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Marko auf der Insel (29): Die Schweinegrippe in Tavistock, des Dramas zweiter Teil

Marko Hofmann
Nachdem ich aus meinem nachmittäglichen Schlaf wieder erwacht war, ging es mir schlechter als zuvor. Der Druck in der Nasen- und Stirngegend war ungeheuerlich, unerklärlich und nicht zum aushalten. Das Fieberthermometer der Schulkrankenschwester brachte Gewissheit: 39,5°.


Nun hatte die Krankenschwester, Mary so ihr Name, nicht nur einen Mundschutz, sondern auch eine Schürze um. Safety first eben. Sofortmaßnahme: Raus aus der Sonne, die aufs Bett schien, und rein ins dunkle Wohnzimmer und eine Paracetamol nehmen.

Zehn Minuten später waren es immer noch 39,4°C. Die Paracetamol wirkte entweder nicht oder doch später als man denkt. Nun bekam ich einen Waschlappen gereicht mit dem ich mich selbst abkühlen sollte und zwar immer die Arme und den Nacken entlang. Auch weitere 15 Minuten später war die Körpertemperatur bei 38,6°C. Immerhin ein kleiner Grund zum durchatmen. Der Druck auf die Nase und Stirn blieb. Andere grippeähnliche Symptome hatte ich nach wie vor nicht entwickelt. Sollte dies geschehen, so wurde ich angewiesen, sollte ich umgehend Mary anrufen. Diese verließ mich nun und ging zu den anderen beiden Patienten. Diese lebten in einem 30 m² großen Zimmer mit drei Betten, einem Tisch und zwei Stühlen. Das Obergeschoss meines Internatshauses, in dem sie lagen, wurde abgeriegelt. Die Schüler, die dort wohnten, mussten das Zimmer wechseln und keiner durfte die Patienten besuchen.

Die Eltern hatten noch gestern von der Schule einen Brief erhalten, in dem die aktuelle Situation geschildert wurde. Schüler mit grippeähnlichen Symptomen hatten sich bisher noch nicht gemeldet. Dies wurde aber eigentlich erwartet, da die Kollegen noch bis Donnerstag in ihrem Internatshaus Dienst getan haben und auch beim Schultheaterstück anwesend waren. Es kursierten die wildesten Gerüchte unter den Schülern zum Gesundheitszustand der Lehrer und den weiteren Sicherheitsmaßnahmen.

Radiosender und regionale Zeitungen berichteten davon, dass am Kelly College zwei Lehrer mit Verdacht auf Schweinegrippe in Quarantäne sind. Ein Radiosender vermeldete den „people in Devon“ sogar, dass es zwei bestätigte Fälle seien. Dem war aber zu diesem Zeitpunkt nicht so. Den Herren wurde gestern Blut abgenommen und heute erst sollten die Ergebnisse kommen. Auf Nachfrage schob das Labor die Uhrzeit für die Ergebnisbekanntgabe immer weiter heraus und gab technische Probleme vor. Erst am Sonntag gab es zu, dass die Proben verloren gingen und keine Arbeit daran vollführt werden konnte. Das Warten war vergebens und neue Proben wurden genommen.

Am Abend ging es mir besser. Es gab keine weiteren Symptome und der nepalesische Mann der Krankenschwester brachte mir nepalesisches Essen. Sehr scharf. Sehr, sehr scharf. Er meinte, dass er das immer isst, wenn er Druck im Nasen- und Stirnbereich hat. Ich verstand warum. Es feuerte regelrecht durch den Zinken und löste den Schleim. So konnte ich beruhigt weiter Wimbledon sehen. Das Telefon lag immer neben mir. Auch nachts. Gebraucht habe ich es nicht.

Am Morgen dann noch einmal Fiebermessen. Das letzte Mal, denn ich hatte nur noch 36,4°C und die Quarantäne wurde sofort aufgehoben. Begründung: Ich habe keine Grippe, welche Art auch immer, sondern irgendetwas anderes. Mein Englisch hat sich zwar über das Jahr stark verbessert, aber das medizinische Vokabular habe ich nicht drauf. Mir war nur wichtig, dass ich endlich wieder raus durfte.

Am Dienstag, also vier Tage nach der ersten Blutabnahme, kamen die Ergebnisse für die zwei anderen Herren. Einer hatte Schweinegrippe, der andere nicht. Interessant war also, dass da einer fünf Tage mit einem anderen in einem Zimmer leben musste, obwohl er keine Schweinegrippe hatte, aber grippeähnliche Symptome gezeigt hatte.

Die Schule atmete am Dienstag also endlich auf. Exkursionen und Wettkämpfe konnten wieder normal stattfinden und das Thema Schweinegrippe war erstmal wieder vom Gelände verschwunden.

In den britischen Medien ist es nach wie vor am Köcheln. Bis zu 65.000 Schweinegrippe-Tote werden im Winter erwartet.


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