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Ökolöwe mahnt: Das Verkehrsdezernat verbaut die Zukunft der Luppe-Aue

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    Es war zu erwarten, dass def Stadtrat diese Vorlage am Mittwoch, 16. September nicht mehr schaffen würde: "Ersatzneubau Leutzsch-Wahrener Brücke (II/5) im Zuge der Gustav-Esche-Straße über die Nahle - Bestätigung der Vorzugsvariante". Die Vorlage kam knapp vor den Sommerferien erst ins Verfahren. Und erst am Mittwoch konnte auch der Ökolöwe seine Position formulieren.

    Das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig hat dem Stadtrat seine Planvariante für den Ersatzneubau der Nahlebrücke im Verlauf der Gustav-Esche-Straße vorgelegt. Erst in mehreren verschiedenen Varianten, letztlich mit einer Vorzugsvariante, die eine oberirdische Querung für Radfahrer vorsah. Aber die Vorlage diskutierte nur beiläufig die Frage: Reicht der Querschnitt eigentlich auch für künftige große Hochwasserereignisse aus?

    „Wenn die Brücke so klein gebaut wird, bleibt die Nahle ein reiner Abflusskanal“, sagt Friederike Lägel, umweltpolitische Sprecherin der Ökolöwen. „Die Nahle muss wieder natürlich fließen, um der Vertrocknung der Aue entgegen zu wirken. Dafür braucht es eine größere Brücke. Die enge Brücke des Verkehrsamtes dreht der Luppe-Aue den Wasserhahn zu.“

    Aus Sicht des Ökolöwen verstößt die Vorlage auch gegen das geplante Auenentwicklungskonzept, das freilich erst 2023 vorliegen soll. Darin soll auch geklärt werden, wie mit den baulichen Hindernissen in der Elster-Luppe-Aue umgegangen wird.

    Erst im Mai dieses Jahres hat der Stadtrat ein Auenkonzept in Auftrag gegeben und explizit beschlossen, dass dem keine einzige Maßnahme im Weg stehen darf. „Das heißt: ohne Auenkonzept kein Brückenbau“, kommentiert es Lägel. „Wir Ökolöwen hoffen, dass der Stadtrat das Verkehrsamt beauftragt, die Brücke entsprechend anzupassen und größer zu bauen, anstatt die Flussregulierung in der Aue wie vor 100 Jahren fortzuschreiben, als gäbe es hier keinen defizitären Wasserhaushalt.“

    Dadurch, dass die Vorlage des Planungsdezernats am Mittwoch, 16. September, nicht mehr zur Abstimmung kam, bleibt noch einmal Zeit zum Überlegen bis zur nächsten Stadtratssitzung.

    Die Grünen-Fraktion hatte noch einen Änderungsantrag eingereicht, der das vom Ökolöwen angesprochene Thema aufnimmt: „Die im Sachverhalt erläuterte geplante Baumaßnahme und Vorzugsvariante 1a 5 der Verkehrsanlage wird als Grundlage für die Weiterführung der Planung bestätigt (Variantenentscheid). Die Anlage des Radweges unter der Brücke sowie eine etwaige Vergrößerung der Brückenöffnung erfolgen in Abstimmung mit den Ergebnissen des Auenentwicklungskonzeptes.“

    Was freilich eine Verzögerung imBaubeginn nach sich zieht, den Bauen will die Stadt die neue Brücke schon 2023 – also ohne vorliegende Ergebnisse zum Auenentwicklungskonzept. Def Grund: Die 1928 gebaute Brücke ist marode und hat nur noch die Zustandsnote 4.

    Die historische „Luppe“ wurde in den 1920er und 30er Jahren als „Nahle“ zur Drainage der Aue tief ausgebaut und bewirkt deren fortschreitende Austrocknung. „Es muss doch jetzt endlich der Stadtverwaltung Leipzig klar sein, dass die kanalisierten Flüsse nicht so bleiben können, wenn die Leipziger Elster-Luppe-Aue noch eine Chance haben soll“, erklärt Lägel. Um die Nahle als natürlichen Luppe-Fluss zu renaturieren, braucht sie ein breites und hochliegendes Flussbett mit Platz für eine strukturreiche Uferzone.

    Das wenigstens hat die Vorlage der Stadt berücksichtigt: Das Sohlbett der Nahle soll künftig um 2,5 Metef angehoben werden.

     

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    4 KOMMENTARE

    1. Ja, das Abschmettern der Umweltverbände bei den 3 Brücken zeigte, dass, solange nichts geplant und in trockene Tücher gepackt – dieses auch nicht für voll genommen und beachtet wird.
      Da baut man doch lieber mal schnell 3 Brücken für 100 Jahre Bestand.
      Das ist in Beton gegossene Ignoranz.
      Das AEK kommt zu spät, aber immerhin ist es in Sichtweite.

