Ein Buch, das jeden zum Handeln ermutigt

Das Klimabuch: 50 reich bebilderte Doppelseiten zum Klima, zum Klimawandel und unseren Chancen, die Sache zu ändern

Für alle Leser2011 hat die Grafikerin Esther Gonstalla ihr erstes „Klimabuch“ gestaltet und veröffentlicht. Kein ganz zufälliges Jahr: Es war das Jahr von Fukushima und Angela Merkels resoluter Kehrtwende in der Atompolitik. Und der Hoffnung, dass die Bundeskanzlerin die Klimapolitik jetzt wirklich ernsthaft angehen würde. Die Hoffnung trog. Sie hat es nicht getan. Höchste Zeit also für ein neues „Klimabuch“, das in anschaulichen Grafiken zeigt, wie wir unsere Welt kaputtmachen.

Vielleicht hat ja Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ein Vorabexemplar bekommen. Oder er hat einfach zugehört, was die Schüler/-innen bei „Fridays For Future“ sagen. Zum Lernen ist es ja nie zum spät. Und wer die großen Zeitungen der Republik liest, wundert sich ja nur, wie das Thema auf einmal überall präsent ist. In all seinen Facetten. Als hätten die Redakteure endlich aufgehört, erst mal zu fragen, was denn nun die Regierungsparteien meinen könnten, was jetzt opportun wäre, für gutzuheißen.

Oder sie haben tatsächlich endlich die Angst bekommen, die aufmerksame Menschen schon lange haben, weil sie ahnen was es bedeutet, wenn der Regen ausbleibt, die Dürren um sich greifen, die Korallenriffe sterben und die Polkappen abschmelzen. Um nur ein paar der Dinge zu nennen, die mit den steigenden Temperaturen nicht erst morgen auf uns zukommen, sondern heute schon überall auf unserem Planeten zu besichtigen sind. Sie wissen, was die riesigen Mengen von CO2 in der Atmosphäre anrichten, die eben nicht nur unsere fossilen Kraftwerke in die Luft blasen, sondern auch unsere riesigen Flotten von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor, von Containerschiffen und Frachtfliegern, die immer größere Mengen von Waren rund um den Globus transportieren.

Aber wie vermittelt man das all den Menschen, die von der Flut der alarmierenden Nachrichten mittlerweile verwirrt sind? Die mit Entsetzen auf brennende Wälder und Torfe in der Arktis schauen, auf abschmelzende Gletscher und sterbende Korallenriffe?

***
Das Buch wirbt zwar damit, das Wichtigste, „was man wissen muss“, in 50 Grafiken erzählen zu wollen. Aber tatsächlich sind es 50 Doppelseiten voller Grafiken, die den Leser mitnehmen an den Beginn, der ganz und gar nicht unheimlich ist, sondern unser Leben begründet. Denn die ersten Seiten erzählen davon, wie unser Klima entsteht, wie der sogenannte Treibhauseffekt dafür sorgt, dass unsere Welt genau auf die richtige Temperatur geregelt ist, die nicht nur alles heutige Leben ermöglicht, sondern auch die ganze menschliche Zivilisation.

Esther Gonstalla: Das Klimabuch. Foto: Ralf Julke

Esther Gonstalla: Das Klimabuch. Foto: Ralf Julke

Das erzählen unsere Blitzmerker aus der „Klimawandelleugner“-Fraktion nämlich nie. Sie haben nur irgendwo mal gehört, dass die Durchschnittstemperaturen auf der Erde immer mal geschwankt haben. Aber sie haben nie begriffen, dass einige dieser Schwankungen das Aus für ganze Arten waren, dass die Welt, wie wir sie kennen, erst ungefähr 10.000 Jahre existiert, in denen die Temperaturen im Weltmaßstab sehr stabil gewesen sind. Mit leichten Schwankungen selbst in Zeiten, als von Kleinen Eiszeiten und mittelalterlichen Warmzeiten die Rede war. Keine dieser historische Epochen wich so stark vom Durchschnittswert der weltweiten 15 Grad ab wie die Jahre seit 2000.

Es geht nicht um irgendwelche Temperaturschwankungen. Es geht um solche, die so deutlich vom jahrtausendelangen Durchschnitt abweichen, dass die komplette menschliche Zivilisation in Gefahr gerät, weil riesige Gebiete für die Landwirtschaft verloren gehen, viele Inseln und Küsten beim Anstieg des Meeresspiegels unter Wasser stehen werden, Starkregen, Orkane und Dürren zunehmen und ganze Biosysteme zusammenbrechen und die Artenvielfalt verschwindet.

***

Also erklärt Esther Gonstalla erst einmal anschaulich, wie unser Klimasystem funktioniert, welche Rolle Wälder und Meere als CO2-Speicher spielen und wie der immer weiter steigende CO2-Ausstoß in den Industrienationen dazu führt, dass das sensible Gleichgewicht aus dem Lot gerät und die Atmosphäre sich immer mehr aufheizt. Sie erzählt auch, was es eigentlich mit der berühmten 1,5 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf sich hat, denen wir schon gefährlich nahe sind.

Denn der Wert ist von den Meteorologen nicht einfach so ausgedacht, er hängt mit gleich mehreren Kipppunkten zusammen, an denen wichtige Systeme beginnen, tatsächlich zu kippen. So wie der riesige Eispanzer auf Grönland, von dem die Forscher dringend hoffen, dass er eben nicht abschmilzt, oder der Eisschild der Antarktis. Oder auch die Permafrostböden in Sibirien und Kanada, die aufzutauen drohen und dann riesige Mengen von Methan freisetzen, die noch viel stärker als Klimagase wirken als CO2.

Die Grafiken stehen nicht einfach nur als Bild auf der Seite. Zu jeder Grafik gibt es Erläuterungen, die erklären, was das Bild in seiner scheinbaren Einfachheit zeigt.

***

Aber Gonstalla belässt es nicht bei den natürlichen Systemen. Sie zeigt auch anschaulich, wie der Mensch mit seiner heutigen Wirtschaftsform dafür sorgt, dass die Atmosphäre immer weiter aufgeheizt wird. Und wer eigentlich welchen Anteil daran hat – beginnend bei der fossilen Brennstoffindustrie über den fossil betriebenen Frachtverkehr und die Zerstörung der Wälder und die methanproduzierende Massentierhaltung bis zur Rolle einer überdüngten Landwirtschaft.

Einzelne Länder wie Deutschland, China und die USA werden regelrecht unter die Lupe gelegt. Und akribisch wird vorgerechnet, wie Länder wie die USA oder auch Europa ihre CO2-Bilanz verschleiern, weil sie einen Großteil ihrer Warenproduktion regelrecht ausgelagert haben. Meist nach China, dessen Warenbilanz ein US-Präsident namens Trump bis heute nicht begriffen hat.

Ein nicht gerader kleiner Teil des Buches zeigt dann, welche konkreten Folgen die Erwärmung von Atmosphäre und Meeren heute schon hat. Und welche Folgen schon in wenigen Jahren über die Erde hereinbrechen werden – auch ein wenig differenziert zwischen der gewünschten Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels, mit dem die nahe Zukunft der Menschheit nur hart wird. Sollten es aber die 4 Grad werden, die bei einem „Weiter so“ auf uns zukommen, wird unser Planet schon Ende des Jahrhunderts in einem Chaos von lauter verschiedenen Katastrophen stecken, die zu bewältigen die Kraft aller Nationen übersteigen wird.

Wobei anzumerken ist: Niemand kann wirklich voraussagen, wie irrational eine Menschheit auf einem um 4 Grad aufgeheizten Planeten reagieren wird. Absehbar ist nur jetzt, dass die Flüchtlingsströme massiv anwachsen werden, wenn riesige Gebiete in Afrika, Südamerika und Ozeanien unbewohnbar werden, dass es mehr Bürgerkrieg und mehr Krieg um überlebenswichtige Dinge wie Trinkwasser und Böden geben wird.

***

Und bevor jetzt alle denken, das Buch entmutige nur: Gonstalla lässt ihre Leser nicht im Regen stehen. Denn auch wenn Regierungen zaudern und sich immer wieder von gewaltigen Lobbyverbänden der Fossilindustrie unter Druck bringen lassen, haben trotzdem tausende Wissenschaftler an Modellen gearbeitet, wie unsere Gesellschaften die Kurve kriegen können, wie wir den CO2-Ausstoß schnell und radikal senken können. Eigentlich ist das alles schon seit über 30 Jahren bekannt. Spätestens seit der Konferenz in Rio de Janeiro 1992 wissen es alle, auch wenn sich gerade konservative Politiker nur allzu gern doof stellen, weil sie sich nicht trauen, „ihrer“ Wirtschaft und ihren Wählern etwas zuzumuten.

Dabei beginnt der Wandel bei uns selbst. Auch das zeichnet Gonstalla sehr eingängig auf. Jeder Einzelne kann – zum Beispiel mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes (siehe unten) – recht genau ausrechnen, welcher Teil seines Alltags welche CO2-Emissionen verursacht. Und jeder kann selbst handeln und seine Lebensgewohnheiten stückweise ändern. Wir haben nicht alles in der Hand, aber vieles.

Wir selbst bestimmen, ob wir viel Fleisch aus Massentierhaltung auf dem Tisch haben, ob wir uns mit Soja und Palmöl versorgen, für die ganze Tropenwälder in Asien und Südamerika gefällt wurden, ob wir Solarstrom verbrauchen oder weiter Kohlestrom, ob wir kleine und regionale Bauern unterstützen oder rücksichtslose große Agrarkonzerne. Selbst am Beispiel der Mobilität zeigt Gonstalla, wie viele Wahlmöglichkeiten wir haben, um unsere ganz persönliche CO2-Bilanz ganz bewusst zu verbessern.

Und auf einer „Weltkarte des Wandels“ zeigt sie, dass einige Länder beim Umbau ihrer Energie- und Verkehrssysteme schon deutlich weiter sind als Deutschland. Bis hin zum fahrradfreundlichen Umbau ihrer Städte.

Das heißt: Das Buch klingt als Mutmacher aus, als Ermunterung dazu, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und nicht zu warten, bis auch noch die letzten Minister und Kanzler begriffen haben, dass wir keine Zeit mehr haben, dass die Uhr abläuft und die Menschheit nur überlebt, wenn sie vom fossilen Wachstumswahn Abschied nimmt.

Von den bräsigen Konzernen, die von diesem fossilen Wachstumsdenken profitieren, wird man keine Veränderung erwarten können. Die Veränderung muss vor Ort, bei uns selbst beginnen. Und sie kann dort beginnen, ohne dass wir auch nur das Geringste an Lebensqualität einbüßen. Im Gegenteil: Es öffnet die Tür dazu, vieles in unserem Leben wieder bewusster zu tun und wahrzunehmen. Und auch das, was wir jetzt wirklich zu verlieren drohen – den Artenreichtum um uns herum – mit offeneren Augen sehen zu können.

***

Und wie bei ihren vorhergehenden Büchern (sie hat auch ein „Atombuch“ und ein „Ozeanbuch“ gestaltet), hat Gonstalla auch diesmal eine ganze Reihe hochkarätiger Forscher um Unterstützung gebeten, damit ja auch alle Fakten und Grafiken stimmen und vor allem auf dem neuesten Stand der Forschung sind. Denn seit 2011 hat sich die Lage ja nicht gebessert, im Gegenteil, die wichtigsten Messwerte haben sich weiter verschlechtert.

Aber wer sich durcharbeitet durch das Buch, bekommt nicht nur eine sehr bildhafte Vorstellung über die Ursachen und Mechanismen dessen, was wir heute als Klimawandel erleben. Er (oder sie) bekommt auch etliche Seiten Ermutigung, die Sache in die eigenen Hände zu nehmen und das eigene Leben klimafreundlicher zu gestalten. Und die Kinder bei „Fridays For Future“ zu unterstützen Druck zu machen, bis unsere von Aussitzeritis geplagte Regierung endlich so handelt, wie es jetzt auch im Landes- und Europamaßstab dringend nötig wäre.

Esther Gonstalla Das Klimabuch, Oekom Verlag, München 2019, 24 Euro.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

 

KlimawandelRezensionen
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Studierende der Kunstgeschichte zeigen in der Alten Nikolaischule, was aus Leipzigs Stadtbild alles verschwunden ist
Alte Nikolaischule am Nikolaikirchhof. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserFast hätte auch die Alte Nikolaischule zu den Gebäuden gehört, die ab dem 4. Februar in der Ausstellung „Das verschwundene Leipzig. Das Prinzip Abriss und Neubau in drei Jahrhunderten Stadtentwicklung“ in der Alten Nikolaischule gezeigt werden. Die Ausstellung macht den Besuchern bewusst, wie radikal sich die Stadt in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat. Und damit verschwanden auch jede Menge einst stadtbildprägender Gebäude.
Auch zur Oberbürgermeisterwahl meldet das Amt für Statistik und Wahlen eine hohe Beteiligung bei der Briefwahl
Stand der Briefwahlbeteiligung zur OBM-Wahl 2020. Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserEs klang so, als wären Leipzigs Statistiker überrascht gewesen, als sie am Freitag, 17. Januar, meldeten: Seit dem 6. Januar hat die Briefwahlstelle im Neuen Rathaus geöffnet und bietet die Möglichkeit, Briefwahl direkt vor Ort durchzuführen. Knapp zwei Wochen vor der Oberbürgermeisterwahl lässt sich bereits ein hohes Briefwahlaufkommen feststellen. Der Trend, dass immer mehr Wählerinnen und Wähler per Briefwahl wählen, setzt sich somit auch bei der diesjährigen Oberbürgermeisterwahl fort. Und das hat nicht unbedingt mit der Spannung zur OBM-Wahl zu tun.
Wolfram Günther lädt eine Delegation der Bauern schon mal ins Umweltministerium ein
Nicht allen sächsischen Kühen geht es so gut und sie kommen - wie diese hier - auch mal ins Grüne. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserAm Freitag, 17. Februar, brachen auch sächsische Bauern mit ihren Traktoren zur Sternfahrt nach Berlin auf. Um sie zu verabschieden, hatte der sächsische Staatsministers für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft Wolfram Günther zwar keinen Termin mehr frei. Aber sein Grußwort verlas dafür Dr. Gerd Lippold, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft. Und das hat es in sich. Denn im Umgang der Staatsregierung mit den Bauern wird sich jetzt etwas ändern.
Umweltschutz ist nicht mit allen Leipziger OBM-Kandidat/-innen zu haben + Video
Wahlpodium des BUND Leipzig im Zeitgeschichtlichen Forum. Foto: BUND Leipzig

Foto: BUND Leipzig

Für alle LeserAm Donnerstag, 17. Januar, fand das Wahlpodium des BUND Leipzig mit den OBM-Kandidat/-innen im Zeitgenössischen Forum statt. Parallel veröffentlichte der BUND jetzt seine Wahlprüfsteine zur OBM-Wahl am 2. Februar. Die Wahlprüfsteine fragen die Positionen der Kandidat/-innen zu den Themen Stadtgrün, Mobilität, Gewässertourismus, Müllvermeidung, Klimaschutz und Flugverkehr ab.
Grüne: Leipzigs Wärmewende macht Weiterbetrieb von Lippendorf wohl schon 2023 obsolet
Braunkohle-Kraftwerk Lippendorf bei Böhlen. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserRecht seltsam fand die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat die Meldung, dass der nun zwischen Bund und Kohleländern vereinbarte Ausstiegspfad einen Betrieb des Kohlekraftwerks Lippendorf im Leipziger Südraum bis 2035 vorsieht. „Die Ankündigung, das Braunkohlekraftwerk am Rande Leipzigs bis 2035 am Netz zu lassen, vermittelt den Eindruck, als würden die Lippendorfer Schlote manchem die Sinne vernebeln“, erklärt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Katharina Krefft.
Wenn die Vorurteile einer Zeitung gleich mal zu Suggestivfragen für ahnungslose Senioren werden
Leipzig, Silvester 2019. Connewitzer Kreuz. Foto: Jan Kaefer

Leipzig, Silvester 2019. Connewitzer Kreuz. Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserEs gibt längst genug kritische Artikel über Umfragen und ihre zuweilen manipulativen Wirkungen auf die Öffentlichkeit. Es gibt auch Kritik an den viel zu vielen Wahlumfragen, die oft gerade erst die Stimmung schaffen, die dann über Wählerpräferenzen entscheidet. Aber was die LVZ am Mittwoch, 15. Januar unter der Überschrift „Umfrage: Die meisten Leipziger haben Connewitz-Krawalle satt“ veröffentlichte, hat mit einer seriösen Umfrage nichts mehr zu tun.
Der vierte und letzte Band der großen Leipziger Stadtgeschichte zum Jubiläum der Ersterwähnung
Ulrich von Hehl (Hrsg.): Geschichte der Stadt Leipzig. Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserOb das 20. Jahrhundert tatsächlich DAS Zeitalter der Extreme war, als das es der britische Historiker Eric Hobsbawm in seinem 1994 erschienenen Buch „Age of Extremes. The short twentieth century 1914–1991“ bezeichnete, werden noch Generationen von Historikern diskutieren. Ulrich von Hehl jedenfalls, der die Einleitung in den nun vierten Band der Leipziger Stadtgeschichte schrieb, fand den Begriff sehr praktikabel. Auch für die Leipziger Geschichte. Und für diesen vierten Band.
Der Tag: Burkhard Jung liegt in einer Umfrage zur Oberbürgermeisterwahl klar vorn
Burkhard Jung (SPD). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserOberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) darf sich freuen: Laut einer repräsentativen LVZ-Umfrage würde er aktuell 34 Prozent der Stimmen erhalten. Sein härtester Konkurrent Sebastian Gemkow (CDU) käme nur auf 20 Prozent. Nicht freuen durfte sich AfD-Kandidat Christoph Neumann. Er hatte Alexander Gauland zum Wahlkampf eingeladen, doch der stand im Stau. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 17. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Heiko & Roman Lochmann – „Willkommen Realität“
© Philipp Gladsome

© Philipp Gladsome

Als die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann mit zwölf Jahren begannen, als »Die Lochis« im Kinderzimmer Videos zu drehen und diese auf YouTube hochzuladen, hätten sie sich niemals träumen lassen, dass sie einmal zu den erfolgreichsten deutschen Social-Media-Stars zählen würden. Die riesige Fan-Gemeinde der sympathischen Entertainer und Musiker geht inzwischen in die Millionen. Mit zwanzig Jahren haben sie sich nun entschieden, das Kapitel »Die Lochis« zu schließen, um sich künstlerisch weiterzuentwickeln.
Silvester in Connewitz: Anwalt beklagt rechtswidrige Untersuchungshaft
Polizeieinsatz am Connewitzer Kreuz in der Silvesternacht. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDrei Männer befinden sich aktuell in Untersuchungshaft, weil sie sich an den Ausschreitungen in der Silvesternacht in Connewitz beteiligt haben sollen. Der Rechtsanwalt eines Betroffenen bewertet die U-Haft für seinen Mandanten als rechtswidrig. Der zuständige Ermittlungsrichter sei befangen gewesen; es fehle zudem ein wichtiges Dokument. Außerdem beruhe der Tatverdacht lediglich auf den Aussagen zweier Polizisten – doch diese seien nicht besonders vertrauenswürdig.
Absage der Absage: OB-Wahlveranstaltung der AfD darf in städtischer Immobilie stattfinden
Christoph Neumann (AfD) kann seine OB-Wahlveranstaltung in der "Großen Eiche" durchführen. Eine Entscheidung, die nun auch für alle anderen OB-Wahl-Bewerber/-innen gilt. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDa gab es aber ein ordentliches Hin und Her seit dem gestrigen Donnerstag auf den heutigen Freitag, 17. Januar. Erst sprach das Dezernat Wirtschaft eine Kündigung gegenüber dem Vermieter des soziokulturellen Zentrums „Große Eiche“ wegen einer Wahlkampfveranstaltung mit Alexander Gauland (AfD) und Christoph Neumann (AfD) aus, woraufhin sich die AfD wehrte. Von einer möglichen Schadenersatzklagedrohung ist unter der Hand die Rede. Auch das Rechtsamt der Stadt Leipzig schaltete sich ein und am Ende stand eine durchaus wegweisende Entscheidung für derzeitige Wahlkämpfe.
Sachsen muss sich jetzt schon auf einen viel früheren Kohleausstieg vorbereiten
MIBRAG-Tagebau Peres im Kohlerevier Vereinigtes Schleenhain. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

