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Projekt Gleisdreieck: Ein Kreativhotspot mit Leuchtturmfunktion weit über Leipzig hinaus + Video

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    Auf dem Gelände am Gleisdreieck im Leipziger Süden, besser bekannt als das „Black Triangle“, laufen auch zu Zeiten von Corona die Arbeiten weiter. In den nächsten eineinhalb Jahren soll hier ein neues kulturelles Zentrum für Leipzig entstehen. Auf dem mehr als einem Hektar großen Areal werden nicht nur die „Tille“ und der TV-Club eine neue Heimat finden, sondern auch Proberäume, Ateliers, Werkstätten, Büros und weitere kreative Räume entstehen. Mit einer Funding-Aktion sammelte die Leipziger Club- und Kulturstiftung, die sich aus den beiden Clubs und der Galerie KUB als drittem Hauptakteur zusammensetzt, Geld, um mit dem Vorhaben beginnen zu können. Seit Monaten stecken die Beteiligten in den Aufräum- und Planungsarbeiten. In der Ratsversammlung am 12. November gab es grünes Licht für die Eröffnung des Bauleitverfahrens vom Stadtrat.

    Es sind keine leichten Zeiten, um eine Idee dieser Größenordnung in die Tat umzusetzen. Insgesamt 12.000 Quadratmeter umfasst das Gelände, das ehemals der Deutschen Bahn gehörte. 6000 Quadratmeter Innenraum sollen zukünftig Kunst und Kultur zur Verfügung stehen.

    Die Branche kämpft „nebenbei“ ums Überleben – wann die Pforten für das vergnügungsfreudige Volk wieder geöffnet werden können, ist ungewiss. Sicher ist aber, dass es noch Monate dauern wird. Für die Distillery und den TV-Club war aber auch ohne Corona klar, dass es sie in der Form, in der beide Clubs seit Jahrzehnten bestehen, bald nicht mehr geben wird. Bis Ende 2022 müssen beide Einrichtungen von ihren bisherigen Standorten gewichen sein.

    Denn sowohl im Leipziger Norden auf dem Gelände des Eutritzscher Freiladebahnhofs, wo der TV-Club sein Zuhause hat, als auch hinter dem Bayerischen Bahnhof, wo seit 1995 die „Tille“ angesiedelt ist, werden in den nächsten Jahren neue Stadtviertel entstehen. Raum für Party wird es dort dicht an dicht mit neuen Wohnsiedlungen nicht mehr geben.

    Eine Alternative gibt es also – auch zu Krisenzeiten – nicht. Noch ist nicht abzusehen, inwieweit das Virus auch die Entstehung der neuen Quartiere beeinflussen könnte. So oder so ist der Umzug unausweichlich, das Gelände außerdem ja bereits gekauft.

    Das Black Triangle stand Anfang 2019 im Mittelpunkt der Berichterstattung: Im Januar räumte die Polizei das Gelände, das zuvor drei Jahre lang von Autonomen als soziokulturelles Zentrum betrieben worden war. Schließlich waren Verwaltung und Deutsche Bahn an die Clubs herangetreten, eine Stiftung wurde gegründet und das Gelände am Gleisdreieck vom „Schmerzensgeld“ der Stadtbau AG und der BUWOG Bauträger GmbH gekauft.

    Die beiden Unternehmen sind Eigentümer der Fläche hinter dem Bayerischen Bahnhof. Das Areal am Euritzscher Freiladebahnhof gehört inzwischen der in Wien ansässigen Imfarr Beteiligungs GmbH, die das Gelände von der CG Gruppe abkaufte. Auf Zahlungen der CG Gruppe wartet die Leipziger Club- und Kulturstiftung noch.

    Der Erwerb über die eigens gegründete Stiftung gewährt „Tille“, TV-Club und Galerie KUB nun die Sicherheit, nicht erneut verdrängt werden zu können. Auch die Planungsleistungen wurden von der Entschädigung gezahlt.

