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„Unsere Gäste sind bei uns sicherer als zu Hause“: Der „Leipzig Live Codex“ soll Clubs und Spielstätten vor dem Aus bewahren

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    Lange hatten Clubs und Livespielstätten darauf gewartet, ihre Pforten erneut für ihre Gäste und ihr Publikum öffnen zu können. Seit diesem Sommer sind – unter Auflagen – Konzerte, Tanznächte, Theaterbesuche und Co. wieder möglich. Mehr als ein ganzes Jahr aber harrten die Betreiber/-innen der (Corona-)Dinge aus, konnten nur einen Bruchteil der geplanten und vor allem gewünschten Veranstaltungen durchführen; unter freiem Himmel während der warmen Monate. Der Leipzig Live Codex soll jetzt dafür sorgen, dass es nicht noch einmal so weit kommt.

    Unter dem Siegel haben sich insgesamt 21 Leipziger Spielstätten, darunter zum Beispiel der Felsenkeller Leipzig, die naTo, das UT Connewitz, das Kabarett Leipziger Funzel und das Stadtbad Leipzig zusammengeschlossen. Mit dem Codex verpflichten sich die Spielstätten dazu, mittels verantwortungsvoll umgesetzter Hygienekonzepte und dem sensiblen Umgang mit persönlichen Daten, dafür zu sorgen, dass die Menschen auf Veranstaltungen „sicherer sind als zu Hause“.

    „Wir haben zwar kein einheitliches Hygienekonzept, sondern jede/-r ein eigenes. Aber wir stehen dafür, diese Konzepte peinlich genau und noch penibler, als der Gesetzgeber vorschreibt, zu erfüllen“, erklärt Peter Matzke, Leiter des Krystallpalast Varietés und Mitglied des Runden Tisch Leipziger Spielstätten. Diese Vereinigung ist seit vergangenem Sommer aktiv. Das Konzept des Siegels kündigten die Mitglieder bereits im September 2020 im Blauen Salon an. Damals hatte noch niemand mit einer dritten und vierten Corona-Welle gerechnet.

    An diesem Donnerstag stellten zahlreiche Vertreter/-innen der beteiligten Spielstätten die Kampagne, die Clubs und Veranstaltungshäuser vor einer weiteren Schließung bewahren soll, im Felsenkeller in Plagwitz vor.

    Voraussetzung für die Vergabe des Siegels ist die Unterschrift unter der Verpflichtungserklärung. Dabei stünden die Türen für jedes Veranstaltungshaus, jeden Club in Leipzig, der den Codex unterzeichnen möchte, offen, betonen die Mitglieder.

    Das Siegel stützt sich auf insgesamt fünf Säulen. Das sind zum einen die Verantwortung:
    „Die Gesundheit unserer Gäste hat höchste Priorität“, heißt es in der Selbstverpflichtung der 21 Spielstätten. Die zweite Säule ist die Sicherheit, also ein geprüftes und genehmigtes Hygienekonzept, das sorgfältig umgesetzt wird. Und drittens verpflichten sich die teilnehmenden Spielstätten dazu, die Daten ihrer Gäste nicht ohne behördliche Verfügung weiterzugeben. Der vierte Pfeiler beschreibt Nahbarkeit: So soll auf jeder Veranstaltung ein/-e Ansprechpartner/-in vor Ort sein. Und zu guter Letzt geht es darum, in erster Priorität die Interessen der Gäste zu vertreten.

    „Leipzigs Kulturwirtschaft will weiter leuchten und eine Magnetwirkung ausüben“, ist sich das Gremium einig. Dafür braucht es vor allem eines: Vertrauen. „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass die Maßnahmen und Regeln verordnungsgetreu umgesetzt werden“, machte Paul Simang vom Felsenkeller Leipzig deutlich. Das Siegel schaffe dafür eine zusätzliche Bekräftigung. „Daran lassen wir uns auch messen“, bestärkte Peter Matzke.

    „Wer beobachtet, dass sich in einer Spielstätte nicht an die geltenden Hygienevorschriften gehalten wird, kann das auf unserer Homepage melden. Wir haben vor, das ernsthaft zu verfolgen.“ Schlussendlich könne einem Veranstaltungsort das Siegel auch wieder entzogen werden.

    „Wir haben über eineinhalb Jahre Pandemie genug Zeit gehabt, um wohlüberlegte Hygienekonzepte aufzustellen“, erklärte Silke Ehlich von Mawi Concerts. Darauf sei man auch angewiesen, denn die erneute Schließung der Clubs und Spielstätten wäre für viele Betreiber/-innen nicht mehr stemmbar. Derzeit erlebten Veranstaltungshäuser etwa 40 Prozent Einbruch der Gästezahlen – von ohnehin einer staatlich verordneten reduzierten Publikumsanzahl.

    Ein Beispiel gibt Matthias Kölmel, der Geschäftsführer der ZSL Betreibergesellschaft mbH ist. Diese veranstaltete am vergangenen Wochenende ein Konzert von Roland Kaiser, der Termin war mehrmals verschoben worden. Allein der Aufwand, die noch vor Corona verkauften Tickets im Nachgang zu personalisieren, habe viele Gäste abgeschreckt. Schlussendlich hätten gut 60 Prozent ihre Karte umgebucht. „Ausverkaufte Shows sind die Ausnahme“, bestätigte auch Silke Ehlich.

    Ein gewisser Anteil an Gästen bleibe, auch trotz Lockerungen und Hygienekonzepten, fern von Veranstaltungen – aus Angst, sich anzustecken. Anderen ist der Aufwand und die ständige Informationspflicht über sich ändernde Regelungen schlichtweg zu anstrengend. Auch hätten eineinhalb Jahre Pandemie viele Menschen in Zeiten von Netflix und Home-Entertainment „aus der Übung gebracht.“

    Zwar gab und gibt es von staatlicher Seite Hilfen, die Zahlungen ließen jedoch monatelang auf sich warten. Für die Veranstalter/-innen bleibt stets ein enormes Risiko – vor allem durch fehlende Planbarkeit. Dies erschwert beispielsweise auch die Durchführung von Tourneen durch Deutschland oder Europa. „In nahezu jedem Bundesland gelten andere Regelungen, die sich noch dazu ständig ändern, das macht eine langfristige Planung nahezu unmöglich.“

    Zumal für die Durchführung von Veranstaltungen inzwischen eine Vielzahl an zusätzlichem Personal nötig ist. Finanziell kein lohnendes Geschäft. Man müsse schon „ein Enthusiast sein und Liebhaber dessen, was man tut“, um sich davon nicht entmutigen zu lassen. Dabei spricht Ehlich nicht allein von Spielstättenbetreiber/-innen, sondern ebenso von den Künstler/-innen. Viele würden inzwischen mit einer eigenen Teststation oder ausschließlich in Begleitung geimpfter Personen touren, um Hygiene-Maßnahmen allerorts gerecht werden zu können.

    Mit gemischten Gefühlen sehen die Mitglieder des Runden Tischs dem Ende der kostenlosen Corona-Tests entgegen. „Das wird ein heißes Thema werden“, ist sich Peter Matzke sicher. Schließlich könnte dies mit großer Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass weitere Gäste fernbleiben. „Wer bereits 100 Euro für ein Ticket bezahlt, wird ungern 30 oder mehr für einen Test drauflegen.“ Gleichzeitig seien dies Einnahmen, auf die die Konzerthäuser, und Spielstätten kaum verzichten könnten.

    Neben einer ansteigenden Impfquote Hoffnung liegt Hoffnung nun auf dem Siegel. Weitere Informationen zum Leipzig Live Codex sowie eine Gesamtübersicht der teilnehmenden Veranstaltungshäuser und Agenturen gibt es hier.

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