Wutausbrüche bringen Crystal-Abhängigen ins Gefängnis

Wenn Rico M. (35) Crystal konsumiert hat, ist er leicht reizbar. Im April 2014 verübte er eine Vielzahl von Straftaten. Immer wieder attackierte der Drogensüchtige Personen in der Torgauer Fußgängerzone. Verkäufer ernteten Schläge, wenn sie ihn bei seinen Diebstählen ertappten. Der Kleinkriminelle legte am Freitag vor dem Amtsgericht ein Geständnis ab. Amtsrichterin Ines Walther schickte den Süchtigen für drei Jahre ins Gefängnis.

Als aggressiv, hippelig, schwitzend, wie einen Tänzer mit auffällig geweiteten Pupillen, beschrieben mehrere Zeugen den Angeklagten bei seinen Taten. Der Crystal-Konsument sitzt zur Zeit in der JVA Torgau eine Strafe in anderer Sache ab.

Im April 2014 war Rico M. mehrmals straffällig geworden. Ob er Drogen konsumiert habe, möchte Richterin Walther wissen. „Eigentlich zu jeder Tat“, erwiderte der Angeklagte. Begonnen hatte die Drogenkarriere 1995 oder 1996 mit Marihuana. Während einer Party probierte er das stark abhängig machende Methamphetamin. „Alles ist Friede, Freude, Eierkuchen“, beschrieb er die Rauscherfahrung bei Gericht. Dann sei man süchtig.

Mehrere Versuche, mit professioneller Hilfe von der Droge los zu kommen, scheiterten. „Da saß ich in U-Haft“, gab M. zu Protokoll. Wie dringend der damalige Hartz-IV-Empfänger an Stoff kommen musste, zeigen seine Diebstähle. In verschiedenen Geschäften hatte er Fleisch gestohlen. Dazu gesellten sich starke Alkoholika. „Die Flaschen habe ich für einen Fünfer verkauft“, gestand M. Alles, um an Crystal heranzukommen.

Sein psychischer Verfall muss rapide gewesen sein. „Ich kenne ihn ganz anders“, schilderte der Ladendetektiv Jens K. (34) seine erste Begegnung mit dem Seriendieb. Beim ersten Zusammentreffen sei er ganz freundlich mitgekommen. „Es wurde immer schlimmer“.

Im April 2014 erwischte der Detektiv den Angeklagte erneut. „Hallo Herr M., wir kennen uns ja“, begrüßte ihn der Wachmann. Eine nahestehende Verkäuferin machte eine Bemerkung, die das menschliche Pulverfass zum explodieren brachte. Beim Versuch die Verkäuferin zu schützen, traf Jens K. ein Schlag ins Gesicht. „Volle Kanne“, beschrieb der Geschädigte die Wucht.

„Es erübrigen sich viele Worte“, begann Staatsanwalt Christoph Sprinz sein Plädoyer und forderte aufgrund von M.’s Einlassung drei Jahre und drei Monate Haft. „Ich mache nur ergänzende Ausführungen“, ging Strafverteidiger Ingo Stolzenburg größtenteils mit der Meinung seines Vorredners d’accord und beantragte zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis.

„Wir gehen davon aus, dass sie bei allen Taten vermindert steuerungsfähig waren“, so Walther. „Wir haben keine Zweifel an der Richtigkeit ihrer Aussagen. Es wurden mehre Zeugen dazu gehört. “ Das Schöffengericht verurteilte Rico M. zu drei Jahren Haft unter Einbeziehung eines früheren Urteils. Sollte die Strafe rechtskräftig werden, könnte der 35-Jährige wegen der anderen Verurteilung möglicherweise erst im Jahr 2020 wieder auf freien Fuß kommen.

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