Der Tag startet, nicht aber die Flugzeuge der Lufthansa. Zwei gleichzeitige Streikaufrufe legen deren Luftverkehr heute lahm. In der Stadtbibliothek sind Abriss und Neubau der agra-Brücke heute Abend Thema einer öffentlichen Experten-Runde. Und das Neue Rathaus lädt um 16:00 Uhr zu einer kuratorischen Führung durch die Wanderausstellung  „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute” ein.

Lufthansa-Streik beeinträchtigt Urlaubsreisepläne

Wer heute nach Frankfurt/Main will, um von dort zum Beispiel in ferne, wärmere Ziele weiterfliegen zu können, muss sein Vorhaben verschieben, oder auf die Bahn setzen. Denn die Flugzeuge der Lufthansa bleiben wegen eines Streiks heute am Boden. In Leipzig sind von der Arbeitsniederlegung die Flüge nach Frankfurt betroffen (6 Uhr, 10:50 Uhr und 18:50 Uhr), wie Flughafensprecher Uwe Schuhart auf LZ-Anfrage mitteilte.

Gleiches gilt für erwartete Heimkehrer, die über Frankfurt nach Leipzig reisen wollen und ein Ticket der Lufthansa buchten.

Zum Streik aufgerufen haben sowohl die Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“, als auch die Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO. So ist geplant, dass Pilotinnen und Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie von Lufthansa Cargo (vertreten durch „Cockpit“) und Kabinenbeschäftigte der Lufthansa CityLine (vertreten durch „UFO“) für 24 Stunden die Arbeit niederlegen. Die Vereinigung Cockpit fordert eine Verbesserung der derzeitigen betrieblichen Altersversorgung. UFO fordert für die Beschäftigten der Lufthansa „CityLine“ einen verbindlichen tariflichen Sozialplan für die angekündigte Umlagerung des Flugbetriebs in andere Tochtergesellschaften der Lufthansa.

Mit dem Warnstreik wächst der Druck auf das Unternehmen, über konkrete Abfindungen, Übergangsregelungen und Beschäftigungssicherungen zu verhandeln. Die Lufthansa bilanzierte für das Jahr 2025 eine Auslastung der Inlandsverbindung Leipzig – Frankfurt von 83,1 %. Wird die Strecke außerhalb der Ferien und an Werktagen vornehmlich von Geschäftsreisenden genutz, spielt sie in der Urlaubssaison eine große touristische Rolle, da Frankfurt ein deutlich umfangreicheres Angebot an interkontinentalen Passagierflügen anbietet.

agra-Brücke sorgt heute für Diskussionsstoff

Am heutigen Abend dreht sich alles um Abriss und Neubau der sogenannten agra-Brücke. Über das 1976 eingeweihte Bauwerk führt derzeit die Bundesstraße B2 in den Südraum, verbindet so die Stadt u.a. mit der  A38. Nach fünfzig Jahren ist sie so baufällig, dass sie schon nicht mehr von LKW befahren werden darf. Abreißen, neu bauen, oder oder nach der Entsorgung einen Tunnel graben, um dem einstigen Messepark, der Leipzig und Markkleeberg auf grüne Weise verbindet, wieder eine Struktur ohne Beton in der Sichtachse zu ermöglichen…

Über Jahre zog sich das Ringen um die beste Lösung. Die direkt betroffenen Anrainer, eben Leipzig und Markkleeberg, favorisierten die Tunnel-Lösung. Doch da es sich um eine Bundesstraße handelt, haben die beiden Kommunen letztlich keine Entscheidungsgewalt. Nach § 90 des Grundgesetzes ist der Bund Eigentümer seiner Straßen, verwaltet (und dazu gehört auch deren Instandsetzung) werden sie jedoch von den jeweiligen Ländern.

Unter dem Motto „Verspielen wir gerade eine baukulturelle Megachance?“ diskutieren heute der Landschaftsarchitekt Dirk Seelemann (Fagus Seelemann Landschaftsarchitekten), Reiner Nagel (Bundesstiftung Baukultur), Arnold Bartetzky (Leibniz-Institut) und Gunnar Volkmann (W&V Architekten) die Optionen für einen Brückenersatz oder die Tunnellösung. So spannend die Diskussion um 18:00 Uhr in der Stadtbibliothek am Wilhelm-Leuschner-Platz auch werden mag – sie bleibt eine hypothetische Runde im Konjunktiv. Denn die agra-Messe ist gesungen.

Muss weg, kommt aber wieder. Eine Hochstraße teilt den historischen agra-Park. Foto: Benjamin Weinkauf

Ein zentraler Bremsklotz für die rechtzeitige Planung eines Tunnels war ein schwieriges Geld- und Zuständigkeitskonstrukt: 2021 gab es laut sächsischem Wirtschaftsministerium eine Absichtserklärung von Bund und Freistaat, die eine Finanzierungsvereinbarung zur Tunnelvariante in Aussicht stellte. Die blieb aber unter Haushaltsvorbehalt.

Zudem ging der Betreiber der Bundestraße noch lange von einer deutlich längeren Restnutzungsdauer aus. Erst neuere Untersuchungen ergaben ein Bild des maroden Zustands dieses Bauwerks, so dass nun offenbar kein Spielraum mehr besteht (LZ berichtete).

Besprochen wird die vertane Chance also heute Abend um 18:00 Uhr in der Leipziger Stadtbibliothek. Der Eintritt ist frei. Moderiert wird der Abend von dem durchaus streitbaren einstigen Leipziger Stadtbaurat Dr. Engelbert Lütke Daldrup (SPD), in dessen Amtszeit der Verlust von 800 Baudenkmalen der Messestadt fällt, der sich also mit vertanen Chancen auskennt. Unter seiner maßgeblichen Führung wurde das denkmalgeschützte Gebäude „Kleine Funkenburg“ an der Jahnallee im Mai 2005 abgerissen. Gegen den Widerstand einer breiten Öffentlichkeit aus Anliegern, Bürgerschaft und überregionaler Prominenz.

Den Abriss, und somit ein neuerliches Vergehen an historischer Bausubstanz  versuchte sogar sein Amtsvorgänger Niels Gormsen  durch eine Blockade zu verhindern. Doch das Herz des studierten Stadtplaners Lütke Daldrup blieb kalt. Die Polizei entfernte den pensionierten Gormsen, die Bagger schufen Tatsachen. Schöner wurde die Jahnallee durch diesen Akt nicht. Für den agra-Messepark liegt es, was das Abreißen angeht, genau andersherum.

Abgeführt. Gormsen hatte versucht, den Abriss  zu verhindern. Foto: Benjamin Weinkauf

Führung durch die Wanderausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute”

Sie galten als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ und sie wurden entrechtet und verfolgt. In den Jahren der Nazi-Herrschaft (1933–1945) griffen Polizei und Behörden gängige gesellschaftliche Vorurteile auf, überwachten die Betroffenen und beraubten Zehntausende ihrer Freiheit.

Eine Wanderausstellung der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ beleuchtet derzeit im Neuen Rathaus das Schicksal der Opfer dieser Ausgrenzungspolitik.

Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR und in Österreich blieb den Überlebenden lange Zeit eine Entschädigung verwehrt. Ihr erlittenes Unrecht fand keine Anerkennung und wurde vielfach verdrängt. Erst im Februar 2020 stellte der Deutsche Bundestag klar: Niemand saß zu Recht in einem Konzentrationslager, auch die als „Asozial“ oder als „Berufsverbrecher“ gebrandmarkten waren Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Infolge dieses Beschlusses beauftragte das Parlament die Stiftung „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ sowie die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit der Konzeption einer Ausstellung. Das Projekt gilt als eines der zentralen erinnerungspolitischen Vorhaben dieses Jahrzehnts in der Bundesrepublik.

Heute Nachmittag findet um 16:00 Uhr eine kuratorische Führung durch die Ausstellung statt. Sie dauert 90 Minuten, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei. Besichtigt werden kann die Wanderausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute” auch ohne Führung während der regulären Öffnungszeiten des Rathauses: Montag bis Donnerstag von 10:00 bis 18:00 Uhr sowie freitags von 10:00 bis 17:00 Uhr.

„Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933 – 1945 – heute”. Die Ausstellung ist noch bis 30. März in Leipzig zu sehen. Foto: Silvia M. Hauptmann

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