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Ortschaftsrat Holzhausen legt ein ganzes Antragspaket zu ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor

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    Wenn es so weitergeht mit dem Nahverkehrsplan, den die Stadtverwaltung im September endlich mit dreijähriger Verspätung vorgelegt hat, dann kann es passieren, dass die Stadträte im zeitweilig beratenden Ausschuss Verkehr und Mobilität, der am 21. November wieder tagt, das ganze Papier zur Komplettüberarbeitung in die Verwaltung zurückverweisen. Denn der Nahverkehrsplan erfüllt nicht wirklich die Ziele des vor einem Jahr beschlossenen „Nachhaltigkeitsszenarios“. Und er behandelt die Ortsteile am Stadtrand wahrlich stiefmütterlich.

    Das belegten schon Änderungsanträge zu Knautnaundorf, Liebertwolkwitz, Lindenthal und Anger-Crottendorf. Jetzt hat auch der Ortschaftsrat von Holzhausen eine Mängelliste formuliert, die im Grunde eine einzige Unmutsbekundung zum bestehenden Nahverkehrsangebot in diesem 1999 eingemeindeten Ortsteil ist.

    „Der Stadtteil Holzhausen ist aus der Stadtmitte insbesondere über die Buslinie 74 zu erreichen. Ungefähr ein Drittel des Ortsteils Holzhausens werden von diesem Bus nicht angefahren, was durch eine Änderung der Streckenführung bzw. die Einrichtung weiterer Haltepunkte kostengünstig geändert werden könnte“, stellt der Ortschaftsrat in seinem Änderungsantrag fest.

    „Die Buslinie 172 streift Holzhausen nur am äußersten südöstlichen Ende, ist aber Zubringer für die Holzhausener Schulkinder der Mittelschule Liebertwolkwitz und des Gymnasiums Engelsdorf. Im Hinblick auf die Ziele des beschlossenen Nachhaltigkeitsszenarios sollte durch eine Erhöhung der Taktfrequenz dieses Busses vermieden werden, dass Kinder per Auto in die Schule gebracht bzw. von dieser geholt werden (müssen), wenn sie auch nur einen einzigen Bus verpassen.“

    Und selbst das Fehlen einer Straßenbahnanbindung wird moniert: „Um die Anbindung des südlichen Teils Holzhausens an den ÖPNV zu verbessern, wäre die Verlängerung der Straßenbahnlinie 15 erforderlich, gegebenenfalls bis nach Liebertwolkwitz. Hier könnte man auf ,freiem Feld‘ einen P&R-Parkplatz errichten, um den Pendlerverkehr an der Stadtgrenze abzufangen, die Prager Straße entlasten und die Schadstoffbelastung weiter zu reduzieren. Der P&R-Parkplatz am Völkerschlachtdenkmal ist in Hinblick auf die Verkehrsströmungen aus dem Leipziger Umland nicht mehr zeit- und umweltschutzgemäß.“

    Holzhausen war zumindest am Rande Thema, als über eine mögliche Straßenbahnverlängerung bis zum Herzzentrum in Probstheida diskutiert wurde. Doch das verlief sich ja bekanntlich, weil das Klinikum nicht wirklich Geld in eine Straßenbahnanbindung investieren wollte.

    Das Wort „Randlage“ taucht im Änderungsantrag zwar nicht auf. Aber der lückenhafte Nahverkehr ist ja nicht das einzige Problem im 6.400-Einwohner-Ortsteil. Beim Rad- und Fußverkehr fühlt man sich auch irgendwie in der Zeitschleife hängengeblieben.

    „Der parallel zur Stötteritzer Landstraße verlaufende Radweg ist aufgrund der Baufälligkeit der Asphaltdecke nicht verkehrssicher. Durch die stellenweise marode Deckschicht und durch den ungepflegten Bewuchs entsteht eine erhöhte Unfallgefahr“, stellt der Ortschaftsrat fest.