    „Wollen zeigen, dass Kunst, Kultur und Klimaschutz miteinander einhergehen können“

    Die Stiftung plant weit ins 21. Jahrhundert hinein. Das Projekt wird mindestens für die nächsten 50 Jahre gedacht. „Wir wollen hier zeigen, dass Kunst, Kultur und Klimaschutz miteinander einhergehen können“, erklärt Tille-Chef Steffen Kache. So wird klimaneutral geplant, Strom und Wärme sollen größtenteils selbst produziert werden, um die Betriebskosten gering zu halten und nachhaltig zu arbeiten. „Es soll ein Kreativhotspot mit einer weit über Leipzig hinaus sichtbaren Leuchtturmfunktion entstehen“, heißt es vonseiten der Stiftung.

    Die Mitglieder/-innen machen aber auch klar: Der bestehende Wohnraum soll erhalten bleiben. Einige Anwohner/-innen hatten bereits befürchtet, dass sie zugunsten der neuen Kreativstätte weichen oder mit ständigem Lärm leben müssten. Der Besucherverkehr soll anfangs noch über die Arno-Nitzsche-Straße geführt werden, später über einen eigenen Zugang zum Gelände alle Nachbarn nachts ruhig schlafen lassen. Für die Zwischenzeit habe man bereits geeignete Systeme, um den Lärmschutz gewährleisten zu können, erklärt Kache. Die Jahre der Distillery im Umfeld von Wohnungen haben dafür nützliche Erfahrungen liefern können.

    In den nächsten Wochen sollen in Workshops Wünsche, Ideen und Bedenken besprochen werden – auch, um berechtigter Skepsis entgegenzuwirken. „Es geht darum, Vertrauen aufzubauen.“ Künftig soll außerdem ein Gremium, bestehend aus Beteiligten aller Bereiche im regelmäßigen Austausch sein und Entscheidungen treffen.

    In den letzten Monaten ist bereits einiges passiert: Die Gebäude und die umliegenden Freiflächen mussten von Bauschutt, alten Autowracks, undichten Stellen und herumliegenden Möbeln befreit werden. Im März schauten wir uns zum ersten Mal vor Ort um: Man brauchte nicht viel Fantasie, um beim Gang durch die (noch) leeren Hallen das Potenzial des Areals zu erkennen.

    „Verzögerungen können wir uns nicht leisten“

    „Die Aufstellung des Bebauungsplans ist nur der Auftakt. Damit werden jetzt mögliche Gebietskategorien festgelegt“ – sprich: welcher Bereich sich am besten für welche Art von Niederlassung eignet. So sollen am Ende Clubräume, Probebühnen, Studios, Werkstätten, Büros, Gastro-Räume und weiteres optimal auf die Gebäude verteilt werden. Im Außenbereich sind ein Stadtgarten sowie Möglichkeiten für Freilufttheater und -kino geplant.

    Die Miete für Proberäume und Co. soll durch nachhaltiges Wirtschaften nicht über sechs Euro pro Quadratmeter steigen. „Das B-Plan-Verfahren wird eine große Herausforderung“, ist sich Kache sicher. Der Zeitplan ist eng getaktet, Verzögerungen im Verfahren kann sich die Stiftung nicht leisten.

    Insgesamt 18 Millionen Euro werden benötigt, um das Projekt zu realisieren. Die finanziellen Mittel sollen nicht zuletzt aus Förderungstöpfen, beispielsweise für Klimaprojekte, fließen. Außerdem planen die Beteiligten, Strukturen zu schaffen, die künftig auch der Stadt nützen. Fanden sich Musiker bisher beispielsweise aufgrund der hohen Dichte an Studios, Produktionsfirmen etc. eher in Städten wie Berlin, Hamburg oder München wieder, soll das Gleisdreieck dazu beitragen, dass auch Leipzig in der Branche mitmischen kann.

    Auch für diese Strukturansiedlung werden Fördergelder ausgegeben, auf die sich die Leipziger Club- und Kulturstiftung bewerben wird. „Natürlich werden wir auch nicht umhinkommen, Kredite aufzunehmen“, so Kache. Über Crowdfunding und Spenden sollen weitere Gelder gesammelt werden.

    Wer das Projekt unterstützen möchte und auf der Suche nach weiteren Informationen ist, wird hier fündig:
    https://www.clubstiftung-leipzig.de/unterstuetzung/

    Die Debatte in der Ratsversammlung am 12. November

    Video: Livestream der Stadt Leipzig

    Für das Gebiet am Gleisdreieck in Marienbrunn soll jetzt ein Bebauungsplan entstehen

     

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