Eine Kontroverse um die Dokumentation „Lord of the Toys“ hatte das vergangene DOK-Festival überschattet. Die Filmemacher hätten diskriminierende Sprache unreflektiert gezeigt, lautete die Kritik des Aktionsnetzwerkes „Leipzig nimmt Platz“ an der Festivalleitung. Zukünftig wollen beide Seiten konstruktiv zusammenarbeiten. Unter anderem sei eine gemeinsame Veranstaltung zum kommenden Dokfilm Festival geplant.

Mehr als zwei Monate nach der jüngsten Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK) haben das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ und die Festivalleitung eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Demnach wollen beide künftig stärker miteinander kooperieren. Anlass waren Auseinandersetzungen rund um die Aufführungen des Films „Lord of the Toys“.

Das Aktionsnetzwerk hatte während des Festivals kritisiert, dass der Dokumentarfilm „unreflektiert“ Akteure der rechten Szene sowie sexistische, homofeindliche und antisemitische Sprüche zeige. Zudem seien Personen und Zeichen mit Verbindungen zum Nationalsozialismus zu sehen gewesen, ohne dass dies entsprechend eingeordnet worden sei. Die Perspektive der Opfer fehle vollständig. Insgesamt würde der Film diskriminierende Sprache normalisieren.

Pasanen und Jennicke pro Kunstfreiheit

Festivalleiterin Leena Pasanen bestätigte in einer Pressemitteilung, dass sich die Protagonisten in dem Film diskriminierend äußern. Dennoch rechtfertigte sie die Aufführungen: „Mit seinen präzisen Beobachtungen und einer kritischen Einordnung legt der Film eine Jugendkultur und deren erschreckende Sprache offen. Als im Osten Deutschlands verwurzeltes Festival sehen wir die Notwendigkeit, diese Themen und Realitäten in unserem Programm abzubilden und Debatten anhand einer filmischen Auseinandersetzung anzustoßen.“

Im Dezember 2018 war die Kontroverse auch Thema im Stadtrat. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) verteidigte die Entscheidung des DOK-Festivals, den Film zu zeigen, mit Verweis auf die Kunstfreiheit. Die Filmauswahl treffe nicht die Stadt, sondern das von ihr finanziell geförderte Festival.

Die Ausführungen von Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke zum Film „Lord of Toys“ zur DOK am 12.12. im Stadtrat. Video: Livestream der Stadt Leipzig

Missverständnisse ausgeräumt

Jürgen Kasek, der im November eine Filmkritik auf der Homepage von „Leipzig nimmt Platz veröffentlicht hatte, erklärte nun in der gemeinsamen Stellungnahme: „Wir wollten mit unserer Einlassung zu dem obig genannten Film keine generelle Kritik am Festival oder dessen Leitung üben, sondern auf die Gefahr der unkommentierten Präsentation hinweisen. Die zum Teil intensiv geführten Diskussionen über den Film sind dabei nicht immer konstruktiv verlaufen.“

Laut Pasanen haben beide Seiten Missverständnisse ausgeräumt und die „Grundlage für eine stärkere Zusammenarbeit im Sinne des Festivals und dessen Ziele“ gelegt. Aufgabe des DOK sei es unter anderem, Diskussionen auszulösen. „Gruppierungen wie das Aktionsnetzwerk können dabei Partner sein, die solche Diskussionen in größere Gesellschaftsbereiche öffnen.“

Festival und Aktionsnetzwerk planen laut Pressemitteilung eine gemeinsame Veranstaltung. Zudem solle zukünftig „miteinander besser abgestimmt werden, wie Diskussionen ermöglicht, Kritik sachlich aufgeworfen und Lösungen diskutiert werden können“.

Stadträte fragen, Verwaltung antwortet: Waffenverbotszone, LVB-Ausfälle und „Lord of the Toys“ bei der DOK-Film +Videos

- Anzeige -

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar