Sieben: Wenn Gonzo-Journalismus in einen Gonzo-Roman gerät

Für alle LeserAls der 2013 erschienene „Mordor“-Roman von Ziemowit Szczerek 2017 bei Voland & Quist erschien, haben wir ihn gleich drei Mal rezensiert. Einfach aus Spaß an der Freude, einen echten Gonzo-Roman aus Polen zu rezensieren. Auch „Sieben“ ist ein Gonzo-Roman. Auch wenn man es dem Helden Pawel am Beginn seiner Fahrt über die Landesstraße Nr. 7 noch zutraut, dass er in Warschau ankommt. Vielleicht ein bisschen lädiert.

Denn er hat reingefeiert in Allerheiligen, weil eben am Vortag Halloween war und das auch in Polens alter Königsstadt Krakow besonders von jungen Leuten deftig und mit viel Alkohol gefeiert wurde. Und als Pawel, der bei einem Fakenews-Portal seine Brötchen verdient, in seinen Opel Vectra steigt, ist er nicht gerade nüchtern und lässt dann auch unterwegs keine Gelegenheit aus, den Pegel noch einmal aufzufrischen. So sehr, dass man durchaus annehmen kann, dass dieser Reisende auf der großen Straße, die Krakow mit Warschau verbindet, nicht ganz der ist, der er vielleicht in seinen nüchternen Stunden ist.

Wenn er Tickernachrichten so lange verdreht, bis daraus Schockermeldungen werden, die für enorme Klickzahlen sorgen. Solchen Kram wie: „Deutsche Armee überschreitet auf Pontonbrücken die Oder“. Wer in solchen Nachrichtenwelten lebt, der hält bald alles für möglich.

Und wer bei solchen Portalen arbeitet (und die gibt es auch bei uns), der erschafft unter dem Mäntelchen des Journalismus eine Welt voller Gerüchte, verzerrter Geschichten aus einer Wirklichkeit, die in diesen völlig überdrehten Meldungen nicht mehr erkennbar ist. Zumindest nicht für Menschen, die sich noch in der Wirklichkeit bewegen und sich ihre Skepsis bewahrt haben.

Die Menschen aber, die sich von solchen Portalen informieren lassen, rutschen ziemlich bald in eine Weltsicht ab, in der sie den seriösen Medien nicht mehr trauen, hinter jeder seriösen Nachricht etwas anderes vermuten. Da geht es den Polen wie den Deutschen. Das Obskure wird zur Politik. Wobei dieser Pawel immerhin noch weiß, was er da tut und wie er es macht.

Was freilich dieser enorm wichtige Termin ist, für den er sich an Allerheiligen in sein Auto setzt, erfahren wir nicht wirklich. Auch wenn man ziemlich schnell merkt, dass dieser Bursche, der doch im Grunde sehr viel und sehr nachvollziehbar reflektiert über sein Land und dessen Bewohner, doch zu allerlei seltsamen Reaktionen neigt, die sich in seinem Grübeln gar nicht erst andeuten.

Das, was in Pawels Kopf abgeht und was er tatsächlich tut, ist nicht wirklich deckungsgleich, obwohl er dabei mit einer erstaunlichen Rationalität handelt. Zumindest bis er den ersten Fahrgast an Bord nimmt, der sich als Anhänger eines Hexerkults entpuppt. Und Pawel dann doch auf seltsame Weise einen Revolver und eine Batterie bunter Elixiere hinterlässt, die Pawel im Verlauf der Fahrt hinein in jenes von ihm geradezu verachtete „Kongresspolen“ emsig benutzt.

Auch die Pistole, die in einem Nest namens Lycory alias Wola dann zum Einsatz kommt, als Pawel sich von allen berühmten Königen Polens angegriffen fühlt.

