Eltern wissen das: Sind erst mal Kinder da, dann besteht die große Gefahr, dass sich bald auch noch Tiere dazugesellen. Katzen. Meerschweinchen, Mäuse. Und natürlich Hunde, diese drolligen kleinen Fellknäuel, die erst ganz süß sind und irgendwann ganz groß und brav und gehorsam, haha. Es soll Eltern geben, die ihrem Nachwuchs den Hundewunsch nicht erfüllen.

Es soll auch Eltern geben, die ihren Kindern einen Hundewunsch aufdrängen, und dann ist der Kläffer da und keiner hat Lust, die Erziehung zu übernehmen. Ist ja eh nur ein Kumpel, Freund fürs Leben und so. Davon erzählt dieses Buch indirekt – eben weil es nichts erzählt. Keine Hundeabenteuer, keine Erlebnisse mit Hund – in Anlehnung vielleicht an Tanja Székessys so warmherzig beobachtete Erlebnisse mit Kindern in ihrem Buch „3 Kinder und ein Tag“. Da wäre „3 Kinder und ein Hund“ wahrscheinlich die emotionale Steigerung gewesen.

Aber wahrscheinlich ist der Hund noch neu. Eines der drei Kinder hat einen bekommen. Und nun beginnen die kleinen Verstörungen, wenn nicht geklärt ist: Wer kümmert sich jetzt um das Tier? Und zwar richtig? – Wenn das Kind sich den Kläffer gewünscht hat, dann haben kluge Eltern ihm auch vorher gesagt, was alles für Aufgaben dranhängen an dem Wunsch. Und wenn das Kind vor lauter Vorfreude vergessen hat, dass es da ein paar Aufgaben geben wird, die man nicht einfach auf Morgen oder sonst wann verschieben kann, dann helfen manchmal auch Gardinenpredigten, Mahnungen und elterliche Rettungseinsätze nicht.

Irgendwann muss man konsequent sein.

Wenn Kinder sich Tiere wünschen, müssen sie auch lernen, dass Tiere Betreuung brauchen. Nicht unbedingt rund um die Uhr, aber regelmäßig, verlässlich und verantwortungsvoll. Und da ist so ein Buch, das eigentlich ein Freundschaftsbuch ist, wahrscheinlich genau richtig. Die Sache mit den Freundschaftsbüchern kennen die Kinder ja in der Regel. Früher hießen die Dinger mal Poesiealben. Aber mit den albernen Sprüchen aus Omas Album geben sich heutige Kinder ja nicht mehr ab. Sie arbeiten längst mit vorgedruckten Fragelisten, in denen sie ihre Freunde und Klassenkameraden so richtig ausquetschen über Lieblingsfarben, Musik, Kleidermarken, Hobbys, Schlagerstars – sorry: Popstars – usw.. Ellenlange Listen, die regelrecht in Wissenschaft ausarten. Lieblingstiere kommen auch drin vor.

Da ist es nur konsequent, so ein Album auch mal für das Lieblingstier selbst anzulegen – mit jeder Menge Platz für Fotos – mit und ohne Kind. Aber dann geht es schon los. Denn wenn ein Kind sich so intensiv mit seinem Tier beschäftigt, wie es das sonst mit seinen Freunden macht, dann wird es ja gezwungen, sich hineinzuversetzen in die Kreatur, muss sich Gedanken machen über Namen und Stammbaum, Herkunft und Fressgewohnheiten, Fellfarbe und Fellpflege, Tierarzt – autsch. Aber ohne geht es nicht. Verantwortung ist Verantwortung. Und auch Wuffis brauchen ihre Impfungen und Kontrollen.

Ihre Ausbildung sowieso. Gehorcht der Bursche schon auf Befehle? Und zwar ohne Zögern? Weiß er, wie er sich zu benehmen hat?

Weiß das Kind, warum sich ein Hund wie verhält? Wann er bellt, fiept, mit dem Schwanz wedelt? Wovor der Hund Angst hat? Was er braucht als Schlafplatz, Fressnapf, Spielzeug? Tanja Székessy hat die Seiten mit den ganzen Fragen nicht nur mit lauter lustigen, frechen, übermütigen, chillenden Hunden verziert, sie lässt die Tiere auch kommentieren, was da gerade gefragt wird. (Auch ein Schwein und eine Kuh dürfen mal sagen, was sie so von Hunden halten.) Es kommt also eine Menge Menschliches drin vor, denn der Hund ist ja irgendwie das Abbild seiner Besitzer. Sie denken alles Mögliche in die kleine (oder große) Kreatur hinein, schreiben dem Tier gar lauter menschliche Eigenschaften zu. Aber vielleicht lernt man da ja auch was Neues, wenn man genau beobachtet, wie sehr das Tier nur seine tierischen Bedürfnisse lebt.

Die oft genug skurril sind, man denke nur an das ganze Theater beim Gassigehen, diese ewigen Geschichten über die Exkremente der Tiere, ihre Lieblingspinkelbäume und die vielen Kurven und Schleifen, die sie laufen, wenn es bloß einmal um den Block geht. Da kann man Karten malen und kommt einem ganzen geheimen Hundestadtplan auf die Spur. Man kann auch ganze Tageslisten ausfüllen und bekommt so – bei emsiger Beobachtung – mit, was das Tier eigentlich alles so treibt den lieben langen Tag. Wobei sicher auch spannend zu erfahren ist, was Schlappohr in der Zeit treibt, wenn das Kind eigentlich schlafen muss. Am Ende werden die Buchbesitzer auch noch animiert, Briefe an das liebe Tier zu schreiben. Und – stellvertretend für das Tier – an sich selbst. Aber die Absicht ist klar: Wer sich ein ganzes Buch lang so intensiv mit dem kleinen Wunschtier beschäftigt hat, der muss was lernen dabei, der weiß am Ende, wie sein Tier funktioniert und was man alles tun muss, damit es nicht kaputtgeht.

Da braucht es natürlich keine schon vorgegebenen Hundegeschichten. Diese Geschichten erzählt sich der Besitzer dieses Buches nach und nach selbst, wenn er (oder sie) sich durch die Seiten arbeitet und mit der Nase drauf gestoßen wird, was man eigentlich alles über den wuffenden Vierbeiner, der da gerade in die Küche gepinkelt hat, wissen kann und sollte und müsste.

Es ist also so ein freundliches Begleitbuch, das Eltern ihren Kindern mitgeben können, wenn sie sich nun schon einmal einen felligen Freund gewünscht haben. Mit dem sie sich dann eben auch beschäftigen müssen. Was ja ein Gewinn fürs Leben ist, denn so lernt man auch, Verantwortung für ein Geschöpf zu übernehmen, das einem anvertraut ist. Ein Geschöpf, das seine Freude darüber, als Freud behandelt zu werden, auch noch exzessiv zeigen kann. Was Mäuse und Hamster nicht können. Deswegen gibt es auch keine Hamsterfreundschaftsbücher, aber nun ein richtiges Hundefreundschaftsbuch. Wenn es voll ist, weil man alle Seiten ausgefüllt und mit Fotos tapeziert hat, dann hat man sein eigenes Hundebuch geschrieben und kann später immer wieder nachblättern, wie alles begann. Klein, fellig, knuffig. Ach, ist der süß. Und er beißt auch nicht …

Tanja Székessy Du bis mein Hund, Klett Kinderbuch Verlag, Leipzig 2016, 12,95 Euro.

In eigener Sache – Eine L-IZ.de für alle: Wir suchen „Freikäufer“

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Empfohlen auf LZ

- Anzeige -

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar