2.5 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Nach antisemitischen Schmierereien in der Eisenbahnstraße: Kais Rede bei der „Bürgerbewegung 2021“ + Video

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Mitte April 2021 klebten erstmals sauber ausgedruckte Zettel mit Beschimpfungen an einem Telekommunikations-Laden an der Eisenbahnstraße. Wer der Absender war, ist noch unbekannt. Aus welcher Szenerie er kommt und was er sagen wollte, hingegen nicht, denn „Systemhure“, „Schlafschaf“ und „Coronagläubiger“ war zu lesen. Am Montag den 10. Mai 2021 gab es dann einen „Nachschlag“, noch eine Spur schärfer, antisemitischer und verschwörungsgläubiger als zuvor. Laden-Mitarbeiter Kai hatte daraufhin genug und besuchte gestern die Demo, auf der solche Theorien geteilt, verbreitet und ausgesprochen werden. Und hielt am Montagabend eine Rede vor der „Bürgerbewegung Leipzig 2021“.

    Nicht ohne zuvor eine Strafanzeige bei der Polizei gestellt zu haben. Denn nunmehr ging und geht es um harten Antisemitismus auch in der Leipziger „Querdenker“-Bewegung. Ein Davidstern, nochmals „Schlafschaf“ und ein „Q“ für die Verschwörungsbewegung „QAnon“ prangten am 10. Mai 2021 an den Ladenfenstern des Geschäftes, in welchem Kai offenbar nach eigenen Angaben auch schon persönliche Anfeindungen als angeblich genügsames Weidetier erleben musste.Mit seiner Rede jedenfalls, welche Versammlungsanmelder Volker B. als die „eines mutigen Bürgers, Selbstdenker“ anmoderierte, machte er es sich selbst und den rund 50 Teilnehmer/-innen nicht leicht, sprach aus, was sie nicht hören wollten und argumentierte auch auf Zwischenrufe hin ruhig weiter.

    „Es gibt in diesem Land eine Meinungsfreiheit“, so Kai (etwas, was „Querdenker“ als bedroht oder nicht vorhanden ansehen) und er sei froh, „hier reden zu dürfen“. So, wie er froh sei, dass auch der Gegenprotest sagen könne, was er will – und dass man die Meinung des anderen „Scheiße finden darf“.

    Dass die Pandemie für alle nicht leicht sei, verstehe er, auch er müsse sich an die Regeln für den gegenseitigen Schutz im Laden und auch hier vor Ort halten – mit Maske und Abstand. Da war dann allerdings auch dem letzten der zuhörenden „Bürgerbewegten“ bis Verschwörungsgläubigen wohl klar, dass der mutige Bürger am Mikrophone ihre Überlegungen nicht teilt.

    Als Kai dann noch zum Thema Masken, Kinder, Testungen und Eltern kam, die ihre Kinder durch die eigene Haltungen verstören würden, wurde es hörbar unruhig in der Gruppe Zuhörender direkt vor ihm.

    Applaus jedenfalls kam während seiner Ansprache nur von dem umstehenden Gegenprotest, ein müdes Klatschen seitens der „Bürgerbewegung“ erst am Ende, als Versammlungsleiter Volker explizit dazu auffordern musste: für Kais Mut zu sprechen.

    Interessant deshalb, dass selbst dann, als Kai über die Schmierereien selbst und den Davidstern berichtete, keine Solidarisierung mit ihm unter den Coronamaßnahmengegnern zu merken war. Erschrocken über die Schmierereien am Ladengeschäft in NS-Manier zeigte sich hier keiner wirklich, stattdessen Zwischenrufe und Missfallensbekundungen an anderen Stellen, als er seinen Umgang mit der Coronakrise schilderte.

    Wirklichen Beifall für seinen Mut, sich nach dem Angriff auf seinen Laden hier am gleichen Tag auch noch jenen zu stellen, die teilweise exakt so denken, wie die Schmierereien an seinem Laden klingen, erhielt er darüber hinaus im Netz.

    Auch wenn die Verständigung auch an diesem Montag in Leipzig nicht wirklich gelang, bleibt ein Video von einem Mann, der Respekt verdient hat.

    Und eine weitere Geschichte, in der auf Twitter davon berichtet wird, dass einer der Ordner der „Bürgerbewegung Leipzig 2021“ nach der Demo wenig friedlich „mit einem Gegenstand“ nach ersten Angaben in der nahe gelegenen Gustav-Adolf-Straße auf andere Menschen aus dem Gegenprotest losging und anschließend flüchtete.