Dort hingeraten ist er schon mit einem Trupp wilder Kulturkämpfer, die mit Attacken auf hässliche Bauwerke, wie hier ein nachgebautes Schloss, versuchen, die polnische Kultur zu retten. Sein Auto hat er vorher, als er es – abgefüllt mit weiteren Promille – in den Straßengraben gesetzt hat, selbst abgefackelt. Um Spuren zu verwischen. Die Rationalität des gesetzestreuen Bürgers, der weiß, wie man der Polizei ein Schnippchen schlagen kann, ist noch lebendig in ihm.

Nur mit seinem Selbsterhaltungstrieb scheint etwas nicht zu stimmen, denn das bleibt weder das erste Auto, das er benutzt, noch der letzte Unfall. Und die Begegnung mit den Kulturterroristen ist nicht die einzige seltsame, auf die er sich ohne nachzudenken einlässt.

Es ist wie in „Mordor kommt und frisst uns auf“: Man weiß nicht genau, ob dieser Held nicht tatsächlich nur ein genauso „normaler“ Mitmensch ist, wie er auch sächsische Kneipen, Foren und Parteien bevölkert, die ganze Geschichte also von einem eigentlich ganz vernünftigen Menschen erzählt, der aber in einer Gonzo-Welt lebt, die dann ihr Eigenleben entwickelt.

Bei Gonzo-Journalismus geht es ja darum, radikal-subjektiv zu berichten, den Text also auch ordentlich aufzubrezeln mit Emotionen, subjektiven Meinungen und literarischen Konstrukten. Der Stoff ist hochgradig unterhaltsam. Aber auch hochgefährlich, wenn Produzenten und Konsumenten dieses Stoffes vergessen, dass er kein rationaler Bericht über die Wirklichkeit ist.

Und jeder kann sich umschauen in der Welt

Es gibt erstaunlich viele Menschen, die nur zu bereit sind, in einer Gonzo-Welt zu leben. Und das Feine an Pawels Reise ins polnische Herz ist: Er gerät dabei in eine der größten und wirksamsten Gonzo-Geschichten, in den polnischen Nationalismus mit all seinen Versuchen, sich aus einer desolaten Geschichte ein alternatives Selbstbild zu basteln.

Wobei dieser Pawel durchaus in der Lage ist, sich auch in die Sichtweisen von Tschechen, Slowaken und anderen polnischen Nachbarn hineinzuversetzen. Oder besser: In deren nationale Gonzo-Geschichten. Denn nichts anderes bedienen ja die diversen Nationalismen, denen die reale Geschichte nie genug ist, und die stattdessen das Bild einer überlegenen Nation konstruieren, die nur deshalb immer wieder in Nöte gerät, weil sie von einer geheimen Verschwörung niedergehalten wird.

National-Pathos verquickt mit Opfermythos. Das Schmierenrezept ist wirklich bei allen Nationalisten dasselbe.

Und man kommt gar nicht umhin, dabei auch an das auch so schlecht behandelte Ostdeutschland zu denken, wo Pawel wahrscheinlich ganz ähnlich irre Typen in großer Zahl finden würde, die mit ihm über die verlorene Größe mythischer Vergangenheit diskutieren würden. Lauter Leute, die das Gerede der neueren Nationalisten nur zu gern übernehmen. Und wer den falschen Zungenschlag hat und nicht mitnickt, gehört nicht dazu, wird schief angeguckt und bekommt die Frage gestellt: Was ist denn das für einer?

Das passiert auch Pawel beinah

Aber er kennt seine Landsleute und ihre Zerrissenheit, ihr Misstrauen in das Land, das sie haben, ganz so, als wäre Polen nur ein großer Traum, wenn Polen nicht existiert. Und wenn es dann existiert und mal nicht von den wilden Nachbarn geteilt und besetzt ist, findet es nie seinen Platz zwischen Osten und Westen und will doch gern die Mitte von allem sein. Pawels Reise auf der Landstraße Nr. 7 wird zu einer abenteuerlichen Reise in eben diese polnischen Selbstbilder. Und die Bilder der Polen von ihren Mächtigen – nicht nur den seltsamen Königen der 1.000-jährigen Geschichte – von denen einige augenscheinlich einen verdammt schlechten Ruf haben – sondern auch die Spitzenpolitiker der jüngeren Vergangenheit.

