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Appell an die neue Bundesregierung: ADFC und FUSS e. V. fordern Tempo 30

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    Was wurde hier nicht schon darüber diskutiert, welche guten oder schlechten Folgen ein flächendeckendes Tempo 30 in Städten wie Leipzig hätte. Es ist eine Diskussion mit einem Denkfehler, nämlich dem, dass modernes Leben und Arbeiten ohne Auto nicht denkbar ist. Seit über 60 Jahren wurden unsere Städte „autogerecht“ umgebaut. Parallel zur Entfesselung der CO2-Emissionen. Dabei müssen wir unser Denken ändern. Auch über ein Tempolimit von 30.

    Denn genau das – ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern innerorts – fordern der Fahrradclub ADFC und der Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e. V. gemeinsam von der zukünftigen Bundesregierung. Dafür spreche vor allem die enorme Erhöhung der Verkehrssicherheit und der Lebensqualität in Städten und Dörfern. Bisher verhindert das in Deutschland die Straßenverkehrs-Ordnung.Denn über Lebensqualität wird fast gar nicht diskutiert. Obwohl sie sogar direkt mit Klimagerechtigkeit und Umweltverträglichkeit unserer Städte zusammenhängt.

    „Tempo 30 kostet wenig und ist schnell und einfach umsetzbar – und der Gewinn ist riesig“, sagt ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider.

    „Die Menschen in Städten und Orten können aufatmen, es wird leiser. Der entschleunigte Autoverkehr erspart uns Stau und Stress und ermöglicht es dem klimafreundlichen Verkehr, zügiger ans Ziel zu kommen. Und alle sind sich einig: Niemand will, dass Menschen auf den Straßen sterben oder schwer verletzt werden. Das fällt aber nicht vom Himmel, wir müssen Verkehrssicherheit durch Entscheidungen aktiv herbeiführen. Tempo 30 rettet Menschenleben und ist der Schlüssel zu mehr Sicherheit und Klimaschutz im Verkehr.“

    Denn der Verkehr trägt zu einem Viertel auch zu den CO2-Emissionen in Deutschland und Sachsen bei. Und während die Industrie ihre Emissionen sogar senken konnte, ist der CO2-Ausstoß im Verkehr sogar gewachsen – parallel zu den angemeldeten Kraftfahrzeugen in einer Stadt wie Leipzig.

    Und auch die Leipziger haben sich größtenteils eben keine sparsameren Autos gekauft, sondern größere. Aus dem Familienauto wurde ein SUV, der mehr Tonnage bewegen muss und entsprechend mehr Sprit schluckt. Die Verbesserung der Motoreffizienz wird von wachsendem Gewicht aufgefressen.

    Und so verschlingen die Autos auch immer mehr Stadtraum, nehmen Platz in Anspruch, der allen anderen Verkehrsteilnehmern verloren geht. Selbst überlebensnotwendiger Platz an Kreuzungen und auf Radwegen. Allein die geparkten Blechkarawanen erwecken den Eindruck, der motorisierte Individualverkehr wäre die primäre Fortbewegungsart.

    Obwohl das so nicht wirklich zutrifft. Denn Fußgänger und Radfahrer nehmen schlicht nicht so viel Verkehrsraum in Anspruch.

    „Auf vielen städtischen Straßen sind mehr Menschen zu Fuß und auf dem Rad unterwegs als im Auto“, sagt Roland Stimpel, Vorstand von FUSS e. V.

    „Die umweltschonende Mehrheit gewinnt durch Tempo 30 Sicherheit und kann zügiger Fahrbahnen kreuzen. Bei Tempo 30 kommt ein Auto schon nach etwa 13 Metern zu stehen, wenn zum Beispiel ein Kind zu Fuß oder zu Rad die Fahrbahn quert. Bei Tempo 50 hält es erst nach 27 Metern an. Viele heutige Unfälle passieren also bei Tempo 30 gar nicht erst. Für Autofahrer ist dagegen der Zeitverlust gering: Auf einer 300-Meter-Strecke zwischen zwei Ampeln braucht man nicht einmal 15 Sekunden länger – und der Autoverkehr wird insgesamt gleichmäßiger, flüssiger, damit energiesparend und leiser.“

    ADFC und FUSS e. V.: Gute Gründe für Tempo 30

    Nicht nur der kürzere Bremsweg trägt zur deutlichen Verbesserung der Sicherheit bei Tempo 30 bei. Bei niedrigen Geschwindigkeiten können Autofahrer/-innen das Geschehen auf der Straße besser überblicken und haben mehr Zeit, auf Gefahren zu reagieren. Tempo 30 erhöht die Sicherheit der ungeschützten Verkehrsteilnehmer/-innen, die besonders häufig bei Unfällen verletzt oder getötet werden.

    Viele Menschen fühlen sich zu Fuß und auf dem Rad von schnellem Autoverkehr bedroht. Wenn Autos langsamer fahren müssen, würden die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel automatisch attraktiver – mehr Menschen entscheiden sich dann gern, ihre täglichen Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen.

    Jede Autofahrt, die verlagert wird, trägt wiederum zum Klimaschutz bei und erhöht die Lebensqualität in den Städten. Zudem fühlen sich drei Viertel der Menschen vom Lärm durch Straßenverkehr belästigt, und der kann krank machen. Tempo 30 verringert den empfundenen Lärmpegel deutlich, darauf weist das Umweltbundesamt hin.

    Viele Städte in Europa machen es vor

    In Frankreich haben bereits rund 200 Städte Tempo 30 als Standard eingeführt, darunter Paris, Lille und Grenoble. Dort seien die tödlichen Verkehrsunfälle um 70 Prozent zurückgegangen, berichten französische Medien. In Spanien gilt die Regel seit einigen Monaten für alle Ortschaften.

    Die Weltgesundheitsorganisation fordert Tempo 30 ebenso wie viele große Städte in Deutschland. Daher fordern ADFC und FUSS e. V. die zukünftige Bundesregierung auf, möglichst schnell Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in die Straßenverkehrs-Ordnung aufzunehmen, mit Ausnahmemöglichkeit für einzelne Hauptverkehrsstraßen.

    Auf 30kmh.de hat FUSS e. V. alle Aspekte von Tempo 30 behandelt.

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