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Auswirkungen des Klimawandels: Selbst bei Säugetieren gibt es riesige Datenlücken

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    Mit seinem Aufheizen der Atmosphäre hat der Mensch in den letzten 100 Jahren etwas angerichtet, was nicht nur ihn selbst und die von ihm geschaffene Kultur bedroht. Es setzt auch die komplette Natur unter Stress und Leipziger Biodiversitäts-Forscher befürchten wohl zu Recht, dass viele Tierarten sich nicht schnell genug an die veränderten Klimabedingungen werden anpassen können. Das iDiV warnt.

    Denn: Unser Wissen darüber, wie Säugetierpopulationen auf den Klimawandel reagieren, ist äußerst lückenhaft – besonders in den Regionen, die als am empfindlichsten betrachtet werden. Dies ergab eine internationale Studie, die von sDiv, dem Synthesezentrum des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), initiiert wurde. Beteiligt waren Forscher der Universität Zürich, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und andere. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Journal of Animal Ecology“ veröffentlicht.

    Völlig ungenügende Datenlage

    Fast 25 Prozent aller Säugetierarten sind vom Aussterben bedroht, wobei sich dieses Risiko durch den Klimawandel noch verschärft. Doch die Art und Weise, wie sich der Klimawandel jetzt und in Zukunft auf die Tiere auswirkt, ist komplex. Unterschiedliche Umweltveränderungen haben vielfältige und teilweise gegensätzliche Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Lebens von Tieren, wie etwa die Fortpflanzung und das Überleben (bekannt als demographische Raten).

    Die neue Studie des internationalen Teams von Forschern aus 15 verschiedenen Institutionen hat herausgefunden, dass die meisten Studien über terrestrische Säugetiere jeweils nur eine dieser demographischen Raten betrachtet haben und somit möglicherweise nicht das gesamte Bild der Auswirkungen des Klimawandels zeigen.

    Initiiert durch das iDiv-Synthesezentrum sDiv führten die Forscher eine Literaturrecherche durch, wobei sie die Artnamen von 5.728 terrestrischen Säugetieren verwendeten. Ziel war es, Datenbanken mit wissenschaftlichen Arbeiten nach Studien zu durchsuchen, die demographische Raten mit Klimavariablen wie Niederschlag und Temperatur in Beziehung setzen.

    Lediglich 106 Studien, die sowohl das Überleben als auch die Reproduktion gleichzeitig untersuchten, konnten die Forscher identifizieren. Diese decken 87 Arten ab, also weniger als 1 Prozent aller terrestrischen Säugetiere.

    Nicht nur ein Faktor bestimmt die Überlebensfähigkeit

    „Studien zu den Auswirkungen des Klimas auf das Überleben oder aber auf die Reproduktion von Populationen gibt es viele – nicht jedoch zu beidem. Aber nur in seltenen Fällen wirkt sich eine Klimavariable wie etwa die Temperatur durchgängig negativ oder positiv auf alle untersuchten Überlebens- und Reproduktionsraten aus“, sagt Erstautorin Dr. Maria Paniw, die die Studie an der Universität Zürich durchführte. Heute arbeitet sie in Spanien.

    Höhere Temperaturen könnten einerseits zum Beispiel die Anzahl der Nachkommen verringern. Wenn diese aber aufgrund der geringeren Konkurrenz eine bessere Überlebenschance haben, wird die Populationsgröße nicht unbedingt beeinträchtigt. Andererseits, wenn höhere Temperaturen sowohl die Fortpflanzungs- als auch die Überlebensrate verringern, könnte eine Studie, die nur eines von beiden untersucht, die Auswirkungen auf eine Population unterschätzen.

    „Dementsprechend brauchen wir mehr Forschung zu Säugetierpopulationen, die mehrere demographische Aspekte über den gesamten Lebenszyklus hinweg berücksichtigt“, sagte Mitautorin Prof. Tiffany Knight von MLU, UFZ und iDiv. „Um evidenzbasierten Naturschutz zu betreiben, sind ganzheitlichere Ansätze bei der Datenerhebung und -integration nötig. Nur so können wir die Mechanismen zum Überleben von Populationen vollständig verstehen.“

    Die Studie ergab auch eine Diskrepanz zwischen den Regionen, in denen Studien über die Auswirkungen des Klimawandels auf Säugetiere durchgeführt werden, und den Regionen, für die durch den Klimawandel die meisten Auswirkungen erwartet werden. So konnten zum Beispiel kaum Daten aus Bergregionen gewonnen werden.

    Die Forscher geben außerdem zu bedenken, dass es noch größere Datenlücken für Tiergruppen gibt, die weniger gut untersucht sind als terrestrische Säugetiere wie Insekten und Amphibien. Diese Daten werden dringend benötigt, um zu erfahren, welche Arten am stärksten vom klimabedingten Aussterben bedroht sind.

    Die neue Studie wurde u. a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG; FZT-118) unterstützt. Sie ist ein Produkt der sDiv-Arbeitsgruppe sAPROPOS. iDiv‘s Synthesezentrum sDiv unterstützt Arbeitsgruppentreffen, bei denen internationale Forscher gemeinsam an wissenschaftlichen Fragestellungen arbeiten.

    Publikation: Paniw, M, James, T. D., Archer, C. R., Römer, G., Levin, S., Compagnoni, A., Che-Castaldo, J., Bennett, J. M., Mooney, A., Childs, D. Z., Ozgul, A., Jones, O. R., Burns, J. H., Beckerman, A. P., Patwary, A., Sanchez-Gassen, N., Knight, T. M., Salguero-Gómez, R. (2021): The myriad of complex demographic responses of terrestrial mammals to climate change and gaps of knowledge: A global Analysis, Journal of Animal Ecology

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