Während Pawel den einen in einem Gipskabinett die Köpfe abschießt, findet er die anderen als kuriose Grabmäler auf einem Friedhof, quasi Statuen einer nur noch als lächerlich empfundenen Gegenwart, in der Witzfiguren regieren. Und sich das Volk, der trunkene Lümmel, an Träumen von Größe und Glanz berauscht, während das Land selbst mit Werbeplakaten übersät ist und die alten Städte unter moderner Flickschusterei verschwunden sind.

Was ja auch heißt: Gonzo steckt in den Köpfen der Menschen

Ihre Träume sind in der Regel Surrogate, Kunstprodukte, Alibis dafür, für all das ringsum gar nicht verantwortlich zu sein. Deshalb ist Pawel ja extra nach Krakow gezogen, raus aus jenem Flachlandpolen, vor dem er meinte, fliehen zu müssen, mit dem er nichts zu tun haben will. Es ist ja auch nicht einfach mit den nationalen Erzählungen. Denn in der Regel stimmen sie nicht. In Polen genauso wenig wie in Deutschland, wo die Autohändler weinen, wenn sie ihre tollen Autos an einen Polen verkaufen.

Da schaut man doch gleich mal nach, wann das Buch original in Krakow erschienen ist: 2014.

Klar. Da haben auch die Polen noch nichts von den Betrügereien der deutschen Autobauer gewusst. Und weil wir schon einmal dabei sind: Übersetzt hat das Buch Thomas Weiler, der als Übersetzer in Markkleeberg lebt und augenscheinlich ein sehr feines Gespür für Pawels Wortwahl hat, seinen Jargon. Ein Jargon, der sich aber in Pawels Gedankengängen doch spürbar unterscheidet vom hingetackerten Stil des Fakenews-Portals, wo auch er gar kein Pardon kennt, die Leser in größtmögliche Schrecken zu versetzen: „Russland droht Polen: Tretet den Korridor ab, sonst …“

Man wundert sich am Ende nicht mehr, dass Pawels wilde Nachrichten Wirklichkeit werden, der Held also quasi Teil seiner eigenen Erfindungen wird, die nun nicht mehr von der Realität zu unterscheiden sind, also zu einer kompletten literarischen Geschichte werden. In der dieser Pawel Unfälle überlebt und Brände, die Dämmerung ewig zu dauern scheint und Pawel vom Fürsten Bajaj gar das herrliche Reich des imaginierten Polens gezeigt bekommt, das vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee reicht.

Nur glaubt er selbst das nicht, wo er doch weiß, dass sein Polen immer unförmig und unfertig sein wird. Ein abgeklärter Zyniker, der sich mit den großmäuligen Zynikern am Rand seiner Reise bestens versteht.

Zumindest bekommt man so eine Ahnung davon, warum so viele Völker im Osten nun seit Jahren versuchen, in nationalem Mummenschanz wieder Kontur zu gewinnen, irgendsoetwas, das einem wieder so ein Gefühl gibt, nicht einfach nur Spielball von irgendwas zu sein. Also so eine Art Joint fürs Selbstbewusstsein, auch wenn der nur aus lauter zusammengekehrten alten Krümeln besteht. Aber sie machen high. Sie sorgen dafür, dass man nicht mal mehr auf sich selbst achtet und Dinge tut, als wäre man nur der virtuelle Held eines Spiels, aus dem man wieder aussteigen kann, wenn der Bildschirm schwarz wird.

Man wird ja übermütig, riskiert etwas, was man im richtigen Leben nie riskiert hätte. Und geht immer größere Risiken ein, so wie Pawel, dem am Ende völlig das Maß für das, was ein Mensch ungestraft überleben kann, verloren geht.

