Avanti, avanti!

LeserclubSo ganz konkret hatte Herr L. tatsächlich noch nie auf eine schwarze Limousine gewartet, die mit Reifenknirschen vorm Zeitungshaus vorfuhr, drei bullige Männer in Schwarz entsteigen ließ, von denen dann einer dem teuren Besitzer von Karosse und Bodybuildern die Tür aufhalten würde. Aber er musste nicht warten. Und es fuhr auch kein gepanzertes Auto vor.

Sondern eine knallrote Vespa, auf der ein kleiner runder Mann saß, einen roten Helm auf dem Kopf und einen grünen Schlips im Winde flatternd. Don Leone persönlich, wie er leibte und sich vom Sitz schwang, als hätte er gerade ein besonders stolzes Ross geritten.

„Hab ich zu viel versprochen, mein lieber Herr L.?“, begrüßte und bestürmte er ihn, umschlang ihn regelrecht und ließ ihn eigentlich auch nicht zu Wort kommen, bevor Herr L. nicht ordentlich auf dem Rücksitz saß. Behelmt natürlich mit einem weißen Helm, der unübersehbar die Werbung für Don Leones bestes Restaurant trug.

Und dann gab es eine Stadtrundfahrt mit einem stolzen Italiener, der es sichtlich genoss, seine Beute in der ganzen Stadt zu präsentieren. Denn so fühlte sich L., auch wenn ihm der umtriebige Gastronom versichert hatte, dass er ihn nur deshalb durch die Stadt fuhr, damit alle Leute sehen konnten, mit wem Herr L. da an diesem Freitag unterwegs war. „Damit auch keiner auf die Idee kommt, ich würde sie irgendwo kidnappen oder verschwinden lassen …“

„… beispielsweise mit einem Klumpen Beton am Fuß …“, ergänzte L.

„Beispielsweise“, stimmte ihm der fröhliche Neapolitaner zu. „Ich hab es nicht vergessen, mein lieber L.“

„Was nicht vergessen?“

„Ihre Liebe zu Krimis, mein Lieber. Ich merke mir alles. Und ich kenne nicht viele Krimi-Leser. Sie sind eine besondere Spezies, caro mio. Soll ich schneller fahren?“

„Nur zu. Dann wird es ein tragischer Unfall. Armer Reporter tot. Untröstlicher Don Leone.“

„Mit meiner Vespa? Aber Herr L., das Rollerchen ist Millionen wert! Liebevoll gepflegt, ein Kleinod. Und Sie sitzen drauf.“

„Das darf nicht jeder?“

„Das darf nicht jeder. Nur meine besten Freunde.“

Kleines Stutzen bei L. Vielleicht hatte er heute doch eine zu große Klappe?

„Und Freundinnen“, ergänzte Don Leone. Und es klang genau so, als würde er die schönsten weiblichen Formen seiner Freundinnen mitsprechen. War er jetzt Don Leones neue Freundin? Oder nur ein neuer Amigo mio, der tatsächlich eine Menge erstaunter Blicke auf sich zog, denn auch die Kurve am Redaktionsgebäude der Konkurrenz ließ Don Leone nicht aus, wo der Blasse rauchend in frischer Luft stand und Herrn L. tatsächlich tief in die Augen schauen konnte, so dicht knatterte die Vespa an ihm vorbei. Nicht ganz zufällig. Don Leone hatte zuvor recht eifrig die Hupe bedient. Er wollte wirklich, dass alle ihn sahen mit seinem neuen Fang, den er tatsächlich eine fröhliche Viertelstunde durch die Straßen  fuhr, bevor er eben nicht vor das noble Florenzia fuhr mit seiner heimeligen Atmosphäre der noblen Verschwiegenheit. Stattdessen rollte er vor das kleine Café, in dem man – ganz italienisch – an einem langen, blitzblanken Marmortresen sitzen und seine Esspressochen trinken konnte. Oder am einzigen Tisch mit zwei Stühlchen direkt im Schaufenster des Cafés, das in diluvianischen Zeiten mal ein Schirmgeschäft gewesen war. Späterhin eine Versicherungsagentur, ein Klamottenlädchen und ein Blumen-Shop, bevor eines Tages die Maler kamen, das ganze Haus in Buttercreme tauchten und an der Glasscheibe in Goldlettern der Name „Roma“ aufblitzte. Edel, aber mit dieser Prise Zurückhaltung, die den meisten Passanten signalisierte, dass es hier eher schrecklich distinguiert und langweilig zuging. Also eher etwas für Leute, die ein winziges Tässchen Espresso mit einer schwarzen Karte bezahlten und diverse Scheine aus dem Portemonnaie eher als Trinkgeld dazugaben.

