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10.000 E-Autos bis 2025: Reicht das Leipziger Ladeinfrastrukturkonzept überhaupt aus?

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    Wie schnell geht das eigentlich mit dem Umstieg auf Elektromobilität? Kann man das planen? Oder hätte man das lieber planen sollen? Auch Leipzig hat sich jahrelang schwergetan mit dem Thema. Auch hier kam erst 2020 ein bisschen Druck auf die Kombüse und das Wirtschaftsdezernat legte erstmals ein „Ladeinfrastrukturkonzept für die Stadt Leipzig“ vor. Das aktuell gerade umgesetzt wird. Danach haben die Grünen jetzt vorsichtshalber gefragt.

    In diesem 2020 vorgelegten Konzept hatte das Wirtschaftsdezernat versucht, einigermaßen verlässlich zu prognostizieren, wie viele E-Autos 2025 in Leipzig registriert sein werden und dementsprechend auch eine leicht verfügbare Ladeinfrastruktur brauchen.Ergebnis: „Für Leipzig ergibt sich beim Markthochlaufszenario ‚Trend‘ kalkulatorisch ein Ausbaubedarf von ca. 1.350 Ladepunkten verteilt auf ca. 400 Standorte. Bei den Standorten wurde differenziert zwischen straßenbegleitenden öffentlichen Ladestationen, Stellplatzanlagen und intermodalen Verknüpfungspunkten.“

    Diese Zahl griff die Grünen-Fraktion jetzt auf, um genaueres über die Umsetzung zu erfahren, da sich ja im Corona-Jahr die Nachrichten mehrten, dass die Deutschen immer mehr Elektro-Autos kaufen. Irgendwie scheint das Corona-Jahr so eine Art Durchbruch gebracht zu haben, auch wenn es im Detail dann dennoch seltsam aussieht, denn die meisten der gekauften Elektro-Pkw sind nach wie vor Hybridfahrzeuge, haben also die Batterie nur zusätzlich zum Verbrennermotor.

    „Im Ladeinfrastrukturkonzept von 2020 (VI-DS-03289-NF-02-Ifo-05) wird im Trendszenario für das zweite Quartal 2025 ein Bestand von 10.206 E-Fahrzeugen in der Stadt Leipzig prognostiziert“, stellten die Grünen fest.

    „Das Planungstool weist dafür einen Bedarf von 816 Ladesäulen und 1.632 Ladepunkten aus. Von dieser Anzahl der Ladepunkte werden 92 für intermodale Verknüpfungspunkte, 494 für Stellplatzanlagen und 1.046 für das übrige Stadtgebiet ausgewiesen. Der größte Bedarf an Ladesäulen besteht nach dieser Berechnung in der Innenstadt, in Stadtgebieten mit hoher Mehrfamilienhausdichte sowie an großen Einkaufszentren (Sachsen-Park, Löwen-Park, Paunsdorf-Center). Im Stadtgebiet sind Stand 01.04.2020 bereits 217 öffentlich zugängliche Ladepunkte vorhanden. Somit besteht bis 2. Quartal 2025 noch ein Bedarf von 1.388 Ladepunkten …“

    Was an Ladeinfrastruktur noch fehlt. Grafik: Stadt Leipzig, Wirtschaftsdezernat
    Was an Ladeinfrastruktur noch fehlt. Grafik: Stadt Leipzig, Wirtschaftsdezernat

    Reicht das tatsächlich, oder kommt jetzt der Verkauf von E-Autos auch in Leipzig so in Schwung, dass das vorgelegte Ausbaukonzept gar nicht reicht?

    Das Wirtschaftsdezernat kann jetzt zumindest auf die vorliegenden Zahlen zum Jahreswechsel verweisen, die aktuellsten, die für Leipzig vorliegenden: „In Leipzig sind zum 01.01.2021 1.358 Elektro-Pkw und 5.772 Hybrid-Pkw, davon 1.136 Plug-In-Hybrid zugelassen. Somit sind 2.495 Fahrzeuge zu Beginn des Jahres 2021 auf Ladeinfrastruktur angewiesen gewesen. Dies entspricht einem sehr hohen Anstieg zum Vorjahr um rund 80 %. Zum Zeitpunkt 01.01.2021 sind zudem 70 Elektro-Nutzfahrzeuge und 14 Hybrid-Nutzfahrzeuge gemeldet. Der höchste Bestand an Elektro-Nutzfahrzeugen (13 Stück) wird in Neulindenau verzeichnet.“

    Und wie alle Meldungen aus der Kraftfahrzeugbranche zeigen, ist der Trend 2021 nicht abgerissen. Tatsächlich ist mittlerweile jeder vierte verkaufte Pkw in Deutschland ein Elektroauto, womit die Antriebsart E-Motor den Dieselmotor überholt hat. Es kann also passieren, dass Leipzig beim Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht schnell genug ist.