Der Autor hatte ganz bestimmt seinen Spaß mit dieser Geschichte, die entlang der Landstraße Nr. 7 mitten hineinführt in die Fiktionen polnischer Gegenwart. Und auch hineinführen sollte, während der Leser noch lange, lange mitfiebert, dass es der Held bis nach Warschau schafft.

Ziemowit Szczerek Sieben, Voland & Quist, Berlin, Dresden, Leipzig 2019, 22 Euro.

Eine Backpackergeschichte, die den Westeuropäern den Traum zeigt, den sie selbst nicht mehr träumen

Hinweis der Redaktion in eigener Sache (Stand 1. Oktober 2019): Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen und ein Freikäufer-Abonnement abschließen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 450 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

RezensionenRomanGonzoPolen
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Eine Ausstellung im Café Wagner würdigt die im Juli verstorbene Pop-Art-Künstlerin Jeannette Pietrowski-Siefke

Foto: privat

Für alle LeserDas Café Wagner am Richard-Wagner-Platz ehrt am Freitag, 14. August, die im Juli verstorbene Leipziger Pop-Art-Künstlerin Jeannette Pietrowski-Siefke (1978 bis 2020) mit Ausstellung und der Widmung eines Nachwuchs-Kunstpreises. Sie hatte ihre eigene, besonders treue Anhängerschaft weit über Leipzig hinaus. Und im Café Wagner hielt sie sich gern auf.
Mehr Kompetenzen, aber auch mehr Stress: Die Coronakrise ist eine echte Herausforderung für Studierende
Hörsaal im Geutebrück-Bau. Foto: Stephan Floss/HTWK Leipzig

Foto: Stephan Floss/HTWK Leipzig

Für alle LeserMit der Coronakrise haben sich nicht nur die technischen und digitalen Kompetenzen der Studierenden verbessert, die Mehrheit der Studierenden an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (rund 80 Prozent) hat eigenen Aussagen zufolge auch gelernt, sich besser an veränderte Bedingungen anzupassen: Die Fähigkeiten zum Selbstmanagement haben sich unterschiedlich, aber mehrheitlich doch positiv entwickelt. Die psychische Belastung ist hingegen stark gestiegen.
Erneute Sperrung nach Leichenfund: Polizei lässt Inselteich abpumpen
Der Inselteich ist seit Mittwochfrüh erneut weiträumig gesperrt. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser Wer hat den 68-jährigen Mann getötet, dessen Leiche vergangenen Donnerstag aus dem Inselteich im Clara-Zetkin-Park gezogen wurde? Einen Schlüssel zur Antwort auf diese Frage erhoffen sich die Ermittler offenbar im Teich selbst, der seit dem Morgen erneut weiträumig abgesperrt ist und abgepumpt wird.
Alte Merseburger Gleisstrecke könnte tatsächlich zum ausgebauten Radweg werden
Die Merseburger Gleisstrecke auf der Karte HauptnetzRad der Stadt Leipzig. Karte: Stadt Leipzig

Karte: Stadt Leipzig

Für alle LeserMan darf ja mal träumen. Und tatsächlich ist dieser Traum schon acht Jahre alt. 2012 verkaufte die Bahn die seit 1999 nicht mehr genutzte Gleisstrecke Merseburg–Leipzig-Leutzsch an einen Privatinteressenten, der daraus eine Radstrecke entwickeln wollte. Eine famose Idee, wenn man bedenkt, dass man auf so einer Strecke als Radfahrer vom Kraftverkehr unbehelligt von Leutzsch bis nach Gundorf und zum Elster-Saale-Kanal käme. Der Traum ist nicht tot.
Noch ist kein einziges Problem am Frachtflughafen Leipzig/Halle im Sinn der betroffenen Bürger gelöst
Demonstration für ein Nachtflugverbot am Flughafen Leipzig/Halle. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIm Juni schrieb die Bürgerinitiative „Gegen die neue Flugroute“ an den sächsischen Umweltminister Wolfram Günther, um die Staatsregierung aufzufordern, auch ein Gegengutachten der Bürgerinitiative zum geplanten Frachtflughafenausbau am Leipziger Flughafen durch die Staatsregierung zu finanzieren. Im Anschluss kam auch ein Termin mit dem Minister zustande. Das Gespräch fand am 13. Juli im Neuen Rathaus in Leipzig statt. Das Ergebnis: ein weiterer Brief.
Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ kritisiert die verkorkste Wohnungsbaupolitik von Bundesbauminister Seehofer
Dr. Ronald Rast. Foto: Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V.

