Katholiken ziehen in die Kirche am Ring ein

Der MDR übertrug den Kirchweihgottesdienst live. Das ist schön, weil viele so teilnehmen konnten. Es war aber auch eine Herausforderung. Schon am Vorabend war geprobt worden, damit nichts schiefgeht. Kurz nach 11 Uhr zog dann der Bischof ein. Eigentlich als erster, faktisch natürlich waren Kameras, Medien und Chor schon da. Taufbecken, Altar, Ambo, alles wurde eigens gesegnet und in Besitz genommen - für die Ewigkeit, wie es in der Liturgie heißt. Nachhaltig ist es in jedem Fall.

„Jetzt müssen alle raus, weil der Bischof als erstes in die Kirche einziehen wird.“ Na gut, diese Idee kann umgesetzt werden, wenn nicht gerade live gesendet wird. Dann kann tatsächlich der Bischof als erster einziehen. So aber blieben natürlich die Kameramänner, Fotographen und der Chor. Irgendjemand muss ja die Bilder machen. Und wenn der Chor erst einzieht, wenn der Bischof kommt, dauert es auch zu lange. Schließlich beträgt die Sendezeit exakt zwei Stunden. Deshalb übten am Vorabend Ministranten, Liturgen und Chor schon mal in der neuen Kirche. Ergebnis der Probe war, dass der Chor weniger singen durfte. Risikofaktor war dann nur noch, wie lange die Gemeinde braucht, um Platz zu nehmen.

700 Plätze standen zur Verfügung. An der Nonnenmühlgasse verfolgten jene den Gottesdienst, die nicht mehr drinnen Platz hatten. Zu ihnen war vor dem Gottesdienst Bischof Heiner Koch gekommen, um ihnen zu danken und zu betonen, dass auch sie Teil der Gemeinde sind. Zusätzlicher Trost: direkt neben der Großbildleinwand war das Zelt mit Essen und Getränken aufgebaut. Ein Gebärdendolmetscher sorgte dafür, dass auch Gehörlose verstanden, was im Gottesdienst geschah.

Bischof Koch segnet das Wasser des Taufbeckens. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Bischof Koch segnet das Wasser des Taufbeckens. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Durch die Taufe wird man Christ. Inzwischen haben die christlichen Kirchen ihre Taufe gegenseitig anerkannt. Nur bei der Kindertaufe gibt es noch Unklarheiten. Ein eigener Entschluss des Täuflings wird da durch den Willen der Eltern ersetzt, das Kind in den Glauben hineinzuführen. Später gibt es dann den Punkt, wo das Kind selbst entscheidet: in der katholischen Firmung oder in der evangelischen Konfirmation. Der Taufstein in der neuen Kirche steht daher ganz konsequent hinten am Eingang. Bischof Koch segnete das Wasser. Anschließend wurden alle Gläubigen bespritzt, um an die eigene Taufe zu erinnern. Auch die Kameras und Mikrophone bekamen was ab.

Der Ambo, Ort der Verkündigung, wird gesegnet. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Der Ambo, Ort der Verkündigung, wird gesegnet. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Am Ambo wird gepredigt. Hier werden die Texte aus dem Alten und Neuen Testament gelesen. Es war daher der zweite Ort der gesegnet wurde. Im Idealfall verstehen die Gläubigen, was ihnen da vorgelesen wird. Wenn nicht, gibt es noch die Predigt, von der es bei Luther heißt: „Steig rauf, machs Maul auf, hör bald auf!“ Nun gut, „raufgestiegen“ wird nicht mehr. Auch in dieser Kirche gibt es keine Kanzel. Drei Texte wurden gelesen. Der dritte Text erzählte von Zachäus, der so begeistert von Jesus gewesen sein soll, dass er gleich sein Leben änderte. Außerdem war er klein. Ebenso wie jene historische Glocke, die zunächst einmal nicht in den Turm durfte, weil ihre Schwingungen den Turm gefährdet hätten.

Darauf ging Bischof Koch in seiner Predigt ein: „Schon jetzt gibt es für mich ein Lieblingsstück in dieser Kirche: die kleine Glocke, die lange, bevor sie zum ersten Mal läutet, schon so viel Wirbel in der Presse ausgelöst hat, weil sie in ihrer Kleinheit nicht in den Turm zu passen schien, weil sie den ganzen Turm durcheinander zu wirbeln drohte, und die nun von außen angeschlagen wird.“

Bischof Koch hält die erste Predigt in der Kirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Bischof Koch hält die erste Predigt in der Kirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Der dritte liturgische Ort ist der Altar. Die Zeremonie ist hier besonders ausführlich: Heilige werden angerufen, die Oberfläche wird mit Chrisam gesalbt und Weihrauch wird verbrannt. Ein Steinmetz baut die Reliquie des Albertus Magnus in den Altar ein, die eine Woche zuvor aus dem Altar der aufgegebenen Propstei am Ring entnommen wurde. Anschließend wird der Tisch eingedeckt, Brot und Wein werden gebracht, Kerzen werden entzündet und die Eucharistie kann beginnen. Nach der Kommunion werden die Gaben in den Tabernakel gebracht. Das ewige Licht wird entzündet als Zeichen der bleibenden Gegenwart Gottes.

Salbung des Altars durch Bischof Heiner Koch. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Salbung des Altars durch Bischof Heiner Koch. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Der Tabernakel der neuen Propstei am Ring kurz vor dem ersten Gottesdienst. Foto: Ernst-Ulri

Der Tabernakel der neuen Propstei am Ring kurz vor dem ersten Gottesdienst. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Bischof Heiner Koch (rechts) erklärt Nuntius Nikola Eterovi das Konzept der Kirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Bischof Heiner Koch (rechts) erklärt Nuntius Nikola Eterovi das Konzept der Kirche. Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

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