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Identitäre Bewegung: Leipziger Firma Spreadshirt verkauft Kleidung mit völkischen Motiven

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    Wenn sich der angebliche Untergang des Abendlandes schon nicht verhindern lässt, dann möchte man dabei zumindest gut gekleidet sein. Das hat sich offenbar ein Nachwuchspolitiker der AfD gedacht, welcher der „Identitären Bewegung“ nahesteht. In einem Online-Shop bietet er Produkte an, deren Motive auf völkische Ideologie verweisen. Als Plattform dient ihm die Leipziger Firma Spreadshirt.

    Auf den ersten Blick wirken die Motive harmlos und unterscheiden sich kaum von jenen anderer Modemarken. Wörter wie „Ausdauer“, „Kraft“ und „Präzision“ schmücken die vielfarbigen T-Shirts und Pullover. Immer wieder tauchen die Kürzel „RCQS“ und „DS“ auf. Doch einige Kleidungsstücke wecken einen unangenehmen Verdacht; das Wort „Volk“ ist da zu lesen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Online-Shop „Deutsches Gewand“ ein völkisches Projekt, dem das Leipziger Unternehmen Spreadshirt eine Plattform bietet.

    Auf vielen dort angebotenen Produkten steht das Wort „Reconquista“ – entweder ausgeschrieben oder abgekürzt mit „RCQS“. Dabei handelt es sich um einen der zentralen Begriffe der rassistischen „Identitären Bewegung“. Historisch betrachtet ist damit ein im Mittelalter vollzogener Prozess der Zurückdrängung von Muslimen auf der Iberischen Halbinsel gemeint. Wenn die „Identitären“ den Begriff heute verwenden, dann beschreiben sie damit ihren Kampf gegen den „Zeitgeist der Selbstabschaffung durch die Ideologie von Multikulti“, wie es auf ihrer Homepage heißt.

    Ein wichtiger Baustein sind dabei möglichst professionell inszenierte Aktionen in der Öffentlichkeit. Deren Effekt ergibt sich weniger durch die eigentlichen Handlungen als vielmehr durch die anschließende Verbreitung über Social-Media-Kanäle oder die Berichterstattung in Massenmedien. Vor wenigen Tagen beispielsweise setzten sich etwa 50 Aktivisten vor das Bundesjustizministerium, auf das sie ursprünglich sogar klettern wollten. Die Polizei verhinderte dies.

    Das „Deutsche Gewand“ nutzt diese Aktion auf seinen Social-Media-Profilen, um Produkte zu bewerben. Sowohl auf Twitter als auch auf Facebook wird ein 24 Sekunden langes Youtube-Video mit grellen Farbfiltern und dramatischer Musik verbreitet. Auf eingeblendeten Texttafeln heißt es: „Die Reconquista hat begonnen – gegen alle Widerstände“. Am Ende des Videos folgen ein Hinweis auf den Shop und die Einblendung des damit verknüpften Begriffs „Ästhetische Reconquista“.

    Verantwortlich für den Shop ist Kai Laubach. Er ist laut Homepage der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“ (JA) Mitglied in deren Berliner Landesvorstand und hat laut „Zeit Online“-Blogs „Störungsmelder“ im vergangenen Jahr eine Demonstration der „Identitären Bewegung“ in Berlin beworben.

    Sowohl die „Junge Alternative“ als auch die „Identitären“ positionieren sich klar am rechten Rand. So forderte der AfD-Nachwuchs beispielsweise ein Einreiseverbot in die Europäische Union für sämtliche Muslime . Die „Identitäre Bewegung“ wiederum ist in Deutschland ein Sammelbecken für Personen, die einer „Zeit Online“-Recherche zufolge „aus der NPD-Jugend, aus radikalen Burschenschaften und sogar aus der verbotenen Neonaziorganisation Heimattreue Deutsche Jugend“ kommen. Mittlerweile steht die Organisation unter Beobachtung des Verfassungsschutzes.

    Die Leipziger Firma „Spreadshirt“ verkauft dennoch die Produkte des „Identitären“-nahen Online-Shops „Deutsches Gewand“. Während der Betreiber dafür zuständig ist, die Motive zu erstellen, kümmert sich Spreadshirt um Druck und Versand. Die Einnahmen werden geteilt. Bereits in der vergangenen Woche hatten mehrere Twitter-User auf die Verbindungen zur „Identitären Bewegung“ hingewiesen. Spreadshirt kündigte daraufhin eine Prüfung an.

    Auf Anfrage teilte das Unternehmen nun mit, dass es „keine rechtliche Handhabe für eine Löschung des Shops oder einzelner Motive gefunden“ habe. Weiter heißt es: „Inhaltlich halten wir uns so weit wie möglich im Hintergrund. Auch wenn uns persönlich nicht alle Meinungen und Motive gefallen, halten wir das Prinzip der offenen Plattform hoch.“ Gegen Inhalte, die gegen Gesetze verstoßen oder zur Gewalt aufrufen würden, gehe man jedoch vor. „Spreadshirt glaubt an die Kontroverse, an die Demokratie und an die Mündigkeit seiner Kunden.“

    Eine Kontroverse hatte es bereits vor einigen Jahren gegeben, als das islamfeindliche Blog „PI-News“ seine Produkte über die Firma verkaufen durfte. Spreadshirt ließ den Shop zunächst offen und begründete dies ebenfalls mit der Meinungsfreiheit. Später schaltete man den Shop dann doch ab.

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      1 KOMMENTAR

      1. Danke für die Aufklärung. Das könnt Ihr weiter so machen, als „Normalbürger“ bekommt man ja sowas gar nicht mit und auch nicht, was diese Abkürzungen auf diesen T-Shirts bedeuten!

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