Wozu man solche Cafés in einem Städtchen wie L. brauchte, hatte Herr L. zwar bis heute nicht herausgefunden. Dafür bekam er ein besonders großes Tässchen mit Espresso, während Don Leone sich vor ihm wohlig auf dem Stuhl platzierte und ein sanftes Wässerchen gereicht bekam.

„Mein armer Magen. Sie verstehen …“

L. verstand. Und verbrühte sich – wie immer wenn er einen Espresso trank – die Zungenspitze. Autsch und Aua. Und ein bemitleidender Blick des erfahrenen Gastronomen, der das wohl kannte von seinen hiesigen Gästen. Diesen immerfort Eiligen und Getriebenen.

„Vielleicht“, sagte er.

„Was vielleicht. Vielleicht zu heiß?“

„Espresso ist immer zu heiß. Aber das wissen Sie doch. Nein. Ich meine den Krimi-Leser L., den Burschen, dem ich gestern Nacht so eine schreckliche Szene …“

„Schon vergessen …“

„Gar nicht vergessen, mein Lieber. Ich mache meine Geschäfte nur in dieser kleinen, schönen Stadt, weil ich Acht gebe auf meine Kunden und Freunde. Es tut mir wirklich von Herzen leid, dass wir Sie so erschreckt haben. Das war nicht meine Absicht.“

„Aber“, fragte L. lieber dazwischen, bevor der kleine Mann übersprudelte. Ein Tellerchen mit Obst tauchte auf dem Tischchen auf. Und eine Schale mit Pralinés. „Greifen Sie zu! Sie sind mein Gast!“

„Und das Aber?“

„Das Aber ist meine herzliebste Freundin, die mit in Ihrem Autochen saß.“

„Die Diva?“

„Oh ja. Ein bezauberndes Mädchen, finden Sie nicht?“

„Ich kenne sie mehr als Künstlerin. Sängerin. …“

„Ach ja? Sie wollen doch einen armen alten Sizilianer nicht auf den Arm nehmen, oder?“

Hatte er ihm zugezwinkert oder war das eher ein kleiner, kurz aufflackernder Reptilienblick, mit dem ihn Don Leone gemustert hatte?

„Nie im Leben würde ich …“

„Dann flunkern Sie doch nicht, mein Lieber. Wir sind hier unter uns. Mein Mobiliar hat keine Ohren. Und meine Neffen sind Familie. Die wissen alles von mir, aber sind stumm wie ein Grab. Wenn es sein muss. Also immer. So, wie das bei uns in guten Familien ist. Zuhören, lernen und tun, was Papa sagt. Oder Mama. Kommt immer auf die Umstände an, nicht wahr?“

Die Pralinen verschwanden auf seltsam geschmeidige Weise eine nach der anderen. L. trank seinen Espresso und fühlte sich trotzdem wohl. Es ging tatsächlich nicht um ihn.

„Greifen Sie zu, mein Lieber. Alles selbst gemacht von fleißigen Bienchen.“

„Und gestern Nacht?“

„Gestern Nacht? Gestern Nacht hat mich ein aufgeregtes Mädchen daran erinnert, dass es vielleicht keine schlechte Idee ist, einem alten Freund einen schönen Espresso zu spendieren. Einem …“ Don Leone spitzte genüsslich die Lippen und wieder entschwand ein Praliné. „… Freund guter Krimis.“

„Das Thema hatten wir schon“

„Ich weiß. Und ich habe es auch nicht ohne Absicht angesprochen. Denn wer Krimis liebt, der ist – verzeihen Sie den Ausdruck – ein unverbesserlicher Weltverbesserer. Der möchte, dass alles gut wird am Ende. Dass Romeo nicht sterben muss und Julia gerettet wird. Sie möchten immerzu Julia retten, mein Lieber.“

„Welche Julia?“

„Ich könnte sie auch Eva nennen oder la giustizia …“

„Die Justiz? Ich will doch nicht die Justiz …“

„So ist das mit den Fremdwörtern in Ihrer Sprache, lieber Herr L. Sie vergessen immer, wo sie herkommen. La giustizia heißt Gerechtigkeit. Nichts anderes. Nicht Recht oder Richter. Sondern ganz einfach Gerechtigkeit. Und es gibt Menschen wie Sie und mich, die glühen vor Verlangen nach Gerechtigkeit. Sie würden alles dafür geben …“

„Na ja…“

„Doch, glauben Sie mir. Sie halten es gar nicht aus, wenn es in der Welt nicht gerecht zugeht. Sie werden zornig und wütend und ihr Blut wallt …“

