18.9 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

CDU-Wahlkampf in Liebertwolkwitz: Draußen vor der Tür + Video-Mitschnitt CDU-Bürgerdialog

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) war gekommen, um an diesem 2. September 2021 für und mit Parteikollegin Jessica Heller im Leipziger Ort Liebertwolkwitz gemeinsam Bundestagswahlkampf zu machen. Während drinnen (Video folgt) eine angeregte und durchaus kontroverse Debatte stattfand, hatte sich draußen vor der Tür eine Menschenmenge von rund 250 weitgehend bekannten Freiheitskämpfern und lokale Bewohner versammelt. Dialog, wie später auf Twitter festgestellt wurde, war es wohl weniger, der die „Bürgerbewegung Leipzig“ und die rechtsextreme Partei „Freie Sachsen“ bewogen hatte, nach „Wolks“ zu mobilisieren. Es ging mehr um „Bilder“ einer möglichst lauten Ablehnung.

    Erst Freiberg, nun Liebertwolkwitz, am 5. September dann das SPD-Sommerfest im Clara-Zetkin-Park mit Bundeskanzlerkandidat Olaf Scholz: Derzeit reisen einige Sachsen, mobilisiert durch Telegram-Kanäle wie „Freie Sachsen“ und die „Bürgerbewegung Leipzig“, gern zu den Wahlveranstaltungen anderer Parteien.Hinein gehen die Wenigsten, sie bleiben lieber lautstark draußen und filmen sich dabei mit Handys, in Liebertwolkwitz begleitet durch Querdenken-Szene-YouTuber wie Elijah Tee oder „Weichreite“, der eine stets um Geld von den Livestreamzuschauern bittend, der andere längst Dauerbegleiter der etwa 50-Teilnehmer/-innen umfassenden Montagsdemos in Leipzig.

    Immer soll bei diesen Versammlungen nun vorerst bis zum 26. September 2021 durch möglichst viele „Volksverräter“-Rufe und lautes Pfeifen der Eindruck entstehen, irgendwer habe Angst vor der Meinung der Zusammengetrommelten oder würde gar vor „dem Volk flüchten“. Videos dieser „Fluchten“, also das schlichte Davonfahren eines Ministerpräsidentenautos, landen anschließend in den eigenen Telegram-Kanälen, werden als Siege gefeiert. Ganz so, als gelte es, jemanden zu vertreiben.

    Raumnahmeversuche eines rechten Wanderzirkus, wie er auch am Abend des 2. September zwischen 19 und 22:30 Uhr in Liebertwolkwitz insofern gelang, dass die drin in der „Museumsscheune“ Diskutierenden nicht gleichzeitig draußen auf der schmalen Straße sein konnten. Und dazu wohl auch wenig Lust gehabt hätten, denn inhaltlich war zwar so manches „schämt Euch was“ zu hören – wofür genau jedoch blieb ungeklärt, mutmaßlich aber für ihre Beteiligung an einer CDU-Debatte im Saal.

    Impressionen vom 2. September 2021 aus Liebertwolkwitz

    Video: LZ

    Gegenprotest, wie sonst bei den montäglichen Leipziger Ringumrundungen war auch keiner im 6.000-Seelen-Ort. Von dieser Seite gab es bereits im Vorfeld Signale, dass damit jener Ministerpräsident nun auch selbst klarkommen soll, der zwar stets Redebereitschaft mit vielen Bürgern zeigt – nie jedoch mit jenen, die sich beispielsweise an Gegenaktionen beteiligen, wenn gegen Impfungen polemisiert oder schlicht Umsturzphantasien geäußert werden.

    Also waren letztlich zumindest für die draußen Versammelten die lautstarke Protest-Begrüßung und die Verabschiedung des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer gegen 21:45 Uhr die Highlights des Abends. Dazwischen blieb auf der engen Dorfstraße Zeit für Zusammengehörigkeitsgefühle, Klatsch und Gerüchte. So zum Beispiel, dass im Saal nur fünf Personen wären, was dann zu Rufen wie „Bürgerdialog ohne Bürger“ führte.

    Wenn man den Gesprächen dazwischen lauschte oder gar angesprochen wurde, war offenbar vielen wichtig, keine Neonazis zu sein, auch wenn zum Auftakt mal wieder Volker Beiser, eigenen Ausführungen nach zehn Jahre lang NPD-Kader, sprach und Michael Brück (Die Rechte) eifrig Handyfilme mutmaßlich laut Videoperspektiven für die „Freien Sachsen“ und die Social-Media-Siegesfeier danach drehte.

    Die sonst als Ordner der „Bürgerbewegung Leipzig“ auftretende Männergruppe versuchte sich ein bisschen im LZ-Journalisteneneinschüchtern, was angesichts rasch agierender Polizeikräfte und mangelnder Angst beim Journalisten eher mäßig gelang. Das angefertigte Portraitbild mit dem Handy jedenfalls wurde erst einmal wieder unter Polizeiaufsicht gelöscht, während ein Gespräch in Gang kam.

    In diesem ging es dann darum, dass man kein Neonazi sei, vielleicht rechtsradikal, um die Schönheit von Bekleidungsmarken wie „Yakuza“, auch ein bisschen Medienrecht und was so ein Portraitbild eines Journalisten im Netz wohl an Strafe kostet. Fazit aufseiten der Freiheitskämpfer: Man fühlt sich verfolgt und bedroht durch die LZ, wenn diese Demonstrationen filmt und berichtet. Was offenbar zu eigenem bedrohlichen Verhalten führt.

    Da sich die gleiche Gruppe anschließend noch darin versuchte, eine LZ-Reporterin auf dem Weg zu ihrem Auto im Beisein von Polizeibeamten bedrängen zu wollen, kann man wohl festhalten, dass es das Wort „Neonazi“ gar nicht braucht, wenn man gewaltbereite Menschen beschreiben will, die sich im „Widerstand“ glauben.

    Alles in allem ein surrealer Abend vor der Tür, den ein kaum 18-jähriger Teilnehmer mit den Worten „Jetzt hab ich Bierdurst“ für sich beendete. Was daran erinnerte, dass es der Alkohol gewesen wäre, der dem merkwürdigen Volksfest Schwung und den Polizeibeamten noch mehr Probleme eingebracht hätte. So blieb es weitgehend gewaltfrei, von Verhaftungen ist zur Stunde nichts bekannt.

    Das Video der Wahlkampfveranstaltung mit Bundestagskandidatin Jessica Heller und Ministerpräsident Michael Kretschmer im Saal der „Museumsscheune“ zeigte dann, wie außen und innen zusammenspielte. Kretschmer fand jedenfalls überraschend deutliche Worte für die Gäste draußen, die nicht die seinen sein wollten.

    Der Mitschnitt des CDU-Bürgerdialogs am 2. September 2021

    Video: LZ

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      4 KOMMENTARE

      1. Liebe omaele, die Einladungs- und Türpolitik der CDU habe ich auch nicht ganz verstanden. Insbesondere die Größe des kleinen Saales und die mit rund 40-50 Gästen und die aufgrund dann nicht wahrgenommener Plätze durch Nichterscheinen der Angemeldeten kam uns auch seltsam vor. Hätte man größer anlegen sollen – nur leider hatten wir damit nun wirklich nichts zu tun.

        Vielleicht aber ist die Saalgröße auch eine Reaktion des MP, der ja im Video oben die „Freien Sachsen“ als herumreisende Krawallmacher erwähnt. Jene also, die keinen Dialog wollen, sondern auch im Saal nur „laut gemacht“ hätten? Man weiß es nicht: fragen Sie doch gern beim Team Heller nach?

      2. Lieber j.michael.the.teuton (soso, Teutone ;-),

        nun, vielleicht galten die „Schämt Euch was“ – Rufe ja auch den Polizeibeamten.

        Aber vielleicht können Sie mir dann erklären, wofür sich jene schämen sollten, die qua Aufgabenbeschreibung eines Rechtsstaates die Aufgabe haben, a) die Versammlung, an welcher Sie draußen teilnahmen und b) jene Versammlung, die drinnen stattfand in der Form abzusichern, damit beide durchgeführt werden können?

        Wofür also sollen sich die Beamte und diejenigen „schämen“, welche in der Veranstaltung drin waren? Denn vielleicht haben Sie auch nur nicht mitbekommen, was ich sah: auch diese wurden vollgepöbelt, als sie nach der Veranstaltung das Haus verließen.

        Zur wohlfeilen und aus meiner Sicht falschen Kritik am Stil des Textes (sonst hätte ich ihn ja anders geschrieben): Wenn Sie meinen Text genau lesen, werden Sie und andere vor der Tür nicht als Neonazi bezeichnet. Nicht einmal die Herren, die glaubten, mich bedrängen zu dürfen. Ihr Vorwurf geht demnach ins Leere.

        Warum Sie jedoch – ganz gleich, wie Sie sich selbst sehen – mit Neonazis wie Michael Brück (Die Rechte) gemeinsam auf der Straße stehen (und dieser auch von niemandem aufgefordert wird zu gehen oder sich sonstwie distanziert wird) und Sie womöglich dem Aufruf der „Freien Sachsen“ (Pro Chemnitz, NPD etc.) gefolgt sind (denn woher wussten Sie sonst von dem Termin?), ist wirklich Ihr und nicht mein Problem.

