25 Jahre MJA Leipzig e.V. - 25 Thesen aus der Praxis

These #5: Mobile Jugendarbeit ist ein wichtiger Katalysator für Vernetzung

Für alle LeserBegründet durch ihre Flexibilität verbessert Mobile Jugendarbeit die Zusammenarbeit der Akteur*innen im Stadtteil. Fachübergreifend gedacht, wird dadurch aus einem Nebeneinander ein Miteinander. „Wozu nun auch noch Vernetzung!? - Wo sollen wir denn die Zeit dafür hernehmen, wir haben wahrlich schon genug zu tun!“- hören wir immer mal wieder. Das piekst uns als Mobile Jugendarbeiter*innen ins Herz. Denn wir sehen gerade unser Handlungskonzept als prädestiniert für Netzwerkarbeit an. Aber warum ist das so, und wieso finden wir Vernetzung wichtig?

Das Konzept Mobile Jugendarbeit ermöglicht es uns, unsere Einrichtungen zu verlassen, um beispielsweise junge Menschen zu wichtigen Terminen zu begleiten oder die neuesten Entwicklungen im Stadtteil zu erkunden. Bezogen auf den Aspekt der Vernetzung haben wir damit gegenüber stationären Angeboten der Sozialen Arbeit einen Vorteil: Wir können regelmäßig auf direktem Wege mit unseren Netzwerkpartner*innen in Kontakt treten und erhalten einen umfassenden Einblick in die Themen und Ideen der einzelnen Einrichtungen.

Dieser persönliche Kontakt tut auch dem gemeinsamen Arbeiten im Stadtteil – und darüber hinaus – gut. Denn dadurch sind wir unseren Netzwerkpartner*innen eine Ressource, tragen ihre Themen weiter, verteilen fachliche Informationen oder stehen beratend zur Seite. So gesehen arbeiten wir wie ein Katalysator: Wir erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit des Prinzips – sind quasi Wirkbeschleuniger für Vernetzung.

Im Rahmen unserer Arbeit mit jungen Menschen ist eine gute Vernetzung vor allem auch dann wichtig, wenn bestimmte fachliche, zeitliche oder räumliche Settings benötigt werden, die unsere Ressourcen nicht hergeben. Dann sind wir darauf angewiesen, in geeignete Angebote vermitteln zu können.

Das handlungsleitende gemeinsame Ziel ist dabei stets die Verbesserung der Lebensumstände unserer Adressat*innen. Je nach Thema kann es notwendig sein, Privatpersonen, private Institutionen und Akteur*innen aus anderen Professionen (z.B. Psycholog*innen, Künstler*innen, Anwält*innen) einzubeziehen, um ein transdisziplinäres Netzwerk zu bilden.

Auch die Kommunikation mit den kommunalen Entscheidungsträgern und Institutionen nimmt einen wichtigen Stellenwert ein. Vernetzung ist somit nicht nur das Ziel, sondern das Mittel für die Handlungsfähigkeit. So können materielle und immaterielle Ressourcen gebündelt und nutzbar gemacht werden.

Allerdings kommt nicht jeder Dialog einer Vernetzung, welche sich an einem gemeinsamen handlungsleitenden Ziel orientiert, gleich. An sogenannten „Runden Tischen“ mit Ordnungs- und Sicherheitsbehörden nehmen wir ausschließlich das Mandat der Interessenvertretung im Sinne unserer Klient*innen ein.

Um einen kleinen Einblick zu geben, wie vielschichtig Vernetzung zum Tragen kommen kann, hier ein paar gelungene Beispiele aus der Praxis:

(1) Vermehrte Erfahrungsberichte über Verdrängung, fehlenden bezahlbaren Wohnraum und eine Vielzahl sogenannter „Couchhopper“ unter den Jugendlichen führte zu der Bildung einer Arbeitsgruppe „Wohnen“ im Facharbeitskreis Aufsuchende Sozialarbeit. Um den Betroffenen eine Stimme zu geben, das Thema für die Politik sichtbar zu machen und Strategien entwickeln zu können, wurde direkt zu Beginn eine gemeinsame Statistik zur Wohnungslosigkeit erarbeitet.

(2) Die Nutzung von Freiflächen bzw. von öffentlichem Raum ist in unserer wachsenden Stadt zunehmend Thema. Damit auch die Menschen ohne Lobby eine Stimme haben, versuchen wir immer wieder, die Bedürfnisse an entsprechender Stelle einzubringen. Bestenfalls werden aber die Menschen vor Ort direkt mit in Entscheidungsprozesse einbezogen. Da dies leider unzureichend passiert, wurde erst kürzlich die „AG Beteiligung“ ins Leben gerufen.

(3.) Im Rahmen des „Nightlife-Streetwork“ arbeiten die Leipziger Streetworker*innen über ihre Einrichtungs- und Planungsraumgrenzen hinaus zusammen und treten mit jungen Menschen im Nachtleben – vor Discos oder auf der Kleinmesse – regelmäßig mit einem Aufklärungsangebot in Kontakt.

(4.) „Beatz im Kiez – das Hip Hop Event im Leipziger Westen“ und die „Grünauer Jugendevents“ sind Paradebeispiele für gemeinsame Stadtteilfeste. Sie nehmen eine wichtige Funktion in der Schaffung oder Erhaltung von funktionierenden Netzwerken ein. Ging es zu Beginn der jeweiligen Projektarbeit noch darum, etwas Neues zu erschaffen, waren die Abläufe in den darauffolgenden Jahren immer eingespielter, und materielle oder personelle Ressourcen konnten – auch bei anderen Projekten – schneller abgerufen werden.

Gegenseitige Unterstützung braucht Vertrauen. Das Arbeiten an einer gemeinsamen Sache schafft dabei einen sinnstiftenden Moment, gemeinsame Werte, Arbeitsorganisation und Informationswege. Allesamt Grundvoraussetzungen für gute Netzwerkarbeit, auf die jederzeit zurückgegriffen werden kann und welche die eigene Handlungsfähigkeit steigern. Am Ende sollte die Frage also nicht lauten: „Wozu nun auch noch Vernetzung!?“, sondern: „Mit wem können wir uns noch alles vernetzen?“.

Infos zur Thesen-Aktion: Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens hat der Mobile Jugendarbeit Leipzig e.V. einen Kalender mit 25 Thesen aus der Praxis zusammengestellt. Diese beziehen sich auf aktuelle Gegebenheiten und Entwicklungen in Gesellschaft und Jugendarbeit, auf die die Streetworker des Vereins in ihrer täglichen Arbeit stoßen. Die Thesen sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen – und im Idealfall den Anstoß für einen Veränderungsprozess geben.

Mehr Infos zur Mobilen Jugendarbeit Leipzig e.V.:
www.kuebelonline.de

These #4: Straßenabi statt Schulabi

KalenderMobile Jugendarbeit25 Thesen
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Foto: Elia van Scirouvsky

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Foto: Matthias Weidemann

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Luftbild Klinikums St. Georg. Foto: Klinikum St. Georg

Foto: Klinikum St. Georg

Für alle LeserDie Frage musste dann auch einmal gestellt werden. Denn seit Jahren machen multirestistene Keime unseren Krankenhäusern zu schaffen. Bisherige Antibiotika helfen nicht mehr gegen sie. Der Kampf um das Leben der Patienten wird immer schwerer. Und nicht alle Patienten überleben die Begegnung mit diesen Keimen. Wie sieht es eigentlich aktuell in Sachsen aus, wollte Susanne Schaper wissen.