Für alle LeserDer Mann, der eigentlich den Fachkommentar zum am Donnerstag, 16. Januar, formulierten Kohleausstiegs-Zeitplan der Bundesregierung aus dem Sächsischen Landtag hätte liefern können, ist mittlerweile ja Staatsminister im Umweltministerium: Dr. Gerd Lippold, der Kohlespezialist der Grünen, der nun qua Amt Sachsens Ausstieg aus der Kohle managen muss. Doch am Donnerstag merkte auch die Linksfraktion den Pferdefuß in diesem teuren Peter-Altmeier-Kompromiss.
AfD-Wahlveranstaltung mit Alexander Gauland findet nicht mehr in der Großen Eiche statt + Update
Alexander Gauland (hier am 21.11.2017 im Bundestag) will am 17. Januar 2020 Christoph Naumann bei seiner OB-Kandidatur in Leipzig unterstützen. Foto: Bilderdienst des bundestag.de, Fotograf: Achim Melde

Foto: Bilderdienst des bundestag.de, Fotograf: Achim Melde

Für alle LeserAm Morgen warb die Leipziger AfD auf ihrer Facebook-Seite noch mit dem Konterfei von Alexander Gauland für eine Veranstaltung in der Großen Eiche in Böhlitz-Ehrenberg. Doch der Fraktionsvorsitzende der Rechtsaußen-Partei und sein Leipziger Parteifreund Christoph Neumann, der OBM-Kandidat der AfD, müssen sich woanders ein Plätzchen suchen, um über die „Wende für Leipzig“ zu philosophieren. Denn die „Große Eiche“ ist ein städtisches Gebäude.
Von Kohlekraftwerken, kirchlichen Kassenbüchern und Klimamodellen
Dicke Dampfschwaden über den Kühltürmen. Foto: Matthias Weidemann

Foto: Matthias Weidemann

Für alle LeserAngesichts der großspurigen Ankündigungen von Donald Trump und den politischen Weichenstellungen seiner Ministerien müsste man eigentlich meinen, dass die amerikanische Kohleindustrie gerade goldene Zeiten erlebt. Tut sie aber nicht. Denn immer mehr Kohlekraftwerke müssen schließen – und sie tun es in einem immer schnelleren Tempo.
Jetzt können die Leipziger zeigen, ob sie auch in selbst organisierten Veranstaltungen miteinander ins Gespräch kommen können
Die ersten Besucher zur Eröffnung des LeipzigZimmers am 16. Januar. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserOrigami-Kurs, Schreibwerkstätten und neues aus dem Naturkundemuseum: Die ersten Interessenten haben sich schon angemeldet für das LeipzigZimmer in der Stadtbibliothek Leipzig, das am Donnerstag, 16. Januar, offiziell eröffnet wurde. Es soll mehr sein als ein üblicher „Ort der Begegnung“. Eher sogar ein Experiment: Wie lässt sich das Miteinander der Leipziger Bürger wieder beleben in einer Zeit, in der scheinbar überall die Aggressionen zunehmen?