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Wie die heutigen Auenlandschaften in der Geschichte entstanden: Uni Leipzig beteiligt sich an Forschungsprojekt

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    Der Leipziger Stadtrat beschloss im Juli 2020 endlich. Ein richtiges Auententwicklungskonzept für die Auenlandschaft zu erstellen. Seit 2011 hatte das Projekt „Lebendige Luppe“ ein Stück Auenrevitalisierung im kleinen Maßstab zu bewerkstelligen. Aber mittlerweile ist klar, dass die Wiederherstellung lebendiger Auen ein im Klimawandel viel größeres Thema ist. Und dass man wissen sollte, wie sie einst entstanden. Die Uni Leipzig kann das jetzt zusammen mit den Universitäten Tübingen und Darmstadt genauer erforschen.

    Also braucht man jetzt eine Menge Kenntnisse über die Entstehung der Auen, die ja nicht erst seit 100 Jahren vom Menschen geprägt sind, sondern seit der Besiedlung vor 7.000 Jahren schon.

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird nun in den kommenden sechs Jahren das Schwerpunktprogramm „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ fördern, in dem die Wissenschaftler analysieren werden, wie menschliche Gesellschaften und vorindustrielle Auen Mitteleuropas zusammengewirkt haben. Die Universität Leipzig, die Universität Tübingen und die TU Darmstadt entwickelten gemeinsam das Rahmenprogramm, das in der ersten Phase von drei Jahren mit rund 5,5 Millionen Euro gefördert wird.

    Die Geschichte der heutigen Flussauen

    Auen sind besonders dynamische Landschaften und Kernzonen des Kultur- und Naturerbes Europas. Strategien für Landgewinnung und Risikominimierung, zum Beispiel Hochwasserabwehr, haben dafür gesorgt, dass bis zu 95 Prozent der mitteleuropäischen Auen umfassend überformt oder zerstört worden sind. Selbst Auen, die noch in einem naturnahen Zustand sind, wurden bereits durch menschliche Eingriffe transformiert. Ob und seit wann Menschen auf die Auenentwicklung Einfluss genommen haben, soll im Rahmen des Schwerpunktprogramms erforscht werden.

    Frühmittelalterliche Böschungssicherungen eines Kanalbauwerks in der Rezataue in Mittelfranken. Foto: Lukas Werther/ Universität Tübingen
    Frühmittelalterliche Böschungssicherungen eines Kanalbauwerks in der Rezataue in Mittelfranken. Foto: Lukas Werther/ Universität Tübingen

    Die Federführung für die erste Phase des Projekts übernimmt Christoph Zielhofer, Professor für Physische Geographie an der Universität Leipzig. Das Anliegen beschreibt er so: „Die Auen sind globale Brennpunkte früher menschlicher Eingriffe und sozioökologischer Mechanismen im Zusammenspiel von Mensch und Natur. Fallstudien zeigen, dass vom Menschen verursachte Veränderungen der Oberflächen und der Umwelt der Auen bereits lange vor der Industrialisierung, nämlich im Mittelalter und der vorindustriellen Neuzeit, begannen. Wir wollen ergründen, wann und warum der Mensch zum kontrollierenden Faktor der Auenentwicklung wurde und wie genau die Wechselwirkung zwischen der menschlichen Gesellschaft und der Natur funktionierte.“

    Prof. Gerrit Jasper Schenk, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der TU Darmstadt ergänzt: „Auenlandschaften sind die Wiege unserer Kultur. Ob in Mesopotamien oder am Rhein – Auenlandschaften sind ein Inkubator soziokultureller Entwicklungen und zugleich haben sie die Funktion eines Sensors für die Gefahren, die durch immer dominierendere menschliche Eingriffe entstehen.“

    An dem Schwerpunktprogramm sind weiterhin Professorin Natascha Mehler und Privatdozent Dr. Lukas Werther vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Tübingen und Gerrit Jasper Schenk, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der TU Darmstadt, beteiligt.

    Elbe wird Modellregion

    Als Modellregionen für systematisch vergleichende Analysen dienen, die früh transformierten und soziokulturell hochrelevanten Flusssysteme des Rheins, der Elbe und der Donau.

    „Durch den spezifischen räumlichen und zeitlichen Rahmen versprechen wir uns Rückschlüsse auch auf die Entwicklung weiterer Auenlandschaften Mitteleuropas und damit Erkenntnisse von globaler Relevanz zur Frage, ab wann und in welchem Ausmaß der Mensch potenziell riskant in die Entwicklung der Natur eingegriffen hat. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einer Anthroposphäre“, erläuert Privatdozent Dr. Lukas Werther.

    Im Zusammenspiel von Archäologie, Geo- und Geschichtswissenschaften soll die Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt „auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ multidisziplinär und mit innovativen Methoden erforscht werden.

    „Ein deutschlandweites Förderprogramm mit Einbindung internationaler Expertise zur Erforschung der natürlichen Auenlandschaften hin zu menschlich stark überprägten Landschaften für die kommenden sechs Jahre zu bekommen ist für das gesamte Team phantastisch“, freuen sich Professorin Natascha Mehler und Professor Gerrit Jasper Schenk.

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