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Kommentar: Der rosa Elefant

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    Jetzt, wo so viele schlaue Artikel verfasst werden, wie es denn sein konnte mit diesen Schauspieler/-innen-Videos und was da so an Bildern auftaucht und das in „der Mitte der Gesellschaft“, hab ich mich nun seit Tagen gefragt, schreibst Du nun was zu Jan Josef Liefers und den 52 anderen Zündelfreund/-innen? Und wie sollte es wohl angesichts des dargebotenen Zynismus zu einem sachlichen Artikel kommen? Angesichts der Bilder, die sie reproduzierten, ihrer Scheinargumente im Nachgang, ihrer Phrasen, die wie aus einem der zahllosen Propaganda-Kanälen der „Querdenker“ entnommen scheinen? Und da wurde mir klar: Du hast darüber schon geschrieben, vor Jahren. Also doch ein Kommentar.

    Auch wenn im Frühjahr 2018 manche heutige Worte noch nicht „erfunden“ waren, ging und geht es doch immer um den demokratischen Kern unserer Gesellschaft, ihre nie vollkommene Entwicklung und die, die etwas dagegen haben, dass man komplexen Fragen nicht mit simplen Antworten begegnen kann. Dennoch kommt man selbst mit einer offen formulierten, menschenfeindlichen Einstellung und Negation gesellschaftlicher Konsensbildungen immerhin bis in den Bundestag – als AfD in Fraktionsstärke.2018 schrieb ich von Worten wie „Altparteien“, „das System“, „die (Mainstream-, Lügen-, Pinocchio-)Presse“, die „Merkel-Diktatur“, „Umvolkung“, „Widerstand“ und „Überfremdung“ als Beispiele für einen verbal geführten „Kulturkampf von rechts“. Und heute sehe ich, wie die Saat aufgeht, wie sich Worte verwandeln.

    Denn nun sind ihnen durch die „Querdenker“ als scheinpositive Schwestern „Frieden“, „Freiheit“, „Souveränität“ und leider auch „Liebe“ an die Seite getreten, begleitet von unermüdlich wiederholten Unterdrückungsphantasien, weil man die Pizza zu Hause essen, eine Maske tragen und beim Friseur einen Termin vereinbaren muss.

    Nein, keine Verharmlosung der Pandemiefolgen für die Bevölkerung, aber eine gewisse Gelassenheit angesichts der Pandemie-Bilder echter Not, die uns seit Tagen aus Indien in unseren warmen Stuben erreichen.

    „Aus Liebe zu unseren Kindern“ setzt man hierzulande die eigenen Kinder unterdessen Gerichtsprozessen um Maskenfragen vor Familiengerichten aus, stellt sie bei Demos in die erste Reihe (der Bilder wegen) und lässt sie auf „Querdenker“-Bühnen mit knapp 12 Jahren selbst gedichtete Lieder vom „Widerstand“ gegen all die (Pizza-, Friseur-, Masken-) Repressionen im autoritären Deutschland vortragen. Auf eigenen Wunsch der Kids versteht sich und ohne, dass man da als Eltern irgendwie beteiligt gewesen wäre (Kevin ist so begabt, das hat er ganz alleine so empfunden).

    Aus dem Wunsch nach „Frieden“ heraus verbündet man sich mittlerweile im Osten mit Extremisten wie Martin Kohlmann und weist als echter „Querdenker“ im Freiheitskampf auch der verfassungsfeindlichen NPD nicht die Tür.

    Es sind diese Worte, die sie ständig benutzen, die von Stichwortgebern wie beispielsweise Markus Haintz („Bürgerrechtler“) teils im Minutentakt via Telegram-Pushnachrichten kommen, um Bilder in den Köpfen zu erzeugen.

    Mit denen sie „die Demokratie“ längst versuchen mit „Machterhalt der Eliten“ gleichzusetzen, ein Mitmach-Angebot zu einer autoritären Verwaltungsmaschine umdichten, „Freiheit“ statt „Freiheit in Verantwortung“ mit „Scheiß auf die anderen“ übersetzen und den Einsatz für Minderheiten und Schwächere schon länger mit dem Wort „Gutmenschen“ verlachen und herabwürdigen.

    Immer und immer und immer wieder – auf der Arbeit, auf Demonstrationen und längst auf eigenen Kanälen in allen sozialen Medien.

    Ihre Worte sind das, was Victor Klemperer in „LTI“ anhand seiner Zeitbeispiele als neue Formung von Realität durch die Nazis (das Original) beschreibt und ihre permanenten Wiederholungen sind die gleichen Propagandatechniken wie einst. Auch die Schwülstigkeit im Heroismus zeigt Ähnlichkeiten zwischen damaligen Nazis und manchem heutigen „Querdenker“.

    Warum sollte dieses neue sinnentkernte, neu aufgeladene Vokabular also keine Wirkung auf Regisseur Dietrich Brüggemann oder einen Schauspieler wie Jan Josef Liefers haben?

    Ironie, Satire, Zynismus? Denken sie nicht an einen rosa Elefanten …

    Worte sind wichtig, wichtig auch ihre Bezugsrahmen, ihre Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext, ihre Nutzung, ihr Klang, ihre Hintersinnigkeiten und Metabedeutungen in verschiedenen Milieus und Bildungsniveaus. (Dass ich das mal angesichts einer „Sprachleistung“ von Schauspieler/-innen schreiben würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen).

    Sie – die sie nutzen – heißen längst nicht mehr nur Götz Kubitschek oder Jürgen Elsässer. Ihnen zur Seite sind seit 2020 mehr und mehr Rechtsanwälte, Ärzte, Impfgegner aller Berufsgruppen und nun eben auch 53 von rund 20.000 deutschen Schauspielern getreten.

    Ob sie es bemerkt haben, als sie beim „in die Tüte atmen“ zynisch über die eine oder andere rote Linie tänzelten oder nicht, spielt beim gemeinsamen Ruf nach einer „offeneren Debatte“, nach „mehr Polizeigewalt“ und die Aufforderung uns „mehr Angst“ zu machen keine Rolle.

    Es geht darum, was Worte auslösen und wie sie wirken. Es bleibt hängen: „Polizeigewalt“, „Angst“ „keine Debatte“.

    Glauben sie nicht? Auf die Aufforderung hin, „denken sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten“, denkt man an einen rosa Elefanten. Der Hinweis „nicht“ verschwindet hinter dem Bild. Statt der vorgeblichen Ironie in den Texten der Schauspieler/-innen bleibt der rosa Elefant „Diktatur“ als Vorwurf im Raum stehen, weil die ironische Brechung nämlich schlicht ausbleibt.

    Das realistische Gegenbild von vielen solidarisch handelnden Menschen ohne Untertanengeist verschwimmt. Und auch die vorgeblich gemeinte Ebene funktioniert nicht. Noch „offener“, als die unverhohlenen Drohungen und Beschimpfungen mancher Menschen gegenüber Journalist/-innen, Ärzt/-innen, ja sogar Sanitäter/-innen und anderen Nothelfern wünsche ich mir die Debatte wirklich nicht.

    Denn danach kommt – erduldet man auch dies widerspruchslos – die Gewalt. Jene, an der dann anschließend wieder keiner schuld gewesen sein wollte. Welchen Gedankenfluss haben die Darsteller der angeblich so rebellischen Videoclips also bedient?

    „Diktatur“ und vorgebliche Unterdrückung als Dauerbrenner

    Waren es noch vor wenigen Jahren „die Flüchtlinge“, die zu den ersten „Diktatur“-Rufen führten, ist es nun der Bevölkerungsschutz wegen „Corona“ und morgen wird es etwas anderes sein. Die bislang wirkliche Folge aller „Krisen“ ist eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft: in ärmer und noch reicher, in gebildet und manipulierbar, in ängstlich bis größenwahnsinnig.

    Die sogenannte „Mitte“ gibt es nicht, hat es nie wirklich gegeben, selbst wenn sich jeder gern dazuzählt. Was hier also vielleicht wirklich Not täte, wäre eine Auseinandersetzung mit dem Motor, dem Kapitalismus und seiner Eigenart, reiche Menschen fast automatisch reicher werden zu lassen, in Krisen noch mehr als ohnehin schon.

    Doch ich vermute, die Kapitalismusdebatte wird wieder warten müssen, nach der „Coronadiktatur“ kehrt eher die nur kurzzeitig verdrängte „Öko-Diktatur“ zurück. Und wenn ich so auf den Zustand des Planeten schaue und den bereits 2019 erlebten Hass auf diese „ungezogenen Kinder“, die eine Zukunft haben wollen, wird die kommende Auseinandersetzung noch erbarmungsloser. Doch je erbarmungsloser die Auseinandersetzung, umso ferner eine Lösung.

    Und je tiefer der Graben (hier Jan Josef hast Du Deine Schaufel zurück), umso erbärmlicher der Weitblick.

    Sorgen machen mir also im Kern nicht 53 Schauspieler/-innen, die als eigentliche Experten des gesprochenen Wortes ganz offenkundig Ironie nicht von Sarkasmus und Zynismus zu unterscheiden wussten oder ohne vorgegebenes Drehbuch halt intellektuell verloren sind. Ob sie „wohlstandverwahrlost“ sein mögen in ihren öffentlich-rechtlich finanzierten TV-Gestalten mit den hohen Gagen auch in der Pandemie: Ich weiß es einfach nicht.

    Doch ihre übernommenen, verstärkten und hoffähig gemachten Bilder von Polizisten, die angeblich ohne Not und frohgemut auf Kinder eindreschen, von (namenlosen, aber besseren) Wissenschaftlern, die es angeblich genauer wissen als die Wissenschaftler mit Namen (und Verantwortung) und von Medien, die angeblich alle das gleiche schreiben und nicht mehr informieren, bleibt nur unser rosa Rüsseltier.

    Für letztere „Medien-Satire“ doch noch einmal speziellen Dank an Jan J. Liefers, dem lang gedienten Journalisten-Kollegen mit seiner weitreichenden Erfahrung in Promi-Interviews mit der Bunten oder Gala. Er hat vielleicht auch einfach nur vergessen, im realen Leben nicht der anstrengend-geniale Pathologe Börne, sondern der Dresdner Schauspieler Liefers mit einer kolportierten 190.000 Euro Gage pro Tatort zu sein.

    So jedenfalls wirkte er dann doch wieder, als ihn der WDR zum Interview bat und er irgendwie nicht ganz erklären konnte, worum es nun geht.

    Weshalb auch das „Fuck Nazis“ in einem nachgeschobenen Statement der Gruppe auf ihrer Webseite (die dann auch wieder doch keine Gruppe sein will) nach dem angerichteten Schaden so unfassbar hohl wie zu spät ist. Vielleicht aber sind für solche Leute „Nazis“ noch eben die, wie der, mir weitaus klüger scheinende, Kollege Christoph Waltz in unnachahmlicher, machtstrotzender Ruhe voller Bosheit und fröhlicher Hinterlist in gelackter SS-Galauniform in „Inglourious Basterds“ verkörperte?

    Etwas Fernes, ein Schauermärchen aus vergangenen Zeiten?

    Ob Waltz‘ Befassung mit Menschenfeindlichkeit dazu geführt hat, dass er heute so schnörkellose Sätze sagt wie: „Diese Leute, die sich ,Querdenker’ nennen, denken entlang des Brettes, das sie vorm Kopf haben.“?

    Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe …

    Wer weiß, doch die wirklichen Konsequenzen der kleinen Videoscharade werden nun wieder Journalist/-innen zu spüren bekommen, die mit einem fröhlichen Gruß aus „der Mitte der Gesellschaft“ auf der nächsten Demo attackiert werden. Oder die Mund-Nasen-Schutz-Träger/-innen, die sich ein „Systemknecht“ oder „Coronazi“ anhören dürfen und vor allem: Die kommenden Toten, die dieses „Ach schau mal, der Liefers ist auch der Meinung, dass die Medien alle lügen“ zusätzlich zu den bisherigen 80.000 in Deutschland hinterlassen könnte.

    Und das mitten in einer Impfkampagne, die nach einem schlechten Start Tag um Tag Leben rettet. Übrigens auch eifrig bekämpft von jenen, denen Jan Josef Liefers einen Steilpass tief ins bürgerliche Mittelfeld spielte.

    Denn der Liefers muss es ja wissen, der war 1989 schon dabei, der erkennt Diktaturen. Tja, so schnell wird man im öffentlichen Bild vom damaligen Befürworter einer reformierten DDR zum Vorzeigerebellen für AfD, Neonazis und Menschen, die nach über 100 Jahren Impfpraxis noch immer nicht erkannt haben, warum dieses Land älter und älter wird, während die Kindersterblichkeit nahe Null geht.

    Sie – diese 53 Schauspieler/-innen – würden gemessen an der Aktion meiner Meinung nach ohne einen externen Hinweis einen heutigen Neonazi nicht einmal erkennen, wenn er ihnen direkt gegenüber stünde und „Corona-Diktatur“ in sein Mousse au Chocolat-Dessert rülpste. Vielleicht ein leicht pikiertes Lächeln und ein konfliktbefreiendes Zunicken und dann flott zurück ans Sektbuffet, in bessere Gesellschaft.

    Um sich ein bisschen über die angeblich bedrohte „Meinungsfreiheit“ auszutauschen. Marina Weisband hat dazu eine Antwort, wie sie treffender nicht sein könnte.

    Denn was sie mit der von Querdenkern über den Hassprediger Attila Hildmann bis hin zu eingefleischten Neonazis und der AfD anhaltend und lautstark beklatschen Aktion eigentlich wollten, ist bis heute nicht klargeworden.

    Was sie sagten, wollten sie anders gemeint haben. Und was sie nun eigentlich gemeint haben, dazu schweigen sie oder löschen ihre Videos wieder oder rudern derart durch die Gegend, dass man eine Kreisform erkennen kann.

    Der Sinn des Ganzen, so der Regisseur Brüggemann auf Twitter, sei die Verhöhnung von uns („Euch“) gewesen. Offenbar meint er nicht weiter definiert nun die Kritiker an der Aktion und eben dies habe ja auch geklappt.

    Der Fotograf und Zeit-Journalist Henrik Merker stellte heute per Twitter fest: „Mittlerweile bewirbt der #allesdichtmachen-Mitinitiator Brüggemann auf seinem Twitter-Account die „Freie Linke“. Die Gruppe gehört untrennbar zur Querdenken-Szene, tritt auf deren Demos in Erscheinung & wurde dafür überhaupt erst aufgebaut.“

    Womit wir also endgültig bei der Querfront angekommen wären, im „Volkswillen“ vereint und einem großen Vorbild – der NSDAP – im Nacken.

    So betrachtet, ist die verfassungsfeindliche „Identitäre Bewegung“ (IB) eben auch nur ein Debattenbeitrag, ja vielleicht sogar Kunst, auf den man möglichst gelassen reagieren sollte, bis Deutschland wieder reinen Blutes und weiß ist.

    Am besten hat es der ebenfalls für diese gefährliche Lachnummer angefragte (und ferngebliebene) Schauspieler Kida Khodr Ramadan („4 Blocks“) zusammengefasst: „Ich mag Euch Kollegen, immer noch.“ Aber „wo war euer Statement, wo in Hanau die Leute gefallen sind?“

    Worte, die Respekt bekunden und dennoch kritisch sind. Worte, die eine andere Wirkung haben. Und keinen rosa Elefanten im Raum hinterlassen.

    Zu den (verbliebenen) Videos der Aktion „Allesdichtmachen“ zum Selbersehen.

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      25 KOMMENTARE

      1. Was ich als demokratischen Grundansatz des Hausrechtes der LIZ wirklich heute anerkennen muss und mich auch bei Herrn Freitag bedanke, ist, hier noch nicht wie einstmals gesperrt zu sein. Zumal ich ja nun wirklich nicht über das öffentliche Publikum eines J.J. Liefers verfüge. Weiter so.

      2. Da steht der weltbeste Leipziger Journalist ja kräftig im Feuer, außer auf den „Tagesspiegel“ zu verweisen kam da nichts mehr..

      3. Zur Neugründung der Partei die Basis. Indikatorisch ist ja, dass sich in Zeiten des politischen Umbruches zahlreiche neue Parteien gründen (wie ehemals auch 1990 die Deutsche Bierunion). Wenn man diesen Parteien durch offene Diskussionen und Transparenz die Themen stehlen würde, so gäbe es auch keinen Anlass zur Gründung. Was soll also der Hinweis auf den Mitgliedsantrag von Volker Bruch. Reflexartig wird hier vorweg gemutmaßt, es handele sich schon jetzt bei der Basis um einen Verdachtsfall für die Agenda im Kampf gegen Rechts, was auch immer mit inflationär gebrauchten Begriff Rechts eigentlich noch gemeint sein soll.

      4. Guten Morgen Herr Freitag! Das ist nun wirklich nicht überraschend, dass ein Schauspieler, welcher die Corona-Politik kritisch sieht, sich einer Partei anschließen möchte, welche die Corona-Politik ebenfalls kritisch sieht. Meines Wissens ist diese Partei auch nicht verboten. Und jeder in Deutschland kann in jede Partei eintreten, wie er möchte, dachte ich immer? Natürlich kann man diese Partei (DieBasis) doof finden und jeden doof finden, der da eintritt. Aber ansonsten sehe ich an dieser Nachricht nichts besonders Relevantes, kann nicht nachvollziehen, was sie damit sagen wollen. In ihrem Artikel geht es ja darum, dass die Aktion der Schauspieler Richtung Rechts führt. Nun, einerseits ist es egal, wenn nur einer der vielen Beteiligten in eine Partei eintritt. Und andererseits scheint diese Partei DieBasis laut BPD nicht mal rechts zu sein: „Die Partei ist im Parteienspektrum nicht eindeutig verortbar.“. Lediglich sind manche Aussagen der Partei „als populistisch einzustufen“. Also stärkt der in dem Link dargestellte Vorgang (Schauspieler beantragt Aufnahme in einer Partei) ihre Argumentation aus ihrem Artikel nicht.

        Mir macht das eher mit der Meinungs- und Kunstfreiheit Sorgen, wenn von 53 Schauspielern nur noch 27 online sind, und die andere Hälfte der Beteiligten nach Morddrohungen, Berufsverbotsdrohungen usw. ihre Videos offline genommen haben, ist das sehr bedenklich. Wäre #allesdichtmachen ein Experiment, um zu beweisen, dass die Meinungs- und Kunstfreiheit in Gefahr sind, könnte man jetzt sehr gut drunter schreiben: q.e.d.

      5. Nun, Nuhn. Wer offenbar Morddrohungen usw. gegen Menschen offenbar völlig angemessen findet, ist keinen Deut besser als die, über die er sich so erhaben fühlt.

      6. Zur Zeit sind es noch 27 Videos von Schauspielern auf YT plus ein gewisser Herr Brüggemann.

        Warum so wenig? Wurden zarte Künstlerseelen verletzt, weil man Person mit Rolle verwechselt hat (das passiert leider immer wieder und hat schon zu schlimmen Abstürzen in der Künstlerwelt geführt) oder sind die Spenden bzw. Vertragsangebote eingegangen?

        Offensichtlich wurde geliefert wie bestellt. Dann ist doch alles gut, jetzt, oder?

      7. Lieber Herr Freitag! Es lässt schon tief schauen, wenn Sie zum zweiten mal auf Artikel der Tagesspiegel zu diesem Thema verweisen. Das ist ja Verschwörungstheorie vom feinsten (wer steckte dahinter? woher kam das Geld? die eigentlichen Motive: „das Vertrauen in die staatlichen Maßnahmen zu untergraben“), vermutlich kommt man am Ende zum Ergebnis dass es russische Hacker waren, finanziert vom Teaparty.

        Am meisten habe ich mich aber in Ihrem Artikel über die pauschale Anschuldigungen geärgert, vor allem „von (namenlosen, aber besseren) Wissenschaftlern, die es angeblich genauer wissen als die Wissenschaftler mit Namen (und Verantwortung)“. Haben Sie sich gefragt, wie die Arbeitsgruppe der Ad-hoc Stellungnahmen oder der Expertenliste der Leopoldina zusammengestellt wurde, nach welchen Kriterien die Mitglieder gewählt wurden? Nach welchen Kriterien Wissenschaftler zu den MPKs oder Anhörungen im Bundestag eingeladen werden? Haben Sie sich gefragt, wieso der langjähriger Senator der Sektion Mathematik der Leopoldina unter Protest vor kurzem aus der Akademie ausgetreten ist? Es gibt sehr viele WissenschaftlerInnen, die es zwar vielleicht nicht besser wissen (Modelle sind idR viel zu primitiv, Daten nicht ausreichend, statistische Auswertung oft dürftig), aber durchaus anderer Auffassung sind, und zumindest keine Horrorszenarien mit voller Überzeugung prognostiziert hatten, zufällig immer genau vor der nächsten Lockdown-Entscheidung.
        Mit freundlichen Grüßen

      8. Guten Morgen Herr Freitag! Auch dieser Artikel vom Tagesspiegel ist nicht überzeugend. Er steckt voller Banalitäten, Mutmaßungen und interessanten Herleitungen wie „der hat mit dem Kontakt, welcher schon mal in einer Talkshow saß, wo schon mal ein österreichischer Identitärer saß“.

        Zur Erinnerung: ich bin kein Fan der Schauspieler von #allesdichtmachen. Die meisten der Schauspieler kenne ich nicht mal. Ich habe es nicht mal geschafft, alle Videos anzusehen (und inzwischen wurden einige ja gelöscht). Aber ich denke, wenn diese Künstler meinen, sich so künstlerisch mit Corona auseinandersetzen zu müssen, ist das ihr Bier. Und wenn jemand die Corona-Maßnahmen kritisch sieht, soll er das doch tun? Meinetwegen kann jemand sich auch den ganzen Tag öffentlich kritisch gegenüber den Maßnahmen äußern – wir haben ja Meinungsfreiheit?

        Was mich irritiert ist der Umgang der Medien mit der Aktion. Es ist doch banal, dass Menschen (in diesem Falle Regisseur, Schauspieler etc.), welche die Corona-Politik kritisch sehen (und das wahrscheinlich nicht erst seit gestern), auch Kontakt haben mit anderen Menschen, welche die Corona-Politik ebenfalls kritisch sehen. Nun, wo fängt „etwas-kritisch-sehen“ an, und wo hört es auf, und wo beginnt dann das böse Querdenkertum? Ich denke, die Grenze wird sehr fließend sein, und was man in jemanden sieht, hängt ja letztlich vom Betrachter auch ab! Sie sehen, diese Begrifflichkeiten, mit denen so hantiert wird und mit denen Menschen von Menschen in Schubladen gepackt werden, haben es enorm in sich und sollten vielleicht auch mal an sich als Begrifflichkeiten betrachtet werden. Dennoch wäre es banal, dass ein kritischer Schauspieler/Regisseur, der sich mit anderen kritischen Menschen unterhält, sich dann auch mit kritischen Menschen unterhält, die Kontakt haben zu wieder anderen Menschen, die wiederum andere sofort als „Querdenker“ bezeichnen würden. Alles nicht überraschend – natürlich kann man da sofort auch ein antidemokratisches Netzwerk hineindeuten, wenn man will, muss man aber nicht. Und was meint eigentlich antidemokratisch?