    Aber wo steht Leipzig beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, wollten die Grünen wissen.

    „Die Stadtverwaltung hat im letzten Jahr einen Prozess für die Beantragung von Ladeinfrastruktur entwickelt, um das Verfahren zu vereinheitlichen. Nächstes Ziel wird es sein, die Beantragung und Bearbeitung zu digitalisieren. Dies ist im Besonderen dadurch notwendig, weil die Zahl der Ladestationen mit dem wachsenden E-Fahrzeug-Markt mithalten soll“, teilt das Wirtschaftsdezernat mit.

    Aber auch: „Eine Planung zum Ausbau der Ladeinfrastruktur besteht aktuell nicht, da der Aufbau den am Markt agierenden Unternehmen offensteht. Die Stadtverwaltung steht aber mit mehreren interessierten Unternehmen dazu im Austausch, damit weitere Ladestationen in diesem und den folgenden Jahren bedarfsgerecht errichtet werden können.“

    Aber wenn nicht genug solcher Ladeplätze zur Verfügung stehen und auch auf dem Grundstück des E-Auto-Besitzers keine Ladestation existiert, entsteht ein Problem. Dann – so nahmen die Grünen an – könnten manche Autobesitzer animiert sein, das Ladekabel durchs Kellerfenster zum Auto zu legen und damit dann vom Ordnungsamt abgestraft zu werden. Denn dafür braucht man eine Sondererlaubnis.

    Registriert worden sei dergleichen in Leipzig noch nicht, erwidert die Verwaltung. Aber erlaubt ist es in dem Sinne auch nicht: „Grundsätzlich würde man bei solchen Sachverhalten von einer Sondernutzung ausgehen, die allerdings nicht erlaubnisfähig wäre. Das Ladeinfrastrukturkonzept stellt ausdrücklich auf den Ausbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur oder deren Errichtung auf privaten Grundstücken und damit auf deren Nutzung ab. Die in der Fragestellung beschriebene Ladeform ist im Konzept nicht vorgesehen. Sollten durch die Außendiensteinheiten des Ordnungsamtes derartige Feststellungen getroffen werden, erfolgt mittels Feststellungsprotokoll eine Information an das Verkehrs- und Tiefbauamt zur entsprechenden Einzelfallprüfung und Entscheidung.“

    Da deuten sich so einige Konflikte an, gerade in den vom Wirtschaftsdezernat besonders hervorgehobenen Stadtvierteln mit Geschossbebauung, wo heute schon der Platz für geparkte Autos fehlt, wo es also denkbar schwer werden wird, auch noch Ladeplätze für E-Autos unterzubringen. Außer man hat das Glück in einem Haus zu wohnen, für das der Eigentümer eine geförderte Ladestation beantragt hat.

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      2 KOMMENTARE

      1. Die Alternativen sind meistens jedoch nur in der Innenstadt und im innenstadtnahen Bereich zu finden.
        Klar, privatwirtschaftlich lohnt sich das in den Randbereich nicht. Dabei wäre dort, schon auf Grund weiterer Wege zu alltäglichen Erledigungen, ein größerer Hebel im Sinne der Umwelt zu erzielen. Im innenstadtnahen Bereich kann man vieles ja sogar zu Fuß in angemessener Zeit erreichen.

      2. Liebes LZ Team,

        danke für die detaillierte Berichterstattung zum Thema. Da zeichnet sich schon ein anderes Bild, als bei eurem letzten Artikel (ca. 10.000 E-Autos).

        Ziel sollte aber sein, dass die Leute gar kein eigenes Auto mehr besitzen. Ich denke, da ist in der Stadt schon einiges an Alternativen vorhanden, z. B. e-Moped Sharing. Nichts desto trotz sollte in diesem Bereich nachgelegt werden.

        Bedarf sehe ich außerdem vor allem beim weiteren Ausbau der Radwege. Der Zustand, die Verkehrsführung sind nicht immer „gut“ ;-).

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