Foto: Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau e.V.

Für alle LeserEs passt hinten und vorne nicht, nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Deutschland. 1,5 Millionen bezahlbare Wohnungen sollten in der aktuellen Legislaturperiode bis 2021 entstehen. Vollmundig hatte es die Regierungskoalition verkündet. Doch der zuständige Minister hat völlig fehlgesteuert. Selbst die Zahlen, die Bundesbauminister Horst Seehofer jetzt in einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage im Bundestag herausgab, sind geschönt. Von der Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“ wird er dafür heftig kritisiert.
Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten: Warum jeder Mensch einen Kompass für das Gute und das Böse hat
Markus Gabriel: Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWir leben in einer Zeit der Fakenews, des großen Geplappers, der Schwurbler und Mythenerzähler. Ein Blick in die a-sozialen Netzwerke genügt, um die ganze Verwirrung sichtbar zu machen. Leute, die nicht mal wissenschaftliche Fakten akzeptieren, verkaufen sich als Aufklärer, Egomanen erfinden sich ihre „Wahrheiten“ selbst. Wird jetzt alles, was wir an Moral erworben haben, verramscht und verhökert? Das Buch des Philosophen Markus Gabriel ist wie eine riesengroße Tasse Espresso zum Wieder-Munterwerden.
Dienstag, der 11. August 2020: Scholz darf sich auf Unterstützung der Jusos freuen
Juso-Chef Kevin Kühnert will Olaf Scholz unterstützen. Foto: Stefan Müller, Flickr (CC BY 2.0)

Foto: Stefan Müller, Flickr (CC BY 2.0)

Für alle Leser/-innenNachdem die SPD gestern Olaf Scholz‘ Kanzlerkandidatur verkündete, sagten zügig wichtige Jusos ihre Unterstützung für den derzeitigen Vizekanzler zu. Auf Twitter sorgte aber ein heftiger Streit bereits für einen deaktivierten Account. Außerdem: Die Leipziger CDU-Fraktion wirft Grünen und Linken zu viele Anträge vor und das Landeskabinett treibt die Landarztquote voran. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 11. August 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Romantische Viecher auf der Terrasse der Moritzbastei
Romantische Viecher auf der Terrasse der Moritzbastei. Foto: TheaterTurbine

Foto: TheaterTurbine

Für alle LeserEs geht um die liebe Liebe. Denn die macht auch in Corona-Zeiten keine Pause. Auf der Terrasse der Moritzbastei feiert am Donnerstag, den 13. August, das Stück „Romantische Viecher“ Premiere. Die letzten dreieinhalb Wochen wurde unter der Sommerhitze final geprobt, bis Ende August spielt die TheaterTurbine unter freiem Himmel das Spiel der Gefühle.
Wenn die Grüne Liga eine Pressemitteilung von 2019 noch einmal verschickt: Statt Dürre-Jammerei Wasser in der Landschaft halten
Abgeerntetes Feld bei Wiederau. Foto: Michael Freitag