        Übrigens finde ich es enorm, dass die vom RKI Mitte März für nach Ostern prognostizierten Inzidenzen von 300-500 nicht eingetroffen sind. Man weiß nicht, warum, aber die Zahlen sinken und laut diverser Presseberichte kann das nicht an den beschlossenen Maßnahmen liegen (dafür sind die erst zu kurz in Kraft). Bei nur 7,7% vollständig Geimpften in Deutschland kann es auch nicht an den Impfungen liegen. Ich kann es nachvollziehen, wenn Menschen vieles kritisch sehen! Wie man mit so einer Situation umgehen soll, wäre nun jedoch ein neues Themenfeld für weitere zukünftige Diskussionen.

      9. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich die Videos gut finden soll oder nicht. Ich mag viele der Schauspieler dort, und spätestens seit ich den ersten „#cancelLiefers“ Hashtag im Kommentarbereich eines Artikels gesehen habe, bin ich auch wieder für ihn.

        Leider kommt aus meiner Sicht weniger das Spielerische, auf-die-Schippe-nehmende dieser Videos in den Vordergrund, sondern mehr das Regierungs- und Medienkritische. Ulrich Tukurs Video bekommt das noch ganz gut hin, aber Liefers´ tendiert aus meiner Sicht zu sehr in die falsche Richtung. Es klingt für mich wie Mediengleichschaltung, was ein gemeinhin unbegründeter, stimmungmachender (und damit zündelnder) Vorwurf ist.

        Aber ich kenne das, was er in dem ZEIT-Interview sagt ebenso. Ich gucke inzwischen weg, wenn in jeder einzelnen Tagesschau mindestens eine Spritze in irgendeinen Oberarm gejagt wird. Und ich meine wirklich gejagt. Seit einem halben Jahr täglich in Print und Fernsehen Bilder und Videos der diletantischsten Impfvorgänge. Kanülen, die so weit in den Oberarm geschoben sind, dass die Haut vom Spritzenkörper selbst eingedrückt wird. Ärzte, die die Kanüle in den Arm „schießen“, als ob sie Darts spielen. Ein Video von einem Impfvorgang, bei dem die Ärztin nach einem weiter entfernten Tupfer greift, während die Kanüle im Arm steckt, und sie die Spritze dabei etwas verbiegt.
        Ich kann Herrn Liefers dabei verstehen, wenn er als Mensch dabei kapituliert und abschaltet. Und Michael Freitag, wenn er als Medienprofi etwas kühl analysiert, was Herrn Liefers wohl bewegt hat.

        Heike Makatsch hat einen sehr lustigen Clip gegen das „Aufmachen“ gedreht. Auch bei dem musste ich ziemlich lachen, aber neben dem durchaus wahren Aspekt, dass viel zu grundsätzlich alles geschlossen bleibt, stimmt eben auch, dass jede auf dem ersten Blick ungefährliche Sache mit blöden Begegnungen einhergeht und deswegen eben noch geschlossen bleibt.
        Klar, im Gewandhaus gibt es einen super gelüfteten Saal. Jeder Sitz hat Frischluftöffnungen. Aber im Treppenhaus, an der Garderobe, da überrennen sich wieder alle, weil jeder der erste an der Haltestelle oder der Tiefgarage sein muss.
        Tennis oder Badminton könnte in einer großen Sporthalle im Sportcenter natürlich gespielt werden, da ist für das Einzelspiel viel Platz. Aber in der Spielpause wird sich – Kopf an Kopf – der neueste Handyclip gezeigt und zusammen mit dem Auto fährt man halt auch dorthin.
        Auf dem Schiff in Dresden und der Schmalspurbahn im Erzgebirge: Sobald der Schaffner außer Sichtweite ist, wird die Maske unters Kinn gezogen und Dünnschiss gelabert. Dass sowas immernoch offen ist, obwohl kaum nennenswert Beitrag zum ÖPNV geleistet wird, ist guter Wille der „Obrigkeit“, aber es wird einfach ausgenutzt und sich daneben benommen.

        Also lässt man weiterhin viele Plätze geschlossen. Es ist undifferenziert, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Vor allem auch, solange die Schulen als persönliche Trefforte politisch offen bleiben sollen (siehe Aussagen Herr Piwarz zur Neufassung des Bundesinfektionsschutzgesetzes).

        Andere Schauspieler, als solche Größen, hätten sich diese Clips gar nicht leisten können. Denken werden es viele Leute, was sie ausgesprochen haben. Aber der Beitrag ist halt auch viel Populismus, neben dem Humor und den wenigen Kernaussagen, die ich so teilen würde.

      10. Lieber Herr Freitag, dieser Tagesspiegel-Artikel ist interessant. Ein Team aus lauter Medienmacherprofis macht eine Videokunstaktion. Also Profiregisseur, Kameraleute und ausgebildete Schauspieler. Natürlich ist dann so eine Aktion minutiös geplant. Was erwartet der Tagesspiegel denn? Das Profi-Filmschaffende nun plötzlich unprofessionell arbeiten? Und dass die Leute sich kennen, ist auch banal. Ansonsten hat mal einer von denen irgendwo auf Twitter mal irgendwas verlinkt von irgendeiner Gruppe, von der irgendeiner dann mal bei einer Querdenkerdemo war (oder so ähnlich). Eine (mir komplett unbekannte) Schauspielerin von den 53 war mal vorher irgendwo, wo Menschen waren, die Querdenkern nahe sind und hat jenes gesagt. Das ist jetzt aber alles nichts, was mich vom Hocker reißt. Ich dachte, sie kommen jetzt mit irgendeiner riesigen Insider-Information, was weiß ich, dass Höcke höchstpersönlich drei Millionen € für den Videodreh gespendet hat. Is aber anscheinend nicht so. Anscheinend haben (nicht überraschend) Filmprofis professionell Filmchen erarbeitet (ach was). Und einige von denen haben sich schon im Vorfeld kritisch mit der Corona-Politik auseinander gesetzt (ach was).

