Dreizehn kleine, durchaus nachdenkliche Thriller aus dem nicht ganz so heimeligen Sachsen

Die Idee, solche Kurz-Krimi-Sammlungen zu einzelnen Ländern aufzubereiten, ist nicht neu. Der Regio-Krimi blüht landauf, landab. Und die Leser kaufen. Der Bedarf nach dem Blick in die Abgründe unserer Gesellschaft ist augenscheinlich enorm. Da wäre eigentlich für den Leipziger fhl Verlag gar keine freie Nische gewesen. Nu grade, sagten sich dann aber die dem Verlag verbundenen Krimi-Schreiber.

Das Ergebnis ist ein besonderes geworden. Nicht ohne Grund spricht der Verlag im Untertitel von Thriller. Tatsächlich merkt man schnell, dass hier der Altmeister des ostdeutschen Thrillers, Jan Flieger, einen gewissen Einfluss geübt hat. In vordenklichen Zeiten hat er sein Krimi-Leser-Publikum damit in helle Aufregung versetzt, als er einen Krimi direkt aus der finsteren Perspektive des Täters geschrieben hat. Damals ein Novum, gehört es heute zum Repertoire vieler Krimi-Autoren, denen es nicht ganz so wichtig ist, ob ein Fall nun gelöst wird und ein Rätsel gelüftet, sondern die – mal mit mehr, mal mit weniger Einfühlungsvermögen – versuchen, die Motive und Gefühlslagen der Täter zu ergründen.

Denn natürlich gilt: Das Böse ist immer und überall. Es steckt im bravsten Mitbürger und Polizisten. Denn Mord und Totschlag sind selten kalkuliert, und wenn, dann hat man es in der Regel mit durchaus krankhaften Charakteren zu tun, denen die Regeln unserer Welt am Ende egal sind, die Obsession ist alles, Mitgefühl und Mitleid kennen sie nicht. Klingt schon wieder wie ein kleiner gesellschaftlicher Ausflug, soll auch einer sein. Denn wer sich so intensiv mit den Motiven des ganz gewöhnlichen Verbrechens beschäftigt, der weiß eigentlich, dass es auch die ganz normalen Motive für alles andere sind – für Machtgelüste, Vorteilsnahmen, Korruption, Lügen, Täuschung, Erpressung, Nötigung in Politik, Kunst, Förderpolitik, Familie, Freundeskreis, Partei, Verein, Unternehmen usw.

Die klugen Polizisten wissen es auch. Und suchen nicht nach Verbrechern, wenn sie einen Fall aufklären wollen, sondern nach Motiven.

Und auch wenn diese dreizehn kurzen Geschichten alle voller Spannung sind, spielen sie allesamt genau damit. Was sich unterscheidet, sind die gewählten Erzählmuster. Das reicht von der guten alten Schauergeschichte, die Martina Arnold natürlich im Landkreis Bautzen spielen lässt (mit heulenden Wölfen im Hintergrund, wie es sich gehört), geht über die Gothic Novel (wie sie dem Leser mit Rudolf Kollhoff im schönen Görlitz begegnet (natürlich Horror-Filmreif)) bis hin zum kurzen Psychogramm, wie in Anne Mehlhorns Geschichte aus Aue, in der sie zeigt, wie ein selbst durch Drohungen in die Enge getriebener Mensch am Ende jede Kontrolle verliert und selbst zum „Monster“ wird.

Nicht die einzige Geschichte, die sich sehr sensibel für die Gemengelange im gegenwärtigen Sachsen interessiert. Was tröstlich ist: Zumindest die Krimi-Autorinnen und -Autoren wissen noch, wie schnell Menschen aus der Bahn geraten, wenn der Druck des gesellschaftlichen Umfelds zunimmt. Oder wenn sich ihr engstes Lebensumfeld als Täuschung erweist und alle Träume einer heilen Welt zusammenbrechen – wie es in Andreas M. Sturms Geschichte aus der Sächsischen Schweiz passiert. Was natürlich den eifrigen Krimi-Leser in der Einsicht bestärkt, dass man in menschlichen Bezügen nicht unbedingt damit rechnen kann, dass die Vernunft die Dinge gestaltet.

