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Marko auf der Insel: Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
In der L-IZ schrieb Marko Hofmann über den spannenden Neubeginn des 1. FC Lok Leipzig. Dann stürzte er sich ins Lehrerstudium und landete – ganz unverhofft – im Herbst 2008 zu einem Praxissemester mitten in England. Sein Tagebuch aus einem echten Jungs-Internat hier kann man's lesen.
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Marko auf der Insel (32): Auf nach Schottland!

Marko Hofmann
Marko in der Whisky-Sammlung.
Marko in der Whisky-Sammlung.
Wehmütig packte ich am letzten Schultag meine Taschen ins Auto. Das Schuljahr war vorbei, mein Vertrag ausgelaufen und schon morgen sollte ein anderer Kollege in meine Wohnung ziehen. Es war kein Platz mehr hier für mich.

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Umso besser, dass ich schon ein neues Ziel hatte: 10 Tage Schottland. Erste Station Edinburgh. Meine Freundin hatte ich unterwegs auf dem John-Lennon-Flughafen in Liverpool eingesammelt und gemeinsam erkundeten wir die Hauptstadt der Schotten. Ein ganz nettes Fleckchen Erde, mit vielseitigen Möglichkeiten. Edinburgh Castle war recht teuer: 13 Pfund pro Person und noch einmal 3,50 Pfund extra für einen Audioguide. Dafür war unsere Fahrt im Whisky-Fass ein voller Erfolg.

Ja genau, im Whisky-Fass. Im Whisky-Museum durchfährt man wie in einer kleinen Geisterbahn einen Parcours, auf dem ein digitales Männlein auf Deutsch (oder in einer der anderen 14 Sprachen, die angeboten werden) erklärt, woraus denn Whisky vornehmlich besteht und wie er hergestellt wird. Am Ende der Tour darf man viermal Pulver schnuppern, das je für eine Whisky-Sorte steht und dann kosten. Selbst ein Anti-Alkoholiker wie ich war vom fruchtigen Geschmack des Lowland-Whiskys angetan und riskierte ein halbes Whisky-Glas. Großer Fehler! Die Gläser durfte man zwar behalten, aber geleert werden mussten sie ja trotzdem. Der Geschmack war so eklig, ich hatte aber gerade keine Yucca-Palme zur Hand, in der verglasten, angeblich größten Whisky-Sammlung Europas gab es auch keine Ecke. Am Ende kam ich mit Drachen-Rachen und leerem Glas aus dem Museum. Igitt.

Edinburgh-Castle.
Edinburgh-Castle.
Foto: Marko Hofmann
Ein Andenken hatten wir also schon, ein weiteres wollten wir noch holen. Einen Kilt. Einen Kilt kauft man in Schottland für gewöhnlich beim … Inder. Die gesamte Royal Mile, die Prachtstraße Edinburghs war souvenirtechnisch in indischer Hand. Ein turbanisierter Händler erzählte mir, wie glücklich er seit 50 Jahre in Schottland ist, weil er hier so sein kann, wie er ist und sich niemand daran stört. Einen Kilt hatte er nicht für uns. „Alles Einheitsgrößen. Entweder ganz kurz (und das war richtig kurz) oder ganz lang!“. Standardisierte Größen, die sich auch in anderen Geschäften herumtreiben, nur in einem nicht und da schlugen wir zu. Wer aber denkt, dass Kilts mehrheitlich rot und schwarz sind, der irrt. Die kann man auch in grün oder auch lila bekommen. Farbzusammenstellung und Muster hängen mit den Farben der alten Clans in den Highlands zusammen. Passend dazu kann man sich auch einen Schal kaufen. Der Handel mit Wollprodukten blüht.

Marko auf Arthur's Seat", einem 251 m hoher Hügel in Edinburgh mit Blick auf die Stadt.
Marko auf Arthur's Seat", einem 251 m hoher Hügel in Edinburgh mit Blick auf die Stadt.
Foto: Marko Hofmann
Von Verwandten bekamen wir den Tipp, mal in das Nobelrestaurant am Castle zu gehen, unsere Rechnung würden sie sogar bezahlen. Also nichts wie hin zur “Wichtery“ – der Hexerei. Dies sollte unsere zwei Tage in Edinburgh beschließen und ich hatte sogar vorher noch neue Schuhe gekauft. An einem Tisch meldeten wir uns an und der Portier bestellte per Telefon einen Kellner, der uns nicht nur abholte und zum Tisch führte, sondern uns auch die Stoffservietten auf den Schoß legte.

Leider enttäuschten wir ihn recht flott, als er mit der Weinkarte antanzte und wir ihm erklärten, dass wir keinen Wein trinken. Das Gesicht war wie versteinert. Zur Bestellungsaufnahme befragte der Kellner nur mich und um das Essen für meine Begleitung zu erfahren, fragte er mich: „Was möchte Madame?“. Ich war so perplex, dass ich das erst gar nicht mitgeschnitten hatte und noch mal nachfragen musste. Madame wollte Erbsensuppe mit “goat’s cheese“. Ich konnte Madame aber nicht hundertprozentig sagen, ob “goat“ nun der Schafsbock oder Ziegenbock ist und fragte den Kellner, der abermals dumm aus der Wäsche schaute und antwortete: „Es gibt nur einen goat“ – getreu dem Highlander-Motto “Es kann nur einen geben“. Das zweite Mal blamiert. Im Wörterbuch lasen wir später nach, dass der Ziegenbock gemeint war.

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Ein Tagebuch – direkt aus einem englischen Internat
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So bekamen wir den ersten und zweiten Gang serviert und beides waren wie erwartet überschaubare Portionen, die aber füllten. Der Herr Ober räumte die Teller ab, erkundigte sich, ob es gemundet hatte und kam kurz darauf wieder. Er sah allerdings komisch aus, mit einem goldenen Stift in der einen und einer Art goldener Teller in der anderen Hand deutete er meiner Freundin an, sich zurücklehnen. Ich fragte mich: „Was soll sie denn unterschreiben? Ich bekomme doch die Rechnung!“, meine Freundin fragte sich: „Was soll ich denn von dem Teller probieren? Der ist doch leer“. Der Kellner kehrte einfach nur den Tisch ab und alle Krümel landeten auf dem goldenen Kehrblech. Wie peinlich.

Das Himbeerparfait an Erdbeertralala beschloss unser Menü und unsere Reise durch die schottischen Highlands stand bevor – noch waren es insgesamt elf Tage auf der Insel.

Auf den Spuren eines Zauberers und einer heiligen Kirchentaube wollten wir demnächst wandern…


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