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Wave Gotik Treffen
Hilfe die Goten kommen! Nähme man den Namen des alljährlichen Treffens der Gothics ernst, müsste man so formulieren. Aber wie alles ist auch dies nur Spiel, Verkleidung und schwarzer Spaß in Leipzig. Und wie gewohnt, ist die Leipziger Internet Zeitung wie auch im vergangenen Jahr den "Schwarzen" auf der Spur, bei Konzerten vor Ort und mit den Künstlern und Gästen aus aller Welt im Gespräch.
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Leipziger Dependance der NSK lädt zu Vorträgen und Performances ein

Daniel Thalheim
Alexander Nym, Mitinitiator der NSK-Ausstellung in der Bornaischen Straße.
Alexander Nym, Mitinitiator der NSK-Ausstellung in der Bornaischen Straße.
Foto: Daniel Thalheim
Es ist die Leipziger Ausformung des 1991 gegründeten Kunst-Staats. Neue Slowenische Kunst, besser der Staat NSK Lipsk hat sich mit der Zonic-Kunst zusammen getan und in der ehemaligen Galerie Eigen + Art an der Bornaischen Straße den "Kulturny Dom Born 31" am 3. Juni unter großem Zuspruch eröffnet.

Als Alexander Nym, Herausgeber des Gothic-Prachtbandes "Schillerndes Dunkel" und des neuen Wave-Gotik-Treffens-Jubiläumsbändchens auf die an die Wand gepinnten Fotos zeigt, erzählt er, dass die Einsendungen bereits aus aller Welt stammen. "It's A Beautiful Country" heißen die imaginären und anonymen Landschaften des ersponnenen Staatsgebildes.

"NSK ist im Prinzip jeder Mensch, der sich entschließt Bürger dieses virtuellen Staates zu werden", weiß Alexander Nym gegenüber der L-IZ zu berichten. "Man muss aber unterscheiden zwischen der ursprünglichen NSK-Gruppe, also Laibach, IRWIN usw., und der Bürgerschaft. Beides ist nicht identisch, auch wenn die ersten Künstler natürlich Ausweisinhaber sind."

Gut besucht: NSK-Ausstellungseröffnung.
Gut besucht: NSK-Ausstellungseröffnung.
Foto: Daniel Thalheim
Der Staat NSK, von einem Künstlerkollektiv 1991 als Zeichen ihrer Ablehnung gegen totalitäre Systeme gegründet, vielleicht sogar als Persiflage, existiert an keinem Ort. Es gibt kein Staatsterritorium, keine Grenzen und keine Staatsoberhäupter. Jeder "Bürger" ist hier gleichberechtigter Teil des Kunstgeflechts, welches wohl eher ein gedankliches Spiel mit der Freiheit ist als mit Diktatur. Auch wenn so manches Zeichen aus verschiedenen Diktaturen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen worden und zu einem einzigen Symbol geformt sind. Solche Zeichen prangen in verschiedenen Formen und Motiven an den Wänden - schwarz-weiß. Auch ein ironisches Spiel.

Die slowenische Industrialband Laibach, das Künstlerkollektiv IRWIN und andere Künstler gründeten bereits 1984 dieses Kollektiv, das schon früh damit begann die Zeichen totalitärer Machtsysteme miteinander zu kombinieren - nationalsozialistische mit sozialistischen Symbole gemeinsam, gegenüber, gleichgesetzt. Da kann schon mal ein Skandal aufkommen. Ausstellungsmacher Alexander Nym führt die Gäste ins Büro der Leipziger NSK-Vertretung, zeigt auf die Anmeldeformulare, die man wie bei einem Visumsantrag ausfüllen kann. 25 Euro kosten sie, Mitherausgeberin von "Black Celebration", Jennifer Hoffert weiß, dass man am besten bedient ist, die Anträge vor Ort auszufüllen, dann werden diese schneller bearbeitet.

