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Kommentar: Du sollst Deinen Kirchentag selbst finanzieren?

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    Münster ist Sitz eines katholischen Bischofs. Die Mehrheit der Bevölkerung ist katholisch. Der Stadtrat lehnt es ab, den Katholikentag zu finanzieren - zumindest nicht direkt ... über Sachzuwendungen wird noch gesprochen. Leipzig ist nicht Sitz eines katholischen Bischofs. Die Mehrheit ist nicht kirchlich gebunden. Doch die Stadt sieht die Chancen. Der Stadtrat stimmte zu. Denn es geht um ein Forum für alle Leipziger und viele Gäste, nicht um eine Party .

    Im Mai 2014 wurde beim Katholikentag in Regensburg das 11. Gebot verkündet: „Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen.“ Getragen wird die Aktion von der „Giordano-Bruno-Stiftung“. In Leipzig war sie im Vorfeld der Entscheidung über den städtischen Zuschuss auch dabei. Eigentlich ein Heimspiel, könnte man meinen. Schließlich ist hier die Mehrheit nicht kirchlich gebunden. Es sei offensichtlich, „dass das verfassungsmäßig verbriefte Recht auf Gleichbehandlung aller Menschen durch den Staat unabhängig von ihrer Religion (Art. 3 GG) in Deutschland regelmäßig durch Bund, Länder und Kommunen verletzt wird“. Das Bürgerbegehren „(K)Eine Million“, was sich mit der Finanzierung des Katholikentages 2016 durch die Stadt Leipzig befasst, konnte trotzdem nicht die erforderlichen Unterschriften einreichen.

    Ebenso scheiterte die Aktion „Call your Stadtrat“: Stadtrat anrufen und ihm einen persönlichen Wählerauftrag mitgeben: „Viele Initiativen senden Massen-Mails oder schreiben Offene Briefe. Ein Anruf ist persönlicher und zeigt, dass den Wählern das Thema am Herzen liegt.“ Der Stadtrat entschied sich, wie alle Städte zuvor in denen das Großereignis stattfand, für die Unterstützung.

    Wir schaffen eine Öffentlichkeit für Themen wie Armut, Migration, Familie, Globalisierung.

    Leipzig machte sich damit auch die Definition des Katholikentags zu eigen. Die Veranstaltung versteht sich nämlich nicht als Vereinsfest für ihre Mitglieder: „Der Katholikentag ist kein Fest für Insider, sondern ein offenes Forum für gesellschaftliche Fragen, an dem sich die verschiedensten Interessengruppen beteiligen. Wer Katholikentag sagt, sagt auch immer Sozialpolitik. Wir schaffen eine Öffentlichkeit für Themen wie Armut, Migration, Familie, Globalisierung.“

    In Münster fand dies kein Gehör. Eine drei Meter hohe Moses-Skulptur nebst einer Steintafel, auf der das 11. Gebot „Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ verkündet wird, fand dabei Zuspruch in der westfälischen Stadt. „An die Bürger wurden Postkarten mit dem 11. Gebot verteilt, um die damals noch schwankenden Fraktionen von SPD und Grünen an die Trennung von Staat und Kirche zu erinnern“, berichtet der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA), der die Kunstaktion in Münster unterstützte.

    Der Einsatz hat sich am Ende gelohnt. „Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken beschloss der Rat der Stadt Münster am Mittwochabend nach einer zweistündigen, sehr emotionalen Debatte, keinen Barzuschuss für den in Münster geplanten Katholikentag 2018 zu gewähren“, verkündeten die Westfälischen Nachrichten. Sehr zum Ärger des Oberbürgermeisters von Münster Lewe: „Wenn das Projekt Katholikentag nicht funktioniert, müssen wir uns fragen lassen, ob überhaupt noch eine Großveranstaltung in Münster funktioniert.“

    Bistum Münster: Wir sind nicht der Veranstalter

    „Natürlich könnte ‚die Kirche‘, im Sinne der institutionalisierten Kirche, den Katholikentag finanzieren – sie ist aber – auch wenn manche es nicht wahrhaben oder verstehen wollen – gar nicht der Veranstalter. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das sind Laien, Frauen und Männer, die sich – oft ehrenamtlich – auf vielfältige Weise in Kirche und Gesellschaft engagieren“, schreibt der Pressesprecher des Bistums Münster.

    Katholikentags-Geschäftsführer Martin Stauch glaubt, dass Leipzig die Entscheidung nicht bereuen wird, die Großveranstaltung mitzufinanzieren: „Wir bezahlen Kombi-Tickets für unsere Besucher bei den Leipziger Verkehrsbetrieben, Miete für städtische Räume und Plätze, Strom etc. Wir schaffen Arbeitsplätze und zahlen Lohnsteuer für unsere Mitarbeiter. Wir brauchen Hotels, Gastronomie, Catering, technische Ausstattung, Werbung, Künstler. Wir haben die Ausgaben des Katholikentags Mannheim 2012 ausgewertet und konnten feststellen, dass rund 4,3 Mio. Euro aus dem Haushalt des Katholikentags in Mannheim und der Region geblieben sind.“

    Dass der Katholikentag keine innerkatholische Veranstaltung ist, wird auch deutlich in der Einladung an alle Künstler der Region, mitzuwirken:

    Bunte Mischung aus künstlerischen Darbietungen

    „Die Vielfalt des fünftägigen Katholikentagsprogramms mit zirka 1.000 Einzelveranstaltungen soll sich auch im kulturellen Angebot widerspiegeln. Die Veranstalter wünschen sich daher eine bunte Mischung aus künstlerischen Darbietungen. Ob laut oder leise, frech oder getragen, humorvoll oder nachdenklich – der Kreativität der Mitwirkenden sind dabei keine Grenzen gesetzt. Impulsgebend für alle Beiträge soll jedoch das Leitwort des Leipziger Katholikentags „Seht, da ist der Mensch“ sein. Interessierte können bis 30. Juni 2015 ihre Bewerbungen einreichen.

    Alle Informationen und Bewerbungsformulare sind auf der Webseite des Katholikentags abrufbar unter www.katholikentag.de/mitwirken.“

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