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Nächster Umweltskandal in Westsachsen: Anlage Pohritzsch verseucht Umgebung

Redaktion
Wieder einmal macht in Sachen Umweltschlamperei der Landkreis Nordsachsen von sich Reden. Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) haben ergeben, dass Cadmium und Blei die Böden in den Wohngebieten um die Abfallbehandlungsanlage Pohritzsch verseuchen.


Dies haben Bodenproben einer von der DUH beauftragten Detektei ergeben. Dabei ist die Behandlungsanlage an der Grenze zu Sachsen nicht zum ersten Mal im Fokus. "Bereits im Februar 2008 habe ich den damaligen Umweltminister Roland Wöller zur Umwelt- und Gesundheitsgefahr im Umfeld der Abfallbehandlungsanlage Pohritzsch befragt", kommentiert Johannes Lichdi, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, den Vorgang. "Doch er hat mit der Begründung abgewiegelt, dass keine Anwohnerproteste vorlägen und auch das zuständige Regierungspräsidium Leipzig keinerlei 'Beanstandungen' festgestellt habe."

Auf eine zweite Anfrage zum Thema im April 2008 erhielt Johannes Lichdi eine gleichlautende Antwort (Drs. 4/11299, Frage 3 mit Verweis auf Frage 2, und Drs. 4/11952, Frage 5 verweist auf eben diese Antworten in 11299).


„Offensichtlich kommen die sächsischen Umweltbehörden ihrer Kontrollpflicht bei der Abfallwirtschaft nicht mehr nach. Augenscheinlich haben sie keinerlei Interesse am Gesundheitszustand betroffener Bürgerinnen und Bürger", schlussfolgert Johannes Lichdi nach den jetzt bekannt gewordenen Untersuchungsergebnissen der DUH.

Die Ergebnisse seien beängstigend: Bei Cadmium wurde eine elffache, bei Blei eine sechsfache Grenzwertüberschreitung festgestellt. Unklar sei, ob auch Dioxine freigesetzt worden sind. Diese sind, so Lichdi, in den Abfällen, die in der Anlage verarbeitet werden, enthalten.

„Ich fordere die Staatsregierung auf, schleunigst eine Untersuchung der Umgebung und des Geländes der Anlage in Pohritzsch durch die Gesundheits- und Polizeibehörden zu veranlassen. Wir brauchen Klarheit über die Art der ausgetretenen Staubbelastung. Zudem müssen sofort Maßnahmen ergriffen werden, die den weiteren Austritt von giftigen Stäuben verhindern", sagt er. „Die Anwohner müssen davor gewarnt werden, eventuell Gemüse und Obst aus ihren Gärten zu essen."

Die Deutsche Umwelthilfe war von besorgten Bürgern auf die Staubbelastung durch die Abfallimmobilisierungsanlage in Pohritzsch aufmerksam gemacht worden. Sie hat in einem langen und zähen Schriftverkehr die Behörden aufgefordert, Staubproben in der Anlage und dessen Umgebung zu analysieren. Doch diese haben völlig unzureichend reagiert. Am Ende nahm der Umweltverband DUH im Umfeld der Immobilisierungsanlage Proben und ließ sie von einem zertifizierten Labor analysieren.

„Es ist unfassbar, dass Umweltverbände und Bürgerinitiativen immer erst Labore und Detektive engagieren müssen, damit die sächsischen Behörden überhaupt tätig werden", stellt Lichdi fest.

Der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen liegen Informationen zu den Abfällen vor, die in der Abfallbehandlungsanlage in Pohritzsch bearbeitet werden. Darunter sind auch Kesselstäube der Müllverbrennungsanlagen in Leuna und Magdeburg sowie Schwermetallabfälle und Filterkuchen aus Italien und der VOEST Alpine GmbH in Linz.

Die S.D.R. Biotec betreibt in Pohritzsch inmitten einer Obstplantage eine so genannte Immobilisierungsanlage, bei der die Schadstoffe im angelieferten Abfall in einem chemischen Verfahren dauerhaft gebunden werden. Entfernt werden dabei jedoch Schwermetalle wie Blei oder Nickel, aber auch Arsen nicht. Im Jahr 2007 wurden laut Umweltministerium in dem Unternehmen rund 180 000 Tonnen Abfall behandelt, der größte Teil wurde anschließend auf Deponien verbracht.

Weitere Hintergrundinformationen zu Pohritzsch:

www.muellverbrennung-delitzsch-nein.de

www.duh.de

Die Analyseergebnisse DUH:

www.gruene-fraktion-sachsen.de/fileadmin/user_upload/ua/090216_Testergebnisse_Bodenprobe_geschwaerzt_Biotec.pdf


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