L-IZ.de allein zu Haus? Online-Medien im Wandel

Für alle LeserLVZ Online will über Leipzig zukünftig aus Hannover schreiben. So zumindest könnte man die im April bekanntgewordenen Pläne des Madsack Verlages deuten. Als der 85-prozentige Haupt-Inhaber der LVZ, der Madsack-Verlag, 2013 sein Umbauprogramm „Madsack 2018“ vorstellte, betonte das Hannover Unternehmen mehrfach und bis heute den Wert der „lokalen und regionalen Berichterstattung“.
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Auf welche sich die Journalisten vor Ort besser konzentrieren könnten, wenn man überregional Aufgaben stärker bündeln würde. Die redaktionelle Bündelung nannte man „RND“, das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Eine Abkürzung, die frühzeitig Journalisten in Leipzig unter der Hand in „ReichsNachrichtenDienst“ verballhornten. Nun bekommt der Name langsam eine Form: Im Onlinebereich der LVZ wird wohl auch in Leipzig eher personell abgebaut, während man in der Zentrale Hannover 70 Online-Stellen offeriert.

So sollen nach Planungen des Verlages angeblich an den lokalen Standorten noch ein Chef vom Dienst (CvD) und sicher ein paar freie Mitarbeiter verbleiben.

Neben den Angaben des Verlages selbst und bereits erschienener Stellenanzeigen legt ein anonymer Brief an unsere Redaktion nahe, dass es in der Tat um eine teilweise Verlagerung von redaktioneller Arbeit geht. Der anonyme Briefschreiber ist besorgt und dies wohl ganz zu Recht, wie sich am 4. April unter anderem durch den Artikel „Scheinriese mit Sparvorgabe“ über die Pläne beim „RND“ von Lars Radau für die Aprilausgabe des Fachmagazins „Journalist“ herausstellte.

Im Brief an unsere Redaktion heißt es zur Zukunft der LVZ Online-Ausgabe über die zwei Termine für die Mitarbeiter der LVZ am 2. März 2018 „dass der redaktionelle Online-Bereich in Leipzig (aber wohl auch an den Madsack-Standorten) vor Veränderungen/Auflösung steht. Dazu erläuterte Herr Büchner (RND) die Schritte, die unter anderem eine Stärkung des RND-Bereiches vorsehen. Was ja keiner bis dato so offen sagte: Mit der Stärkung des zentralen RND geht ein Abbau an lokaler Stelle einher.“

Eine Einschätzung, die auch die norddeutschen Vertreter des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) teilen. Direkt in der Folge auf den verlagsinternen Termin am 2. März 2018 heißt es seitens der Interessenvertretung für Journalisten:

„Insgesamt geht es um elf Online-Redaktionen, die in Hannover  konzentriert werden sollen. Zur Madsack Mediengruppe gehören noch weitere Regionalzeitungen in Niedersachsen, Sachsen und Brandenburg. Bislang arbeiten in den Online-Redaktionen aller Blätter vor Ort 45 Journalistinnen und Journalisten. Wie Madsack-Chef Thomas Düffert am Donnerstag vor dem Konzernbetriebsrat der Mediengruppe erläuterte, sollen es künftig nur noch acht sein: In den einzelnen Häusern soll für das Digitale jeweils nur die Position eines Chefs vom Dienst verbleiben, die eigentliche Arbeit aber im Wesentlichen in Hannover gemacht werden.“

Überregionales Portal RND?

Die Expansion im nationalen Bereich der Berichterstattung ließ so manchen in der Branche mutmaßten, Madsack könnte mit RND versuchen, Online-Platzhirsche wie Spiegel Online oder BILD zu attackieren – angesichts der bekannten Zahlen ein sehr weiter Weg. Während Spiegel Online auf 250,5 Millionen Besuche im Monat kommt, sind es bei allen unter RND versammelten Angeboten laut IVW-Prüfung gerade einmal 23,7 Millionen (3/2018). Gesamt maßen die Prüfer 8,27 Milliarden Besuche auf allen gelisteten Angeboten.

Apropos Zusammenfassung – bei den Reichweitenzählern der IVW sind bereits Mitte des vergangenen Jahres alle führenden Onlineseiten des Verlages (unter anderem HAZ.de, LVZ.de, DNN.de und andere) unter dem Dach rnd-news.de zusammengefasst worden und werden nun nicht mehr in einzelnen Detailzahlen angegeben.

Da die LVZ Online mit rund 2,3 Millionen Visits im Monat (unter Einbezug der DNN.de) als das stärkste Webangebot gleichauf mit der Hannoverschen Allgemeinen HAZ.de gilt, hat Leipzig zwar noch immer gute Chancen, etwas besser als andere Online-Redaktionen behandelt zu werden. Doch der Kurs weg vom Lokalen ist damit im Onlinebereich wohl gesetzt. Wo die Kollegen vor Ort fehlen, kommen eher weniger zu Orts-Terminen.

Ökonomisch gesehen ein nachvollziehbarer Schritt, personalintensive Arbeiten vor Ort zurückzufahren und auf überregionale Reichweiten zu setzen. Lokale Angebote ringen alle auf kleinem Raum um Abonnenten – oft eher wenig erfolgreich. Bleibt dennoch die Frage, wer zukünftig Lokaljournalismus bezahlen will und wo man ihn im (Leipziger) Netz noch bekommt.

Die Leipziger Zeitung Nr. 54 ist da: Schärfere Polizeigesetze ersetzen keinen aufrechten Gang

 

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