        An dem Begriff „Freiheitskämpfer“ kann ich hingegen nichts Falsches finden: Sie und andere dieser „Bewegung“ titulieren sich doch selbst so? („für die Freiheit, gegen die Diktatur“ usw.) Wenn Sie dabei Ironie entdecken, entdecken Sie sicher richtig. Apropos Ironie: mir persönlich kommt es so vor, als ob da einige Leute vor der Tür standen, die jahrelang CDU gewählt haben und nun eigentlich sich selbst anschreien müssten.

        Es ist Ihnen also nur nicht Recht, dass Sie hier Widerspruch lesen. Das kann passieren, ändert aber an den dargestellten Fakten nichts. Ihre DDR-Vergleiche halte ich angesichts meiner Erfahrungen mit diesem Land für fehlgehend und falsch in Ihrer Übertragung auf heutige Verhältnisse.

        Zu Ihren restlichen Äußerungen kann ich leider wirklich nur sagen: Ja, Sie kennen und lesen uns nicht. Sonst würden Sie so einen Unsinn wie „was heute in Presse und Medien die Aufsichtsräte und Geldgeber sind“ nicht an uns und unsere Zeitung hier richten.

        Das können Sie natürlich jederzeit ändern: Lesen Sie dazu gern unsere Berichte über Flughafenbesetzungen, Demos, Hausbesetzungen, soziale Ungerechtigkeiten und auch rings um große Bauprojekte in Leipzig usw.. Sie werden viel Kritisches finden, auch und explizit über die seit 1990 durchregierende CDU in Sachsen.

        Nur stellen wir uns halt nicht wie Sie und andere vor Wahlkampfveranstaltungen von Parteien und rufen „Volksverräter“. Ein Begriff, der an ganz finstere, nationalsozialistische Zeiten erinnert. Oder haben Sie auch das nicht mitgerufen?

        Richtig erkannt haben Sie, dass die heutigen Montagsdemos mit denen von 1989 null zu tun haben. Und dennoch haben Sie mit genau diesen Leuten vor der „Museumsscheune“ gestanden und etwas gerufen, an dass Sie sich ganz ohne mich erinnern können …

      3. Ich bin Liebertwolkwitzer, also eine Seele aus dem ca 5.400-Seelen-Ort und finde die Berichterstattung so nicht korrekt. Ist aber irgendwie typisch und passt gut zu sonstigen Berichterstattungen. Zum Einen, dieses „schäumt euch was“ war auf die Polizei bezogen. Zum Anderen bin ich ein querdenkender Freidenker, was mich aber zu keinem „Neonazi“ , zum „Rechten“ ,“Freiheitskämpfer“ oder einer anderen Gruppierung zugehörig macht. Ich hab und bilde mir halt nur gern meine eigene Meinung und hinterfrage Dies und Jenes. Man sieht ja u.a. auch in der Berichterstattung vom Herrn Michael Freitag, das keine wirkliche neutrale Berichterstattung erfolgt. Da stehen ganz eigene Befindlichkeiten und sehr viel „gesteuertes“ Gedankengut zwischen den Zeilen…. traurig…sehr traurig.
        Von daher zählt die Leipziger Zeitung ganz sicher nicht zu meiner Informationsquelle, ebensowenig wie Telegram…ich höre und sehe mir selbstverständlich gern mehrere Meinung an.
        Mir liegt viel an einer unabhängigen neutraler Berichterstattung, da ich u.a. einer derer war, der 1989 an den Montagsdemos von Anfang an mit dabei war, was mit den heutigen Montagsdemos natürlich absolut nix gemeinsam hat. Auch damals war die einseitige Berichterstattung geprägt von den Interessen der „Machthaber“, was heute in Presse und Medien die Aufsichtsräte und Geldgeber sind.
        Findet diese Wahl dieses Jahr auch nur durch „Ausgewählte“ statt, oder darf das gemeine Volk auch daran teilhaben…Wahlkampf wird offensichtlich ja auch nur vor „Auserwählten“ betrieben.
        Da sollte man mal ansetzen.

      4. Zum Thema Liebertwolkwitz: Ich bin Rentnerin, 70 Jahre alt und habe mich gestern von Leipzig Grünau aus auf den langen Weg nach Liebertwolkwitz gemacht und gehofft, auch mal eine Frage stellen zu können. Als ich 1 Stunde vor Beginn der Veranstaltung ankam, wurde mir gesagt, dass ich an der Veranstaltung nicht teilnehmen könne, da bereitsalle Plätze vergeben waren. Draußen erfuhr ich,dass es vielen Leuten so ergangen sei. So sieht das aus…warum fährt ein Ministerpräsident nicht in das Zentrum einer Stadt? Manchehaben ihm auch zugewinkt, leider hat er uns gar nicht wahrgenommen. Ich bin irritiert…

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige