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Porsche AG und Ostdeutsche Sparkassenstiftung unterstützen mit Spenden die Rückkehr der Epitaphe aus St. Pauli

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    Viele Leipziger warten darauf, dass das Paulinum der Universiät endlich fertig wird. Vor allem in der Aula hängt es. Dort fehlen noch die Glassäulen, für die man nach jahrelanger Suche endlich eine Lösung gefunden hat, wie Finanzminister Georg Unland jüngst mitteilte. Und auch bei der Restaurierung der Epitaphe aus der alten Paulinerkirche kommt man wieder ein Stück voran.

    Diese Restaurierung wird nicht aus dem Budget für den Universitätsneubau bezahlt. Da muss die Kustodie der Universität selbst aktiv werden und Unterstützer und Spender suchen. Da hat man nun wieder neue Partner gefunden, teilte die Universität Leipzig am Freitag, 20. Mai, mit. Die Porsche AG fördert mit einer Spende von 180.000 Euro die Restaurierung und Wiederanbringung der Epitaphien im Neuen Paulinum der Universität Leipzig.

    Die Kunstwerke haben große historische Bedeutung. Sie waren kurz vor der Sprengung der Universitätskirche im Jahr 1968 demontiert worden. 2002 begann die Kustodie der Universität Leipzig mit der Wiederherstellung der zuvor jahrzehntelang eingelagerten Objekte.

    „Die Restaurierung der Epitaphien ist eines der wichtigsten Wiederaufbauprojekte im Stadtbild von Leipzig mit großer symbolischer und historischer Bedeutung und Strahlkraft. Für Porsche ist es eine Herzensangelegenheit, das kulturelle Erbe an unseren Standorten zu erhalten und zu pflegen“, betont Siegfried Bülow, Vorsitzender der Geschäftsführung der Porsche Leipzig GmbH, der den Scheck stellvertretend für die Porsche AG an die Universität Leipzig übergeben hat.

    Seit 2002 wurden die aus der Universitätskirche St. Pauli geretteten Gedächtnismale unter Regie der Kustodie der Universität Leipzig aufwendig restauriert. Restaurierung und Montage wurden und werden ermöglicht durch zahlreiche Spenden. Die Porsche AG übernahm die Kosten für die außerordentlich aufwendige Anbringung der Epitaphien, die mittels speziell angefertigter, am Ende weitgehend unsichtbarer Edelstahlgerüste an den Wänden und den Hängeflächen befestigt wurden. Diese konnten nur in Einzelfällen von den Geldgebern der Restaurierung übernommen werden. So wurde eine Hängung realisiert, die sich in wesentlichen Punkten an der Situation in der einstigen Paulinerkirche vor der Sprengung von 1968 anlehnt, insbesondere was die Platzierung der monumentalen Objekte anbelangt.

    Die zweite Spende: Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung finanzierte gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig die vollständige Restaurierung des Epitaphs für Johann Jakob Panzer und seine Frau Hedwig Elisabeth, geb. Sultzberger, darunter die Reinigung der originalen Steinfiguren und Wappen, die besonders umfangreiche Rekonstruktion der Rahmenarchitektur und der Inschrift in farbig eloxiertem Aluminium, die Edelstahlunterkonstruktion sowie die Montage sämtlicher Elemente vor Ort.

    „Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung hat sich gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig bei den Epitaphien – deren Rekonstruktion und Restaurierung – gerade für das spannungsreiche Verhältnis von Alt und Neu begeistern lassen. Die barocken Epitaphien machen ein Stück der alten Universitätskirche am ursprünglichen Ort erlebbar. Zugleich verweisen sie auf das SED-Unrecht ihrer Zerstörung“, begründet Patricia Werner von der Geschäftsführung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung das Engagement von Stiftung und Sparkasse Leipzig. „Ostdeutsche Sparkassenstiftung und Sparkasse Leipzig haben in den vergangenen Jahren in vielfältiger Weise zur Sicherung des historischen Erbes unserer Stadt beigetragen. Die Wiederherstellung des Panzer-Epitaphs ist ein weiteres wunderbares Beispiel für dieses gemeinsame Engagement“, betont Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig.

    Im Sommer 2014 hatte die Universität mit der Montage der Epitaphien im vorderen Teil des Paulinums begonnen. „Im vergangenen und in diesem Jahr konnten wir dabei nun substantielle Fortschritte erzielen, unsere Arbeit ist zu rund 90 Prozent getan“, sagt Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen, Leiter der Kustodie. „Nach der Einregelung der Klimaanlage im Herbst 2014 konnten wir mit der Montage der Holzobjekte anfangen. Im Anschluss entfaltete das Projekt eine beispiellose Dynamik.“

    Allerdings werde das Vorhaben insgesamt noch mindestens bis zum Spätsommer andauern. „Wir haben es bei der Anbringung zum Teil mit sehr diffiziler Handarbeit zu tun. Zudem ist die Kapazität unseres Metallbauers begrenzt“, erläutert der Kustos. „Wir ergänzen ja fehlende Epitaph-Teile durch moderne Metallkonstruktionen, die farbig eloxiert und teilweise bedruckt werden.“

    Warum die Epitaphien so wertvoll sind

    Bereits vor der Reformation war die Leipziger Paulinerkirche ein privilegierter Bestattungsort, der sich nach der Schenkung an die Universität 1543 zunehmend zur Grablege einer universitären Elite entwickelt hat. Zwischen 1547 und 1770 entstanden zum Gedenken an bedeutende Persönlichkeiten – vornehmlich Universitätsprofessoren und Rektoren – im Auftrag ihrer Nachfahren aufwendige Epitaphien in Stein, Holz und Metall. Die anfangs auch in Familienkapellen angebrachten Gedächtnismale wurden ab 1710 im Chorraum konzentriert.

     

    Blick in den Altarraum des Paulinums mit den restaurierten Epitaphen. Foto: Porsche AG
    Blick in den Altarraum des Paulinums mit den restaurierten Epitaphen. Foto: Porsche AG

    Innerhalb weniger Tage vor der Kirchensprengung 1968 versuchte eine Gruppe von Handwerkern aus der städtischen Denkmalpflege von den Gedächtnismalen zu retten, was abzunehmen oder auszubauen war. Angesichts des ungeheuren Zeitdrucks sei eine schonende und vollständige Bergung allerdings unmöglich gewesen, so der Kustos. „Dennoch gelang es, den weitaus größten Teil des Kunstgutes zu bergen. Viele Epitaphien sind vollständig erhalten, manche teilweise geborgen worden, einzelne gingen ganz verloren. Während ihrer notdürftigen Lagerung über Jahrzehnte haben vor allem die Holzobjekte Schaden erlitten.“

    Das Restaurierungsprojekt

    Nach jahrzehntelanger Einlagerung der Epitaphien in improvisierten Depots, die weitreichende Schäden zur Folge hatte, nahm die Universität Leipzig ab 2002 ihre Wiederherstellung in Angriff. Die Erarbeitung von Übersichten des Vorhandenen unterstützte damals die Hochschule für Bildende Künste Dresden (Prof. Dr. Ulrich Schießl). Den Anfang machte die Restaurierung des Holzepitaphs für Heinrich Heideck: Ein erstes Teilstück wurde im Rahmen einer Diplomarbeit bearbeitet, die weiteren Arbeiten an diesem und anderen Objekten wurden an Freiberufler vergeben. Parallel zur Restaurierung der Originale galt es, Überlegungen zur künftigen Präsentation der Werke anzustellen. Zu diesem Zweck wurde 2004 vom Rektorat die Kunstkommission begründet, die Empfehlungen für die Präsentation der Kunst auf dem gesamten Campus erarbeitet hat und die bis heute den Arbeitsprozess begleitet.

    Nach dem Vorbild des historischen Kirchenraumes besteht auch der neu errichtete Andachtsbereich im Paulinum (Aula/Universitätskirche St. Pauli) aus drei „Schiffen“. In drei Jochen befinden sich zwischen den Pfeilern Hängeflächen für insgesamt 21 große Epitaphien. Die größten barocken Kunstwerke weisen eine Höhe von sechs Metern und eine Breite von vier Metern auf. Zusätzlich werden um die Monumentalwerke herum kleinere Werke angebracht.

    Mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, insbesondere der Leipziger Ortskonservatorin Brigitte Kempe-Stecher, konnte die Universität Leipzig für die Restaurierung der Epitaphien fast 800.000 Euro an Spenden einwerben. Das Epitaph-Projekt ist das bisher umfangreichste und bedeutendste Vorhaben in der Geschichte der Kustodie. „Nach der Umlagerung der Epitaphien in das universitätseigene Kunstdepot im Frühjahr 2004 konnten wir schrittweise mit der Konservierung einzelner Objekte beginnen“, erklärt Hiller von Gaertringen. Parallel dazu sei die Wiederaufstellung der Gedächtnismale als universitäre Forderung in den Ausschreibungen des Neubauvorhabens am Augustusplatz verankert worden.

    Nach rund zehn Jahren konnten die konservatorischen Arbeiten an den überwiegend barocken Kunstwerken abgeschlossen werden. Zusätzlich hat der hallesche Künstler Thomas Leu fehlende Epitaph-Teile durch moderne Metallkonstruktionen ergänzt, die farbig eloxiert und teilweise bedruckt werden. Für einige Epitaphien stehen solche Ergänzungen noch aus. „Durch das von ihm verwendete Material, im Kontrast zu Stein oder Holz der Epitaphien, bleiben die ‚Verletzungen‘ der historischen Werke erkennbar. Mit dieser modernen Antwort auf die Historie der Epitaphien werden sie in ihrer Geschichtlichkeit erlebbar. Und sie zeigen dem Betrachter auch, was durch die besondere Geschichte der Universitätskirche verloren gegangen ist“, sagt der Kustos.

    „Ich freue mich, dass die Epitaphien nach ihrer Bergung kurz vor der Sprengung der Universitätskirche im Mai 1968 nun wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückkehren“, sagt Prof. Dr. Beate Schücking, Rektorin der Universität Leipzig. „Mein Dank gilt den vielen Spendern, allen voran der Porsche AG, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Leipzig, die uns kräftig unterstützt und so zum Gelingen erheblich beigetragen haben.“

    Wann kann man die Epithaphe im Paulinum besichtigen?

    Für die Öffentlichkeit gibt es während des Katholikentags am Freitag, 27. Mai, die nächste Gelegenheit, sich den Fortschritt anzusehen. Das Paulinum (Aula/Universitätskirche St. Pauli) wird von 10 bis 14 geöffnet sein (Zugang über den Haupteingang am Leibniz-Forum). Am 30. Mai, dem Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli, wird es um 10 Uhr im Neuen Augusteum eine gemeinsame Gedenkveranstaltung der Universität Leipzig und des Paulinervereins geben, an deren Ende ebenfalls die Möglichkeit besteht, ins Paulinum zu gehen. Die nächstfolgende Gelegenheit soll es dann zur Langen Nacht der Wissenschaften am 24. Juni 2016 geben.

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