Hitlergrüße, Schlägereien, Pöbeleien, rassistische Beleidigungen, Autounfälle, eine bewusstlose Person – es war mal wieder Männertag in Sachsen. Außerdem: Weil die Inzidenz in Leipzig mittlerweile auf 150 gesunken ist, lockert das Universitätsklinikum die Corona-Regeln. Verschärft haben sich währenddessen Gesetze im Irak und in Spanien – zum Guten und zum Schlechten. Die LZ fasst zusammen, was am Freitag, dem 27. Mai 2022, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.

Soll man sich daran gewöhnen, dass es mindestens einmal im Jahr gesellschaftlich weitgehend akzeptiert erscheint, dass sich betrunkene Männer prügeln? Rund um den gestrigen „Männertag“ meldet die Leipziger Polizei heute 450 Einsätze. „Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen jeweils nicht mehr als fünf Personen beteiligt waren“ heißt es weiter. Besonders schlimme Vorfälle hat es also offenbar nicht gegeben.

Gruselige Details aus Dresden

Aber vielleicht ist auch das eine Frage von vermeintlicher Normalität. Denn während die Leipziger Polizei zu den Vorfällen nicht ins Detail geht, erfährt man aus Dresden, dass mehrmals Einzelpersonen von größeren Gruppen angegriffen wurden. Dabei gab es auch rassistische Beleidigungen und verbotene, also mutmaßlich nationalsozialistische Parolen.

Und was war in und rund um Chemnitz so los? Hitlergruß, Silvesterraketen aus einer Wohnung gefeuert, ein Bewusstloser nach einem Streit, nackte Männer auf einem Spielplatz – Deutschland und seine Traditionen, auf die es wirklich stolz sein kann.

Nicht stolz, aber zufrieden – und das ohne jede Ironie – kann man derzeit mit der Entwicklung der Coronalage sein. In Leipzig ist die 7-Tage-Inzidenz mittlerweile auf 150 gesunken. Offiziell haben sich in den vergangenen beiden Jahren fast 200.000 Menschen, also jede/-r dritte Einwohner/-in, mit Corona infiziert. Bedenkt man die Dunkelziffer symptomfreier Verläufe, darf man sich womöglich in der Minderheit fühlen, wenn man bislang davon verschont geblieben ist.

Gästebeschränkung am Uniklinikum entfällt

Was man in Anbetracht weggefallener Masken- und Abstandsregeln vielleicht nicht so mitbekommen hat: An manchen Orten gab es auch weiterhin harte Einschränkungen. Einer dieser Orte ist das Universitätsklinikum. Derzeit dürfen nur Schwerstkranke und Kinder Besuch empfangen; zudem ist Zahl und Zeit der Gäste beschränkt. Diese müssen sich zudem vorher registrieren.

Ab dem 30. Mai entfallen zumindest diese Vorgaben. Weiterhin gilt aber: Besuch nur zwischen 14 und 17 Uhr, nur mit FFP2-Maske und nur mit negativem Test – unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus.

Bundesweit laufen bereits die Debatten, wie es im Herbst mit den Corona-Maßnahmen weitergehen soll. Dass es in Deutschland eine weitere Infektionswelle geben wird, gilt als sicher. Während Gesundheitsminister Karl Lauterbach die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine erneute Maskenpflicht in Innenräumen schaffen möchte, pocht die FDP darauf, entsprechende Gesetze nur auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zu erlassen. Streit in der Koalition scheint sicher.

Todesstrafe und Sexualrechtsreform

Mehr oder weniger „spannende“ Gesetze wurden in den vergangenen 24 Stunden in Spanien und im Irak beschlossen. Eines davon – letzteres – lässt etwas rat- und fassungslos zurück. Demnach sind künftig Kontakte zu Menschen in Israel strengstens verboten. Im schlimmsten Fall droht die Todesstrafe. Während andere Länder in der Region eher auf Normalisierung in den Beziehungen zu Israel hoffen, setzt der Irak mit diesem einstimmigen Parlamentsbeschluss offenbar auf Eskalation.

Dass es auch fortschrittlich geht, zeigt ein Gesetz in Spanien. Dort heißt es nun „Nur Ja heißt Ja“, also: Wenn nicht alle Seiten ausdrücklich zustimmen, ist es kein Sex, sondern Vergewaltigung. Auch wurde klargestellt, dass die Einstufung als Vergewaltigung nicht voraussetzt, dass sich das Opfer wehrt. Strafbar ist künftig auch die Verbreitung von Videos.

Biotope, Kohleausstieg und Autobahnklage

Worüber die LZ heute berichtet hat: über die Pläne für eine Biotopverbundplanung in Leipzig, über die Anzahl der Biber im Landkreis Leipzig und über einen Pokalerfolg, der nicht in allen Redaktionen zu Jubelstürmen führt.

Was heute außerdem wichtig war: Die sogenannten G7-Staaten bekennen sich zum Kohleausstieg, bleiben aber vage, was bestimmte Jahre betrifft. In der Abschlusserklärung ist mit Blick auf 2030 und 2035 von „überwiegend“ und „in hohem Maße“ die Rede. Zumindest eines ist aber klar: Ab 2023 sollen fossile Energieträger nicht mehr subventioniert werden.

Was am Wochenende passieren wird: Mehrere Umwelt- und Klimainitiativen rufen für Sonntag zu einer Großdemonstration in Leipzig auf. Anlass ist der wenige Tage später am Bundesverwaltungsgericht beginnende Prozess um den geplanten Ausbau der A20. Start ist 15 Uhr vor dem Hauptbahnhof.

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