      11. Also als dünnhäutig kann man doch diese Schauspieler, welche offensichtlich den scheinheiligen Mainstream entlarven, bei weitem nicht bezeichnen. Dünnheutig sind wohl eher die, die immer noch annehmen ihr beitragsloses Nachplappern von Plattitüden, sei mutig. Der für die Zukunft absehbare Tauschhandel wird dann schon die wertlosen stoisch wiederholten Worthülsen aus dem Kanzleramt (wie gebrauchte Masken) als das entlarven was sie sind. Auf gar keinen Fall ein Tauschäquivalent für eine satt machende Bratwurst.

      12. Nun ja, Kunst ist das „schöpferisches Gestalten aus den verschiedensten Materialien oder mit den Mitteln der Sprache, der Töne in Auseinandersetzung mit Natur und Welt“. Und sicher kann Kunst dann beim Betrachter Irritationen hervorrufen, oder auch Polarisieren oder auch zu Diskussionen anregen. Yves Klein hat mit nackten Frauen als Pinsel gemalt, und Pjotr Pawlenski hat sich auf den Roten Platz angenagelt (autsch). Nun haben diverse Schauspieler (darunter bekannte wie auch unbekannte) eine Art Video-Happening gemacht über Corona.

        Nun habe ich nur einige wenige dieser 53 Videos angeschaut. Die Mischung aus beißendem Zynismus und Sarkasmus, dies sage ich vorneweg, ist nicht meines, und bei manchen Videos habe ich auch die Intention nicht verstanden. Bei manchen dagegen konnte ich durchaus erahnen, was man damit sagen wollte.

        So spricht Volker Bruch über Angst – und tatsächlich fände auch ich es weitaus besser, wenn unsere Gesellschaft, allen voran auch Regierung und auch Medienvertreter, Zuversicht aussenden würden. Vor ca. einem Jahr wurde ja jedoch dieses Strategiepapier des Bundesinnenministeriums öffentlich zu einer Kommunikationsstrategie, die ja auch darauf hindeutet, dass man seitens der Politik gezielt mit Schock und Worst-Case-Szenarien arbeiten wollte. Nachzulesen auch hier

        https://taz.de/Strategiepapier-des-Innenministeriums/!5675014/

        Also wird mit Angst gearbeitet. Nachteil: irgendwann stumpfen die Menschen ab. Zudem macht es was mit den Menschen, wenn sie über einen so langen Zeitraum unter Druck gesetzt werden (in Kombination sozialer Isolation). Es ist absehbar, dass diese Politik die Gesellschaft noch mehr zerreißen wird, als es diese ohnehin schon ist, da Menschen schlicht auf diese Politik unterschiedlich reagieren.

        Dass sich der Herr Bruch damit auseinandersetzt als Künstler, was ist dagegen zu sagen?

        Und Nadja Uhls Beitrag fand ich zumindestens auch interessant, ich muss erst mal darüber nachdenken, WAS ich über ihn denke. Das Video von Ulrike Folkerts hatte mich aber gar nicht überzeugt.

        Was ich mich aber frage: in welchen dieser Videos wurde wie gezündelt? Inwiefern konkret kann man von der künstlerisch-kritischen Auseinandersetzung dieser Videos hin zu irgendwelchen Querdenkern kommen? Darf man eine Politik der Angst nicht kritisieren – so als Beispiel? Und ja – ich sehe in vielen Punkten in der Gesellschaft tatsächlich keine Debatte. Ich stellte schon vor einem Jahr Fragen nach Konzepten, nach Lüftungsanlagen (hätte schon seit über einem Jahr extrem zielführend sein können in Schulen), nach Unterrichtskonzepten und Sport für die Kinder im Freien (meinetwegen auch mit neu installierten Freiluft-Toiletten und Waschanlagen), meinetwegen auch Kulturveranstaltungen im Freien usw. – und? Ab und zu liest man, dass jemand auch ähnliche Fragen nach solchen anderen Wegen stellt, und nichts passiert?

        Darf eine Frau Uhl, die offenbar Kinder hat, hier nichts sagen? Und dann tut sie es – und manche der SchauspielerInnen sollen nach der Videoaktion Morddrohungen bekommen haben – damit war ja ihr Video geradezu prophetisch, weil offenbar manche ihrer KollegInnen tatsächlich gelernt haben, zu schweigen.

        Und Ulrich Tukur spitzt das natürlich zu, aber im Endeffekt kritisiert er ja, dass v.a. große Betriebe und Lebensmitteleinzelhandelsketten geöffnet bleiben, während alles andere geschlossen bleibt. Aber die großen Betriebe (v.a. Schlachthöfe, gerade auch irgendwo wieder eine Autofabrik!) sind ja gerade die Superspreader-Events, viele Menschen in einem Raum. Natürlich, die Politik will die große Wirtschaft nicht zu sehr schädigen, aber darüber reden sollte man doch schon?

      13. @Nuhn: Würde Liefers die Aktion nicht so vehement verteidigen und hätte Regisseur Brüggemann nicht indirekt formuliert, er habe bei den Texten nur geholfen, wären die Schauspieler Schauspieler geblieben. So wechseln einige von ihnen hinüber zu uns, den „Normalsterblichen“. Auch ok.

        Im Übrigen ist die Nummer medial schon „tot“. Der rechtsextreme bis rechtsradikale Rand von NPD über AfD bis zu „Querdenken“ hatte seinen Spaß, über den sonst nicht so viele lachen konnten. Da konzentriert man sich längst wieder darauf Lügen über das Weimarer Urteil zu verbreiten. Und den Verfassungsschutz zu attackieren, seit sie unter Beobachtung stehen.