      Allerdings war die Stadt Leipzig mit ihrem Denkmalschutz auch nicht ganz unschuldig.
      Diese hat aber nun tatsächlich die 2.5m Sohleerhöhung berücksichtigt (Nahlebrücke).
      Diese Notwendigkeit war aber bestimmt den Experten ab 2015 von unterer und oberer Wasserbehörde auch klar.
      Trotzdem wetterten sie bei den 3 Brücken dagegen bzw. erachteten es nicht für nötig, darauf Rücksicht zu nehmen.
      Man liest nur in jedem 3. Verteidigungssatz, wie toll und besser doch das Hochwasser nun abfließen kann.
      Das wird alle flussabwärts liegenden Kommunen an Elster, Luppe & Co gefreut haben…

    2. Hmmm, wer da wann geschlafen hat oder andere lieber abwertet, als sich mit Inhalten gemeinsam zielführend zu beschäftigen?
      „Heuweg – 3 neue Eisenbahnbrücken
      Im Jahr 2015 kündigte die DB an, im Jahr 2019 die Eisenbahnüberführungen (EÜ) Weiße Elster, Luppe, Nahle entlang des Heuweges neu zu bauen.
      Im Dezember 2016 startete das Planfeststellungsverfahren. Hierzu nahmen auch Ökolöwe, BUND und ADFC Leipzig Stellung.
      Ab dem Erörterungstermin im Juni 2017 haben die drei Verbände die Stellungnahmen gemeinsam erarbeitet und gleichlautend ins Verfahren eingebracht.
      Im Juni 2018 machte der ADFC Leipzig den Oberbürgermeister auf die Planung und die damit verbundenen Konsequenzen aufmerksam.
      Der Planfeststellungsbeschluss wurde am 15.11.2018 zugestellt.“
      https://www.adfc-leipzig.de/heuweg-3-neue-eisenbahnbr%C3%BCcken

      Dort findet sich auch der „Planfeststellungsbeschluss EÜ Weiße Elster, Luppe und Nahle vom
      30.10.2018“.
      https://www.adfc-leipzig.de/sites/adfc-leipzig.de/files/dossiers/heuweg/eue_weisse_elster_luppe_und_nahle.pdf
      Geht zwar um das Eisenbahnbundesamt, aber die ablehnende Argumentation dem Ökolöwe (u.a.) gegenüber, mit Begründung der verschiedenen Ämter, sollte man schon lesen,
      um zu verstehen, was einen bei einer weiteren (Straßen-)Brücke da so erwarten könnte.
      Ab Seite 49 auch die Absage an den Ökolöwen. Nur mal 2 „Perlen“ daraus:

      „Die Vorhabenträgerin erklärte in ihrer Erwiderung, sie hätte die Zulassungsfähigkeit der Varianten in der UVS nachgewiesen. Die Ergebnisse der UVS seien in die Gesamtvariantenabwägung eingeflossen. Dabei müsse die Gesamtvorzugsvariante des Vorhabens nicht zwangsläufig die umweltverträglichste Variante sein. Es habe eine gleichwertige Beurteilung aller Bewertungsparameter zur Zielerreichung gegeben, zu denen u. a. die Umweltverträglichkeit, aber auch die Verkehrsqualität und -sicherheit, die Wirtschaftlichkeit und die Betroffenheit Dritter zählen würden.“

      „Im Übrigen besitzen die Planungsabsichten der Überleitung des Hochwassers der Parthe in die Luppe und des Projektes „Lebendige Luppe“ nicht die fachplanerische Tiefe und Verbindlichkeit, die eine weitere Berücksichtigung im Rahmen des plangegenständlichen Vorhabens rechtfertigen würden.“

    3. „Es wird schon nicht so schlimm werden, wurde es bis jetzt ja auch immer nicht. Warum soll ich denn da, ausgerechnet ich?“

      Aber schön, daß der Ökolöwe aufwacht, bei den Eisenbahnbrücken, die gerade im Bau sind, haben sie ja noch geschlafen. Oder hatte ich da nur was verpaßt?

    4. In Leipzig wollen manche Leute ja auch keine Zukunft für die Aue. Angesichts der politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre beschleicht mich sogar das Gefühl, dass manche Leute erst glücklich sind, wenn der Auwald komplett kaputt und ausgetrocknet ist. Wahrscheinlich freuen die Leute sich dann auch noch, wenn dann bedrohte Tier- und Pflanzenarten aussterben (denn die stören ja sowieso bei Baumaßnahmen). Die hunderste Mahnung und der tausendste Aufruf ändern daran auch nichts. Ist wie mit dem Klimawandel: die halbe Welt kann schon am brennen sein, ganze Länder können verdursten oder überschwemmt werden, aber solange man sich ein SUV kaufen kann, fährt man damit auch weiter. Da wird auch gemahnt, gewarnt, aufgerufen – und? Keine Reaktion bei der Menschheit. Wahrscheinlich wird erst reagiert, wenn es zu spät ist.

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