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Härtere Gangart bei „Querdenken“ am Samstag in Leipzig: Auflagen und ein Infektionsschutzgesetz im Rücken + Updates

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    In unglaublicher Geschwindigkeit wurde das am 18. November 2020 beschlossene „Infektionsschutzgesetz“ durch Bundestag und Bundesrat gebracht und hat seine Rechtskraft noch am gleichen Tag durch Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt (Jahrgang 2020, Teil I Nr. 52) am 18. November 2020 erlangt. Dies und die Erfahrungen mit den „Querdenkern“ vom 7. und 18. November 2020 lassen für eine weitere „Querdenken“-Anmeldung eines mutmaßlich Thüringer Veranstalters am 21. November 2020 nun drastischere Maßnahmen seitens Stadt und Polizei zu.

    Update 0:30 Uhr: „Querdenken“ Stuttgart und Leipzig betonen, nicht Anmelder am 21.11.2020 zu sein

    In der Nacht zum 20. November 2020 hat vor allem „Querdenken“-Anwalt Markus Haintz begonnen, eine vermeintliche Pressemitteilung / Gegendarstellung von „Querdenken“ Stuttgart auf Telegram zu verbreiten. In dieser wird behauptet, dass die Leipziger „Querdenken“-Gruppe nichts mit der Anmeldung zum 21. November 2020 in Leipzig zu tun habe. Dabei greift das Schreiben vor allem die LVZ an, welche dies behauptet haben soll.

    Tatsächlich liegen keine Informationen vor, dass „Querdenken“ Leipzig oder Stuttgart irgendeine Versammlung am 21. November 2020 in Leipzig angemeldet hat. Die Anmeldung kommt eher aus dem Kreis des „Neuen Schmalkaldischen Bund“, in diesem Fall aus Thüringen mit Unterstützung vom Rechtspopulisten Jürgen Elsässer (ua. „Compact“-Magazin).

    Aufruf für den 21. November 2020 in der Leipziger "Querdenken"-Gruppe. Screen Telegram
    Aufruf einer Administratorin für den 21. November 2020 in der Leipziger „Querdenken“-Gruppe. Screen Telegram

    Allerdings haben sich „Querdenken“ Stuttgart oder Leipzig vor dem 18. November 2020 in Berlin nicht in gleicher Form distanziert, hier hatte der österreichische Busunternehmer Alexander Ehrlich für seinen Verband „Honk for Hope“ unter dem „Querdenken“-Gedanken nach Berlin gegen das neue Infektionsschutzgesetz mobilisiert.

    Nun scheint man sich bei den „Querdenkern“ in Stuttgart und Leipzig von der zu erwartenden Gewalt am 21. November 2020 in Leipzig freistellen zu wollen.

    Gleichzeitig hat „Querdenken“-Unternehmer Michael Ballweg alle „QUERDENKEN“-Formulierungen in Bezug um eine Null verknappte Vorwahlzahlen wie „341“ (Leipzig) oder „711“ (Stuttgart) zum Wortmarkenschutz angemeldet.

    In der Leipziger Querdenken-Gruppe wird bei Telegram dennoch für den 21.11.2020 aufgerufen.

    Update 21 Uhr: „Querdenken“ mobilisiert deutschlandweit

    Offenbar dreht sich aktuell entgegen den gemächlichen Aufrufversuchen der vergangenen Tage der Wind und „Querdenken“ versucht doch wieder deutlicher zu mobilisieren. Ein „Demogruppe“ für Leipzig bei Telegram umfasst mittlerweile rund 6.300 Mitglieder, Tendenz steigend. Unterdessen hat neben dem „Compact“-Macher Jürgen Elsässer erneut der vegane Koch Attila Hildmann aufgerufen, nach Leipzig zu fahren und erneut möchte man die „Bilderstürmerei“ vom 7. November 2020 wiederholen und über den Leipziger Ring laufen.

    Leipzig nimmt Platz reagierte noch am Abend auf die zunehmende Verschärfung und verlegte den eigenen Kundgebungsbeginn von vormals 14 Uhr auf 12:30 Uhr am 21. November auf dem Augustusplatz nach vorn. Dies sei geschehen, „da die Gegenseite nun für 13 Uhr eine Kundgebung angemeldet hat. Es wird inzwischen massiv in verschiedenen Querdenker-Gruppen (u.a. Querdenken Bund) für 15:30 Uhr zum Augustusplatz und zu einer Demo über den Ring mobilisiert.“, so das Leipziger Bündnis.

    "Friedlich und unter freiem Himmel" oder "jeder bringt ein Rundholz gegen die Polizei mit" - die ersten Gewaltphantasien bei den "Querdenkern" im Leipzig-Demo-Chat am 19.11.2020. Foto: Screen Telegram
    „Friedlich und unter freiem Himmel“ oder „jeder bringt ein Rundholz gegen die Polizei mit“ – die ersten Gewaltphantasien bei den „Querdenkern“ im Leipzig-Demo-Chat am 19.11.2020. Foto: Screen Telegram

    Man rufe nunmehr angesichts der sich allmählich vergrößernden Mengen aufseiten von „Querdenken“ dazu auf „diesen Aufmarsch zu verhindern! Kommt am Samstag um 12:30 Uhr zum Augustusplatz! Bildet Bezugsgruppen! Wir rufen dazu auf, ihnen wortwörtlich den Platz zu nehmen!“.

    Unterdessen beraten sich einige in „Querdenken“-Telegramgruppen, die Kundgebungen von „Leipzig nimmt Platz“ zu kapern und einfach so auf den Augustusplatz zu kommen.

    Die Polizei sollte derweil wohl über eine deutliche Aufstockung der Einsatzkräfte nachdenken. Und die Wasserwerfer betanken.

    18 Uhr: Der 21. November 2020 wirft erste Schatten

    Weshalb nun auch die Stadt Leipzig am 19. November 2020 für den geplanten Aufzug am 21. November 2020 melden konnte: „Stadt und Polizei werden Verstöße gegen Corona-Schutzverordnung konsequent durchsetzen“. Kurz darauf ändert man zwar in „ahnden“, doch der Wille ist erkennbar.

    Derzeit befindet man sich in den Vorgesprächen mit den Veranstaltungsanmeldern, darunter neben „Querdenken“ auch „Leipzig nimmt Platz“, welche für 14 Uhr eine Versammlung auf dem Augustusplatz angemeldet haben. Erst heute lag hingegen die „Querdenken“-Anmeldung vor und somit ist der Platz schon mal ein anderer, wie auch die Stadt bestätigt: „Die aus dem Umfeld „Querdenken“ angemeldete Versammlung kann nicht auf dem Augustusplatz stattfinden, da dieser bereits mit anderen Anmeldungen belegt ist.“

    Nach L-IZ-Informationen könnte es für diese Versammlung auf den Roßplatz oder den Johannisplatz gehen, die Verhandlungen dazu laufen noch.

    Neben diesem Unterschied zum 7. November 2020 dürfte sich auch die Zahl der Versammlungsteilnehmer deutlich kleiner darstellen als die 45.000, gerechnet wird eher mit 1.000 bis 2.000, keine Schätzung geht über 10.000. Die Stuttgarter Hauptorganisation um Michael Ballweg engagiert sich bislang nahezu gar nicht für diesen Termin in Leipzig, die Anmeldung findet nicht durch die Leipziger „Querdenker“ statt und selbst hier, wo man selbst nie mehr als 300 bis 400 Versammlungsteilnehmer auf die Straße brachte, scheint die Mobilisierung eher verhalten zu laufen.

    Hinzu kommt, dass es sich bei der Anmeldung für den 21. November um eine aus dem Umfeld des „Neuen Schmalkaldischen Bundes“ handeln soll – am 18. November 2020 in Berlin rief der hier beteiligte Rechtspublizist Jürgen Elsässer zu einer Versammlungsteilnahme in Leipzig am kommenden Samstag auf. Es wird, wie auch schon am 7. November 2020, eine Beteiligung von Rechtsextremisten und Hooligans aus dem Fußballmilieu erwartet.

    Die Regeln von Stadt und Polizei für den 21. November

    Dessen ungeachtet, das neue Infektionsschutzgesetz und eine Landesverordnung im Rücken, kündigen Stadt und Polizei für dieses Mal zumindestens klare Regeln und deren Durchsetzung an.

    „In Vorbereitung auf angemeldete Versammlungen am kommenden Samstag wird die Stadt Leipzig in Absprache mit der Polizei bei Missachtung der Kontaktverbote und des Mindestabstandes konsequent durchgreifen und sämtliche Verstöße hart ahnden“, so die Stadtveraltung Leipzig. „Wer gegen die geltenden Regelungen der Corona-Schutzverordnung verstößt, wird mit einem Bußgeld in Höhe von 150 Euro belangt werden. Bei Verstößen gegen das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung werden 60 Euro fällig. Unzulässige Versammlungen werden mit einem Bußgeld in Höhe von 5.000 EUR belegt.“

    Laut geltender Corona-Schutzverordnung des Freistaats Sachsen seien nun grundsätzlich nur „ortsfeste Versammlungen mit höchstens 1.000 Teilnehmern erlaubt“, heißt es weiter.

    Bei dieser Regelung allerdings könnte es eng werden für den Verordnungsgeber, den Freistaat Sachsen. Statt eine willkürliche Obergrenze festzulegen, dürfte sich bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung oder einer größeren Ansammlung vor Ort eher die Lösung über ein ausdehnbares Platzangebot darstellen.

    Auch bei den „ortsfesten“ Versammlungen bleibt ein Fragezeichen. Zwar schreibt die Stadt „sämtliche Aufzüge sind untersagt“, doch wenn sich gemäß den Hygieneschutzregeln – also unter Mindestabstand und mit Masken – eine bewegliche Versammlung durchführen lässt, ist auch diese Regelung eher nicht mit dem Versammlungsrecht vereinbar. Eine Auseinandersetzung, welche jedoch mit den „Querdenkern“ kaum stattfinden dürfte.

    Als sie erneut überwiegend keinen Mund-Nasen-Schutz trugen und keinerlei Sicherheitsabstände einhielten, gingen am 18. November 2020 in Berlin die rund 2.000 Polizeibeamten zu einer Auflösung der Versammlung mittels „Beregnung“ aus Wasserwerfern über. Man darf gespannt sein, ob die Leipziger Polizeidirektion ihre wiedergefunden hat.

    Absichern möchte man die Teilnehmerzahl und die „Ortsversammlungen“ mit Gittern. Also dem, was am 7. November 2020 weitgehend fehlte, wenn es heißt: „Jeder Versammlung wird entsprechend der angemeldeten Teilnehmerzahl und des angemeldeten Ortes ein mit Gittern abgegrenzter Raum zugewiesen; der Zutritt wird kontrolliert.“

    Die Veröffentlichung des „Dritten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ im Bundesgesetzblatt vom 18. November 2020.

    Die Versammlungsliste der Stadt Leipzig für den 21. November 2020

    Hintergrundgeschichte – Vergossene Milch: Wie „Querdenken“ die Corona-Diktatur und ein Krisenbusiness erfand

    Nach Debakel um die „Querdenken“-Demo: SPD und Grüne laden die Verantwortlichen des Landes zur Ausschusssitzung ein

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      4 KOMMENTARE

      1. Wenn ein Mitarbeiter der Gleichsprechmedien einen Teil der Verantwortung für die „ganze Entwicklung“ nicht auch bei sich und seiner Zunft sucht, dann ist er entweder blind oder hinterhältig. Konkrete Verantwortung bei einem Großteil der Journalisten kann man in deren fantasielosen, jounalistisch unambitionierten und beinahe gottesgläubigen Nachplappern der Regierungsverkündungen zur Corona-Hysterie erkennen. Dazu muß man nur zwei Fragen stellen: Wie zuverlässig sind die täglich vom RKI veröffentlichten Infektionszahlen auf der Basis eines PCR-Tests, der für die Diagnostik von Infektionen ausdrücklich nicht zugelassen ist, und was sagen sie aus? Alle weiteren Schlußfolgerungen ergeben sich aus der Beantwortung dieser Frage.
        Und genau diese Fragen hätte jedeR JournalistIn stellen können, ja müssen, um seine/ihre Klientel der eigenen Glaubhaftigkeit und Lauterkeit zu versichern, um Leser aufzuklären und nicht nur mit permanenter und unkritischer Wiederholung der offiziellen Regierungsverlautbarungen deren Gehirne auf Linie zu bringen.
        Die ganzen Scheindebatten mit rechts/Covidioten vs. links/demokratische Mitte taugen zu nichts, außer vielleicht zur persönlichen Erleichterung und Selbstvergewissernung. Der Konflikt indes liegt viel tiefer, es ist ein kompletter Vertrauensverlust eines großen Teiles der Bevölkerung in die eigene Regierung und darüber hinaus in große Teile der eigenen Volksvertreter zu beklagen, und das hat gar nichts mit Links Rechts Mitte etc. zu tun.
        Im Übrigen gilt immer noch der alte Spruch: Eine Lüge bleibt eine Lüge, sooft man sie auch wiederholt!

      2. @Beide 😉 Sie würden sich wundern, wie schädlich ich diese ganze Entwicklung finde. Nur suche ich halt nicht die „Schuld“ bei der Presse, sondern da, wo sie entstand: bei einer Politik, die so etwas wie den 7. November zuließ.

        Und nun auch dazu führt, dass sich mit Höcke, Elsässer und Co. die Rechtsradikalen bis -extremen erneut nach Leipzig bewegen, um hier „1989“ nachzuspielen.

        Dass Sie beide offenbar nichts von Gesetzen halten, finde ich ziemlich befremdlich. Vielleicht wollen Sie sich ja mal dazu äußern, wie Sie sich Ihre Art der Anarchie vorstellen?

      3. guter Wasserwerfer/schlechter Wasserwerfer
        Demo/Aufzug,
        Bilderstürmerei/Gegendemo Wanderzirkus/Demonstrationsrecht
        Fakten/Mutmaßungen
        Pressekodex/LIZ-Kommentar
        köstliche Verwerfungen des Meinungsjournalisten in Serie

      4. Man kann den Verfasser förmlich wiehern hören, wenn er verkündet, dass nun endlich ein belastbares Gesetz Stadt und Polizei zur Seite stehen, gleichfalls sein unverhohlener Aufruf zum Einsatz von Wasserwerfern gegen Andersdenkende.
        In der Feuerzangenbowle hieß es dazu so treffend: Wat habt ihr doch für en fiesen Charakter!
        Ja, die Regierung im Bündnis mit dem Staatsfunk hat es geschafft, für die Abschaffung der Demonstrationsfreiheit bejubelt zu werden.
        Irgendetwas ist hier grundlegend faul.
        Und die, die sich lediglich gegen Regierungshandeln artikulieren wollen, werden das öffentlich nicht mehr dürfen.
        Da ist eine neue Qualität entstanden!

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