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Bamberg an einem Tag: Kaiserdom, Rauchbier und ein Museum für E.T.A. Hoffmann

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    Jetzt schnell mal nach Bamberg. Die Zeit nutzen, bevor Reisen wieder ungemütlich wird. Aber was verlockt an dieser doch eigentlich recht kleinen Stadt an der Regnitz? Kirchen. Kirchen? Kirchen. Jedenfalls kommt es einem so vor, wenn man Christina Meinhardts Tour durch Bamberg durchblättert hat. Wozu braucht eine Stadt so viele Kirchen? Sind die Bamberger so gewaltige Sünder? Ja.

    Der hübsche Hänger war jetzt extra für die Bamberger. Aber die haben es schon lange bedauert, dass sie E.T. A. Hoffmann nicht halten konnten, sondern eigentlich eher vergrault haben, 1813, als Hoffmann verzweifelt sein Amt als Musikdirektor am Bamberger Theater hinschmiss und Bamberg nach fünf Jahren verließ.Und zwar Richtung Leipzig, wo er am Leipziger Stadttheater mit der Secondaschen Truppe im Grunde dieselben frustrierenden Erfahrungen machte, sodass er 1814 beschloss, in den preußischen Staatsdienst zurückzukehren. Da ahnt man nur, wie frustriert er gewesen sein muss: in den preußischen Staatsdienst! Als einer der begnadetsten Dichter seiner Zeit!

    Aber wer seine Novellen liest, kennt all seine Albträume und all die irren Figuren, die ihn geplagt haben. Und natürlich haben viele dieser Geschichten ihren Ursprung in Bamberg. Andere in Leipzig und Dresden. Vom preußischen Staatsdienst gar nicht zu reden. Die Bamberger und Leipziger Spuren findet man in „Fantasiestücke in Callots Manier“, erschienen 1814/1815.

    Und die Bamberger wissen, was sie an dem Tausendsassa verloren haben. Die Leipziger nicht. Sie haben aus seiner zweiten Bamberger Wohnung ein Museum gemacht und irgendwann das ganze Haus als E.T.A. Hoffmann-Haus gestaltet, sodass man in Bamberg am Schillerplatz heute eintauchen kann in die Welt E.T.A. Hoffmanns. Dafür allein schon lohnt sich die Fahrt nach Bamberg. Und wenn man Glück hat, bekommt man auch noch Karten fürs E.T.A. Hoffmann-Theater. So haben die Bamberger ihr Theater benannt.

    Und Hoffmann war ja nicht der einzige, der frustriert von dannen ging. Auch Hegel begegnet man unterwegs im „Haus zum Krebs“, wo der junge Philosoph 1807/1808 als Chefredakteur der Bamberger Zeitung tätig war. Bis er mit dem bayerischen Pressegesetz kollidierte und fortgehen musste. Bayern anno 1808. Manchmal staunt man ja. Aber Staatsregierungen interessieren sich für gewöhnlich wenig bis gar nicht für unzufriedene Autoren, Chefredakteure oder Philosophen.

    Außer, diese werden zu aufmüpfig. Preise und Verdienstkreuze gibt es nur, wenn die Selberdenker nicht aufmüpfig werden. Wobei: Just in der Zeit erschien Hegels erstes großes Werk, die „Phänomenologie des Geists“. Da war noch keine Preußenverherrlichung drin. Die kam erst später, als Hegel dankbar war für den Professorenstuhl in Berlin.

    Und wann kommen die Kirchen?

    Ja, Kirchen und Dome sind meist schöne kühle Orte. Da kann man sich andächtig fühlen und etwas abkühlen, wenn’s draußen so warm ist wie heute.

    Aber in Bamberg lebt noch ein Schriftsteller, den fast alle kennen, die im Kopf noch nicht vergreist sind: Paul Maar, der Erfinder des Sams, nach dem wohl mittlerweile viel mehr Schulen benannt sind als nach Hegel oder Hoffmann.

    Und wann kommen die Kirchen?

