Neuer Kulturbetrieb an der Eisenbahnstraße: In der „Ostpassage“ gehen die Lichter an

Für alle LeserLZ/Auszug aus Ausgabe 51Daniel Schade treibt an, er ist wohl genau das, was das „lebendige, bunte und anziehende Klein-Paris“, in der überregionalen Presse noch immer gern „Hypezig“ genannt, letztlich bedeutet. Wie so viele Leipziger, die man oft genug nicht sieht, ist Schade seit Jahren unterwegs, sein Kerngebiet war immer der Leipziger Osten. Menschen wie er und seine Wegbegleiter haben früh begonnen, eine geschichtsreiche Stadt noch in den letzten Winkeln neu zu erschließen. Nun sitzt er über der Aldi-Filiale an der Eisenbahnstraße, am sagenumwitterten „Rabet“, unweit des Bolzplatzes für viele Migranten und erzählt.

Von einem offenen Haus für alle, Theaterworkshops für die Anwohner, Laienkabarett und freien Abenden, an denen man sich einfach wieder mehr begegnen wird. „2010/11 begann der Weg, wir haben nach einem Ort für etwas Neues gesucht, bis uns das Quartiersmanagement Ost hierher gebracht hat. Als ich das erste Mal hier drin stand, dachte ich nur Wow! Es hatte diese ‚Theateraura‘ und keiner kannte diesen Ort, er war wie verschollen. Ein Kino von 1912.“

Wenn man oberflächlich hinschaut, könnte man denken: Noch sieht es fast so aus wie einst. Doch aus der Baustelle wird mit Fördergeldern der Stadt und ungezählten Stunden des studierten Philosophen und dem gesamten Team aus Theaterleuten, Handwerkern und Freiwilligen bis zum 9. März 2018 ein wieder geöffnetes Haus mit Theatervorhang, Bühne und Bar für mindestens 100 Gäste am Abend.

Christopher Brandt, einer der zukünftigen Mitwirkenden in der neuen „Ostpassage“ hat die Geschichte des Hauses noch genauer studiert: „1909 wurde das alles als Markthalle mit einem Flachdach gebaut, nach ersten Umbauten und dem Aufsetzen der Kuppel entstand aber schon 1912 ein ‚Lichtspieltheater‘“. Mit knapp 1.000 Plätzen, ergänzt Schade. An diesem 9. Januar sitzen wir praktisch nur auf der Empore des einstigen Filmpalastes. „1961 war Schluss mit dem Kino, das Haus wurde erstmals aus baulichen Gründen geschlossen“, so Brandt.

Die „Markthalle“ gibt es jetzt irgendwie wieder, der heutige Eigentümer (eine Bank) braucht den Ankermieter „ALDI“ im Erdgeschoss, um sich das vertraglich mindestens auf 15 Jahre angelegte Abenteuer „Kultur an der Eisenbahnstraße“ leisten zu können. „Vorerst nur in der Kuppel, Platz wäre natürlich schon für mehr“, sagt Schade schmunzelnd.

12 Menschen werden hier in einen neuen kulturellen Alltag starten, ein Programm für das ganze Viertel anbieten und freuen sich ab dem 9. März 2018 auf die ersten Besucher. Daniel Schade schmunzelt, wenn er darauf hinweist, dass es hoffentlich viel Werbung nicht brauchen wird, wenn die knappe Bauzeit herum ist. „Viele gehen hier einkaufen, ein Projekt wird auf jeden Fall sein, dass die Jungs vom Fußballplatz am Rabet ein 90-Minuten-Stück hier machen.“

Das Viertel trifft sich also eh bereits hier, an der Kreuzung Eisenbahn- Ecke Konradstraße. Nun kommt wohl ein neuer Ort des Verweilens über einen schnellen Einkauf hinaus hinzu. Vielleicht keine schlechte Idee, Kultur und alltäglichen Einkauf zu kombinieren. So, wie es einst mit einer Markthalle inklusive einer innenliegenden „Passage“ begann.

Die ersten Termine in der „Ostpassage“

09.03. 19 Uhr Eröffnungsperformance anschließend Konzert Baitargang und Party
15.03. 19:30 Uhr „Redet miteinander!“ (Frank Richter, Ullstein)
15.-18.03. Leipziger Buchmesse
16.03. 19:00 Uhr „MRX-Machine“ (Luise Meier, Matthes&Seitz), anschl. Lesebühne
17.03. 19:00 Uhr „Wörterbuch des besorgten Bürgers // 3. erweiterte Auflage“ (Feustel / Grochol / Prüwer / Reif, ventil), anschl. Kabarett „Daumen hoch aus Sachsen“ (Kaufmann/Fleichfresser)
18.03. 18:00 Uhr „Franzosenbalg – Völker sind zum mischen da“ (Peter Garcia, Eckhaus)
22.03., 23.03. je 10 Uhr & 25.03. 16:30 Uhr „Mikas Reise“ – Stubenhocker Produktionen
02.04. 16 Uhr Seniorentheater „Das dramatische Feuilleton“ – Dramavision
05.04. 16 Uhr & 08.04. 11 Uhr „König Drosselbart“
06.04. 20 Uhr, 08.04. 18 Uhr & 12.04. 20 Uhr „Jedermann“
07.04. 20 Uhr Konzert „baby of the bunch“ & eine weitere Girlband aus DD
13.04. 21:30 Uhr Konzert „Rumba de Bodas“ ital. Band aus Bologna
15.04. 20:00 Uhr „Tacet“
20.04.-22.04. Forum „Recht auf Stadt“

Weitere Informationen unter www.ost-passage-theater.de

Die Januar-LZ im Handel: Silvesterknaller, Treuhandschatten, Sondierungs-Gerumpel und eine Stadt in der Nahverkehrs-Klemme

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