        Für die Mehrheit geht es (wie auch vor der Aktion) darum, ob und wie schnell es mit dem Impfen funktioniert.

        Der Rest läuft eh schon unter „gestern“.

      14. Einige privilegierte Schauspieler haben das getan, was sie immer machen: Texte aufsagen, die ein anderer geschrieben hat. Warum sollen sie sich dafür entschuldigen, das machen sie doch sonst auch nicht?
        Und warum erfährt diese Aktion soviel Aufmerksamkeit? Es gibt auf YT viel interessantere Videos, z.B. Tierdokumentationen. Diese sind viel unterhaltsamer.
        Hiermit erkläre ich, dass mein Beitrag weder Ironie noch Sarkasmus enthält.

      15. Sehr offensichtlich hat diese – nach meiner Meinung noch von der Kunstfreiheit gedeckte – Aktion erheblich zur weiteren Polarisierung beigetragen. Und damit der sowieso schon desaströsen Situation einen Bärendienst erwiesen.
        Dünnhäutige Schauspielende haben sich instrumentalisieren lassen in der Hoffnung, mit den Filmchen ohne jeden Lösungsansatz etwas bewirken zu können. Da haben sie natürlich die Rechnung ohne die deutsche Politik gemacht…

        Da werden zwar auf jeder Seite – unter Zuhilfenahme von ausreichend Sarkasmus – nachvollziehbare Argumente und Problemlagen bemüht; allerdings: diese sind schon seit langem bekannt. Das beständige Wiederholen scheint in dieser unperfekten Gesellschaft fast nichts zu bewirken. Ein Tanker, der sich in seinem Kurs von nichts beirren lässt. (Vor allem, weil viele Kapitäne alle am Steuerrad drehen).

        Das zermürbt meine optimistische Sichtweise mittlerweile auch etwas, hoffte ich doch, das wissenschaftsstarke reiche Deutschland agiert in dieser Situation klug sowie schnell und kann nachher anderen Problemfällen auf dem Erdball sogar noch etwas helfen. Dass wir nun eher zu den Entwicklungsländern (auf hohem Niveau) gehören, lässt mich immer mal an der Gesellschaftsform und den in ihr Agierenden zweifeln. Vor allem, weil der Diskurs über die Lage der Nation nur noch schwarz / weiß gesehen wird und immer verrücktere Handlungsweisen hervorruft.
        Das ist unserer Gesellschaft eigentlich nicht würdig.

      16. Ein Herzliches Dankeschön, liebe Frau Eicker, auch an Sie. Ja, es ist überaus wichtig, helfende Hände zu haben in dieses disruptiven Zeiten. Danke, dass Sie mir meine Erfahrenswelt so unverblümt vor Augen führen, Ich lebe in einer Blase! Ich bin ertappt worden und ich frage mich natürlich, wie es dazu kommen konnte. Vielleicht habe ich nicht genügend Artikel von Michael Freitag gelesen, der mir besser den Weg gewiesen hätte, wie weit und perspekivvoll die Welt eigentlich ist, und nicht so eng und begrenzt, wie sie mir erscheint. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, Danke hierfür!
        Ich lese in Ihrem zweiten Kommentar, dass Sie meinen Kommentar offenbar „lustig“ fanden. Dies freut mich natürlich, oder besser gesagt dies hätte mich früher gefreut, denn es hat sich doch überdeutlich gezeigt, dass „Lachen“ und Humor (das gehört ja irgendwie zusammen) nicht nur unsolidarisch, untugendhaft und schlecht fürs Immunsystem ist, sondern sogar gefährlich! Sie wissen schon, diese Aerosole, die beim Lachen besonders streuen (der sog. Streubombeneffekt). Mittlerweile weiß man, dass selbst das Lachen durch eine FFP2-Maske gefährlich ist, so die Zwischenergebnisse eines vom Gesundheitsministerium beauftragten Forschungsprojektes. Ich vergaß es, im ersten Kommentar zu erwähnen, dass ich auch auf das Lachen mittlerweile völlig verzichte und auch versuche, andere nicht zum lachen zu bringen. Wir sollten alle gemeinsam auf Humor verzichten, solidarisch und aus Anstand! Deshalb mache ich mir sicherlich auch berechtigte Sorge, dass die Videos der 54 Schauspieler*innen vielleicht doch zu einem Superspreader-Event geworden ist. Womöglich haben das einige sogar nicht in der gebührenden Vereinzelung angeschaut. Wir sollten das beobachten und ich bin sicher, dass auch Michael Freitags wachsames Auge darauf gerichtet bleibt. Danke!

      17. Lieber Saschok,

        ich erinnere mich noch sehr gut an die letzte (leider von einem Leser sehr unsachliche) Debatte, nach der uns hier vor allem ein Herr verlassen musste (so freiwillig, wie Sie tun, geschah das nicht 😉 die Leser/-innenzahlen der LZ steigen übrigens seit Monaten ständig an – also Danke der Nachfrage.)

        Es ging um das Thema Extremismus in Bezug auf die „Querdenker“-Bewegung, man forderte ultimativ einen Beleg des Verfassungsschutzes dafür. Nun, nur weil ich es früher ahnte und benannte, war ja meine Einschätzung nicht falsch, seit heute ist es so weit. https://www.l-iz.de/melder/polizeimelder/2021/04/querdenker-und-anti-corona-protestszene-im-fokus-des-verfassungsschutzes-387531

        Zu Ihrem aktuellen Beispiel. Nunmehr schildert Jan Josef Liefers (der, den Sie mit dem Wasser meinen könnten) also in der „Zeit“ seine persönlichen Probleme mit der Pandemie. Liefers führt darin eine persönliche Überforderung in seinem pandemischen Medienkonsum an, welche er aus Eigenschutz radikal eindämmte (gar keine Medien mehr), um anschließend seine Überforderung zum Problem anderer zu machen, indem er die Medien – die er seit vier Monaten nicht mehr wahrnahm – pauschal anklagte.