    Nix da, denn nach E.T.A.Hoffmann gehen wir hinunter zum Alten Kanal, der der alte Ludwig-Donau-Main-Kanal ist, der hier um das alte Bamberg herumführt. So kommen wir auch an die Regnitz und sehen drüben die Villa Concordia, die unter Literaturliebhabern berühmt ist, auch wegen ihrer Direktorin, einer gewissen Nora Gomringer, von der wir hier zuletzt die „Gottesanbieterin“ rezensiert haben. Einst der Hofpalast eines Beamten, ist die Villa Concordia seit 1998 ein internationales Künstlerhaus, wo man ungestört arbeiten kann. Ein echtes Geschenk in unserer verlärmten Zeit.

    Mit einer Fähre kommt man hier über den Fluss. Sonst muss man laufen zur Unteren oder zur Oberen Brücke, was Christina Meinhardt auch tut. Denn erst so sieht man richtig, dass Bamberg am Wasser gebaut wurde und das Rathaus mittendrin, ein Trutzzeichen besonderer Art, da die Bamberger Bischöfe den Bambergern den Bau eines Rathauses in der Stadt verboten haben. Jedenfalls geht so sie Sage.

    Also rammten sie lauter Pfähle in den Fluss und bauten ihr altes Rathaus drauf, sodass man heute über Brücken zum Rathaus schlendern kann.

    Nebenbei lernt man das Mühlenviertel kennen, kann im Besucherzentrum herausfinden, warum Bamberg Weltkulturerbe ist, und taucht dann mit Schloss Geyerswörth erstmals richtig ein in die bischöfliche Geschichte Bambergs, deren Höhepunkt dann natürlich unter Nr. 31 der Bamberger Dom ist mit dem Bamberger Reiter, dem Diözesanmuseum, der Alten Hofhaltung und der Neuen Residenz. Aber an dieser Stelle dürften wohl allen Kirchengängern die Schuhsohlen qualmen und der Nacken wehtun.

    Aber verraten kann man es ha: Da geht es mit den Kirchen erst richtig los.

    Wer also so eine emsige Kirchenbewunderin an der Seite hat, dem kann man heimlich den Tipp geben, sich am Kramen, im Mühlenviertel oder am Grünen Markt abzuseilen und sich in eines der vielen einladenden Straßenrestaurants zu verkrümeln. Oder gleich mal bis zum Schlenkerla (Nr. 47) vorzulaufen, quasi ohne Umweg ins Ziel.

    Natürlich mit Hoffmanns „Phantasiestücken“ oder einem Band Gedichte von Nora Gomringer, um einfach mal zu genießen, dass Bamberg auch gemütlich sein kann – mit Hörnla und 50 Biersorten, von denen das Rauchbier das berühmteste ist. Universitätsstadt ist Bamberg auch wieder, was nun einmal die Garantie dafür ist, dass eine Stadt genügend Kneipen und Cafés vorhält für Leute, die nicht im einsamen Homeoffice versauern wollen.

    Wer am Beginn der Tour in der Gärtnerstadt aufgepasst hat, weiß jetzt auch, wie echte Süßholzwurzeln aussehen, einst ein begehrtes Exportgut aus Bamberg. Heute eine Rarität, auch wenn das Süßholzraspeln mittlerweile eine Plage ist landauf, landab, on- und offline.

    Dann doch lieber ein grimmiges Apfelweibla aus Bamberg, wie es Hoffmann in „Der Goldene Topf“ verewigt hat, auch wenn die Geschichte an einem Himmelfahrtstag in Dresden handelt. Aber das Apfelweiblein auf der Türklinke stammt aus Bamberg. Und man kann es dort mehrfach noch heute bewundern, betont Christina Meinhardt. Dafür allein schon lohnt sich die Fahrt in die einstige Kaiserstadt des Ottonen Heinrich II.

    Christina Meinhardt Bamberg an einem Tag, Lehmstedt Verlag, Leipzig 2021, 6 Euro.

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