Gute Nachrichten gab es jetzt für den ältesten Technoclub Ostdeutschlands. Er kann auch über den 31. März 2022 hinaus am aktuellen Standort an der Kurt-Eisner-Straße bleiben. Nach Gesprächen zwischen Stadt Leipzig, BUWOG und Steffen Kache, Betreiber der Distillery, konnte eine letztmalige Verlängerung des Mietvertrags bis zum 31. Januar 2023 erreicht werden.

Die Zusage des Amts für Umweltschutz der Stadt Leipzig war entscheidend für die Einigung: Es hatte der BUWOG die Unbedenklichkeit des Clubbetriebs im Hinblick auf das durchzuführende Artenschutzkonzept bestätigt.

Eigentlich sollte die Distillery vertragsgemäß bereits zum 31. März 2022 den Standort an der Kurt-Eisner-Straße räumen, damit das Artenschutzprogramm für die bedrohte Wechselkröte beginnen kann. Da bisher noch keine Interimslösung für den Club fertiggestellt werden konnte, hätte dies das Ende des Clubs bedeutet.

Artenschutz für die Wechselkröte

Mit der Übereinkunft des Amtes für Umweltschutz, des Stadtplanungsamts, des Fachbeauftragten für Nachtkultur der Stadt und der BUWOG Bauträger GmbH konnte nun eine Lösung gefunden werden, die den temporären Betrieb des Clubs und das Artenschutzprogramm ermöglicht. Dabei wird die Fläche der Distillery beim Artenschutzprogramm für die bedrohte Wechselkröte zunächst ausgespart. Im Umfeld des Clubs starten jedoch im April 2022 die Maßnahmen, um die Struktur- und Lebensräume der Wechselkröte zu ertüchtigen – pünktlich zur Laichsaison der Wechselkröte.

Zum 31. Januar 2023 zieht die Distillery dann in einen auf Vermittlung der Stadt Leipzig gefundenen Interimsstandort auf der Alten Messe um. Hierfür wird derzeit das Baugenehmigungsverfahren vorbereitet. Auch die langfristige Zukunft ist gesichert: Die BUWOG hat der Leipziger Club- und Kulturstiftung 200.000 Euro zugestiftet. Die Stiftung wurde 2019 auf Initiative von TV-Club und Distillery gegründet. Ziel ist die Unterstützung von Projekten sowie die Förderung von Musik, Kunst und Kultur.

Überbrückung bis zum Umzug

„Wir sind sehr glücklich und froh, dass wir unseren Standort nicht räumen müssen und auch über den März hinaus unsere Gäste an der Kurt-Eisner-Straße begrüßen können“, freut sich Steffen Kache, Betreiber Distillery Leipzig. „Gerade nach der langen Coronapause war es wichtig, wieder in den Betrieb zurückkehren zu können. Damit ist der Verbleib des Clubs am Standort noch für weitere neun Monate gesichert, danach ist jedoch in der Südvorstadt definitiv Schluss.“

Und auch Thomas Dienberg, Bürgermeister und Beigeordneter für Stadtentwicklung und Bau, ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Alle Beteiligten in der Verwaltung haben an einem Strang gezogen, um die ursprünglichen Zielkonflikte gemeinsam aufzulösen. Im Ergebnis sind Artenschutz, Clubkultur und Termintreue im Hinblick auf die geplanten Bauabläufe miteinander in Einklang gebracht worden: Eine Win-win-Situation, über die wir sehr glücklich sind.“

Zufrieden zeigt sich auch Peter Wasem, Leiter Amt für Umweltschutz, Stadt Leipzig: „Das Gesamtkonzept der Umsiedlung der Wechselkröte und damit auch das Ablaufkonzept zur Habitatoptimierung gemäß der Gutachten wird durch den Weiterbetrieb der Distillery im Jahr 2022 nicht gefährdet. Das ist die Basis der nun erreichten sehr guten Lösung für diesen Standort.“

„Die Einschätzung des Amts für Umwelt der Stadt Leipzig war entscheidend“, betont Eva Weiß, Geschäftsführerin BUWOG. „So kann der Mietvertrag der Distillery verlängert werden, das angepasste Artenschutzprogramm beginnen und der gemeinsame Zeitplan für den Baubeginn des Stadtquartiers Lößniger Straße in 2023 wird eingehalten – in Erfüllung der Ziele der Stadt Leipzig zur Schaffung neuen Wohnraums.“

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Es gibt 3 Kommentare

@Mimi: Es geht um die Verdrängung der Stadtnatur, da ist es egal ob es einem Wirtschaftsmogul dient oder dem hehren Ziel des Erhalts eines Kulturbetriebs. Das die Wechselkröte weg muss, hat nichts mit der Distille zu tun. Die Distille und die Wechselkröte müssen weg, weil wieder mal eine Freifläche der Stadt Leipzig versiegelt, betoniert, bebaut und dem Nutzen für die Allgemeinheit entzogen werden, der Natur, der Biodiversität. In Sachen Natur- und Klimaschutz war man auch mal weiter. Es bringt nichts, wenn zukünftig Tiere nur noch gesehen werden können, wenn man die Stadtgrenze überquert. Leipzig hat ein INSEK, da steht was von “Leipzig setzt auf Lebensqualität” und “Balance zwischen Verdichtung und Freiraum”. Aber nix passiert. Leuschnerplatz, Plagwitzer Bahnhof, Bayrischer Bahnhof, alles bedeutende Areale für die Natur. Aber Natur hat keine Lobby.

Sicherlich hätte man auch die Distille vor die Stadtgrenzen verbannen können, um dafür der Kröte ein Quartier auf dem Gelände bis 2023 einzurichten. Aber fragen Sie sich nicht auch selbst, wem damit geholfen wäre? Oder kennen Sie vielleicht eine Kröte die einen Kulturbetrieb führt? Oder fällt Ihnen ein passenderes Biotop ein, was noch durch ein Tanzlokal zu bereichern wäre?

fantastisch, für die Tille wird im Stadtgebiet Leipzig ein Ersatzraum gesucht und gefunden. Warum ging das nicht für die Wechselkröte, die nun 30 km weiter südlich verschleppt wird?

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