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Mal wieder Rufe bei Telegram: „Freie Sachsen“ mobilisiert „Querdenker“ + Update & Video

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    35 Städte im Freistaat wollen die „Freien Sachsen“ gezählt haben, in denen heute zu neuerlichen „Querdenker“-Demos aufgerufen wird. Darunter auch Leipzig und Dresden. Woher die extremistische Vereinigung ihre Kenntnisse darüber bezieht und an wie vielen der meist unangemeldeten Zusammenkünfte sie selbst beteiligt ist, ist unklar. Klar ist nur, dass auch die „Bewegung Leipzig“ mal wieder eifrig diese Aufrufe teilt und anonym verkündet, auch in Leipzig gäbe es ab 19 Uhr eine Versammlung. Dabei wird mal wieder, wie einst von der AfD, der „Montags-Demonstrations“-Mythos aufgekocht. Bei der Stadt Leipzig weiß man vom anstehenden Geschehen offiziell nichts.

    Auf Nachfrage, was die „Bewegung“ oder eine einzelne Person für 19 Uhr an der Nikolaikirche angemeldet habe, teilt das Ordnungsamt Leipzig auf LZ-Nachfrage mit, „dass der Versammlungsbehörde keine Anzeige einer in Rede stehenden Versammlung im Zusammenhang mit der „Querdenker-Bewegung“ nach § 14 Abs. 1 SächsVersG vorliegt.“Stattdessen würde am heutigen Montag von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr eine Mahnwache unter dem Motto „Abrüstung statt Sozialabbau“, angemeldet vom Friedenszentrum e.V. Leipzig stattfinden. Und anschließend sei ab 18 bis 19:30 Uhr eine weitere Mahnwache unter dem Motto „#FREEBELARUS Leipzigerinnen und Leipziger erklären sich solidarisch mit der Opposition in Belarus“ bekannt.

    Da es sich bei beiden Zielen eher nicht um die Interessen der „Querdenker“ handelt, wäre die Zeitangabe 19 Uhr schon einmal zumindest fragwürdig.

    Da es jedoch seit längerem in der Szenerie heißt, dass man so oder so keine Versammlungen mehr anmelden würde, da diese häufig aus Infektionsschutzgründen verboten würden, ist dennoch anzunehmen, dass sich einige von ihnen einfinden werden.

    Wie auch bei manch anderen Fehlinformationen ist auch das nicht ganz richtig: verboten werden zumeist eben genau die „Querdenker“-Demos mit großem Teilnehmer/-innenpotenzial, über die hinlänglich klar geworden ist, dass zum Beispiel das Maskentragen oder die Einhaltung von Mindestabständen eben genau nicht eingehalten werden sollen.

    Man ist sich sozusagen einig, dass man gegen die Demoauflagen demonstriert – da ergibt eine Anmeldung natürlich kaum einen Sinn.

    Schuld daran ist aber nach dieser Lesart der Staat, der einfach nicht einsehen will, dass es keine Pandemie gibt. Eine Art „quergedachter“ Zirkelschluss also, wenn dann von „Demonstrationsverboten“ die Rede ist. Aber der Stoff aus dem die radikalen Träume von Neonazis aus NPD und „Pro Chemnitz“, wie bei „Freie Sachsen“ gemacht ist: wir alle gegen den Verbotsstaat.

    Der wiederum meldet auf LZ-Anfrage in Person des Ordnungsamtsleiters Helmut Loris für heute noch zurück, dass „nach Kenntnis derartiger Aufrufe im Netz und der Tatsache, dass keine Anzeige einer solchen Versammlung nach § 14 Abs. 1 SächsversG bei der zuständigen Versammlungsbehörde vorliegt, (…) in derartigen Fällen die Polizei sowie der Außendienst des Ordnungsamtes diesbezüglich sensibilisiert“ wird.

    Also wird es 19 Uhr ein vermehrtes Aufkommen von Polizeibeamten im Innenstadtbereich geben, während eine andere Kundgebung gegen die Diktatur in Belarus stattfindet. In den Netzwerken der „Querdenker“ hat das Klagen über den bösen Gegenprotest, welcher sich aus der Belarus-Kundgebung heraus entwickeln dürfte, bereits begonnen.

    Update 21 Uhr – Nach der „Demo“: 250 Meter

    Weiter kamen heute diejenigen „Querdenker“ in Leipzig nicht, die sich nach einem dezentralen gesamtsächsischen Aufruf diverser rechter Organisationen in den sozialen Netzwerken versammelt hatten. Wären sie noch 15 weniger gewesen, hätte aus der nicht angemeldeten Versammlung auch ein Familienspaziergang werden können.

    Doch so standen am Ende kurz nach 19 Uhr 20 Menschen vor dem Haupteingang der Nikolaikirche. Ihnen gegenüber eine sich langsam sammelnde Menge von am Ende rund 100 Gegendemonstranten und Besucherinnen der „Belarus“-Solidaritäts-Demo, welche bereits seit 18 Uhr an fast gleicher Stelle lief.

    Und so beäugte man sich eine Weile übers Vordereck des Sakralbaus, während ein Redner der Solidaritätsdemo kurzerhand zum Perspektivwechsel einlud und die 20 aufrief, mal in Belarus gegen eine wirkliche Diktatur zu demonstrieren. Und zu sehen, was dann passiert im Vergleich zu ihrem vorgeblichen Kampf gegen die „Coronadiktatur“.

    Kurz darauf heizte sich die bis dahin eher ruhige Stimmung langsam auf, bevor die verhinderten Demonstranten den Nikolaikirchhof lieber wieder verlassen wollten. Einmal nur begannen einige der 20 Menschen den „Querdenker“-Schlachtruf „Frieden, Freiheit, keine Diktatur“ zu rufen, was umgehend zu verbalen Protesten von der anderen Seite und „Ihr seid nicht der Widerstand, lauft mit Nazis Hand in Hand“-Rufen führte. Ein Vorwurf, der noch öfter durch die Innenstadt dröhnen würde.

    In der Tat konnten diejenigen die diesem Aufruf gefolgt waren, kaum noch offener den Vorwurf bestätigen, von NPD und „Pro Chemnitz“ ebenso eingespannt worden zu sein, wie von der „Bewegung Leipzig“. Diese hatten als „Freie Sachsen“ mobilisiert und die „Bewegung Leipzig“ sich den Extremisten bereitwillig mit einer Weiterverbreitung der Informationen angeschlossen.

    Kurz nach dem eher stillen Abmarsch Richtung Wilhelm-Leuschner-Platz war dann klar, dass es so schnell noch nicht nach Hause gehen würde. Bereits am Neumarkt, Höhe Messehofpassage sahen sich die „Querdenker“ von dem meist jungen Protest förmlich eingeschlossen, weshalb die in geringer Zahl anwesende Polizei sie lieber in die Messehofpassage drängte (siehe Video).

    Dort blieben sie dann auch rund eine Stunde, während sich ringsum an den Ausgängen die Menge langsam zerstreute. Laut ersten Informationen vor Ort soll es auch zu Identitätsfeststellungen unter den „Querdenkern“ gekommen sein, viele der Wenigen trugen dennoch Masken.

    Zumindest immer möglichst dann, wenn Polizei näher kam.

    Impressionen von der Nicht-Demo am 29. März 2021

    Als die 20 das Gelände verlassen wollen, folgt der Gegenprotest. Video: LZ

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      8 KOMMENTARE

      1. Für Leute, die den Unterschied zwischen Meinungsaustausch und Angriffen sowie persönlichen Beleidigungen nicht kennen, gibt es Twitter.
        Wer es noch etwas härter mag, der geht zu Telegram.
        Und die ganz harten treffen sich bei Parler.

        So findet jeder den Ort, an dem er (sie, *) sich wohlfühlt.
        Wunderbares Internet!👍

      2. Zum gelöschten Beitrag des Freitag vom 29. März 2021 At 23:13

        Was liegt denn gegen Freitag vor, damit er so behandelt werden muß?
        Soll es nicht gerade das Markenzeichen der LIZ sein, daß hier ohne politische Schere kommentiert werden darf?

        Wenn Sie nichts zu verbergen haben, dann drucken Sie doch bitte hier Freitags gelöschten Kommentar von 29.3.21, 23:13 Uhr.
        Hat Freitag Ihnen danach nochmal geantwortet?
        Wenn ja, bitte was ? 

        Hinweis der Moderation: Wieso sollten wir den persönlichen Angriff auf einen Kollegen noch einmal wiederholen, damit Sie einschätzen, ob sich der Kollege davon angegriffen fühlte? Bitte verwechseln Sie freien Meinungsaustausch nicht mit dem Recht der Diffamierung. Dieses existiert nicht, nicht für uns und nicht für unsere Leser/-innen.

      3. Dieser Beitrag musste leider gelöscht werden. Bitte unterlassen Sie zukünftig die Diffamierung unserer Kolleg/-innen. Danke.

      4. @Axel: Das ficht aber den „Freitag“ nicht an. Er möchte beide Augen geschlossen halten …

        Durch die „Freie Sachsen“-Gründungsmitglieder & Vorstände Martin Kohlmann, seines Zeichen Kopf (hier, Anführer, Chef, Boss usw.) einer vom Verfassungsschutz beobachteten und als rechtsextremistisch eingestuften Vereinigung namens „Pro Chemnitz“ und Stefan Hartung von der auch vom Bundesverfassungsgericht als verfassungsfeindlich eingestuften NPD sowie einem weiteren Pro Chemnitz-Mitglied gegründeten „Freien Sachsen“ ist es nahezu unmöglich, diese neue „Vereinigung“, die ja auch Partei sein möchte, nicht als verfassungsfeindlich und extremistisch einzuschätzen.

        Selbst wenn wir jetzt mal annähmen, da sind gleich drei Vorstandsmitglieder von vier (Nummer 4 ist Herr Kaden, nicht-rechter Busunternehmer nach eigener Auskunft) angeblich vom Saulus zum Paulus geworden (wir reden hier über langjährige Rechtsextreme, Herr Kohlmann begann bei den Republikanern), wäre da noch der Umstand, dass sich keiner für ein Engagement bei „Freie Sachsen“ aus seinen alten Bindungen verabschieden musste, ja gar nicht soll.

        Man sieht sich nach Auskunft auf der eigenen Webseite eher als Sammlungsbewegung.

        Und weil nach Quellen gefragt wurde, hier ist ausreichend verlinktes Material zu finden. Wenn man es denn auch sehen will 😉 Ein „Marsch“ ist allerdings nicht dabei …

        https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2021/03/dresdner-querdenker-die-bewegung-leipzig-und-die-rechtsextremen-freien-sachsen-379376

      5. für Axels Beitrag vom 29. März 2021, 21:36 Uhr

        Das war eine sehr unfeine Anrede, Axel, das muß man Ihnen schon lassen!
        Um es Ihnen nicht gleichzutun, erspare ich mir derartiges Geplänkel.

        Ich habe in dem von Ihnen kritisierten Beitrag sehr klar beschrieben, um was es hier geht!
        Es geht um Beeinflussung, um Propaganda!
        Ich erspare den Lesern die erneute Wiedergabe der Definition von Propaganda!

