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Schwerverletzte und Diskussionen nach Polizeieinsatz am Connewitzer Kreuz

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    Die Angriffe auf Beamte und Wasserwerfer der Polizei am Connewitzer Kreuz haben es zu Neujahr bis in die Tagesschau geschafft. Weitgehend unbekannt ist bislang, dass eine junge Frau anschließend im Krankenhaus behandelt wurde. Sie sei hinterrücks von Polizisten überrannt worden, sagte sie der L-IZ im Gespräch. Zwei Landtagsabgeordnete der Linkspartei kritisieren derweil, dass wegen brennender Gegenstände auf dem Connewitzer Kreuz nicht die Feuerwehr, sondern zwei Wasserwerfer zum Einsatz kamen. Damit habe die Polizei zur Eskalation beigetragen.

    Bereits zum dritten Mal in Folge sorgt die Silvesternacht für Diskussionen in der Politik. Waren es 2015/16 die massiven Übergriffe auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof und im Jahr darauf die rassistischen Polizeikontrollen am selben Ort, sind es nun die bundesweiten Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte, die Reaktionen hervorrufen. In Berlin sollen Feuerwehrleute sogar mit Schusswaffen bedroht worden sein. Einige Politiker fordern bereits höhere Freiheitsstrafen für Angriffe dieser Art – dabei wurde das Strafmaß erst 2017 auf bis zu fünf Jahre ausgedehnt.

    Am Connewitzer Kreuz kam es in der Silvesternacht ebenfalls zu Auseinandersetzungen zwischen Feiernden und Polizeibeamten. Um einen brennenden Bürostuhl zu löschen, setzte die Polizei zwei Wasserwerfer ein. Etwa 50 Personen bewarfen diese laut Polizeiangaben anschließend mit Böllern, Steinen und Flaschen. Die Wasserwerfer richteten sich daraufhin auch gegen die Angreifer. Augenzeugen schildern gegenüber L-IZ.de etwa 20 beteiligte Personen und einen Verlauf von vielleicht 15 Minuten. Die Polizei nahm mehrere Personen in Gewahrsam.

    Während auf Seiten der Beamten keine Verletzten zu vermelden waren, musste eine junge Feiernde ins Krankenhaus – ihren Angaben zufolge wegen des Polizeieinsatzes.

    Kurz vor Mitternacht sei sie mit ihrer jüngeren Schwester zum Connewitzer Kreuz gelaufen, erzählt Sarah der L-IZ. Die 23-Jährige beschreibt die Stimmung bis zum Eintreffen der Wasserwerfer als ausgelassen. Man habe getrunken, geredet und sowohl Freunde als auch Fremde umarmt. Als das schwere Polizeigerät zum Einsatz kam, habe sie sich diesen anschauen wollen – jedoch aus sicherer Entfernung und ohne sich an den Angriffen zu beteiligen.

    Plötzlich, so erzählt es Sarah, wurden sie und ihre Schwester von hinten und ohne Vorwarnung von behelmten Polizisten umgerannt. „Wir standen einfach nur da, sie hätten an uns vorbeilaufen können“, beklagt sie. Stattdessen stürzten die jungen Frauen zu Boden. Laut Diagnose der Ärzte im Krankenhaus erlitt Sarah eine „Knie- sowie Handprellung rechts mit multiplen Schürfwunden“. Mittlerweile ist ihr rechter Arm bandagiert; wegen einer Schulterverletzung kann sie diesen nicht mehr vollständig anheben.

    Für das Politische hat schon mal den Basketballplatz übernommen. Fotos: L-IZ.de
    Silvester in Connewitz. Foto: L-IZ.de

    Wenn sie auf die Silvesternacht zurückblickt, spricht Sarah von einem „Schock“ nach dem Sturz. Sie habe stark blutend auf dem Boden gelegen. Ihre Strumpfhose war kaputt. Ärgerlich findet sie nicht nur das Verhalten der Polizisten in diesem Moment, sondern auch im Anschluss daran. Kein Beamter habe ihr geholfen; stattdessen seien sie und ihre Schwester auf dem Weg zum Krankenwagen sogar behindert worden. Als Sarah später das Krankenhaus wütend und sichtbar verletzt verlassen hat, habe sie anwesende Polizisten gefragt, ob diese stolz auf ihre Kollegen seien und als Antwort ein „Ja“ erhalten.

