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Und was passiert jetzt?

Das übliche Tohuwabohu am Tag danach

LeserclubIm Rathaus liefen an diesem Tag die Telefone heiß. Das bekamen Herr L. und sein zunehmend ergrimmter Kollege S. mit, als sie immer wieder versuchten, auf einem der dortigen Telefone durchzukommen und einen der Schwergewichtigen im Amt zu erreichen. Gegen Mittag trudelten dann schon die (Eil-)Meldungen aus Rathaus und Polizei ein, die das aufgeregte Volk beruhigen sollten: Die Staatsmacht kümmere sich, man sei noch ganz am Anfang der Ermittlungen. – „Wahrscheinlich haben sie gerade Kaffee gekocht“, grunzte Kollege S.

Herr Fuchs lässt sich verbinden

LeserclubDie Kopfschmerzen kündigten sich schon an, als Herr L. sich durchs halbe Polizeipräsidium telefonierte. Vielleicht hätte ein heißer Grog geholfen, ordentlich angereichert mit irgendeinem hochprozentigen Kräutersud. Aber es war so ein Montag, wie Herr L. sie nur zu gut kannte. Noch am Sonntag denkt man: Was ist eigentlich los in diesem Nest, was man den Leuten unbedingt am Dienstag brühheiß erzählen müsste? Und dann hört das Telefon nicht auf zu klingeln, weil alle möglichen Leute ihren Kummer in der Redaktion abladen wollen.

Die seltsamen Gäste des ehrenwerten Herrn Fuchs

LeserclubDer Anruf hatte Herrn L. natürlich genau in jenem Moment aus dem Traum gerissen, als er mit letzter Verzweiflung gegen wild angreifende Schatten von Wölfen, Füchsen, Bären und Tigern kämpfte. Zumindest hatte er beim Hochschrecken das Gefühl, dass es diese Raubtiere gewesen sein mussten, wirklich giftige, gierige Bestien, gegen die er sich verzweifelt mit einer zusammengerollten Zeitung wehrte. Ansonsten hatte er das dumme Gefühl, nur mit einem alten, schäbigen Lendenschurz bekleidet gewesen zu sein.

Das Ende des Kosmos

LeserclubSelbst am Montag würde Herr L. nur mühsam rekonstruieren können, was am Sonntagabend tatsächlich geschehen war. Dass es Margarita darauf angelegt hatte, die ganze schön frisierte 1. Reihe in Aufregung zu versetzen, zu piesacken und zu ärgern, war nicht zu übersehen. Man merkte, dass gerade der Ausflug über die Dächer der Stadt in ihr die alte, nie vergessene Wut wieder entflammt hatte.

Das Konzert, genau so, wie es Herr L. erlebt hat

LeserclubWer dabei war, wird sich erinnern. Einmal wenigstens, einmal wieder lebendig gewesen zu sein, ein, zwei Stunden lang. Vielleicht mehr. Hinterher schaute keiner auf die Uhr, denn Margarita, wie Herr L. sie für sich nannte, und die auf Plakaten gern nur DIE DIVA hieß, in ihrem Ausweis aber so einen kleinen bürgerlichen Namen trug, wie man ihn in L. eher mit Bescheidenheit spazieren führte, hatte dieser todtraurigen Stadt noch einmal gezeigt, was sie war, wenn sie träumte. Und dass sie schon lange nicht mehr geträumt hatte.

Margaritas Vorstellung beginnt

LeserclubMüsste das jetzt nicht ganz langsam erzählt werden? Mit Orgelmusik untermalt, ein bisschen aufgebrezelt und hochglanzpoliert? Denn so etwas passiert hier ja nicht mehr, in diesem Städtchen am Rande der Zeit. Talmi ist anderswo. Das Gefühl, wenigstens ab und zu die Aufmerksamkeit der Welt zu erregen, sowieso. Trotzdem beeilte sich Herr L. als der Chef die ganze Seite noch einmal umbrechen wollte, weil ein immer schlecht gelaunter Hausjurist sich im letzten Moment mit Ningeligkeiten gemeldet hatte, fand er jedoch die Redaktionsräume verlassen.

Ein altes Kino erlebt einen Frühling

LeserclubUnd so wehte eine Unruhe durch die Stadt, eine Geschäftigkeit, die dieser kleine Ort in seiner Beschaulichkeit am Wochenende eher nicht kannte. Wie zufällig streiften die Spaziergänge der braven Bürger, die für gewöhnlich lieber jede Stunde daheim auf einer gemütlichen Ottomane verbrachten, die kleine Straße vor dem alten Kino. Don Leone freute sich diebisch. Er hatte das beliebte Eiscafé an der Ecke gerade erst in Schwung gebracht. Als hätte er es geahnt.

Erkennt man das Böse an der Nasenspitze?

LeserclubKann es sein, dass man in manchen Berufen landet, weil man gar nicht anders kann? Hätte Herr L. nicht auch Bäcker werden können, Lokführer oder Straßenfeger? Selten hatte er so oft über dieses Rätsel nachgedacht wie in dieser Woche. Wie kommt der Mensch dazu, seine besten Jahre mit Dingen zuzubringen, die ihn zuweilen zutiefst unglücklich machen? Zumindest ratlos, weil augenscheinlich der komplette Rest der Welt einfach weiterströmte wie ein lehmiger Fluss voller Unrat und Müll.

Herr L. führt sich Gassi und ist gar nicht überrascht

LeserclubKönnen Sie abschalten? Können Sie ihren Job nach Feierabend im Büro lassen, nach Hause fahren und ein völlig anderer Mensch sein? Herr L. konnte es nicht. Er hätte es nur zu gern gekonnt. Sich verwandelt in einen Wochenendmenschen, der nur noch Wochenendgedanken hat. Zum Beispiel mit Mascha in Olegs Tschaika steigen und losdüsen, den Kofferraum vollgepackt mit Picknickereien. Aber der Tschaika war ja im Eimer.

Ein Samstagmorgen entgleist, aber Herr L. kann nicht anders

LeserclubHerr L. hatte die beiden Polizisten in ihrem Auto eher nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen. Wenn sie etwas von ihm wollten, mussten sie warten. Oder klingeln, oder am Montag wiederkommen. Es war Wochenende und die Brötchen in der Tüte rochen wie ein reifes Weizenfeld. Wie ein Kichern im Kornfeld und ein Kuss von seiner Mascha, wenn sie ihn unverhofft überfiel und nicht erwarteterweise. Was manchmal vorkam. Meistens dann, wenn sie etwas zu verbergen hatte.

Ein Vorfall im Morgengrauen, mit Stimmung bitte

LeserclubL. Ein Montag in der nassen Jahrszeit. Und es regnet. Schon seit Stunden. Seit einer Stunde steht ein Mann am Straßenrand und wartet. Er weiß nicht, was in dem Haus passiert, das hier zwischen grünen, kurzrasierten Wiesen steht. Golfplatzgefühl. Eher eine Villa mit Ziertürmchen, einem Balkon auf wuchtigen Säulen, einer breiten Freitreppe, die geradezu einlädt, dass man mit Vierspänner vorfährt. Die Einwohner von L. kennen das Anwesen. Es gehört einem Politiker, den hier jeder kennt. Im Guten wie im Strittigen. Und es regnet.

Ein nasser Hund am Straßenrand oder Wie schöne Geschichten zerplatzen

LeserclubKam das unseren beiden kleinen Lokalreportern nicht erstaunlich vertraut vor? Diese Liebe zu runden, hübschen, knallharten Geschichten? Reif für eine Verfilmung? Sauber durcherzählt bis zu der Szene im Regen, wenn die Polizisten den Verdächtigen abholen, nur ein einsamer Reporter am Straßenrand, den Kragen hochgestellt, festhaltend, was festzuhalten ist? Seine Pflicht tuend. „Was denn für eine gottverdammte Pflicht?“

Mutmaßungen über das Gespräch zweier Herren in Uniform

LeserclubUnd das war erst der Auftakt für die Verwicklungen, die das kleine Städtchen L. bald noch viel tiefer in Verwirrung stürzen sollten. Denn wie man mit Enthüllungen umgeht in der schmuck gewordenen westlichen Welt, das hatten alle, die auch nur ein bisschen Teil haben konnten an diesem hübschen Aufputschmittel Macht, längst gelernt.

