stadt insgesamt über 1,6 Millionen Kilometer geradelt. Damit ist Leipzig die fahrradaktivste Stadt im bundesweiten Wettbewerb vor Berlin (1,45 Millionen Kilometer), Düsseldorf (1,15 Millionen Kilometer), München (1,09 Millionen) und vielen anderen Großstädten.

Oder mal so formuliert: Die meisten Großstädte – auch Städte wie Stuttgart oder Hamburg – kamen gerade mal auf eine halbe Million Kilometer. Als müsste man dort nicht um bessere Radverkehrsbedingungen kämpfen. Als hätte man das dort schon.

Hat man aber nicht.

Augenscheinlich fehlt es an einer radaktiven Bürgerschaft, die mit so einem Ereignis wirklich Druck aufbauen möchte auf Stadtrat und Verwaltung.

Oder – weil das ein genauso wichtiger Effekt ist – das Radfahren wieder ins Bewusstsein der gesamten Gesellschaft zu bringen. So packen es nämlich einige Kreise und Regionen an, die gleich im größeren Verbund starteten. Deswegen hat nicht Leipzig die meisten Kilometer erradelt, sondern die Region Hannover mit 2,11 Millionen Kilometern vor der Metropolregion Ruhr mit 1,97 Millionen Kilometern.

Unter den Großstädten waren Dresden (897.245 Kilometer) und Braunschweig (818.526 Kilometer) noch recht fleißig. Aber das war mal das Leipziger Ergebnis vor ein paar Jahren. Da gab es ja sogar mal ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Dresden. Aber in Leipzig bedeutet Radfahren eben auch immer, wieder und wieder ein Zeichen zu setzen für eine Verbesserung der Radverkehrsbedingungen. Bis bessere Radwege endlich zum Selbstverständnis werden.

In Leipzig radeln zwar auch nicht alle Stadträtinnen und Stadträte mit. 17 von 70 hatten sich diesmal angemeldet. Und besonders eifrig strampelte das Team der Grünen-Fraktion. Was die Fraktion im Nachhinein zu einer kleinen Jubelmeldung veranlasste.

„Wir hatten die meisten Teammitglieder der Politik-Teams, insgesamt 66 (Linke 22, SPD 21, CDU 2). Wir haben somit auch insgesamt die meisten Kilometer erfahren, insgesamt 13.638 km (Linke 4.304 km, SPD 4.207 km und CDU 237 km)“, freut sich Michael Schmidt als Teamchef des Teams AmpelGrün. „Wir haben aber auch relativ die meisten Kilometer gefahren, also das durchschnittliche Teammitglied ist 206,6 km gefahren (SPD 200,3 km, Linke 195,6 km, CDU 118,7 km).  Insgesamt sind wir damit auf Platz 23 von insgesamt 424 Teams gelandet, auch das ein toller Erfolg!“

425 Teams zählt die zentrale Homepage fürs Stadtradeln für Leipzig. Was eben auch davon erzählt, wie viele Menschen, Verbände und auch Unternehmen in Leipzig sich für einen besseren Radverkehr einsetzen.

Und so wirklich schlecht sind Ergebnisse der anderen Ratsfraktionen ja nicht: In anderen Städten hätten sie damit haushoch die Team-Wertung gewonnen.

„Die Leipzigerinnen und Leipziger haben beim Stadtradeln mehr als 200 Tonnen CO2 vermieden und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal. „Was die Lebensqualität in einer Stadt wie Leipzig angeht, sind die Vorteile des Fahrrads gegenüber dem Auto ganz eindeutig: Mit dem Fahrrad ist man schnell, gesund, klimaschonend und platzsparend unterwegs.“

Insgesamt waren es sogar 243 Tonnen CO2.

„Dieses fantastische Ergebnis beim Stadtradeln zeigt: Leipzig wird mehr und mehr zur Fahrradstadt“, freut sich Nico Singer, Geschäftsführer des Ökolöwen, der das Stadtradeln in Leipzig gemeinsam mit der Verwaltung organisiert. Dazu gehört dann eben auch ein Ereignis wie die Leipziger Radnacht.

Und eine zünftige Abschlussveranstaltung.

Am Montag, 29. Oktober, findet diese Abschlussveranstaltung des Stadtradelns 2018 statt. Ab 19 Uhr laden die Stadt Leipzig und der Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. zur Preisverleihung in die Alte Handelsbörse ein. Im festlichen Rahmen werden die besten Mannschaften des diesjährigen Wettbewerbs ausgezeichnet. Außerdem werden unter den besten 50 Teams mit den meisten gefahrenen Kilometern Preisgelder von viermal 250 Euro verlost.

Das Stadtradeln ist eine Kampagne des Klima-Bündnis e. V. und wird in Leipzig von der Stadtverwaltung Leipzig und dem Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e. V. organisiert.

Die neue Leipziger Zeitung Nr. 59 ist da: Zwischen Überalterung und verschärftem Polizeigesetz: Der Ostdeutsche, das völlig unbegreifliche Wesen

Zwischen Überalterung und verschärftem Polizeigesetz: Der Ostdeutsche, das völlig unbegreifliche Wesen

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