Foto: Michael Freitag

KommentarAll das, was wir derzeit mit immer mehr Hitzetagen, Dürre, vertrockneten Stadtbäumen, vertrockneten Wäldern erleben, war zu erwarten. Seit Jahren schon. Nichts anderes haben die Klimamodelle der Meteorologen seit 30 Jahren als wahrscheinliches Szenario beschrieben. Auch die Modellierungen des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie haben nichts anderes vorausgesagt. Aber die sächsische Politik hat nicht reagiert. Immer noch dominiert das alte, bequeme Denken, das alle Veränderungen ausbremst.
Leichenfund im Clara-Zetkin-Park: Polizei veröffentlicht Bild des Toten und bittet um Mithilfe + Update Identifizierung
Der abgesperrte Fundort der Leiche am Donnerstag. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle Leser Nach dem Fund einer Leiche im Inselteich des Clara-Zetkin-Parks am Donnerstag steht fest, dass es sich bei dem Toten um einen älteren Mann handelt und er gewaltsam zu Tode kam. Zur Klärung seiner Identität bittet die Leipziger Polizei nun die Öffentlichkeit um Unterstützung und hat ein Foto mit Beschreibung äußerer Merkmale des Mannes veröffentlicht.
Forschungsverbund sucht Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Heimen und Jugendwerkhöfen der ehemaligen DDR
Weggesperrt aus der Welt. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle Leser„Mich kriegt nichts mehr klein.“ Frau Kastrati sagt das mit fester Stimme. Das ist nicht selbstverständlich. Sie war mehrere Jahre in einem Kinderheim und einem Jugendwerkhof in der ehemaligen DDR untergebracht. Sie hat erlebt, unterdrückt zu werden und in rigiden Regeln und Strukturen zu leben, in denen die eigenen Bedürfnisse wenig bis gar keinen Raum hatten. Viele Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, kennen den Satz „Wenn du nicht brav bist, kommst du nach Torgau.“
Zum Teil in Leipzig, zum größten Teil digital: Attac beteiligt sich am Kongress „Zukunft für alle“
Das war mal ein Teich. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserDie Corona-Pandemie hat ziemlich schonungslos offengelegt, wo unsere entfesselte und globalisierte Wirtschaft ihre Grenzen hat, wo sie unsere Lebensgrundlagen zerstört und wo sie sogar unsere Fähigkeit, auf Pandemien zu reagieren, unterhöhlt. Mal ganz davon zu schweigen, wie sehr die entfesselte Konsumwirtschaft die Ursache für die massive Klimaerhitzung und die Zerstörung unserer Umwelt ist. Ein Kongress in Leipzig sollte das schon lange vor Corona thematisieren. Der findet nun vorwiegend online statt.
Veränderter Lehrbetrieb durch Corona ist auch für viele Student/-innen der Uni Leipzig eine extreme Belastung
Was die Student/-innen der Uni Leipzg als belastend empfinden. Grafik: StuRA der Uni Leipzig

Grafik: StuRA der Uni Leipzig

Für alle LeserCorona zwingt in allen Bereichen zum Umdenken, auch an den sächsischen Hochschulen. Denn auch die waren nicht wirklich darauf vorbereitet, dass ein Coronavirus den klassischen Hochschulbetrieb mit Massenvorlesungen, Seminaren und anderen Präsenzveranstaltungen völlig aushebeln würde. Früher, als es nicht einmal das Internet gab, hätte so eine Pandemie den Hochschulbetrieb völlig zum Erliegen gebracht. Aber auch heute ruckelt und rumpelt es noch, wie der StuRa der Uni Leipzig feststellt.
Eutritzscher Freiladebahnhof: CDU kritisiert Stadtplaner, Grüne pochen auf Stadtratsbeschlüsse
Große Pläne am Eutritzscher Freiladebahnhof. Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Für alle LeserAm 10. Juli meldete das Stadtplanungsamt der Stadt Leipzig noch: „Eutritzscher Freiladebahnhof: Verhandlungen mit Investor sind auf einem guten Weg“. Aber mittlerweile berichtet die LVZ über einen möglichen weiteren Verkauf des Gelände des ehemaligen Eutritzscher Freiladebahnhofs, nachdem die CG Gruppe im letzten Jahr das Gelände erst an die Leipzig 416 GmbH (bzw. IMFARR) verkauft hatte.