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Zwei Reliefs fürs Leipziger Wagner-Denkmal aus der Werkstatt Emil Hipps fanden ihren Weg nach Sachsen

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    Zuletzt diskutiert über das Richard-Wagner-Denkmal in Leipzig wurde 2013, zu Wagners 200. Geburtstag. Denn auch wenn Leipzig schon zu Wagners 100. Geburtstag ein Denkmal für Richard aufrichten wollte, ist das nie zustande gekommen. Auch die von Bildhauer Emil Hipp schon fertig behauenen Reliefplatten wollte Leipzig nach dem Zweiten Weltkrieg nicht haben. Zwei haben jetzt dennoch den Weg nach Leipzig und Ermlitz gefunden.

    Aller Anfang war hier tonnenschwer, meldet dazu das Stadtgeschichtliche Museum, das das schwere Erbe nun übernimmt. Vor wenigen Tagen wurden in Leipzig und Ermlitz bei Leipzig mit einem großen LKW zwei Naturstein-Reliefs angeliefert, die vor über 80 Jahren der Bildhauer Emil Hipp für den Richard-Wagner-Hain am Elsterbecken geschaffen hatte. Dem Richard-Wagner-Verband Leipzig und dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig ist es gelungen, zwei der seit langem verschwundenen Kunstwerke, die Teil eines gigantischen Ganzen werden sollten, anzukaufen.

    Schon länger ist es ein Anliegen sowohl des Verbands als auch des Museums, das geplante Wagner-Denkmal in originalen Teilen zu dokumentieren. 1932 war der Bildhauer Emil Hipp zum Wettbewerbssieger erkoren und von der Stadt Leipzig zur Ausführung der Denkmalspläne beauftragt worden. Er hatte mit seinen nach klassisch-antikem Vorbild geschaffenen Relieffiguren den Geschmack der Jury getroffen.

    Wenig später traf er allerdings auch den Geschmack der Nationalsozialisten: Den Grundstein für das monumental geplante neoklassizistische Denkmal legte Adolf Hitler 1934 persönlich. Bis 1944 stellte Hipp die meisten Teile fertig, doch war nach 1945 aufgrund seiner Wahrnehmung als „nationalsozialistischen Propaganda“ an eine Aufstellung des Denkmals nicht mehr zu denken.

    Die Teile wurden in alle Winde verstreut und vereinzelt an private Wagner-Liebhaber verkauft. Viele waren verschollen. Im Sommer 2020 tauchten nun drei Stücke aus Privatbesitz wieder auf, zwei Reliefs standen zum Verkauf. Das kleinere zeigt Hans Sachs, das größere, das aus zwei Steinplatten besteht, Siegfried und Brünhilde. Das Material ist Drosselstein, ein polierfähiger Korallen-Kalkstein. Beide Reliefs wiegen zusammen über zwei Tonnen.

    Das Stadtgeschichtliche Museum und der Richard-Wagner-Verband Leipzig bemühten sich um den Erwerb, namhafte Spender unterstützten großzügig den Verband. Das größere Relief will der Verband der Stadt für eine künftige Neugestaltung des Geländes Richard-Wagner-Hain am Elsterflutbecken zur Verfügung stellen. Bis es so weit ist, gewährt das Ehepaar Gabriela und Arnd Mackenthun dem Bildwerk auf ihrem Kultur-Gut Ermlitz interimsweise Asyl. Im alten Rittergut der Familie Apel war Wagner bekanntlich gern zu Gast.

    Das kleinere Relief soll 2022 in einer Sonderausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums gezeigt werden, die erstmals umfassend dem Thema der Musikstadt Leipzig in der Zeit des Nationalsozialismus thematisiert. In jedem Fall geht es sowohl dem Richard-Wagner-Verband Leipzig als auch dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig um die Dokumentation des Denkmalsplans von 1932/1934 und damit eines Kapitels der Leipziger Wagner-Rezeption, das nicht länger verdrängt werden darf, sondern zu einer realistischen Bilanz des Verhältnisses von Wagner und Leipzig gehört.

    „Als Haus mit einer langen Tradition von Wagner-Ausstellungen nehmen wir nicht nur die weltweite Bedeutung Wagners für die Musik- und Geisteswelt des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blick, sondern stellen uns auch den schwierigen Seiten dieses Leipziger Komponisten einschließlich seiner Indienstnahme für National- und andere Mythen.

    Wenn wir dank der gewichtigen Neuzugänge in unserer Ausstellung 2022 den Abriss des Mendelssohn-Denkmals 1936 der Grundsteinlegung des Wagner-Ehrenhains 1934 gegenüberstellen können, dann nehmen wir unsere Verantwortung für eine ganzheitliche kritische Kulturgeschichte wahr. In enger Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Verband können wir so zudem eines der umfangreichsten Leipziger Denkmalsprojekte der Moderne dokumentieren“, erklärt dazu Dr. Anselm Hartinger, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums.

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