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Christen und Juden in Leipzig erstellen am 4. Advent eine Bibelhandschrift für Leipzig

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    1000 Jahre soll Leipzig sein, also deutlich jünger als der Codex Sinaiticus. Der ist 1600 Jahre alt, griechisch und nicht an einem Tag entstanden. Heute ist ein Stück davon in Leipzig. Der Codex Lipsiensis entsteht am kommenden Sonntag. Der Text der Heiligen Schrift ist dazu auf die christlichen Gemeinden und die jüdische Gemeinde aufgeteilt. Die Blätter werden gebunden und ins Museum gegeben - als Geburtstagsgeschenk der Leipziger Christen und Juden.

    „Die Standardausgabe der Bibel nach Martin Luther (ohne Apokryphen) umfasst rund 1.300 Seiten. Die Gesamtzahl der Verse im Alten und Neuen Testament beträgt ca. 30.442. Eine komplette Lesung der Bibel würde mehr als 80 Stunden dauern“, heißt es auf der Homepage der Deutschen Bibelgesellschaft. Um also die Bibel abzuschreiben, braucht man viel Zeit oder viele Mitschreiber. Die Leipziger Gemeinden bereiten sich gerade darauf vor, am kommenden Sonntag, viele Mitschreiber zu finden. Gemeindemitglieder, Prominente der Stadt und weitere Interessierte greifen mal zur Feder statt zur Tastatur. Für manchen sicherlich ein ungewohntes Gefühl im 21. Jahrhundert.

    „Wir werden an diesem Tag mindestens 4 Schreibstuben in der Gemeinde öffnen, in denen Sie ein Stück Bibel abschreiben können“, verrät die Thomaskirchgemeinde. „In der Selnecker- und der Großmannsakristei sowie in den Räumen des Thomashauses wird es am 20. Dezember 2015 nach dem Gottesdienst bis 18:00 Uhr die Möglichkeit geben, sich an der Aktion zu beteiligen.“ Die Gemeinde ist für das Buch des Propheten Jesaja und den 1. Brief des Paulus an die Korinther zuständig.

    Das Hohelied Salomos und das Matthäusevangelium ist der Nikolaikirchgemeinde zugefallen. Nach dem Gottesdienst bekommt um 11:30 Uhr jeder Besucher eine Spalte aus der Lutherbibel zugewiesen. Der Gemeindesaal in der Ritterstraße 5 wird zum Skriptorium. Man hofft, bis 16 Uhr die Aufgabe erledigt zu haben. Bei Kaffee und Kuchen kann man sich austauschen, im Pfarrbüro besteht die Möglichkeit einen Schreibplatz zu reservieren.

    „Wir freuen uns über viele Schreibwillige, die sich mit ihrem Lieblingsstift auf den Weg in die Kirche machen, um nach dem Gottesdienst bei einer Tasse Kaffee einige Zeilen aus den Psalmen zu Papier zu bringen“, schreibt die Evangelisch Reformierte Kirche zu Leipzig. Interessierte werden gebeten, sich in der Kanzlei zu melden.

    Auf der anderen Seite des Rings ist die katholische Propstei für das Johannesevangelium zuständig: „Damit möglichst viele Menschen, Gruppen, Vereine, Chöre etc. aus unserer Gemeinde beteiligt sind, benötigen wir Ihre Unterstützung. Bitte werben Sie für die Aktion und seien Sie selbst am 20.12. dabei. Im Zeitraum von 10:30 Uhr bis 16 Uhr können Sie jederzeit mit dem Abschreiben beginnen. Es reicht, wenn Sie ungefähr 30 bis 45 Minuten Zeit mitbringen. Für Kaffee, Kuchen und alles Weitere ist gesorgt!“

    Eine Bibelausstellung und eine Buchrestauratorin gehören zum Rahmenprogramm der Aktion in der katholischen Gemeinde St. Georg in Gohlis. Hier wird das Buch Hiob abgeschrieben.

    Die jüdische Gemeinde kümmert sich um das fünfte Buch der Tora – gleichzeitig fünftes Buch des christlichen Alten Testaments: Dewarim – also das 5. Buch Moses, katholisch auch Deuteronomium genannt.

    Auch mehrere Schulen nehmen am Projekt teil. So schreibt das Evangelische Schulzentrum am Buch Esther, das Bischöfliche Montessori-Schulzentrum kümmert sich um das Markusevangelium, Teile des ersten Buches Moses (Genesis) liegen in der Verantwortung der Thomasschule und die Grundschule „forum thomanum“ schreibt Jesaja ab.

    Die Einzelseiten aller teilnehmenden Gemeinden werden am Ende des Tages dann zum „Codex Lipsiensis“ gebunden und dem Stadtgeschichtlichen Museum überreicht.

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