    Nüchtern betrachtet, nur der nächste Vorfall nach der Attacke vom Samstag auf Journalistinnen auf dem Simsonplatz und der massiven Pressenötigung am vergangenen Montag auf dem Richard-Wagner-Platz aus einer Szene heraus, die sich selbst „friedlich“ nennt.

    Impressionen & Kais Rede am 10. Mai 2021 am Naturkundemuseum

    Video: LZ

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      14 KOMMENTARE

      1. Andreas, den Angestellten, und Kai, den Redner, habe ich verwechselt. Verdammt noch mal. Keine Kommentare mehr nach Mitternacht 😀

      2. Entschuldigung, ich bin aus Versehen auf „Absenden“ gekommen.

        … Brüllenden Frauen wurde noch geführt. Erst ganz langsam geht der Mann auf Andreas zu und sagt ihm etwas, es entwickelt sich ein lokaler Konflikt, der mit „natürlich ist das erwiesen“ endet und Andreas hält ihm das Mikro hin.
        Ich verstehe es als „sag es doch laut, was du mir antwortest“, vielleicht auch als „im Grunde bin ich durch, dann nimm es halt zurück“, wonach das Mikro dann ruppig genommen wird. Aus der hingestreckten Hand.. Ich habe auch nur das Video gesehen, aber irgendwie interpretiere ich das anders, was ich sehe und höre.

        Ellen:
        „Aber wenn inhaltlich sowieso nichts ankommt, hilft halt manchmal nur noch lautes Schreien.“

        Wogegen das helfen soll, kann ich nicht sehen. Es wirkt infantil, ungebildet, gewaltvoll. Gegen Frauen und Männer mit merkwürdigen Schildern auf der anderen Seite. Für mich bleibt es dabei, dass Andreas der Einzige war, der da eine gute Figur gemacht hat.

      3. Sabine Eicker:

        Ich weiß nur, was in den Artikeln stand. Und am Tag der Rede stand hier in einem Artikel:

        „Der Angestellte Andreas N. hat derweil verlautbart, persönlich bei der für heute Abend angemeldeten Demonstration der „Bürgerbewegung Leipzig 2021“ sprechen zu wollen. Am offenen Mikro möchte er über das Geschehen reden – um zu zeigen, was er von einer solch perfiden Attacke hält und welcher Beitrag von einem Milieu ausgeht, das derlei Angriffe erst gesellschaftlich salonfähig macht.“

        Es war also eine öffentliche Ankündigung. An einem offenen Mikrofon. Dort durfte er reden.
        Und selbst wenn der Anmelder nicht wusste, wenn er da vor das Mikro lässt, hat er ihn doch eine ganze Weile seine Meinung erzählen lassen. Auch eine Art Dialog mit brullenden

      4. @Sebastian, das Rederecht wurde ihm gewährt weil man dachte, er gehört zum Kreis der dort Demonstrierenden. Im Video kann man die Verärgerung des Anmelders gut erkennen, als er sich ganz kurz nicht so unter Kontrolle hatte wie sonst und ihm das Mikro wütend aus der Hand reißt. Mit so einem mutigen Mann hat auch dort niemand gerechnet.

      5. Lieber Michael,
        auch wenn es schon so lang her ist, kann man die Geschichte dennoch richtig erzählen! Im Sportpalast saß zur Goebbelsrede sicher nicht die Mehrheit der Bevölkerung, noch nicht einmal die Mehrheit der NSDAP-Mitglieder. Fallen Sie doch nach so langer Zeit nicht immernoch auf Propagandalügen herein!

      6. 1 Hinz sagt A.
        2 Kunz sagt B.
        3 Hinz sagt, Kunz habe B gesagt.
        4 Kunz sagt, er habe Hinz B sagen hören.
        5 Hinz sagt, er sei falsch zitiert worden, er habe immer nur A gesagt, niemals B.
        6 Kunz sagt, Hinz hat schon wieder B gesagt, das habe er A gehört, und B könne er das beweisen.
        7 Hinz sagt, er verbitte sich, dass Kunz sein A sage, er solle doch bitte der Wahrheit halber bei B bleiben.
        8 Kunz sagt, wenn Hinz schon B als Wahrheit bezeichne, dann müsse doch A die Unwahrheit sein.
        9 Hinz sagt, B sagt man nicht.
        4 Kunz sagt, er habe Hinz B sagen hören.
        …Drei Schleifen Später…
        10 Hinz sagt so sad.
        11 Kunz sagt Nazi.