Das Tierchen fehlte noch: Die verwirrte Hyäne

LeserclubNatürlich war der Mond angebissen. Sie hatten nur die kleine 5-Watt-Funzel angeschaltet, als der alte Kommissar sich wie ein schlechtes Gewissen in ihre Wohnung drängte. Oder wuchtete. Es kam wohl auf die Perspektive an. Und aus dem Sessel, in dem Herr L. gesessen hatte, als der Alte kam, hatte er bestenfalls eine verwirrende Untersicht auf ein kantiges Gesicht, dem – so betrachtet – die Vertraulichkeit fehlte.

Wir sind alle nur sind Menschen oder Zweifel ist immer angebracht

LeserclubNoch eine kurze Konfrontation? So ein Moment, in dem sich die beiden besten Kollegen aller Zeit anstarren wie zwei wilde Löwen und Kollege Stachelschwein knurrt: „Wozu, zum Teufel, brauchst du meine Hilfe? Du kennst das doch alles besser als ich. Du bist doch mit Don Leone durch die Stadt gebrettert und hast die Hühner aufgescheucht.“ – „Du meinst: die Leute.“ – „Nein, die Hühner.“

Wissen Sie, was das Böse ist?

LeserclubMan kann aufpassen wie ein Schießhund und dann macht man doch den einen Fehler, der alle Mühe zunichte macht. Herr L. wusste es ja eigentlich, aber es dann von Kollege Stachelschwein so unter die Nase gerieben zu bekommen, das verwirrte zumindest. Das zerpustete auch noch das letzte bisschen Euphorie. Und dabei hatte er sich ja nur verplappert. Die Teetasse hatte ihn verraten.

Niemand hört die Telefone braver Redakteure ab

Leserclub"Mooooooooooooment, mein lieber L.!" - Da war Kollege Stachelschwein aber hellhörig geworden. Da kam der Spürhund in ihm durch, der manche Leute noch immer in dieses Metier treibt. Leute, denen nicht genügt, was "in der Zeitung" steht. Und die auch nicht glauben, was ihnen Herren mit maßgeschneiderten Anzügen und jovialem Schulterklopfen erzählen. Auch wenn der Groschen meist erst später fällt. "Da hast du mir aber etwas unterschlagen."

Hausbesuch beim Alten

LeserclubUnd wer war jetzt dran? – Eigentlich du. – Nein, du warst dran. – Nein. Von dir fehlt die Geschichte mit dem alten Kommissar. – Die hab ich dir längst gegeben. – Ja, wie so ein typisches Herr-L.-Papierchen. Willst du den Mann eigentlich lächerlich machen? – Käme mir nie in den Sinn. Aber ein bisschen Mitgefühl ... – Mitgefühl? – Sind wie hier im Rundfunk oder bei der Zeitung?

Ein Polizeichef lässt Dampf ab

LeserclubDass dieses eigenartige Tete-á-tete von fünf Burschen mit der Intelligenz zweier ausgetrockneter Apfelsinen überhaupt noch eine Rolle spielte, hat natürlich mit dem unermüdlichen Fleiß meiner Wenigkeit zu tun. Mit dem Beharrungsvermögen eines Ochsen, der am Montagmorgen so frisch wie ein abgerauchter Zigarettenstummel ins Büro gestürmt kam und natürlich nichts anderes tat, als gleich mal die Kaffeequetsche anzuschalten und einen gewissen Kommissar X. aus seinen blütenweißen Büroträumen zu klingeln.

Die toten Hunde im Garten Don Leones

LeserclubWir alle sehen immer nur die Oberfläche der Dinge. Das, was wir sehen dürfen. Vielleicht auch das, was wir uns zu sehen trauen. In dieser Geschichte bin ich zwar – aus der Perspektive von Kollege S. – ein naiver junger Mann, der nicht merkt, wann ihn die gewiefteren unter den in grauen Flanell gekleideten Gentleman regelrecht verarschten. Aber meine Naivität war eine andere.

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