        Klassische Projektion des eigenen Problems (wovon auch viele andere Menschen als er genug haben) auf alle anderen, derzeit ein verbreitetes Phänomen.

        Sie wollen also mit mir über den obigen Text debattieren? Gern: was konkret (außer Ihrer herablassenden Pauschaleinschätzung) ist falsch daran?

      18. Offensichtlich hat sich hier jemand, der nun wirklich defizitär stilistisch oder inhaltlich was beitragen kann, versucht am Diskussionsangebot von Leuten abzuarbeiten, denen er bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Die Menschen, die er verzweifelt versucht zu manipulieren, lesen die LIZ schon lange nicht mehr und sind auch schon lange in der Ecke der Nazis und fressen wieder Bratwurst und schauen Beiträge von Broder. Und just in dem Moment sind schon wieder einige rüber nach der verbal opulenten Lektüre.

      19. Aber schon lustig, wie der im Text angeprangerte Zynismus mit noch mehr Zynismus versucht wird zu verteidigen.

      20. „Ich hatte allerdings schon ein paar mal das Problem gehabt, dass ich Kritik an den Maßnahmen von solchen Subjekten vernahm, die ich bislang immer als links eingeordnet hatte…“

        Diese Kritik aus der von Ihnen „links“ verorteten Ecke gab es schon, bevor sich ehemalige Legida-Bannerträger offiziell als „Denker“ bezeichnet haben. Könnte man wissen wenn man sich damit mal außerhalb der eigenen Blase beschäftigt, dann müsste man nicht auf die Märchen vom „bedingungslosen Gehorsam“ dieser neuen „Querfront“ hereinfallen.

        Übrigens: die Menschen, die sie da so abfällig „Subjekt“ nennen, sind ganz normale Menschen. Ärzte, Studenten, Wissenschaftler, Schüler, Arbeitslose, Angestellte… Und sie alle kritisieren und hinterfragen Teile der Maßnahmen von Anfang an, so ganz ohne den Glauben an die große Verschwörung dahinter und mit Solidarität untereinander. Was das mit Regierungsglauben zu tun hat wissen wohl nur die, die dieser neuen Bewegung unhinterfragt alles glauben, egal, wie wirr die Thesen sind.

      21. Ich finde es wunderbar, dass Sie sich dann letztendlich doch dazu entschieden haben, diesen brillanten Beitrag zu den zynischen Skandalvideos dieser Zündelfreund*innen zu verfassen, ein journalistisches Meisterstück! Ich kann nur hoffen, dass der Deutsche Journalistenverband e.V., der den Schauspieler*innen ebenfalls so trefflich einen „Griff ins warme Braune“ attestiert hat, Sie für Ihre wortgewaltigen, philosophisch anmutenden Argumentationskaskaden gebührend auszeichnen wird. So soll ja ein neuer Corona-Journalistenpreis ausgelobt werden, gefördert durch BioNTec, AstraZeneca und das RKI, die Goldene Maske!

        Gerade in solchen Zeiten ist es so wichtig, Anstand zu wahren, Abstand zu halten und die Regeln der Bundesregierung und seiner Expert*innen – Die Wissenschaft genannt – nicht zu hinterfragen. Und natürlich wissen wir, dass wir in vorauswehenden Vertrauen noch zu viel mehr bereit sein müssen, um den Krieg gegen das Virus zu gewinnen, nur so haben wir Lockerungen auch wirklich verdient. Ich persönlich trage selbstverständlich auch bei Videokonferenzen Maske (FFP2 und dichter), aus Respekt und um Flagge zu zeigen (Maske, das ist die neue Flagge!), und ich teste mich täglich drei mal, auch nachts um 2 Uhr, um mich ggf. rechtzeitig absondern zu können in eine Isolierkammer, die wir kürzlich vom Wohnzimmer abgetrennt haben. Auch nach der Pandemie werde ich als potentieller todbringender Virenträger niemals mehr in einen Club, eine Disco, ins Theater oder Kino gehen, das ist viel zu gefährlich, kann ich doch ganz kontaktlos und gesund mit ein paar Tüten Chips und einem Kasten Bier die neuesten Serien bei Netflix und Amazon Prime streamen. Und wenn ich Subjekten (ich vermeide das Wort Mensch ganz absichtlich) begegne, die kritsich gegen die Maßnahmen schwurbeln, oder sich sogar darüber lustig machen, bin ich konsequent und diszipliniert, hierfür habe ich mir vor einigen Wochen ein Pappschild gebastelt mit der Aufschrift „Halt die Fresse Nazi“ und halte dieses denen dann entgegen, natürlich mit Abstand, Maske und der gebührenden Empörung.

        Ich hatte allerdings schon ein paar mal das Problem gehabt, dass ich Kritik an den Maßnahmen von solchen Subjekten vernahm, die ich bislang immer als links eingeordnet hatte, die die AfD und andere rechte Gruppierungen hassen – von mir hatte ich das auch immer geglaubt, aber da haben Sie micht jetzt etwas ins Grübeln gebracht ob das wirklich das richtige links ist. Und da haben sie mich mit ihren glänzenden Ausführungen auch noch auf eine prima Idee gebracht. Ich habe mir in der letzten Nacht ein zweites Schild gebastelt, mit der Aufschrift „Halt die Fresse Du Querfront-Nazi“. Ich kann es kaum erwarten, dieses endlich mit den geziemenden Hassgefühlen in die Höhe halten zu dürfen.

        Also noch mal vielen Dank für Ihren wichtigen Beitrag! Lasst uns alle soldiarisch sein, gegen alle Nazis, also alle die anders denken als Sie!, gegen Leerdenker, gegen Impfgegner und Globulifresser, gegen Verschwurbeler und Esoteriker, ach es gibt soo viele Feinde! Und lasst uns unsere Empörung deutlich zum Ausdruck bringen, mit all unserem Narzissmus!

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