Natürlich gibt es auch den Typus der einst von Roald Dahl gepflegten makabren Geschichte, in der nun wieder die blühende Phantasie des Autors die Hauptrolle spielt. Da kommt es nicht nur auf die märchenhafte Finesse der Handlung an, sondern auch auf die Lust an der kriminellen Bosheit – was dann Frank Kreisler mal im schönen Torgau durchaus blutrünstig durchexerziert. Eine recht wilde Geschichte, die sogar ein wenig aus dem Rahmen fällt, weil sie rundum eingepackt ist von Geschichten, in denen sich die Autorinnen und Autoren auch über Dinge wie Schuld, Sühne und Rache Gedanken machen. Oft genug weht die ganz alte Geschichte mit hinein. Auch das gehört ja zu den Einsichten der Gegenwart, dass Geschichte nicht wirklich ruht und abgegolten ist, sondern als Antrieb und Motiv in Menschen weiter wirkt – erst recht, wenn sie das Gefühl haben, niemals Gerechtigkeit bekommen zu haben – so wie der Großvater in Romy Fölcks „Alte Schuld“, einer kleinen Gerichtsgeschichte aus Meißen, oder der Polizist in Stefan B. Meyers „Mein erster Mord“, Handlungsort Dresden.

In das Reich der makabren Geschichte gehören aber auch Jan Fliegers „Hass“ und Mario Schuberts „Mörderische Recherche“. Und wenn schon alle zehn Landkreise und drei Großstädte Sachsens in diesem Band zum Schauplatz werden (was dann justament die Zahl 13 ergibt), dann muss auch Leipzig drin vorkommen. Dem hat sich dann Patricia Holland Moritz gewidmet, die in diesem Fall sogar ins Reich des Polit-Thrillers gerät, in dem noch die unerlösten Gefühle der unbewältigten DDR-Vergangenheit spuken, aufs engste verquickt mit Fällen, die ziemlich deutlich an einige Fälle des „Sachsensumpfes“ erinnern. Da hat also jemand das gerade wieder eifrig verbuddelte Kapitel der jüngeren sächsischen Kriminalvergangenheit nicht ganz vergessen und lässt – quasi ersatzweise – einen Rächer mit scharfem Schuss umgehen in Leipzig. Sie inszeniert es auch hübsch mit einer falsch gelegten Spur, so dass die Leser dieser dreizehn Geschichten auch einen hübschen Einblick bekommen in die Bandbreite der Schreibweisen in diesem schon recht emsigen Kreis der fhl-Krimiautoren.

In diesem Fall haben sie auch eifrig mit Anspielungen und Hommagen gearbeitet – wobei der Leser die Vorbilder nicht unbedingt kennen muss, um trotzdem ein leichtes Frösteln zu verspüren. Denn auch wenn hier jede Menge Phantasie am Werke war („So etwas gibt es in unserem schönen Sachsen einfach nicht!“), arbeiten die meisten Autorinnen und Autoren mit durchaus plausiblen Motiven. Denn: Auch das alles gibt es in Sachsen. Oder kann es geben. Wenn die Vernunft schläft, werden die Ungeheuer geboren. Die Schicht, die den braven Bürger von seinen emotionalen Abgründen trennt, ist dünn. Wer wüsste das besser als die Kriminalpolizisten, die am Ende immer rauskriegen sollen, wer’s nun gewesen ist?

Kleiner Trost für alle, die an wirklich schwarzen Krimis gern verzweifeln: Da und dort stehen die Beamten am Ende wirklich vor der Tür und lassen die Handschellen klicken. Ein bisschen Hoffnung muss schon sein.

Andreas M. Sturm (Hrsg.) Sachsenmorde, fhl Verlag, Leipzig 2015, 12 Euro.

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