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Menschen brauchen Orte der Begegnung: Die Leipziger Museen sollten schnellstmöglich wieder geöffnet werden

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    Dass es so viele Menschen gibt, die meinen, gegen die immer neuen Corona-Maßnahmen protestieren zu müssen, hat auch damit zu tun, dass nicht wirklich klar ist, was alle diese Maßnahmen eigentlich bewirken. Es fehlt die Stringenz. Wichtige Maßnahmen, die die Verbreitung des Virus wirklich einhegen könnten, wurden unterlassen. Andere machen wenig bis gar keinen Sinn. Und auch die Direktoren der Leipziger Museen haben eigentlich die Nase voll von dieser Symbolpolitik.

    Obwohl sie sehr wohl wissen, dass es ohne wirksame Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht geht. Aber die Schließung von Museen gehört nicht wirklich dazu. In den vergangenen Tagen haben die Direktoren/Direktorinnen der vier städtischen Leipziger Museumszweige intensiv konferiert, um ihre Überlegungen für eine zügige Wiederöffnung von Museen und ihre Nutzung als außerschulische Bildungsorte in die Form eines argumentativen Grundsatzpapiers mit konkreten Handlungsvorschlägen zu bringen.

    Konferiert haben Dr. Jeannette Stoschek, kommissarische Direktorin des Museums der bildenden Künste Leipzig, Dr. Anselm Hartinger, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig, Dr. Ronny Maik Leder, Direktor des Naturkundemuseums Leipzig, und Dr. Olaf Thormann, Direktor des GRASSI Museums für Angewandte Kunst.

    Ihnen ist sehr wohl bewusst, das die immer neuen Lockdowns direkt den Wesenskern unserer Gesellschaft treffen, Orte der Begegnung und der Bildung unzugänglich machen und damit Menschen regelrecht voneinander abschotten.

    „Dabei zeigt sich: Die Gesellschaft als Ganzes wird die Pandemie überstehen und die wirtschaftlich-infrastrukturelle Basis unseres Landes wird trotz in dieser Form nie dagewesener Einbrüche im Kern weiter funktionieren“, schreiben die vier in ihrem gemeinsamen Positionspapier. „Anders steht es mit dem menschlichen Miteinander und der zivilgesellschaftlichen Zukunftsfähigkeit unseres Landes, die in erheblichem Maß gefährdet sind.“

    Denn wenn immer wieder dieselben Mittel angewendet werden und dieselben Berufsgruppen die Zeche für alle zahlen, zerstört das Vertrauen und Hoffnung. Denn betroffen ist der komplette Kulturbereich, den deutsche Politik augenscheinlich für verzichtbar hält, sonst würde man die verfehlten Maßnahmen endlich aussortieren.

    „Der kreative Aufbruch der ersten Pandemiemonate ist vielfach der Resignation angesichts der fortdauernden Krise und beständig drohender ,Lockdowns‘ gewichen“, heißt es im Papier. „In Familien, Arbeitskollektiven und Freundeskreisen verhärten sich die Diskussionen über den richtigen Umgang mit der pandemischen Bedrohung; weite Bevölkerungskreise geraten an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit. Das zunehmende Auseinanderdriften der Interessenlagen dürfte zudem Formen eines demokratie- und kulturfeindlichen Populismus befördern, der die für unsere Gesellschaft konstitutive gelebte Solidarität mit Alten, Schwächeren und ,Fremden‘ aller Art untergräbt.

    Wir werden noch lange mit der Pandemie und mit Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit und unseres gemeinsamen Alltags leben müssen. Dafür jedoch brauchen wir neue Quellen der Resilienz und Zukunftsfestigkeit, die über das epidemiologische Management der Pandemie hinausgehen. Wollen wir nicht auf Dauer das distanzierte Abstandhalten als neues Miteinander etablieren, müssen wir Wege finden, die für eine demokratische und liberale Gesellschaft unverzichtbare Kultur des offenen Austauschs und der zwischenmenschlichen Begegnung zu erhalten.“

    Und das dauerhafte Schließen sämtlicher Museen ist in dieser Hinsicht geradezu kontraproduktiv, bestraft sogar alle Beteiligten, die schon im Frühjahr belastbare und sinnvolle Hygienekonzepte entwickelt haben.

    Logische Forderung: baldmöglichst die Museen wieder zu öffnen.

    „Es gibt deshalb keinerlei Argumente, die über den aktuellen ,Wellenbrecher‘-Lockdown hinaus eine längerfristige Schließung für Museen nahelegen – zumal durch die Offenhaltung des Einzelhandels eine völlige Kontaktvermeidung in den Innenstädten ohnehin nicht erfolgen kann“, heißt es im Papier.

    „Vielmehr braucht es eine zeitnahe verlässliche Öffnungsperspektive, die den Museen hilft, die gegenwärtig notorisch überlasteten Bildungseinrichtungen von Kitas und Horten bis zu Schulen und Universitäten durch zusätzliche Räume und Angebote zu unterstützen. Zudem benötigen wir alle gerade jetzt und in den bevorstehenden dunklen Monaten die Begegnung mit Schönheit und Tradition in essentieller Weise. Ohne die Erfahrung der Kontemplation und das begeisterte Sprechen über Geschichte, Gegenwart und Zukunft wird unsere Gesellschaft in eine langanhaltende Depression absinken.

    Nichts davon kann man jedoch auf Dauer nur zu Hause und allein genießen – von der Illusion einer rein digitalen Repräsentanz von Bildungsinhalten und Kulturerlebnissen haben uns die vergangenen Monate gründlich geheilt. Worauf schließlich wollen wir nach den abzusehenden Einbrüchen in der Gastronomie sowie Kleinkunst- und Dienstleistungsszene künftig die urbane Attraktivität unserer Innenstädte gründen, die für das europäische Modell von Zusammenleben und Demokratie doch so essentiell sind?

    Gerade hier können Museen und institutionelle Kulturanbieter eine überlebenswichtige Rolle spielen, für deren Wahrnehmung nicht einmal milliardenschwere Rettungsprogramme notwendig sind, sondern vor allem eine belastbare Perspektive.“

    Logische Hauptforderung (als Vorschlag formuliert): „Schnellstmögliche Wiederöffnung und kontinuierlicher Weiterbetrieb von Museen und Gedenkstätte im Rahmen der den jeweils gültigen Hygienekonzepten entsprechenden Beschränkungen und Regularien (zahlenmäßige Begrenzung, Maskenpflicht, Desinfektion, gegebenenfalls Datenerfassung)“.

    Und vor allem: Nutzung von Bildungsangeboten für die Schulen, um diese in dieser Phase auch einmal spürbar zu entlasten.

    Das komplette Positionspapier zum Nachlesen.

    Leipziger Zeitung Nr. 85: Leben unter Corona-Bedingungen und die sehr philosophische Frage der Freiheit

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    2 KOMMENTARE

    1. Nun, wenn man das mal lokal für Leipzig betrachtet, gibt es die Chance, dass vom 19.12.20 (Sa, erster Ferientag, Schwurbelnazidemo geplant) bis zum 3.1.21 (So, letzter Ferientag)
      ein freiwilliger Lockdown der Verständigen durchgeführt wird.
      Dann kann man schauen, wie die Zahlen in Leipzig und die Belegung Leipziger Kliniken durch „Außerirdische“ sind.
      Problem bei diesem Virus ist, dass es mit den „Touristen“ einreist und sich dann verbreitet/n kann.
      Wenn man über Kultur etc. Menschenmassen anzieht, die sich nicht an die Regeln halten und die Beherbergung (ähmm, sehe gerade, bleibt in Sachsen bestehen) und gastronomische Versorgung wieder gegeben sein wird,
      steigen auch wieder die Zahlen.
      Und so, wie es in Stollberg angedacht wurde, also nur für Einheimische,
      kann und sollte man es in Leipzig wohl eher nicht andenken ^^
      Aber vielleicht einen Online-Kartenverkauf, um das Potential abschätzen zu können,
      vielleicht, denke ich..
      Der unfriedliche „Lichterlauf“ am 7.11.20 hat z.B. zum Schließen-Müssen der Nikolai-Kirche geführt, deren Grundsatz „Kirche offen für alle“ wesentlich für die friedliche Revolution ’89 war.
      Hab’s mal angehangen, von https://www.nikolaikirche.de/aktuelles/mitteilungen/ :

    2. Die einzige richte Frage wäre doch: warum wurden die Museen überhaupt geschlossen?
      Weil sich dort ständig die Menschen zu hunderten annießen, wilde Partys feiern und auch sonst völlig unkontrollierbaren Körperkontakt haben, man wegen der winzigen Räume weder mit Abstand noch mit (wie auch immer sinniger) Gesichtsmaske ein sicheres Hygienekonzept erstellen könnte (was garantiert von den Museen gamcht wurde). WARUM also!

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