    „Des Weiteren erreicht man durch diesen Radweg unter anderem das Einkaufszentrum Kolmstraße/Holzhäuser Straße in Stötteritz direkt und die Wendestelle der Straßenbahnlinie 4, diese Möglichkeit wird auch von vielen Bürgerinnen und Bürgern genutzt. Diese Strömungen in Richtung Einzelhandel bzw. Anbindung an die Straßenbahnlinie würde deutlich gefördert werden, wenn dieser Radweg in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt werden würde.“

    Und nicht nur dieser Radweg nach Stötteritz ist ein Problem. Denn manche Holzhausener fahren ja auch zum nahen Bahnhof, um umweltfreundlich in die Leipziger City zu kommen: „Über den in der Ortslage südöstlich gelegenen Haltepunkt Holzhausen erreicht man stündlich innerhalb von 15 Minuten den Leipziger Hauptbahnhof. Aufgrund der flächenmäßigen Ausdehnung Holzhausens nutzen viele Bürgerinnen und Bürger ihr Fahrrad, um diesen Zug (MRB 113) zu benutzen. Da jegliche Abstell- und Sicherungsmöglichkeiten fehlen, werden die Fahrräder zum Teil an die Absperreinrichtungen angeschlossen. Die Aufstellung von 5 bis 10 Fahrradbügeln würde hier Abhilfe schaffen.“

    Und auch der Fußverkehr könnte, so der Ortschaftsrat, mit ein paar kleinen Änderungen deutlich sicherer werden.

    „Die Kärrnerstraße stellt in Höhe des Wohngebietes ,Sophienhöhe‘ eine ständige Herausforderung für querende Fußgängerinnen dar. Erschwerend kommt dazu, dass dort die Endhaltestelle der Buslinie 74 auf der anderen Straßenseite liegt. Zur Entschärfung der vorliegenden Situation wären folgende Maßnahmen sinnvoll:

    – Errichtung einer Tempo-30-Zone im Bereich der beiden äußeren Zufahrten des Walter-Markov-Rings

    – Errichtung einer breiten Bodenschwelle auf Höhe der Bushaltestelle in Verbindung mit dem nachfolgenden Fußgängerüberweg

    – Errichtung eines Fußgängerüberwegs (,Zebrastreifen‘) alternativ mit einer stillen Ampel, wenn eine Bodenschwelle nicht umsetzbar ist, und zwar auf Höhe der Bushaltestelle“

    Lauter einfache Dinge, die signalisieren könnten, dass es die große Stadt mit dem umweltfreundlichen Verkehr wirklich ernst meint und dass die Verwaltung auch über die dichten Verkehrslagen im Stadtinneren hinausdenkt und die vor 20 Jahren eingemeindeten Ortsteile wirklich als Teile der Stadt begreift und nicht als „Randlage“, wo nichts los ist. Das Gegenteil ist der Fall, denn viele Leipziger, denen es im Stadtinneren zu laut und zu hektisch ist, sind ja extra in die Dörfer am Rand gezogen, würden aber ebenso gern weiter mit Bus, Rad oder gar Straßenbahn fahren, wenn die Angebote nur alltagstauglich wären.

    Ein paar Vorschläge aus Holzhausen im Detail:

    Erhöhung der Taktfrequenz der Buslinie 74 in den Zeiten zwischen 06:30 und 08:30 Uhr sowie zwischen 16:00 und 18:00 Uhr wochentags

    – Erhöhung der Taktfrequenz der Buslinie 172 in den Zeiten zwischen 06:00 und 08:00 Uhr sowie zwischen 16:00 und 18:00 Uhr wochentags

    – Verbesserung der Busanbindung (Linie 74) einzelner Gebiete Holzhausens (ehemalige Gemeinde Zuk-kelhausen)

    – Verlängerung der Straßenbahnlinie 15 bis nach Liebertwolkwitz vor 2024, dort Einrichtung einer P&R – Parkfläche

    – Sanierung des Radweges entlang der Stötteritzer Landstraße bis zur Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 4

    – Einrichtung eines Fahrradparkplatzes/Aufstellung von Fahrradbügeln am Bahnhaltepunkt Holzhausen

    – Einrichtung einer Fußgängerampel/eines Zebrastreifens auf der Kärrnerstraße in Höhe des Einkaufsparks Sophienhöhe

    Auch in Hartmannsdorf und Knautnaundorf hat man das dumme Gefühl, für Leipzig nur Randlage zu sein

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      6 KOMMENTARE

      1. Die Situation für Radfahrer ist in Holzhausen, aber auch den anderen Orten/Stadtteilen im Osten Leipzigs wirklich garstig. Man fährt da wirklich nicht gern lang, aber die Leute, die da wohnen, können diesem unleidigem Zustand ja nicht entkommen. Dort mit dem Rad zu fahren fühlt sich an, wie auf stark befahrenen Straßen an den Rand gedrängt zu sein und sich dort mühsam aus der Stadt heraus oder sich in die Stadt hinein zu kämpfen. Besonders übel ist es immer, wenn irgendwo eine Autobahnbrücke saniert wird. Dann heißt es: viel Spaß mit dem Fahrrad beim über-den-Acker gurken. Ich gurke notfalls auch mal mit dem Rad über den Acker, verstehe aber, dass es die Menschen abschreckt und sie nicht gern das Rad nehmen, um in die Stadt zu fahren. Ich wünsche dem Ortschaftsrat viel Glück, es kann nur besser werden.

      2. Hm. Genau zu dieser Problematik hatte ich am 30.10. schon einen Kommentar verfasst…:

        „Ja, alle eingemeindeten Stadtteile sollen und müssen eine vernünftige Anbindung zum ÖPNV besitzen.
        Ansonsten wird eine „Stadtmitgliedschaft“ ad absurdum geführt. Schlechte Beispiele: Eingemeinden, und dann links liegen lassen.
        Regelmäßige Anbindungen sind Pflicht!

        Ich verzeichne aber immer öfter einen Trend, aus der Stadt in die ruhigen Speckgürtel oder Randlagen der Stadt zu ziehen, um von dort aus mit dem Auto zu allem in die Stadt zu fahren und auch sonstige „Stadtvorteile abzugreifen“. Und da ist meist nicht nur ‚ein‘ Auto pro Haushalt im Spiel.
        Sollen wir dort noch einen Tram-Anschluss vor die Tür legen?
        Werden jene dann auf den ÖPNV umsteigen?

        Ich denke, eine wesentlich verbesserte ÖPNV-Anbindung muss auch mit einer Reduzierung des privaten Autoverkehrs innerhalb des Stadtgebietes einhergehen;
        wesentlich konsequenter muss gehandelt werden!
        Beispielsweise keine privaten Automobile in der Innenstadt!
        Eine Bundesstraße hat mitten in der Stadt nichts zu suchen!“

        Sagen wir mal so:
        In der Stadt muss man mit richtig gutem ÖPNV rechnen dürfen.
        Am Stadtrand mit normaler Anbindung.

      3. Hm: Selbst schuld, daß ihr da raus gezogen seid, ihr habt einen besseren ÖPNV nicht verdient!
        Selbst wenn das auf einen gewissen Teil der Bewohner zutrifft, wird der Rest dann nicht in Mithaftung genommen? Ebenso wie die Bewohner im Zentrum, die dann mit Pkw-Staus, -lärm und -dreck der Pendler leben müssen?

      4. „Das Gegenteil ist der Fall, denn viele Leipziger, denen es im Stadtinneren zu laut und zu hektisch ist, sind ja extra in die Dörfer am Rand gezogen, würden aber ebenso gern weiter mit Bus, Rad oder gar Straßenbahn fahren, wenn die Angebote nur alltagstauglich wären.“

        Das wiederum ist aber Vollkasko-Mentalität!
        Prinzipiell bin ich natürlich trotzdem für eine wesentlich stärkeren Ausbau des ÖPNV.

      5. Der Nahverkehrsplan behandelt nicht nur Ortsteile am Stadtrand stiefmütterlich, sondern den ganzen ÖPNV. Ein Nachhaltigkeitsszenario ist das vielleicht für kurzsichtige schwarze Nullen.

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