    Ihre medizinische Ausbildung muss Sarah nun unterbrechen – im Moment könne sie ohne Hilfe nicht mal duschen oder die Kleidung wechseln. Die körperlichen Folgen des Sturzes dürften noch Wochen andauern. Zudem gebe es eine psychologische Komponente: Im Moment bekomme sie Panik, wenn sie Polizisten sehe. Da die Verantwortlichen nicht zu identifizieren seien und sie sich zudem vor einer Gegenanzeige fürchte, wolle sie wohl ihrerseits auf eine Anzeige verzichten.

    Einen anderen Aspekt des Polizeieinsatzes kritisieren unterdessen die Landtagsabgeordneten Juliane Nagel und Marco Böhme (beide Linkspartei), die Silvester am Connewitzer Kreuz verbrachten. Sie betrachten den Wasserwerfereinsatz als unnötige Eskalation beziehungsweise Provokation. Beide verweisen darauf, dass die Feuerwehr den brennenden Bürostuhl hätte löschen können – zumal diese sich wegen eines Dachstuhlbrands in der Biedermannstraße sowieso schon in der Nähe befand.

    Laut Polizei hat jedoch gerade dieser Brand die Einsatzkräfte der Feuerwehr gebunden. Da zusätzlich brennbares Material auf den Bürostuhl geworfen wurde, sei es nicht möglich gewesen, einen Handlöscher einzusetzen. Verschiedene Augenzeugen berichten, dass zudem ein Müllcontainer gebrannt habe.

    Ein Dachstuhl ist in Brand geraten. Die Feuerwehr ist schnell zur Stelle. Foto: L-IZ
    Dachstuhlbrand in der Biedermannstraße. Foto: L-IZ

    Bis zu diesem Punkt sei der Polizeieinsatz sehr zurückhaltend gewesen, sagen Nagel und andere Anwesende. „Man konnte ein deeskalatives Konzept erkennen“, so die Linkspolitikerin. „Bis etwa ein Uhr habe ich dort gar keine Polizei gesehen.“ Bei den anschließenden Tumulten sei sie jedoch mehrmals von Polizisten gewürgt worden, während sie versucht habe, zu schlichten.

    Die Leipziger Lokalpolitik hat sich bislang mit Wortmeldungen zu dem Geschehen zurückgehalten. Lediglich die Stadtratsfraktion der SPD verurteilte die Angriffe auf Polizisten und Sachbeschädigungen an anderen Orten als „nicht hinnehmbar“.

    Eine Reaktion aus der sächsischen Landesregierung ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. Innenminister Roland Wöller (CDU), der zu Silvester mehrere Polizeistandorte in Leipzig besuchte, forderte noch am Neujahrstag, den Einsatz von Polizeikörperkameras auszuweiten. Im Moment läuft eine zwölfmonatige Testphase an lediglich vier Orten: am Schwanenteich, vor dem Hauptbahnhof, am Allee-Center und in der Eisenbahnstraße. Linkspolitiker Böhme lehnt eine Ausweitung ab. Im Einzelfall seien sogenannte Bodycams hilfreich – ein übermäßiger Einsatz erinnere ihn jedoch eher an einen Überwachungsstaat.

    Zu politisch motivierten Straftaten kam es in der Leipziger Silvesternacht offenbar nicht nur am Connewitzer Kreuz. Laut Polizei sprengten Unbekannte einen Briefkasten des Bundesverwaltungsgerichts. Nun ermittelt der Staatsschutz.

    Zudem verübten laut Bekennerschreiben auf Indymedia „einige Autonome“ einen Brandanschlag auf das „Haus des Jugendrechts“ in der Witzgallstraße. Stadt, Polizei und Staatsanwaltschaft nutzen die Einrichtung gemeinsam. Diese dient laut Bekennerschreiben dazu, angeblich kriminelle Jugendliche zu unterdrücken und „in das System der Verwertungslogik zu verfrachten“. Das LKA bittet die Bevölkerung um Hinweise auf die Täter.

    Silvester in Leipzig: Menschen, Tiere, Sensationen

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