        Neuerdings werden mißliebige Gruppierungen zu Rechtsextremen abgestempelt, man kann es kaum glauben.
        Fragt man nach belastbaren Aussagen/Gutachten, dann kommt solch warme Luft wie die vom zitierten MDR.
        Und nun mal Butter bei die Fische, oder aber Michael Freitag reduziert seine Aussagen zum Freien Sachsen, und zwar auf den Wortlaut des sächsische Verfassungsschutzes.
        Jede Abweichung davon muß angeprangert werden und ist indiskutabel!

        Abschließend darf ich meine Verwunderung darüber ausdrücken, daß hier im LIZ-Blog auch über Gefühle geredet werden soll („…werde ich das Gefühl nicht los…“).
        Wenn es für Ihr Gefühlsleben verehrter Axel besser ist, dann wäre ich der Letzte, der das verhindern wöllte.

        Ihr streitbarer Freitag

      6. @Freitag: Alles ok? Das Bündnis „F.S.“ ist vor ziemlich genau 1 Monat gegründet worden und Sie wollen schon ein Gutachten vom LfV haben? Keine Angst, man ist schon unter Beobachtung . . . nach 1 Woche auch eine Leistung die eher nicht für harmlose Mitbürger spricht und von daher ist die Einordnung im Artikel durchaus berechtigt.

        Falls es was zum Nachlesen sein darf, hier einer von diversen Artikeln dazu: https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/verfassungsschutz-rechtsextreme-gruppe-freie-sachsen-100.html

        P.S. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass 1 Artikel von Michael Freitag mehr sachliche Information & Inhalt bietet als 10x Kommentare von Ihnen.

      7. Und Michael Freitag betreibt weiterhin Desinformation mit eben auch diesem Artikel, obwohl ihm in anderen vergleichbaren Artikeln schon gehörig der Marsch geblasen worden ist.
        Wie kommt Michael Freitag dazu, die „Freien Sachsen“ eine „extremistische Vereinigung“ zu nennen?
        Er belegt es nicht durch Quellenangaben.
        Diese Unterlassung, quasi das Nichtbeibringen des entsprechenden Gutachtens der Verfassungsschutzbehörde, betreibt er aus gutem Grunde: Michael Freitag besitzt kein Gutachten über die Zuordnung der Freien Sachsen zu einer extremistischen Vereinigung.
        Dennoch wird schon in der Anmoderation versucht, öffentliche Meinung zu beeinflussen.
        Wie ich schon früher glaubhaft machen konnte, sind dies klare Versuche, propagandistisch auf die Leserschaft der LIZ einzuwirken.
        Michael Freitag sollte im Interesse der Glaubwürdigkeit der LIZ aufhören, vergleichbare Propaganda künftig abzusondern.

        Hinweis der Redaktion: Zur Benennung einer Organisation oder einzelner Beteiligter als „extremistisch“ steht Journalist/-innen im Rahmen der Meinungs- und Pressefreiheit unter Wahrung bestehender Gesetze selbstredend auch eine eigene Einschätzung/Einordnung zu. Diese Einschätzung ist für „Freie Sachsen“ in diesem Beitrag https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2021/03/dresdner-querdenker-die-bewegung-leipzig-und-die-rechtsextremen-freien-sachsen-379376 beschrieben und begründet.

        Eine Behördenquelle, wie beispielsweise den Verfassungsschutz, welcher „Freie Sachsen“ überdies bereits ins Auge gefasst und benannt hat, ist für diese Einordnung nicht zwingend erforderlich. Zumal der einverlangte Verfassungsschutzbericht turnusmäßig einmal im Jahr erscheint und dies immer ein Jahr rückschauend. Worin der „Trick“ von „Freitag“ liegt. Er verlangt etwas, was es noch nicht geben kann, rund 1,5 Monate nach Gründung von „Freie Sachsen“.

      8. Leider ist es zurzeit völlig unerheblich, ob eine Versammlung angemeldet ist oder nicht, ob sie verboten ist oder nicht. Sie wird immer von der Polizei geschützt, solange sich die für Hr. Wöller mit Verständnis versehenen Richtigen versammeln.

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