10.1 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Ökolöwe zum Stadtratsbeschluss: Leipziger Aue bleibt weiter Werbeaushang für den Massentourismus

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Es war ein Kompromiss, den der Stadtrat am 14. Oktober beschloss: Das Umweltdezernat darf an die Erarbeitung eines neuen Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK) gehen – aber unter Beachtung des Auenrevitalisierungsprogramms. Und Michael Neuhaus (Die Linke) wurde sogar recht deutlich, was alles nicht im neuen WTNK auftauchen dürfte, wenn sich die Verwaltung dran hält. Trotzdem findet der Leipziger Ökolöwe: Diese Fortschreibung hätte es nicht geben dürfen.

    Denn damit habe der Stadtrat die Pforte für Massentourismus auf Leipzigs Gewässern geöffnet. „Statt der Verwaltung die Prioritäten im Auwald deutlich vorzugeben, lässt der Stadtrat ihr weiter freie Hand“, kommentiert der Ökolöwe diese Stadtratsentscheidung, für die die Verwaltung übrigens keine Rückendeckung durch die Umweltverbände hat.

    Darauf wies in der Stadtratsdebatte Jürgen Kasek, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion hin. Alle Umweltverbände verließen den Runden Tisch, den der Grüne Ring zu dieser WTNK-Fortschreibung angesetzt hatte.

    „Die anderen Teilnehmer blieben aber dabei“, meinte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal.

    Wofür er den bissigen Kommentar erntete: Die profitieren ja vom WTNK. Denn es sind vor allem die Nutznießer der Öffnung für den Wassertourismus.

    Und die Umweltverbände sitzen auch jetzt wieder am kürzeren Hebel. Sie haben in Leipzig ihre Erfahrungen gesammelt mit gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsprozessen. Die neuen Eisenbahnbrücken in der Elsteraue sind jetzt schon das anschauliche Beispiel für diese Nicht-Berücksichtigung der vorgebrachten Einsprüche.

    Für den Ökolöwen ist klar: Die Ratsfraktionen haben mit ihrer Zustimmung eine einmalige Chance vergeben.

    „Unseren Standpunkt haben wir Ökolöwen zusammen mit dem BUND Leipzig in einer Pressemitteilung nochmals verdeutlicht. Denn mit diesem Beschluss werden nun Tatsachen geschaffen, die der Gewässerrenaturierung im Weg stehen. Das Konzept betrachtet die Nutzung der bestehenden Gewässer ohne die revitalisierte Auenlandschaft zu kennen. Für uns Ökolöwen heißt es jetzt, dranbleiben und die Rettung des Auwaldes verteidigen.“

    Wobei es zumindest ein Instrument gibt, mit dem jetzt gearbeitet werden kann, so der Ökolöwe: „Im Mai 2020 bekannte sich der Leipziger Stadtrat endlich zur Rettung der Leipziger Aue, indem er das Auenkonzept in Auftrag gab. Hierbei wurde explizit beschlossen, dass der Revitalisierung keine einzige Maßnahme im Weg stehen darf.

    Ganz oben auf diese Maßnahmenliste gehört das wassertouristische Nutzungskonzept (WTNK) mit seinen wasserbaulichen Projekten! Als gäbe es diesen Beschluss nicht, sollen in der Ratsversammlung am 7. Oktober 2020 Tatsachen geschaffen werden: Der Grüne Ring will den Massentourismus auf Leipzigs Gewässern und somit auch im Schutzgebiet Auwald voranbringen.“

    Der Beschluss wurde dann in die Sitzung am 14. Oktober vertagt. Mit dem erwarteten Ergebnis.

    „Wenn der Stadtrat vor dem Auenkonzept die Aufstellung und dann das WTNK beschließt, handelt er gegen seinen eigenen Beschluss!“

    So sahen es freilich nur die Grünen. Womit schon jetzt absehbar ist, dass es bei der parallelen Entwicklung beider Konzepte – des Auenentwicklungskonzepts (das 2023 fertig sein soll) und des WTNK – noch viele Konflikte und Reibungen geben wird. Wahrscheinlich nicht nur die nächsten drei Jahre.

    Aufstellungsbeschluss zum WTNK: Grüne befürchten weiteres Aufblähen des Wassertourismus

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall zu entdecken.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      5 KOMMENTARE

      1. 😀
        Danke für die überwältigende Unterstützung!

        Dass daran gearbeitet wird, wusste ich leider nicht.
        Wäre der Kommunikation wert gewesen…
        Erfreulich!

      2. Ohne eine Bewertung der Umweltverbände vorzunehmen: Ich denke gelesen zu haben, dass der Ökolöwe sich gemeinsam mit den anderen Umweltverbänden dagegen ausgesprochen und dieses auch in den Stellungnahmen niedergeschlagen hat. Leider wurde ja dann sinnloser Weise anders entschieden.
        Hier wollte ich wieder einmal in der L-IZ recherchieren (den Link zum Gesamtgutachten inkl. der Stellungnahmen gab es mal in / unter einem Artikel), aber leider ist mit der Suchfunktion nichts konkret zu finden. Jede Menge Artikel bspw. mit dem Suchwort „brücke“ erscheinen (auch wenn der Begriff nicht in der Überschrift steht), aber mein gesuchter zum Thema war verblüffenderweise nicht dabei!

      3. Für einen Umweltverein, dessen Geschäftsführer sehr gute Kontakte zur Leipziger Verwaltung haben soll, ist die Kritik hier auf den ersten Blick recht drastisch und bewundernswert klar.
        Auf den 2. Blick (den, der sich auf die Realitäten richtet, statt auf die Worte, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen) jedoch nicht:
        Wo war der Ökolöwe den in der Zeit wo der stattfindende Umbau der ICE-Brücken in der Nordwestaue zu verhindern bzw. die Stadt davon zu überzeugen, dass sie das ihr zustehende Veto gegen die (für eine echte Renaturierung viel zu
        kleindimensionierten) neuen Brückebauten einlegen?!
        Warum haben die Verbände nicht gemeinsam vor den Gerichten geklagt.
        Dieser Neubau steht nun in der Welt – wie bedauerlich aber auch, dass wir hier nun gar keine richtigen Flutungen in die Breite machen können – bleibt nur der Motoboottourismus.

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige