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Essen darf auch Spaß machen: Herbert Frauenberger serviert lauter leckere Rezepte mit ungewöhnlichen Namen

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    Wenn man nun wieder – herbst- und coronabedingt – öfter zu Hause herumhängt, dann hat man auch wieder mehr Zeit jenen Ort aufzusuchen, wo – nach Herbert Frauenberger – schon immer die besten Partys gefeiert wurden: die Küche. Der bekannte Koch aus dem Osten hat in diesem Buch allerlei Rezepte versammelt, bei denen schon der Name Fröhlichkeit erzeugt. Manchmal ganz zufällig. Aber beim Essen hört für gewöhnlich der tierische Ernst der Deutschen auf.

    Auch wenn sich einige der berühmtesten witzigen Gerichte der Deutschen nicht in diesem Buch finden – etwa der Kosakenzipfel oder der Falsche Hase. Aber etliche ihrer Verwandten sind darin, Gerichte, die oft genug davon erzählen, welch einen Mutterwitz die Deutschen eigentlich haben, wenn sie mal keinen Schlips tragen und aus wenig ganz viel machen müssen. Jedenfalls etwas, was satt macht und vielleicht sogar schmeckt.

    Auch Frauenberger hat schon einige der Bücher betreut, die im Buchverlag für die Frau für regionale Küchen werben, die heute so reich und bunt sind, dass man schon allein dieser Regionalküchen wegen in einige der beliebten deutschen Urlaubsdestinationen fahren würde, wenn man denn aktuell noch dürfte.

    Es stimmt schon, das ganze unschlüssige Geeier um die Corona-Maßnahmen trifft vor allem all jene Bereiche, in denen die zur Arbeit verdonnerten (und zum Wettbewerbs gepeitschten) Deutschen eigentlich mal abschalten könnten vom täglichen Gehetze, der permanenten Überforderung und den täglichen gleichen Wegen.

    Eben noch konnten sie davon träumen, den Urlaub vielleicht an der Küste, an den Seen in Meck-Pomm oder in den Bergen von Thüringen und Sachsen zubringen zu können – gern auch mit Maske und Hygienekonzept. Und nun das.

    Da wird einem schon grummelig im Bauch.

    Aber vielleicht hilft die kleine Auswahl, die Frauenberger aus den vielen herzhaft benannten deutschen Gerichten getroffen hat, um wenigstens beim kleinen Beisammensein in der Küche wieder ein wenig Spaß an der Freud zu finden. Das Buch gehört dabei eigentlich auf den Tisch, damit alle mitlesen können, denn Frauenberger hat zu jedem Rezept auch die wahrscheinliche Entstehungsgeschichte von Gericht und Namen erzählt.

    So weit sich das herausfinden lässt, denn die Herkunft mancher Gerichte verliert sich im Dunkel, lässt sich nur schwer zeitlich und regional eingrenzen, weil sie irgendwann einfach dazugehörten zur rustikalen Küche all derer, die aus wenigen Zutaten irgendetwas Essbares zaubern mussten. Viele dieser Rezepte sind eindeutig echte Armen- und Malocherrezepte, Rezepte von Leuten, die aus der Not eine Tugend gemacht haben. Das älteste und berühmteste sind wohl die Armen Ritter, die es heute in unzähligen Variationen gibt.

    Viele dieser Rezepte sind gekennzeichnet dadurch, dass sie schnell und einfach zubereitet werden können – so wie Strammer Max und Halver Hahn. Andere bringen die Experimentierfreude längst vergessener Köchinnen auf den Tisch, die einfach mit all dem, was Wald, Wiese und Garten hergaben, irgendetwas Deftiges kochten, für das dann nur noch der Name fehlte, den dann auch alle künftigen Experimente mit dem Vielerlei verpasst bekamen. Wie bei der Ess-mich-dumm-dran-Suppe, der Wundersuppe oder der Faule-Weiber-Suppe.

    Und auch Rezepte wie der Dibbelabbes, der Dippedotz oder die Beamtenstibbe werden eine ähnliche Herkunft haben. Irgendwo in einer Kate oder einer der einstigen Eckkneipen erfunden, in denen es zum billigen Bier auch ein billiges, aber sättigendes Gericht gab.

    Aber bei den deftigeren Speisen belässt es der Chefkoch nicht. Er hat auch etliche witzige Dessert-Rezepte gesammelt – wozu nun nach Jahrhunderten der immer neuen Verwandlung auch die Armen Ritter gehören. Auch Kuchen und Kekse gibt es in jenem Kapitel, das auch Ausländer beruhigen dürfte, die bei den Krauts nur allerlei fette und gedankenschwere Gerichte erwarten würden. Bei Schweinsöhrchen, Kaltem Hund und Witwenküssen schimmert auch das deutsche Leckermäulchen durch.

    Man könnte es auch das schlechte Gewissen nennen, denn etliche der fein im Buch verteilten Witze beschäftigen sich mit dem Übergewicht der Leute, die aufs Naschen einfach nicht verzichten können, aber den Schmerz über die Fettmassen doch gern weglachen würden. Wissend darum, dass gleich hinterm Spaß wieder der bittere Ernst lauert. Motto: „Ich bin immer nett! Aber wenn ich Hunger habe, hört der Spaß auf!“

    Die deutschen Witze übers Essen passen sichtlich wie die Faust aufs Auge zu den Rezepten. Manches lustig Klingende ist dann doch ernst gemeint und manches Ernstgemeinte erzählt von tief versteckter Sinnenfreude. Zum Schluss gibt es dann auch noch ein paar Drinks wie Heiße Oma und Tote Tante mit mehr oder weniger viel Rum oder Eierlikör. Da sind die Kinder dann hoffentlich im Bett und müssen Papas Witze nicht hören. Aber vielleicht erzählt er diesmal keine, weil es Stolzen Heinrich oder Besoffene Wildsau gegeben hat.

    Wobei – das mit den Wildschweinen wird ja nun auch so ein Problem. Am Ende bleibt wohl nur noch das, wovon sich der Chefkoch immer zu viel macht: „Hoffnung, Gedanken, Nudeln“.

    Herbert Frauenberger Die besten Rezepte mit ungewöhnlichen Namen, Buchverlag für die Frau, Leipzig 2020, 9,95 Euro.

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