Für die Zeit der Ausstellung jedoch, kann man ein vorläufiges Visum für 2 Euro kaufen, das bis zum 13. Juli gültig ist und Zutritt zu allen Veranstaltungen in diesem Zeitraum gewährt. Über Pfingsten ist das beschauliche Hinterhofgebäude geöffnet. Schon heute am Samstagabend hält der Kulturwissenschaftler Nym einen Vortrag über das Phänomen des NSK-Staates mit dem Titel „Panorama der Staatsmaschine“. im Anschluss wird der Dokumentarfilm "Predictions Of Fire" von Michael Benson gezeigt, der die Gruppe Laibach und die von ihr ausgehende Bewegung Neue Slowenische Kunst in eindrucksvollen Bildern vorstellt.

Hat sein eigenen NSK-Pass: Alexander Nym.
Hat sein eigenen NSK-Pass: Alexander Nym.
Foto: Daniel Thalheim
Am 5. Juni zeigen Jakobine Motz und Claus Löser dann um 20 Uhr ihren Dokumentarfilm „Behauptung des Raums – Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR“, der sich mit der Entstehung und Entwicklung der EIGEN+ART und ihren Vorläufern beschäftigt, und stellen sich den Fragen des Publikums. Wieder eröffnet wird dann am 9. Juni um 19 Uhr mit der Performance "The Second Death of Reason/ Der Zweite Tod der Vernunft" von Jonathan Evans und Veronica Moto. Die ehemalige EIGEN+ART -Wirkungsstätte und die Ausstellung "S.C.L.S." kann in den darauf folgenden Tagen bis einschließlich Pfingstmontag, dem 13.06.11, jeweils von 12-19 Uhr besichtigt werden.

Der Londoner Kulturtheoretiker und NSK-Forscher Dr. Alexei Monroe wird am Freitag und Samstag (10. und 11.06.) um jeweils 14 Uhr erwartet und dann fachkundig durch die Ausstellung führen und sich den Fragen der Besucher stellen. Ansonsten kann die Ausstellung zwischen 12 und 19 Uhr besichtigt werden, und am ersten Juliwochenende vom 8. bis 10. Juli ab 19 Uhr.

Die Galerie ist ab 3. Juni für einige Tage wieder mit Leben erfüllt und soll ersten Informationen nach auch als neuer Kunstort in Connewitz erhalten bleiben. Zumindest richtet sich derzeit die Künstlergruppe Zonic dort ein, zeigt schon jetzt in der oberen Etage und im Treppenhaus eine interessante Ausstellung des australischen Industrial-Künstlers Jonathan Evans, der vor allem mit dem Projekt "Last Dominion Lost" bekannt ist. Gemeinsam mit der mexikanischen Künstlerin Veronica Moto stellt er die Performance und Videoinstallation "The Second Death of Reason/ Der Zweite Tod der Vernunft" vor. In diesem Rahmen widmet sich die slowakische Künstlerin Barbara Lamoot der Symbolik von „Landschaft in philosophischer Vorverdauung" und die rumäniendeutsche Künstlerin Bettina Tita Einblicke in die postkommunistischen (Seelen-)Landschaften einer verlorenen Heimat gibt.

Die Künstlerin Dr. Laetitia Mantis stellt Werke aus, die unterschiedliche Aspekte ihres photographischen Schaffens dokumentieren: Das Kunstprojekt „Bloody Roots“ bildet über das Mittel der Photoinstallation die Verbindung von Natur und Kultur im Thema Geburt ab. „Kutna Hora“ zeigt fotografische Eindrücke aus der berühmten Knochenkirche, die Einblicke in die morbide Schönheit der menschlichen Vergänglichkeit liefern. Über allem flattert das schwarze Banner des NSK, noch bis in den Juli hinein.

NSK Lipsk "Kulturny Dom Born 31" ist eine etwas andere Ausstellung und gar nicht anstößig, wie so mancher Gast anfangs vielleicht gedacht hat. Alexander Nym und seine Mitstreiter stehen vor Ort gerne für Fragen bereit.

NSK Online
www.nskstate.com


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