„So schlimm ist es nun wirklich nicht.“

„Doch“, sagte Don Leone. Und zum ersten Mal klang seine Stimme auch nicht aufgekratzt, als wolle er sein Gegenüber mit süditalienischer Fröhlichkeit einfach erschlagen. „Ich lese Ihre ganzen Artikelchen, die sie da jeden Tag schreiben über dieses nette, liebenswerte Städtchen. Andere brüllen die ganze Zeit im Radio: WIR LIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEBEN DIESE STADT! Aber in Wirklichkeit ist ihnen alles – scusi – scheißegal. Es tut ihnen nicht weh, wenn ein Haus umfällt oder eine Kneipe schließ. Oder ein Park weggehauen wird, weil ein Parkplatz hin soll. Braucht man alles, bestimmt, keine Frage“, murmelte Don Leone. „Aber wenn man liebt, dann ist man auch mal zornig. Und wütend. Und traurig. Man ist nicht immer fröhlich. Ich weiß, wovon ich spreche …“

„Von den Mädchen?“

„Ach Gottchen, ja. Die schönen Frauen. Aber man liebt nicht nur Menschen. Als ich vor 500 Jahren hier ankam …“

„500 Jahre?“

„Natürlich, mein Lieber! Wenn man sich in so ein kleines, verschlafenes Städtchen verliebt, dann sind 500 Jahre wie ein Tag. Und ein Tag ist wie 500 Jahre und eine Nacht.“

„Welche Nacht?“

„Sie lenken ab. Sie würden niemals zugeben, dass sie dieses kleine, engstirnige Nest lieben, stimmt’s?“

„Wie könnte ich …“

„Natürlich könnten Sie. Aber das würde Ihnen kein Mensch glauben. Sie sind zu kritisch. Sie schreiben immer über Dinge, die Ihnen wehtun, die Ihnen das Herz zerreißen …“

„Ich dachte mal, darum ginge es …“

„Natürlich geht es darum. Aber dabei treten Sie immerzu den Leuten auf die Füße, die felsenfest davon überzeugt sind, dass ihnen diese Stadt gehört. Die überzeugt sind, dass sie mit diesem Städtchen machen können, was sie wollen. Und dass das niemanden etwas angeht. Schon gar nicht die Presse. Also Sie, mein Lieber. Sie wissen, dass ich mich mit Ihrem Chef unterhalten habe?“

„Ich habe sowas gehört …“

„Ich werde mich noch einmal mit ihm unterhalten. Ich werde ihn mit seiner schönen blonden Braut in mein ‚Florenz‘ setzen und mit allem beköstigen, was Italiens Wälder zu bieten haben. Ich werde ihn rund und zufrieden machen …“

„Und glücklich …“

Ein Löffel fiel klirrend zu Boden. Der emsige Bursche hinter dem Tresen hielt mit Gläserpolieren inne.

„Glücklich? Haben Sie Ihren Chef jemals glücklich gesehen? Der Mann weiß nicht mal, was das ist!“

„Ich dachte …“

„In meiner Position, lieber L., muss ich mit jedem sprechen, der in diesem Städtchen irgendetwas zu sagen hat. Glauben Sie mir. Das sind alles sehr, sehr freundliche Menschen. Aber sie wissen nicht, wie man glücklich ist. Man macht mit ihnen Geschäfte. Man kommt ihnen ins Gehege oder auch nicht. Aber man versucht niemals, wirklich niemals, ihr Herz zu erweichen. Sie haben keins.“

„Aber Sie …“

„Natürlich habe ich ein Herz. Ein ganz großes und finsteres. Manchmal bin ich ein Höllenhund. Fragen sie Giorgio, der kann es Ihnen bestätigen.“

„Stimmt“,  kam es vom Tresen.

„Aber niemals bin ich nachtragend. Wir trinken ein Gläschen miteinander, ich verzeihe alles. Mein Herz ist riesengroß. Und dann ist alles wieder gut. Stimmt’s, Giorgio?“

„Stimmt“, kam es vom Tresen.

