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Louise-Otto-Peters-Gesellschaft kämpft für den Vornamen von Ottilie von Steyber auf ihrem Straßenschild

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    Er liegt ein bisschen versteckt, der Steyberweg, in Eutritzsch in einer Neubausiedlung an der Querbreite. Seit 2014 erinnert der Steyberweg an die Leipziger Frauenrechtlerin, Erzieherin und Schulvorsteherin Ottilie von Steyber. Da ein Personen-Straßennamen ohne den Vornamen wenig aussagekräftig ist, setzt sich die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e. V. für eine Erläuterungstafel am Straßenschild ein sowie für die künftige Straßenbenennung mit Vor- und Zunamen, um die Geehrten auch wirklich bekannt zu machen.

    Am Dienstag, 7. April, beging die Louise-Otto-Peters-Gesellschaft den 150. Todestag von Ottilie von Steyber (28. Juni 1804 bis 7. April 1870). Zumindest provisorisch weist jetzt anlässlich des 150. Todestages ein Infotext, der am 7. April am Schild Steyberweg angebracht wurde, auf Ottilie von Steyber und das Anliegen der Gesellschaft hin.

    Ottilie von Steyber, aus einer Offiziersfamilie ohne Vermögen stammend, musste sich schon früh selbst um ihren Lebensunterhalt kümmern. Nach erfolgreicher Tätigkeit als Erzieherin der vier Töchter der Verleger- und Buchhändlerfamilie Friedrich Brockhaus (1800–1865) wagte sie eine private Schulgründung.

    Zum von der Stadt Leipzig veröffentlichten „Frauenporträt“ zu Ottilie von Steyber heißt es dazu: „Wahrscheinlich im Jahr 1848 eröffnete sie in der Königsstraße 4 (heute Goldschmidtstraße; das Haus steht nicht mehr) das ,von Steybersche Institut. Höhere Mädchenschule und Pensionat‘, wo sie auch selbst wohnte. Hier wurden Schülerinnen bis zum Abschluss der 10. Klasse unterrichtet.

    Mit Anzeigen im jährlich erscheinenden Leipziger Adressbuch warb sie für ihr Institut – im Jahr 1858 wie folgt: ‚Lehr- und Erziehungsinstitut für Kinder jedes Alters, Tagesschüler/ganze und halbe Pensionaire./ Fortbildungsinstitut für junge Mädchen./ Institut zur Bildung junger Lehrerinnen./ Die Aufnahme kann täglich geschehen.‘

    1861 zog sie mit dem Institut in die Königsstraße 22 um. Ab 1862 arbeitete Auguste Schmidt (1833–1902) als Lehrerin in diesem Institut. 1865 sind für das Von Steybersche Institut sechs Lehrer und drei Lehrerinnen nachgewiesen, darunter waren wahrscheinlich auch die Schmidt-Schwestern Anna und Clara.“

    Der Infotext am Straßenschild der Steyberstraße. Foto: Louise-Otto-Peters-Gesellschaft
    Der Infotext am Straßenschild der Steyberstraße. Foto: Louise-Otto-Peters-Gesellschaft

    Das „von Steybersche Institut“ entwickelte sich unter ihrer Führung zu einer angesehenen Schule in Leipzig. Hier unterrichtete später die engagierte Lehrerin Auguste Schmidt, die nach Ottilie von Steybers Tod das Schulinstitut übernahm und an verschiedenen Adressen erfolgreich erweiterte. Hier legte später z.B. Clara Eisner (Zetkin) ihr Sprachlehrerinnen-Prüfung ab. Hier unterrichtete eine Zeit lang auch Käthe Döll (Duncker).

    Ottilie von Steyber war auf ihre gutbürgerliche Reputation angewiesen, um stets neue Schülerinnen aus Kreisen, die Schulgeld zahlen konnten, zu gewinnen. Sie riskierte viel, als sie die gewohnten Gleise verließ und sich gemeinsam mit Auguste Schmidt, Louise Otto-Peters und anderen mit Frauenvereinsgründungen beschäftigte, die mehr wollten als Wohltätigkeit, sondern mehr Bildungs- und Erwerbschancen sowie mehr Rechte für Mädchen und Frauen forderten und Frauen Hilfe zur Selbsthilfe boten.

    Sie stellte in ihrer Schule Räume für Vereinsversammlungen zur Verfügung. Hier fand im Februar 1865 auch die Gründung des FBV statt. Und vielleicht schrieb sie hier auch gemeinsam mit LOP, die hunderte von Einladungen zur ersten deutschen Frauenkonferenz, bei der sich dann im Oktober 1865 über 300 Frauen und Männer in Leipzig versammelten und der Allgemeine Deutsche Frauenverein gegründet wurde, der erstmals deutschlandweit agierte.

    „Für Fräulein Steyber, wie für Auguste Schmidt bedeutete dies Eintreten für die Frauensache eine Gefährdung ihrer Existenz. Die schon betagte Schulvorsteherin verlor dadurch manche ihrer Freunde und Gönner. Aber unbeirrt dadurch schritt sie auf der betretenen Bahn weiter und das konservative, positiv christlich gesinnte adlige Fräulein reichte der Demokratin und religiös freier gerichteten Louise Otto die Hand zum Bunde, denn in beiden Frauen lebte über allen trennenden derselbe brennende Wunsch nach der Hebung ihres Geschlechts und die gleiche Achtung vor der fremden Persönlichkeit“, schreibt Anna Plothow in „Die Begründerinnen der Deutschen Frauenbewegung“, erschienen 1907 in Leipzig bei Friedrich Rothbarth.

    Mehr zu Steyber, Otto-Peters, Schmidt, Döll und Zetkin findet man in den Texten unter „Frauen machen Geschichte. Leipziger Frauenporträts“.

    Frauen in der Geschichte Leipzigs: Der eindrucksvolle Sammelband zur wissenschaftlichen Tagung von 2015

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