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Punch Needle: Noch eine faszinierene Handarbeitstechnik, mit der man sich die Welt verschönern kann

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    Nicht alle Menschen haben in den vergangenen fünf Wochen mit den Füßen gescharrt und aller Welt verkündet, dass sie in diesem Lockdown nicht zur Ruhe kommen. Manche haben den Hamster im Kopf tatsächlich zur Ruhe gelegt und die auf einmal zur Verfügung stehende Fülle der Zeit dazu genutzt, Dinge zu tun, die sonst nie in den Tagesplan gepasst haben. Zum Beispiel mal diese besondere Stickerei-Technik ausprobiert: Punch Needle.

    Das klingt schon fast ein bisschen wie Boxsport. Aber Punch ist nicht nur ein Faustschlag, sondern kann auch Loch bedeuten. Und Punch Needle ist eine Lochnadel, mit der man besonders flauschige Stickereien herstellen kann. Das kommt im Titel der ursprünglichen französischen Buchausgabe von Juliette Michelet noch deutlicher zum Ausdruck: „La broderie en relief“, Reliefstickerei.

    Da wird also nicht nur beim bekannten Sticken ein schönes Bild aus Garn gestickt, sondern ein Muster, das durch die längeren Schlaufen richtig Fülle bekommt, eben ein richtiges Relief, dessen Stärke man selbst bestimmt.

    Kurz und knapp erzählt Juliette Michelet, was für Werkzeug man dazu braucht und wie die Hohlnadeln, die man dafür braucht, funktionieren. Außerdem, welche Garnstärken man mit welcher Hohlnadel verarbeiten kann.

    Und der Rest ist dann nur noch Geduld, Konzentration und ein bisschen Phantasie. Denn natürlich kann man mit dieser Technik eine Menge Stoffteile verschönern, die sowieso zum eigenen Alltag gehören, nicht nur bunte Stickobjekte an der Wand, sondern auch Kissen, Handtaschen, Laptop- und Handytaschen, Federmappen und Untersetzer. Es ist so eine richtig schöne Handarbeit für Menschen, die ihre Umgebung gern mit einer eigenen Note versehen und sich von den normierten Hüllen und Taschen aus der Serienproduktion absetzen wollen.

    Überhaupt zeigt auch diese Technik, dass Handarbeit der direkteste Weg ist, sich von dem, was andere Leute so gern als Design und Mode verkaufen, abzusetzen und einfach sein Gefühl für die Umgebung, die man gern haben möchte, auch in sicht- und greifbare Dinge umzusetzen.

    Wobei Juliette Michelet eindeutig einen sehr französischen Geschmack hat mit einer Vorliebe eher für gedämpfte Farben irgendwo zwischen Zitrone, Olive und Lavendel. Womit ja auch sichtbar wird, wie sehr Farben unsere Gefühle bestimmen. Die ja vom Modegetrommel meist überrannt werden, weil irgendwelche Leute in ihrem Drang, die Welt alle drei Monate mit neuen Bergen überflüssiger Kleidung zuzuschütten, immerfort verkünden, Farben und Schnitte seien nun gar nicht mehr „in“, man sei nicht mehr „uptodate“ … Und dann hat man das Zeug zu Hause und fühlt sich die nächsten drei Jahrzehnte völlig falsch angezogen.

    Auch dafür werben ja all diese heute wieder neue Liebhaber/-innen findenden Handarbeitstechniken: Sich von diesem Getrappel nicht mehr jedes Mal ins Bockshorn jagen zu lassen, sondern wieder dem eigenen Geschmack zu vertrauen und einfach seinen eigenen Stil zu entwickeln. Und wer viele Handarbeitstechniken beherrscht (heute ja gern als DIY, Do it yourself, angepriesen), hat es in der Hand, genau das zu tun.

    Und weil sich manche und mancher nicht gleich traut loszulegen, weil ihr oder ihm durch das Vorgefertigte aus den Billigkatalogen der Mut zum Ausprobieren abhandengekommen ist, bietet Michelet gleich eine Reihe von Anregungen, was für Muster man mit der Punch Needle so alles sticken kann.

    Zu jedem Muster macht sie Vorschläge zur Auswahl des Garns (die natürlich jeder nach eigenem Gusto verändern kann) und bietet auch das zeichnerische Motiv, das man dann auf seine Stickvorlage übertragen kann. Manches davon ist einfach ein Spiel mit Farben und geometrischen Figuren, anderes die garngewordene Freude an floralen Mustern, mit denen man auch Ohrringe, Haarspangen oder kleine Teppiche verschönern kann.

    Das Buch bietet mehr als zwei Dutzend solcher Anregungen. Etliche davon auch als liebevolle Überraschung für Kinder. Denn natürlich kann man mit der Technik auch phantasievoll gestaltete Kissen und Figuren (Eulen zum Beispiel oder Schildkröten) gestalten, die sich von den naiven Fertigplüschis aus dem Laden sichtlich unterscheiden.

    Und jedes beschenkte Kind weiß, dass diese selbst gemachten Wuschelweichs immer etwas zutiefst Persönliches ausstrahlen, weil sie immer auch davon erzählen, wie viel Mühe sich die Schenkenden mit der Herstellung gegeben haben. Was ja eine der großen emotionalen Triebkräfe der Do-it-yourself-Bewegung ist: Die Menschen, die sich dem so intensiv widmen, wissen, welche innige Freude sie bei anderen, die sie damit beglücken, auslösen. Persönlicher geht Freudebereiten kaum noch. Braucht man nur noch einen Laden, wo man Punch Needles aller Größen und alle Garne und Farben findet, die man sich zum Reliefsticken in der aktuell noch spürbaren Stille wünscht.

    Juliette Michelet Punch Needle, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2020, 14,95 Euro.

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