        „So geht das (so it goes)“ K.V.

      7. @Ellen: Liebe Ellen, es war einmal vor langer, langer Zeit (im vorigen Jahrhundert) in Deutschland, da brüllte eine Mehrheit, gang ganz laut „JA!“ auf die Frage, ob sie den totalen Krieg wolle… Aber das ist nur lange, lange her, es ist auch ein Verschwörungsmythos, liebe Ellen. Habe also keine Angst und schlaf nun gut: wer in der Demokratie schläft, wird zwar in der Diktatur aufwachen, aber das macht nichts, liebe Ellen, Du und die vielen anderen, ihr seid ja die Mehrheit.

      8. Ich habe mich ja gefragt, warum der antisemitische Weltverschwörungs-Hass ausgerechnet einen Telefon-Laden trifft. Und insgeheim(sic!) gehofft, dass irgendEin Kommentator „Freitag“ oder „Michael“ o.ä. das mit dem „5G“, dem „Great Reset“, der „Schöpfung von Covid-19-Viren auf der Haut durch elektro-magnetische Strahlung“ .. und nicht zuletzt, endlich auch mal die Chem-Trails erklärt. (Saschok könnte dann vielleicht auf dieser Basis den Georgi-Dimitroff-Prozess noch mal aufrollen..)

        Aber jetzt musste ich lesen, dass „die Studie“ gelöscht wurde. Da ich nicht möchte, dass sich da jemand „totsucht“, empfehle ich folgenden Link:
        https://www.volksverpetzer.de/analyse/5g-fake-studie/

        PS: „Halt die Fresse!“ würde ich im direkten Umgang auch höflicher formulieren. Aber wenn inhaltlich sowieso nichts ankommt, hilft halt manchmal nur noch lautes Schreien. Der Mehrheit.

      9. Reitschuster wird zitiert?
        Endlich findet seriöser Journalismus statt!👍
        Wann wollte dieser Typ Deutschland verlassen? In Tansania gibt es noch freie Plätze in einer Villa mit ärztlicher Betreuung bei Schwindel.

      10. Einfach widerlich, welcher Mittel sich diese „Gegner“ bedienen, um Leute zu zwingen ihre Meinung zu ändern. Dieser Kai verdient aus meiner Sicht jeden Respekt, weil er offenbar nicht zu den Leuten gehört, zu denen leider auch ich gehöre, die in allen möglichen Geschäften, Verkehrsmitteln usw. darüber hinwegsehen, wenn Leute ihre Maske unter der Nase oder dem Kinn tragen.
        Aktuell freuen wir uns über sinkende Inzidenzen, aber eigentlich ist es ein Wunder, dass sie TROTZ der ganzen Verkäufer und Kunden in den Geschäften fallen, die ihre Maske nicht oder unzureichend tragen. Trotz der Leute, die sich Abends treffen, was man anhand von haufenweise Schuhen vor Wohnungen im Haus sehen kann, und teilweise auch gut hören.

        Auch eine Geste, die man zur Kenntnis nehmen kann, dass ihm Rederecht bei dieser Veranstaltung gewährt wurde. Vielleicht denken doch nicht alle Kritiker der Maßnahmen so extrem, dass sie Mittel wie Schmierereien am Laden billigen, auch wenn der Videoschwenk einiges an Untiefen bei den Teilnehmenden vermuten lässt…

        Eigentlich wollte ich hingehen und es mir anhören, aber bei dieser Art des Gegenprotestes macht das keinen Sinn. Respekt und Anerkennung noch mal für Kai, dass er diese Art der Ansprache gewählt hat!

      11. Der unsägliche Antisemitismus kommt jetzt auch noch unverblümt von Friday’s for Future.
        Greta hat die Maske fallen gelassen, da hilft auch nachträgliches Lammentieren nicht mehr.
        Ohne Worte…

      12. Herr Freitag bitte noch mal das Drehbuch vom Reichstagsbrandprozess genauer lesen. Insbesondere zur Rolle von v. Marinus van der Lubbe. Und dann nochmal auf an den Text ran.

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige