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26. Leipziger Jahresausstellung: Ein langes Gespräch mit Axel Krause im Video

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    Vor vielleicht vier, fünf Jahren wäre es an einem 6. Juni sicher ein Gespräch über Kunst, Malereischulen, Einflüsse und heutiges Schaffen geworden. Nach den Turbulenzen um die Rolle Axel Krauses zur diesjährigen 26. Leipziger Jahresausstellung (Start am 12. Juni 2019) in der Alten Baumwollspinnerei war dies so kaum möglich. Vorwürfe gegen den Leipziger Künstler führten über teils seltsame Entscheidungen zum Ausschluss Krauses, eine Absage der Ausstellung und die Wiederankündigung. Ein Treffen und ein Gespräch mit Axel Krause, um seine Sicht der Dinge zu hören.

    Axel Krause studierte in den Achtzigerjahren zusammen mit Neo Rauch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Malerei. Bereits zu DDR-Zeiten verkaufte der junge Arno Rink-Schüler und Künstler gut, erhielt staatliche Aufträge und ging seinen Weg. In den Neunzigern war er selbst Lehrer für weitere spätere Vertreter der „Neuen Leipziger Schule“ an der Abendakademie. Wirklich sogenannte „schlechte Zeiten” scheint der Künstler alle Zeiten hindurch nicht erlebt zu haben, im Osten gut ausgebildet, nach der Einheit wieder gefragt als Vertreter der Leipziger Malerei.

    Mehrfach stellte Axel Krause Bilder auf der Leipziger Jahresausstellung (L.J.A.) aus. Zuletzt war dies 2013 der Fall. Seit 2015 zieht er mit etwas anderem als mit Malerei die Aufmerksamkeit auf sich, äußerte sich zunehmend politisch und dabei als bekennender AfD-Wähler auch dezidiert gegen die aktuelle Politik. Als er 2019 bei der L.J.A. teilnehmen sollte, entwickelte sich nach seiner Einladung dazu ein merkwürdige Ereigniskette, die fast die gesamte Jahresausstellung zum Erliegen brachte.

    Seither ist Krause Thema in nahezu allen namhaften Medien, viele sprechen über, aber auch immer mehr mit ihm.

    Ein Gespräch über Lebenswege, „Volk“, „Massenmigration“ und „Meinungen“

    Die L-IZ.de traf am 6. Juni einen sichtlich entspannten Künstler in seinem Atelier an, aktuell hat er mehr Presse zu Gast als gewohnt. Etwa eine Stunde lang erzählte der Leipziger Maler von seinem Verhältnis zur AfD, den Umgang der Kritiker mit seiner Person, seinem Werdegang als Künstler in der DDR, seine Findungsphase in den Neunzigerjahren und über das Verhalten des Vereinsvorstandes der Leipziger Jahresausstellung ihm gegenüber.

    Zuerst zur Ausstellung eingeladen, wurde diese Entscheidung wochenlang in der Öffentlichkeit und intern als eine demokratische verteidigt, um Krause Anfang Juni doch wieder auszuladen. Statt einer möglichen Debattenveranstaltung oder den angekündigten Kunstaktionen gegen die Meinungen Krauses kam es zum Crash. Der gleichzeitige Rücktritt des Vereinsvorstands und die anschließende Absage der gesamten Ausstellung sind auch für Axel Krause nur schwer nachvollziehbare Handlungen.

    Die „triftigen Gründe” für das wechselhafte Verhalten möchte der trotz Rücktritts weiter als Interims-Vorstand agierende Kreis um Dr. Rainer Schade bei der Mitgliederversammlung am 20. Juni 2019 genauer erläutern.

    Die Ausstellung selbst startet nun doch noch am 12. Juni 2019, zuvor am 11. Juni möchte man sich mit Axel Krause ab 19 Uhr im Museum der bildenden Künste (MdbK) zu einer Podiumsdebatte unter Leitung von MdbK-Direktor Dr. Alfred Weidinger zusammenfinden. Mit dabei dann wohl auch der Psychologe Hans-Joachim Maaz, so zumindest der Wunsch Krauses, Dr. Rainer Schade, Arne Linde (Galeristin) und weitere Kritiker des Künstlers.

    Krause gegenüber heißt es derzeit, dieser habe durch seine offensive Diskussionsbereitschaft auf Facebook dem Verein und der Ausstellung geschadet, da er nicht zur Deeskalation beigetragen habe. Auf diesen Vorwurf reagiert der Maler mit Unverständnis; so sei schließlich mit dem Leipziger Jahresausstellung e.V. kein Vertrag unterschrieben worden, der ihm den Mund verbietet.

    Im Interview äußert sich Axel Krause detailliert und gut informiert zu den Ursachen der Fluchtbewegung nach dem Arabischen Frühling 2011, welche ins Jahr 2015 und das Wiedererstarken der AfD mündeten. Er bekräftigt aber auch seinen Standpunkt, dass die Bundesregierung in Bezug auf die Situation 2015 falsch gehandelt habe. Er sieht ein großes Problem in der unkontrollierten Einwanderung des Jahres 2015 und möchte keine integrative Gesellschaft.

    Eine Spurensuche nach den Motivationen eines Mannes, der sich der AfD zuwandte. Und denen des Vereins, ihn künstlerisch zu schätzen und politisch abzulehnen sowie dem Scheitern einer Ausstellung unter Teilnahme Axel Krauses in Leipzig.

    Am 10. Juni wurde bekannt, dass auch die Podiumsdebatte mit Axel Krause entfällt. Zum Beitrag auf L-IZ.de

    Das Gespräch mit Axel Krause im Video

    Das nahezu ungeschnittene Gespräch führten Michael Freitag (Politik) und Daniel Thalheim (Kunst, Kultur) am 6. Juni 2019 im Atelier von Axel Krause. Video: L-IZ.de

    26. Leipziger Jahresausstellung, Alte Baumwollspinnerei, Halle 12

    Ausstellungszeitraum 12. bis 30. Juni 2019
    Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 11.00 bis 16.00 Uhr, Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr

    Ausstellende Künstlerinnen und Künstler (Links zu den Seiten der Künstler)

    Anamaria Avram, Anna Bittersohl, Arno Bojak, Dietrich Burger, Lisa Chandler, Laura Eckert, Patrick Fauck, Carsten Goering, Christl Maria Göthner, Nina K. Jurk, Nicole Kegel, Yvette Kießling, Lucy König, Daniel Krüger, Philipp Kummer, Felix Leffrank, Steve Lewis, Carina Linge, Cyril Massimelli, Frank Moll, Hartmut Piniek, Chloé Piot, Otto Reitsperger, Johannes Rochhausen, Christoph Roßner, Robert Rudat, Nelly Schmücking, Maria Schumacher, Stefan Schwarzmüller, Robert Seidel, Björn Siebert, Otto Berndt Steffen, Louise Wallenheit

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    6 KOMMENTARE

    1. Aha, so stellt man (sich) jetzt aus. Sogar bewegte Bilder samt Ton. Schön auch, dass man ihn „sichtlich entspannt“ antraf. Hauptsache, den Krauses dieser Welt geht´s gut, da ist doch schon fast alles erreicht… Für mich ein Tiefpunkt hier, der mir wirklich ganz schwer auf der Leber liegt.

    2. @ m.k.
      Es geht Ihnen aber schon um Axel Krause und den Umgang mit ihm?
      Kommt da noch etwas?

    3. Nach einer Phase der Entspannung nach dem Ende des „Kalten Krieges“ mit Bemühungen um Abrüstung und Stabilisierung, begann erst latent, dann ganz offen mit dem Überfall der Amerikaner auf den Irak, erwiesenermaßen basierend auf einer Lüge, die gezielte und systematische Destabiliserung des Nahen Ostens und angrenzender Gebiete mit dem Ziel, die Welt neu aufzuteilen, den zunehmenden Einfluss Russlands zu begrenzen und den Zugriff auf Menschen und Boden(schätze) für sich selbst zu sichern. Durch die leider eher undifferenzierte Hinwendung der östlichen Länder in Richtung Kapitalismus, Marktwirtschaft und Wohlstand eröffnete sich der westlichen Wirtschaft ein Paradies potentieller Verbraucher von Kosumgütern, die, zu großen Teilen eher überflüssig und auf Verschleiß produziert, einerseits die Wirtschaft ankurbeln und am Laufen halten, andererseits zunehmend ohne Rücksicht auf Zukünftiges die endlichen Ressourcen unseres Planeten sinnlos verbrauchen – um ein System zu erhalten, dass sich als überlegenes darstellt und kollabieren würde, wenn es niemanden mehr gäbe, der dumm genug wäre, um die heilige Kuh Wachstum herumzutanzen und sich regelmäßig das neueste Smartphone und die saisonale Jacke kaufen zu müssen. Der Wohlstand bei uns, den nun auch Chinesen, Inder und Afrikaner und … zu Recht haben wollen, basiert auf der Ausbeutung der Rohstoffe und dem Verkauf von (überflüssigen) Konsumgütern, Waffen, Giftstoffen und unserem Müll in arme Länder. Dort für Demokratie sorgen zu wollen, ist nur die zynische Ummantelung hegemonialer Zielstrebigkeit. Doch Wachstum ist begrenzt, es droht zu stagnieren, und als Lösungen bieten sich an: neue Verbraucher. Das systematische Aushungern der Flüchtlingslager vor Ort spülte Wellen von ihnen nach Europa. Egal, wie gering die Einkommen sind, auch mehr Sozialhilfeempfänger sind mehr Verbraucher! Es geht nicht um Fachkräfte! Es geht um Menschen, die hier die Wachstumsspirale und damit das wirtschaftliche und letztlich auch das politische System am Laufen halten sollen; da sich die Einheimischen immer weniger vermehren und manche von ihneninzwischen begriffen haben, dass man Glück nicht kaufen und Geld nicht Essen kann, droht ein signifikanter Rückgang des Verbauchens, die Katastrophe schlechthin. Die zu vermeiden so ziemlich alles in Kauf genommen wird: das Entstehen von Parallelgesellschaften, das Entstehen und Mächtigwerden von Demokratie konterkarrierenden Parteien, der Verlust einer sich mit sich und seiner Herkunft identifizierenden Zivilgesellschaft und eine sich seuchenartig ausbreitende Amnesie bezogen auf die essentielle Bedeutung von Frieden und inigermaßen intakter Umwelt für das Fortbestehen der Menschheit – aber nicht etwa durch jene, die nur in die Bresche der Orientierungslosigkeit springen, sondern als Folge der Machtübergabe von der herrschenden Politik hin zur immer weiter erstarkenden Wirtschaftslobby. Während man sich hier noch redlich darum streiten, was richtig und falsch ist und wie die Probleme (der Umwelt, des Mülls, mit den Flüchtlingen und der AfD) zu lösen wären, sind wir bereits Teil der Lösung des Problems: fremdgesteuert und manipuliert. Hilfe wäre, die Ursachen der Flucht verändern! Dazu gehört auch unser Lebensstil. Sich Selbststeuerung zurück zu erobern wäre ein Anfang, ist anstrengend und schmerzlich. Und könnte, in der Beschränkung auf das und Fühlen dessen, was uns tatsächlich wichtig ist und glücklich sein lässt, zu wirklicher (innerer) Freiheit führen: für die keine Anderen den Preis bezahlen, für die wir die Verantwortung immer und in jedem Fall selbst übernehmen und in der es ein alle einender Wert ist, miteinander zu kooperieren.

    4. Vielen Dank der Redaktion für das ausführliche Interview mit dem Menschen Axel Krause, der hier nicht auf ein paar Stereotype reduziert wird.
      Die zwei aktuellen Arbeiten von ihm, die während dessen im Hintergrund zu sehen waren, hätten sicherlich niemanden aufgeregt. Und dass er sich der Ehre bewusst war, als beteiligter Künstler für die Leipziger Jahresausstellung 2019 ausgewählt worden zu sein, machte er darin deutlich, dass er – als seine neueren Bilder in Ausstellungen und Galerien hingen – sich sofort ans Werk machte, zeitnah aktuelle Sujets umzusetzen.
      Dass nun die Jahresausstellung ohne seine zwei Gemälde eröffnet wird, macht sie nicht nur um eine Position ärmer, sondern stellt dem Verein ein Toleranzarmuts-Zeugnis aus.
      Man muss den Künstler, die Künstlerin nicht mögen, aber kann dennoch deren/dessen Werk achten und wertschätzen. Vergeben wird die Grundlage der Auseinandersetzung, wenn man die Kunst der Betrachtung entzieht.
      Ein prominentes Beispiel findet sich gegenwärtig im Hamburger Bahnhof in Berlin. Ohne jetzt Axel Krause mit dem Maler aus Nolde vergleichen zu wollen: dass Emil Noldes Gemälde jüngst aus dem Kanzleramt entfernt wurde, zeugt von keinem adäquaten Umgang mit Charakterlosigkeit, politischem Irrtum und exemplarischer Aufarbeitung deutscher Geschichte.

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