SPD-Fraktion fordert die Schaffung eines Radschnellwegs von Lindenau in die Innenstadt

Für alle LeserSeit eine ganze Reihe schwerer Unfälle mit Radfahrer/-innen in der Inneren Jahnallee auch die Verkehrsunfallkommission auf den Plan gerufen hat, reißen die Forderungen, auf der Jahnallee endlich sichere Radwege anzulegen, nicht ab. Regelmäßig gibt es Aktionen für dieses Anliegen in der Straße. Aber längst ist auch klar: Das Problem beschränkt sich nicht nur auf den Abschnitt zwischen Waldplatz und Leibnizstraße. Die SPD-Fraktion fordert eine Komplett-Lösung.

Denn auch die Unfälle rund um den Cottaweg gehören zum Problem. Wer von Lindenau Richtung Innenstadt mit dem Rad fährt, stößt genauso auf unübersichtliche und zum Teil hochgefährliche Stellen wie diejenigen, die stadtauswärts fahren. Immer wieder werden die Radfahrer dazu gezwungen, auf eigentlich zu engen Bürgersteigen zu fahren. Wer die Probleme lösen will, sollte eigentlich über eine komplette Radwegeverbindung von Lindenau bis zum Richard-Wagner-Platz nachdenken, findet die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat und fordert eine bessere Radwegeverbindung zwischen Alt-West/Lindenau und der Innenstadt.

„Die SPD-Fraktion im Leipziger Stadtrat wird einen Antrag ins Verfahren geben, mit dem der Oberbürgermeister beauftragt wird, verschiedene Varianten eines Radschnellwegs für die Verbindung Alt-West/Lindenau–Innenstadt zu prüfen und gegenüberzustellen. Für die Brücke über das Elsterflutbett sollen mindestens folgende Optionen geprüft oder alternative Lösungsvorschläge angeboten werden: Verbreiterung der Brücke an den Seiten, wie in Dresden an der Carolabrücke bzw. Bau einer separaten Fahrradbrücke“, erklärt Stadtrat Christian Schulze, der in Lindenau zu Hause ist und das Problem schon seit Jahren kennt.

Aber drei Jahrzehnte lang galt in der Jahnallee der Vorrang des Kfz-Verkehrs. So sehr, dass selbst bei den teuren Umbauten im Vorfeld der Fußball-WM von 2006 die Belange der Radfahrer regelrecht unter die Räder kamen. Das Verkehrsdezernat weigerte sich regelrecht, hier eigene Radwege anzulegen, meinte gar, eine Vierstreifigkeit würde dem kompletten Verkehr zugute kommen. Und dann begann dasselbe Dezernat – als „Pilotprojekt“ – die beiden Außenspuren in Dauerstellplätze zu verwandeln.

Das Ergebnis ist bekannt: Eine ganze Reihe schwerer Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern, die sich mit steigendem Radverkehrsanteil immer mehr häuften. Dass die Unfallkommission die Häufung endlich als Alarmsignal begriff, war schon ein Fortschritt, auch wenn die Folge erst einmal nur das Aufheben der Parkzonen war.

Was einige nächtliche Besucher mit ihren schweren Geländefahrzeugen trotzdem ignorieren. Die Innere Jahnallee hat inzwischen auch noch ein paar andere Probleme.

Aber die SPD-Fraktion ist in sich unschlüssig, wie sie den Radverkehr eigentlich führen möchte.

„In der Fortsetzung Richtung Innenstadt soll – je nach Variante – eine Ertüchtigung der Gustav-Adolf-Straße als echte Fahrradstraße oder eine Ertüchtigung der Inneren Jahnallee geprüft werden“, beschreibt der künftige Stadtrat Prof. Dr. Getu Abraham aus dem Wahlkreis Mitte die aus seiner Sicht möglichen Varianten.

Nur dass die Gustav-Adolf-Allee kaum Zuspruch finden dürfte. Auch Radfahrer lassen sich ungern nötigen, komplizierte Umwege gar mit noch mehr Konfliktstellen zu fahren. Denn auch die scheinbar so logische Route über die Gustav-Adolf-Allee (früher eigentlich die Ausweichroute für den stadtauswärts rollenden Kfz-Verkehr) ist voller Tücken, schwieriger Übergänge und engen Situationen. Für einen echten Radschnellweg eignet sie sich nur bedingt.

Was auch Abraham zumindest ahnt: „Sicherheit im Radverkehr ist das oberste Ziel. Jede und jeder Verkehrstote oder Verletzte/r ist einer zu viel. Für Engstellen, gefährliche Kreuzungen und konfliktträchtige Straßen gilt es, neue Lösungen zu finden, die die Sicherheit für Radfahrende deutlich erhöhen. Durch einen sicheren und leistungsfähigen Radschnellweg von Lindenau bis zum Hauptbahnhof kann die Situation insbesondere in der Inneren Jahnallee entschärft werden.“

Aber natürlich geht es auch um Geld und verfügbare Fördergelder. Daran scheitern ja in Leipzig derzeit noch dutzende Lösungen für ein besseres Radwegenetz. Solche Förderung durch den Freistaat solle man für die Route Lindenau–Innenstadt zumindest in Betracht ziehen, meint Christian Schulze: „Bei der städtischen Prüfung soll an die Machbarkeitsstudien des Freistaates für Radschnellwege angeknüpft werden.“

Noch ist die Forderung nicht zu einem Antrag geronnen. Vielleicht behält sich das die neu gewählte SPD-Fraktion vor. Die August-Sitzung wird ja noch der alte Stadtrat absolvieren.

Wie kommt man mit dem Rad zum Cottaweg, wenn der Straßenraum so alternativlos verbaut ist?

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