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Das Stadtgeschichtliche Museum wird zum „(T)Raumschiff in schwierigen Zeiten“

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    Seit November ist wieder alles dicht. Zwei Ausstellungen, die eigentlich auch so etwas wie der Höhepunkt im Jahr 2020 (dem Jahr der Industriekultur) werden sollten, waren in den vergangenen zwei Monaten für das Publikum praktisch unzugänglich. Und auch 2021 sieht noch nicht so aus, als könnte das Stadtgeschichtliche Museum einfach drauflosplanen. Dabei hat es für den Mai eine besondere Leipzig-Ausstellung in Arbeit.

    „Kennzeichen L – Eine Stadt stellt sich aus“ soll sie heißen und im Böttchergässchen am 9. Mai eröffnen, wenn wir das mit der Corona-Bewältigung so schnell auf die Reihe bekommen.

    Denn eigentlich wollen ja auch noch die zwei laufenden Ausstellungen gesehen werden. Wer sich das fürs Jahresende vorgenommen hatte, stand ja vor verschlossenen Türen.

    Also werden die erst einmal verlängert. Zumindest die eine, kündigt das Stadtgeschichtliche Museum an, von der die Ausstellungsgestalter annehmen können, dass ein Monat wirklich zu kurz war, damit alle sie sehen konnten, die sich für die Sammelstücke im Depot interessieren.

    „ … oder kann das weg? Napoleons Nachttopf, Ulbrichts Küchenstuhl und das Taufkleid von Tante Marta“, heißt die Studioausstellung, die just am 7. Oktober eröffnet wurde, jetzt aber erst einmal bis zum 9. Mai 2021 verlängert wurde.

    Und wie ist das mit der ganz großen Ausstellung? „WerkStadt Leipzig. 200 Jahre im Takt der Maschinen“ heißt die und wurde am 2. September eröffnet. Offiziell läuft sie bis zum 7. März 2021. Und die Diskussionen um die Verlängerung des Lockdowns lassen zumindest so ein Gefühl aufkommen, dass man vielleicht doch gut daran täte, an diesem Schließtermin nicht festzuhalten, weil es vorher möglicherweise gar keinen Wieder-Öffnungs-Termin gibt.

    Immerhin steckt eine Menge Arbeit in dieser Ausstellung zur Leipziger Industriegeschichte und mancher Leipziger wäre wohl froh, die Ausstellung nach dem ganzen Zuhausenbleibenmüssen einmal in aller Ruhe betrachten zu können.

    WerkStatt Leipzig: Dreherei für Wellen der Bleichert-Werke. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
    WerkStatt Leipzig: Dreherei für Wellen der Bleichert-Werke. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

    Natürlich tangiert das die Planungen für die Zeit danach. Zur Normalität gehen wir alle jedenfalls nicht so schnell über.

    Auch wenn natürlich „Kennzeichen L“ direkt an die Mentalität der Leipziger/-innen appelliert.

    Und eigentlich auch an die eigene, denn auch so eine Mannschaft im geschlossenen Museum sehnt sich nach Besuchern. Und das hat das Stadtgeschichtliche Museum jetzt in die „MISSION ZUSAMMENHALT – Museum als (T) Raumschiff in schwierigen Zeiten“ als Slogan für 2021 gepackt. Wohl wissend darum, dass „die Zeiten für Planungen weiterhin unsicher sind und mit etwaigen Änderungen sicherlich zu rechnen ist“.

    Das Stadtgeschichtliche Museum jedenfalls verrät schon einmal, was es da vom 9. Mai bis zum 26. September 2021 zu sehen geben soll.

    Kennzeichen L

    Leipzig ist keine Stadt wie jede andere. Mit einem ungewöhnlich positiven Image ausgestattet, besitzt Leipzig einzigartige Qualitäten. Allenthalben spürbar sind sie und doch viel zu selten in ihrer Besonderheit verstanden und als Kraftquellen aktiviert. Leipzig macht es seinen Gästen und Zuzüglern leicht. Doch braucht es mehr als Kompetenz und Durchsetzungsvermögen, um hier gut anzukommen?

    Das Lebensgefühl des „Weltdorfs an der Pleiße“ erschließt sich nicht nur über historische Ereignisse, Sehenswürdigkeiten und typische Attribute wie Buchstadt, Musikzentrum oder Messemetropole! Die Sonderausstellung „Kennzeichen L. Eine Stadt stellt sich aus“ fragt erstmals nach jenen verborgenen Merkmalen der Leipziger Mentalität, die bis heute das Selbstverständnis ihrer Bürgerinnen und Bürger prägen. Die reichen Sammlungen des Stadtgeschichtlichen Museums werden hierzu neu befragt und um zahlreiche Leihgaben der Leipziger Bürgerschaft ebenso von Institutionen ergänzt.

    Neben Ausstellungsstücke zu Persönlichkeiten der älteren und neueren Geschichte treten so Menschen, Dinge und Statements aus der heutigen Stadtgesellschaft. Nostalgische Erinnerungsstücke vom Rennbahn-Totalisator bis zum Lotteriekiosk, vielstimmige Liebeserklärungen an die Stadt sowie typisch Leipziger Innovationen sind ebenso präsent wie polarisierende Objekte und kritische Positionen.

    Bei zahlreichen partizipativen Stationen und interaktiven Vermittlungsangeboten sind die Gäste aktiv gefordert. Hier werden sie zum gleichberechtigten Stadtexperten. Sie sind so eingeladen, aktiv mitzudiskutieren und zum engagierten Nachdenken über den gemeinsamen Lebens- und Herkunftsraum Leipzig herausgefordert.

    Und was gibt es dann im Souterrain im kleinen Studio zu sehen?

    Jüdische Verlage in der Buchstadt Leipzig

    Die Studioausstellung „Jüdische Verlage in der Buchstadt Leipzig“ ist ein Projekt zur Jüdischen Woche und wird vom 1. Juni bis zum 25. Juli im Böttchergässchen 3 zu sehen sein.

    Seit dem 18. Jahrhundert zählt Leipzig zu den bedeutendsten Messe- und Verlagsstädten in Deutschland. Obwohl nur eine Minderheit in dieser Branche, waren ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch jüdische Verleger, Autoren und Künstler an diesem Erfolg beteiligt, darunter Henri Hinrichsen oder Kurt Wolff. Viele andere sind heute fast vergessen.

    Wichtige Publikationen des liberalen Judentums entstanden dank spezialisierter Verlagshäuser und Druckereien in Leipzig. Die Bandbreite jüdischer Verlage war vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts sehr groß: Sie reichte von religiösen Schriften über die berühmten Notendrucke der Edition Peters bis zu wissenschaftlichen Werken, Stadtplänen und Zeitschriften oder Künstlerbüchern der Moderne. Die Studioausstellung zeigt neue Facetten des Kulturaustauschs der Buchstadt Leipzig und ihrer Strukturen. Ihre Geschichte ist die von Liberalität und Bildung, der Hoffnung auf Toleranz und gegenseitigen Austausch.

    Und dieser kleinen Ausstellung folgt – wenn die Planungen so aufgehen – gleich im August eine Ausstellung zum 150 Geburtstag von Karl Liebknecht.

    Held oder Hassfigur? Der Leipziger Liebknecht

    KarLi – und sonst nichts? In Leipzig scheint heute nur noch die lebendige Kneipenmeile in der Südvorstadt und die kleine Gedenkstätte in der Braustraße an den bekannten Politiker Karl Liebknecht zu erinnern. Sein 150. Geburtstag wird in der Ausstellung zum Anlass für Rückblicke: Auf sein Leben und das seiner Familie, seine Nachwirkung und die Instrumentalisierung seines Wirkens als „Vorkämpfer“ in der DDR, aber auch auf die politische Arbeiterbewegung, der er entstammte.

    Im Zentrum der Studioausstellung stehen biographische Ereignisse und wichtige Lebensetappen von Liebknecht, der mit seiner Familie die ersten 20 Lebensjahre in Leipzig verbrachte. Sein Vater Wilhelm Liebknecht war nicht nur gebildeter Schriftsteller, sondern einer der Führer der deutschen Sozialdemokratie. Er stand als Reichstagsabgeordneter im Zentrum internationaler Aufmerksamkeit, auch als er gemeinsam mit August Bebel und anderen Politikern aus Leipzig ausgewiesen wurde.

    Karl Liebknechts Elternhaus bildete vor und in der Zeit der Sozialistengesetze 1878–1890 eines der Zentren der deutschen Arbeiterbewegung und der lebendigen Leipziger Arbeiter- und Gegenkultur. Als Rechtsanwalt und linksradikaler Politiker setzte Karl Liebknecht im 1. Weltkrieg, in der Novemberrevolution, bis zu seiner Ermordung am 15. Januar 1919 dieses Engagement als Mitgründer der KPD fort. Bis heute Kultfigur der Linken – und lange Hassfigur der Konservativen und Rechten –, wird die Ausstellung diesem Bild die Geschichte seiner Herkunft entgegensetzen.

    Held oder Hassfigur: Gruppenbild der Familie Liebknecht. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
    Held oder Hassfigur: Gruppenbild der Familie Liebknecht. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

    Geplant ist diese Studioausstellung vom 11. August bis zum 24. Oktober 2021.

    Und als hätten sie es geahnt, dass es am 3. Januar 2021 in Leipzig mal wieder schneit, haben die Museumsmacher für die Herbstausstellung den Schnee zum Thema gemacht. Denn eines ist Fakt: Früher gab es deutlich mehr Schnee in Leipzig.

    Schnee von gestern? Winter in Leipzig – Kulturgeschichte und Zukunft einer Jahreszeit

    Der Winter, geliebt und gehasst, ersehnt und gefürchtet, Frust und Lust; keine Jahreszeit polarisiert so sehr wie er. Hier liegen Freude und Leid eng beieinander. Was aber passiert mit dem Winter in Zeiten des Klimawandels und seines langsamen Verschwindens? Was wird aus der winterlichen Bilderwelt und Aura, wenn dauerhaft kein Schnee mehr fällt? Wie verkraften Mensch und Natur diese Leerstelle, und was können wir gegebenenfalls an ihre Stelle setzen?

    Leipzig galt nie als Stadt schneereicher Winter noch des Wintersports. Dennoch wurde und wird der Rhythmus städtischen Lebens und Alltags auch von dieser Jahreszeit geprägt, und viele Leipzigerinnen und Leipziger sind mit dem Wintersport aktiv verbunden. Das Stadtgeschichtliche Museum widmet daher dieser rau-besinnlichen Jahreszeit erstmals eine Ausstellung und erhellt zwischen Nostalgie, Infrastruktur, Kulturgeschichte und Klimasorge alle Facetten, die der Winter in sich trägt.

    Winter und Jahresende stehen gerade in Leipzig für eine auch kommerziell intensiv zelebrierte und traditionell klangvolle Weihnachtszeit. Er ist ein Naturphänomen und mit vielen Wetterunbilden versehen und daher eine Herausforderung an jeden einzelnen und an die städtische Daseinsvorsorge und Gemeinschaft. Winter ist aber nicht nur Dunkelheit und Einsamkeit, sondern auch die Zeit der Musik, des Eislaufens und der Masken- und Sportlerbälle.

    Er bringt eine besondere Form des kulinarischen und sinnlichen Genusses mit sich. Mit einer Fülle unterschiedlicher Objekte, Bilder und Medien sowie mit Mitmachstationen für Groß und Klein zeigt das Stadtgeschichtliches Museum die schönen und die schauerlichen Seiten des Winters, fragt nach seinem Geschmack und den Risiken, ganz ohne Arzt und Apotheker.

    Geplant ist „Schnee von gestern“ vom 12. November 2021 bis zum 27. Februar 2022.

    Menschen brauchen Orte der Begegnung: Die Leipziger Museen sollten schnellstmöglich wieder geöffnet werden

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