„Also wollen Sie mich vor den Leuten warnen, die immer so tun …“

„Das muss ich nicht. Das wissen Sie schon selbst. Nein, mein Lieber“, seufzte Don Leone. „Ich muss sie vor dem Mädchen warnen.“

„Welchem Mädchen?“

„Dem mit der schönsten Stimme der Welt, dieser wunderbaren Stimme, bei der ich heulen könnte wie ein Schoßhund …“

„Schlosshund.“

„Nein, Schoßhund. Eigentlich müssten Sie sich an den riesigen Skandal erinnern, den la Diva damals ausgelöst hat …“

„Da war was, stimmt …“

„Natürlich war da was. Aber Sie durften ja nicht darüber schreiben …“

„Ich war irgendwie versetzt, stimmt.“

„Strafversetzt, mein Lieber. Man soll sich nicht verlieben. Auch nicht in eine wunderschöne Stimme.“

„Und wenn man nicht anders …?“

„Dann stirbt Margarita.“

„Sie meinen Julia?“

„Nein, Margarita. Ich bin ein alter schlimmer Ganove aus bella Italia. Aber auf eins konnte ich mich schon immer verlassen, auf meinen Riecher. Hier. Ich merke, wenn es brenzlig wird.“

„Margarita?“

„Ja, der große Margarita-Abend in ihrem alten, gemütlichen, bezaubernden kleinen Club. Müsste jetzt eigentlich ein Groschen fallen. Oder zwei.“

„Aber das war doch nur ein Konzert …“

„Aber eines mit vielen großen Tieren. Alle die großen Tiere, die damals so tun wollten, als würden sie der armen hingestorbenen Belinda noch einmal eine Krokodilsträne nachweinen …“

„Jetzt fällt der Groschen. Danke.“

„Sehen Sie. Und wie ging das große Abschiedskonzert aus?“

„Keine Ahnung. Ich war nicht da.“

„Stimmt. Sie durften nicht. Und ihr Kollege, der da war, durfte auch nicht. Und die Anderen …“

Stimmte. Über das Konzert wurde nichts veröffentlicht. Als hätte es nie stattgefunden. Als hätte es nie Gerede gegeben über eine fuchsteufelswilde Diva, die an einem einzigen Abend ihren Club und ihr halbes Stammpublikum verlor. „Oh, Sie hat wirklich kein Blatt vor den Mund genommen“, sagte Don Leone. „Sogar mir hat sie’s gegeben. Aber richtig.“

„Deswegen sind Sie so sauer …“

„Ich bin nicht sauer. Ich nenne es den Margarita-Effekt…“

„Hat das was mit Blumen zu tun?“

„Nein. Mit der großen Lust, seinem Herzen einmal richtig Luft zu machen. Vor allen, die es betrifft.“

„Und dann?“

„Dann versenken Sie dich in einem großen Schweigen. Und wenn du keine Freunde hast, die dir ein bisschen helfen in aller Stille …“

„Aber warum Margarita?“

„Weil ihre geliebte Freundin augenscheinlich noch eine Rechnung offen hat. Oder mehrere. Und weil Sie, mein Lieber, nicht ganz unschuldig daran sind.“ Nein, das klang ganz bestimmt nicht mehr aufgekratzt. „Man macht Menschen mit einem großen Herzen keine Hoffnungen …“

Hatte er jemandem Hoffnungen gemacht? So recht wollte das Herrn L. nicht einleuchten. Womit auch?

„Es gibt keine Erlösung für diese Stadt“, sagte Don Leone und schien es auf einmal doch recht eilig zu haben.

„Ich will doch diese Stadt nicht erlösen …“

„Natürlich wollen Sie das. Kommen Sie. Wir müssen uns sputen!“

„Warum das auf einmal?“

Klar. Der Espresso hatte seine Wirkung getan. Herr L. fühlte sich ganz wie er selbst, hätte den ganzen Nachmittag so dasitzen können und zuschauen, wie Menschen mit und ohne Regenschirm vorübereilten.

„Avanti! Avanti!, mein Lieber“, drängte der kleine Gastronom mit dem großen Herzen. Und war schon längst bei seiner Vespa, bevor sich L. aus seinem Stuhl gezwängt und ihm nachgestolpert war.

„Sie wollen ja selber“, brüllte er den kleinen Italiener an, der seine Vespa schon mal knattern ließ.

„Hab ich gesagt, dass ich diese Stadt liebe?“

„Haben Sie.“

„Na also“, brüllte Don Leone. Und L. hatte Mühe, sich gerade noch festzuhalten, schon schoss der Motorroller davon. Zwischen ein, zwei Limousinen hindurch, die so zufällig vorüberrollten, als wenn es in L. an Wochentagen sonst nur so von gleichgültig daherrollenden Limousinen wimmeln würde, in denen Männer in dunklen Anzügen so taten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Und die Geduld von Auftragnehmern, die genau wussten, dass ihnen der Auftrag auch mit Tempo 30 nicht entkommen konnte.

Die ganze Geschichte zum Nachlesen.

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