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Geschlechtergerechte Sprache: Sachsens Kultusminister Christian Piwarz bekommt einen Brief

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    Eine junge Generation für eine gleichberechtigtere Gesellschaft durch eine veränderte Sprache: Schüler/-innen wenden sich an den sächsischen Kultusminister Christian Piwarz in Reaktion auf das Verbot der geschlechtergerechten Sprache mittels Sonderzeichen in sächsischen Schulen.

    Jahrhundertelang war unsere Gesellschaft patriarchal organisiert. Der Mann hatte die privilegierte Position inne, die Norm zu sein. So waren auch die hart erkämpften Menschenrechte im Zuge der Aufklärung vorrangig Rechte für den Mann. Es ist kein Zufall, dass das berühmte Dokument zur Menschenrechtserklärung der Französischen Revolution den Titel „déclaration des droits de l‘homme“ (l‘homme französisch für Mann oder Mensch) trägt. Richteten sich doch die bürgerlichen Freiheiten in erster Linie an den Mann.

    Zahlreiche Dokumente belegen, dass die Nichtnennung der Frau keine sprachliche Ungenauigkeit des Französischen war, sondern ein bewusster Akt der damaligen Akteure. Der Mann sollte nicht nur sprachliche Vorteile haben, sondern auch gesellschaftliche. Auch in der deutschen Sprache dient die grammatikalische Kategorie des Maskulinums als bevorzugte Bezeichnung für alle Menschen.

    Wenn wir von „den Lehrern“ sprechen, können wir nur eine Gruppe Männer bezeichnen, aber eben auch eine geschlechtergemischte Gruppe. Wenn wir von „den Lehrerinnen“ sprechen, beziehen wir uns allerdings sicher auf eine Gruppe von ausschließlich Frauen, die den Lehrberuf ausüben.

    Wenn das Maskulinum alle Menschen unabhängig ihres Geschlechts bezeichnet, wird es in der Fachsprache „generisches Maskulinum“ genannt. Ob das generische Maskulinum wirklich gleichermaßen alle Geschlechter mit meint, wird seit den 1970er Jahren von der Frauenrechtsbewegung infrage gestellt. Diese kritisiert sogar, dass die deutsche Sprache mit ihrem angeblichen generischen Maskulinum die Vorstellung des Mannes als menschliche Norm unterstütze.

    Im Zuge der kritischen Auseinandersetzung sind zahlreiche sprachliche Innovationen entstanden, um unseren gesellschaftlichen Prozess zur Gleichheit der Menschen auch sprachlich zu repräsentieren. Gerade in den letzten Jahren hat das eine kontrovers geführte Debatte entfacht, die in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit bekommt. Es scheint auch ein Konflikt der Generationen zu sein. Diese Vermutung legt zumindest die Reaktion eines Deutschleistungskurses einer Potsdamer Schule nahe.

    Im Rahmen meines Praktikums diskutierte ich mit dem Kurs die Entscheidung des Sächsischen Kultusministeriums in dem Ende August veröffentlichten Schulleiterbrief: in der Kommunikation und Sprache in den sächsischen Schulen sei nun auf eine geschlechtergerechte Sprache, die mithilfe von Sonderzeichen ausgedrückt wird (Schüler:innen, Lehrer*innen etc.), zu verzichten. Es entstanden im Unterricht Kommentare, die sich eindeutig zu dieser Entscheidung positionieren und nun an den Kultusminister Christian Piwarz geschickt wurden.

    Es war Konsens im Kurs, dass es der individuellen Entscheidung überlassen werden sollte, wie auf das Geschlecht von Menschen sprachlich referiert wird. Gerade mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass es neben männlich und weiblich zur Sicherstellung des Persönlichkeitsrechts eine dritte Geschlechtsoption geben muss, erschien es der Klasse als nicht mehr zeitgemäß, dass in dem Brief vorgeschlagen wurde, dass ja durch eine Beidnennung der Geschlechter auf eine gerechtere Sprache geachtet werden könnte. Dies sei eine Einschränkung auf die maskuline und feminine Form, die nicht mit unserem Gesetz einherginge.

    Geradezu empört war der Kurs, dass es ihnen, der jungen Generation, nun von staatlicher Seite vorgeschrieben werden solle, wie sie sich und Geschlechter zu versprachlichen haben. So wurde Herrn Piwarz in einigen der Kommentare die Frage gestellt, wie ein solches Sprachverbot mit den Freiheiten unseres Grundgesetzes einhergeht.

    Wie der Kultusminister antworten wird, gilt abzuwarten. Wer interessiert an seiner Antwort ist, kann auf der Webseite abgeordnetenwatch.de nachschauen, ob die Empörung der jungen Menschen Gehör gefunden hat.

    Der Brief an Christian Piwarz

    Sehr geehrter Herr Piwarz,

    ich wende mich im Namen eines Deutschleistungskurses einer Potsdamer Oberschule an Sie mit dem Anliegen, Sie um eine Position zu Ihrem Schreiben „Geschlechtergerechte Sprache und Schreibung“ vom 25. August 2021 an die Schulleitungen nach Kenntnisnahme der Ihnen hiermit zugesendeten Kommentare von den Schüler*innen zu bitten.

    Im Deutschunterricht wurde dieses Schreiben aktiv im Rahmen der vom brandenburgischen Lehrplan vorgeschriebenen Thematik „Kommunikation im öffentlichen Raum“ unter Beachtung der Aspekte Macht und Dominanz diskutiert. Das Ergebnis dieser Diskussion sind die Ihnen nun vorliegenden Kommentare, in denen die Schüler*innen ihre Meinung als Betroffene darlegen. Ich möchte Sie bitten, sich die Zeit zu nehmen, ihre wohlüberlegten Argumente zu lesen und zu bedenken.

    Und sich auch die Zeit zu nehmen, auf die Forderungen und Fragen der Schüler*innen einzugehen, da es für eine funktionierende Demokratie wichtig ist, dass es einen Dialog zwischen den regierenden Vertreter*innen des Volkes und dem Volk gibt. Gerade für junge Menschen ist es eine essenzielle Erfahrung, sich als ein aktives Glied der Gesellschaft spüren zu können und eben erste Erfahrungen in der aktiven politischen Teilhabe machen zu können. Aus diesem Grund sende ich Ihnen auch unser Anliegen über die Plattform abgeordnetenwatch.de und habe auch Zeitungen über unser Schreiben informiert.

    Ich bedanke mich im Namen des Kurses schon im Voraus bei Ihnen und grüße Sie freundlich

    Nane Pleger

    Eine erste Antwort

    Auf Abgeordnetenwatch hat Christian Piwarz schon geantwortet:

    Sehr geehrte Frau P.,
    Ihre Frage betrifft nicht mein Mandat als Landtagsabgeordneter, sondern richtet sich an mich in meiner Funktion als Sächsischer Staatsminister für Kultus. Für entsprechende Fragen bitte ich Sie, die Kontaktmöglichkeiten des Kultusministeriums zu nutzen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Christian Piwarz

    Jetzt kann man gespannt sein, wie er als Minister antwortet.

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      12 KOMMENTARE

      1. Hallo Ellen,

        auch ich fand die Formulierung mit dem Geheule nicht nett, hatte ich ja weiter unten schon geschrieben.

        > Eigentlich geht es ja ersteinmal immer noch um die gemeinsame Ansprache und gleiche Rechte von Männern und Frauen.
        Wenn man sich diesen Aspekt der Diskussion einlässt: Ok, da sind wir beieinander. Ich vermute nur, dass Ihr Standpunkt dabei ist, dass das generische Maskulinum dafür nicht geeignet ist, während ich sage, dass diese Ausdrucksform ALLES abdeckt und universell ist.

        Jetzt kommen wir mal von gefühlten Ungleichheiten/Ungerechtigkeiten zu tatsächlichen. In dem Beispiel was Sie aufführen geht es ja um wirkliche Nachteile. Und sowas gilt es natürlich zu bekämpfen, klar. Ich habe gar nichts davon, wenn meine Kolleginnen weniger verdienen würden als ich. Im Gegenteil. Und es tut mir jedes Mal leid, wenn die Frauen bei Konzerten vor der Toilette anstehen, weil es fast immer zu wenig geplante Damentoiletten gibt im Vergleich zu denen für Männer. Das ist irgendwie unwürdig, mit voller Blase in der Öffentlichkeit vor einer Toilette zu stehen.
        Solche Beispiele, und es gibt natürlich noch mehr, sind es wert benannt und angefasst zu werden.

        > Wobei man da trennen muss. Wenn es eine einheitliche Regelung in der Sprache gäbe,
        ich bin ja für Binnen-I, wäre das alles einfacher.
        Also bisher war nichts davon schwierig für die absolute, wirklich große Mehrheit der Leute. Es gab und gibt nach wie vor eine einheitliche Regelung in der Sprache. Und das, was der Minister da anstrebt, hat eigentlich nur die Bewahrung dieser Regeln zum Ziel, wenn ich nichts übersehe.

        > Dass eine adäquate Form gefunden werden muss, zuerst einmal die Weiblichkeit neben der Männlichkeit in der Juristerei und Alltagssprache gleichwertig wahrzunehmen, müssen wir uns wahrscheinlich nicht darüber streiten.
        ? Ähm doch, genau darum geht es doch die ganze Zeit. Mit Sicherheit gibt es Männer, die Frauen abwerten, so wie es auch deren Frauen gibt, die Männer abwerten. Dennoch besteht in der absoluten Mehrheit der Bevölkerung ja wohl Konsens darüber, dass es keine Unterschiede in der „Wertigkeit“ beider Geschlechter gibt. Und die Mehrheit der Frauen sieht sich ja auch in berechtigt-selbstbewusster Weise als komplett gleichwertig an, siehe „ich habe meinen Ingenieur gemacht“. Von daher steht doch fest: Da muss gar nichts „gefunden“ werden. Frauen sind genauso wenig besonders wie Männer oder interstellargeschlechtliche Leute, und werden deshalb mit dem gleichen Wort angesprochen. Ganz einfach und transparent.

        Einer der Streitpunkte ist ja eben, dass „ihr“ bei diesem Thema Probleme herbeiredet und viele Leute nervt, wo die meisten Leute kein Problem sehen. Das ist dann nicht „schwierig“, wenn „Weibchen“ (Oh Gott…) diese Meinung vertreten, sondern es ist halt die Wirklichkeit außerhalb der linksakademischen Denkstuben.

      2. Hmm, Thomas_2 hat sich (vermutlich?) betroffen gefühlt von „weißen männlichen Rumgeheule“, aber eigentlich vermisst er ein Komma. Keine Ahnung wo, aber mag sein.
        Ellen ist mein weiblicher Vorname. Keine Ahnung, wo da jetzt ein Problem sein sollte.

        Ansonsten denke ich, ein „diverser“ Mensch wird sich wohl gut bei männlich UND weiblich aufgehoben fühlen.
        Eigentlich geht es ja ersteinmal immer noch um die gemeinsame Ansprache und gleiche Rechte von Männern und Frauen.

        Und da gibt es welche, die sich den „Vogelschiss“ der Geschichte zurück wünschen (und aktuell erobern wollen):

        „In der folgenden Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurden maskuline Formen in Gesetzestexten (der Richter, der Rechtsanwalt) wieder als Bezeichnungen nur für Männer interpretiert und Frauen beispielsweise die Ausübung juristischer Berufe durch Erlasse des Reichsministeriums der Justiz untersagt. Diese unterschiedliche Auslegung des Gesetzestextes rechtfertigte den Ausschluss von Frauen.“
        https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetze_und_amtliche_Regelungen_zur_geschlechtergerechten_Sprache#Nationalsozialismus

        Und Frauen sind nicht besser, nur weil sie weiblich sind ^^
        Schwierig, wenn in männlich, für Gendergerechtigkeit engagierten Umfeld, nur „Weibchen“ unterwegs sind, die meinen, dass sie das nichts angeht.
        Wobei man da trennen muss. Wenn es eine einheitliche Regelung in der Sprache gäbe,
        ich bin ja für Binnen-I, wäre das alles einfacher.
        Dass eine adäquate Form gefunden werden muss, zuerst einmal die Weiblichkeit neben der Männlichkeit in der Juristerei und Alltagssprache gleichwertig wahrzunehmen, müssen wir uns wahrscheinlich nicht darüber streiten.

        Für jetzt mal gut. Lieber Sebastian, willst du ja nicht heißen ^^

      3. Sebastian – Sie alter weißer Mann, Ihnen möchte ich sachlich beipflichten.
        Auch ich sehe in jedem meiner Gegenüber, egal ob m/w/d, eine gleichberechtigte Person und gehe entsprechend damit um.
        Das generierte Gender-Problem besteht doch wohl offensichtlich im Kopf, in der Bildung, Erziehung und Prägung, und nicht in der „falschen“ Verschriftlichung von Wörtern (Beispiele wie Mohr, Lilliputaner etc. ausgenommen, wenngleich die absolute Verbannung dieser Wortkultur nicht die Lösung sein kann).
        Es drängt sich bei so einer Argumentation immer der Eindruck auf, als suche man eine Schuld woanders, in der Sprache, und nicht bei sich selber. Also muss die Sprache nun lösen, was manche missverstehen wollen.

        Eine Gesellschaft kann sich mit der bisherigen Sprache sehr wohl gerecht entwickeln und ausleben, wie die Entrüstung bei vielen Kulturschaffenden beweist. Oder haben diese bisher falsch Zeugnis geschrieben / geredet und wurden dafür kritisiert?

        Die sogenannte Rechtschreibreform, die im Übrigen zu Recht keine 25 Jahr-Geburtstagsfeier erhält, finde auch ich mehr als missraten und es gilt als offenes Geheimnis, dass dieses Misserfolgs-Projekt aus Gesichtswahrungsgründen nicht zurückgenommen wurde.
        Jenes hat aber mit der geschlechtersensiblen Sprache nichts zu tun und es heißt auch nicht, dass nun freie Nachschlagewerke (wie z.B. der Duden) ihre zusammengeklaubte Sicht der Dinge als neues Gesetz für deutschsprachige Nutzer erklären müssen. Oder Universitäten einspringen und ihren eigenen Rechtschreibrat gründen.

      4. Das gefällt mir! Wer versteckt sich hinter den Foren-Namen?
        Für mich erst einmal immer geschlechtslos, alterslos und farblos (iSv ich kenne die Hautfarbe nicht), solange es nicht selbst offengelegt wird. Und es kommt auch auf gar nichts davon an in einer Diskussion!
        Es darf schließlich jeder (fast) alles sagen, was er mag.

        Solche Sätze wie „weißen männlichen Rumgeheule“ haben in einer ernsthaften Diskussion nichts zu suchen. Das ist keine Kritik, kein konstruktiver Beitrag, sondern einfach nur aus der Luft gegriffene Zuschreibungen, die ins persönlich Beleidigende (Äußerlichkeiten) abdriften (und es fehlt ein Komma). Was ist hier das Ziel? Dazu dann ein nachfolgender Satz: „Erst wenn man merkt, welchen Stereotypen man im Allgemeingebrauch unterliegt, kann man auch darüber nachdenken, ob diese vielleicht einen anderen Menschen verletzen bzw. in eine Schublade einordnen.“, naja, klappte nicht ganz, oder?

        Wenn ich jetzt einen Schritt zurück trete und mich einlasse, kann ich schon darüber schmunzeln.
        Finde ich trotz dessen schade. Daran bleibt man dann gern hängen und versäumt dann unter Umständen die guten weiteren Zeilen (mit offenem Geist) zu lesen.

      5. Und noch kurz zum „verletzen könnte“: Die reine Überlegung im Konjunktiv kann unmöglich der Anlass dazu sein, sämtlicher Leute Sprache zu verhunzen. Wie in den Beispielen unten kurz gesagt, gibts ja noch ganz andere Ungerechtigkeiten. Irgendwer wird sich immer getroffen fühlen.
        Ich bin absolut dafür, dass man sich nicht grobschlächtig ausdrückt und die Leute beleidigt, aber wie Sie es schon selbst sagten: Es muss sich auch erst einer finden, der sich als Opfer angesprochen fühlt! Und wenn wir auf jedes denkbare Befindlichkeitchen Rücksicht nehmen wollen, dann wird das einfach nie enden. Es wird immer noch ein weiteres Artefakt einer Gruppe geben, das nicht vorkommt.

        Auf dem letzten CSD gab es vereinzelt Stimmen, die sagten, dass die Asexuellen mehr Sichtbarkeit brauchen. Es hört einfach nie auf, wenn man von der Universalität wegkommt und jede Ausprägung einzeln ansprechen möchte. Manchmal hilft es auch sehr, wenn sich die vermeintlichen Opfer mal besinnen und überlegen, dass es doch sehr wahrscheinlich nicht darum geht, ihnen persönlich das Leben schwer zu machen…

      6. „Die dann wieder dazu führt, dass ich den anderen nicht als gleichberechtigtes Gegenüber wahrnehme.“
        Wer über die Worte anderer Diskussionsteilnehmer mit „weißen männlichen Rumgeheule“ urteilt, der tut genau das nicht. Anführungszeichen helfen da auch wenig, falls sie überhaupt relativieren sollten.

        Ich halte das wirklich für ein grundlegendes Missverständnis. Ich nehme andere Menschen, von wenigen Ausnahmen wie kleinen Kindern mal abgesehen, natürlich als gleichberechtigte Gegenüber war. Ich wehre mich nur dagegen, dass ich das in jedem Satz auch aktiv gendertechnisch beweisen soll.

        Ich möchte auch, dass Wechsler im binären Geschlechtssystem, oder Leute außerhalb dessen, Leben können wie sie möchten, aber ich möchte keine Rücksicht in jeder Zeitung, Nachrichtensendung, Geschäftsbrief oder Ausschreibung nehmen auf eine Minderheit, die sich im Promillebereich bewegt. Die keinerlei Nachteile (außerhalb der eigenen Sensibilität) dadurch haben, dass sie in der Regenbogenfahne oder im binären Gendern nicht vorkommen. Man muss da doch auch irgendwo mal die Relationen sehen…

        Und ja, ich würde mir definitiv wünschen, dass auch Frauen sich zu diesem Thema hier äußern. Nicht nur die Elke Heidenreichs („Dieses feministische Getue in der Sprache geht mir furchtbar gegen den Strich“) oder die Lisa Eckharts („Das Binnen-I als orthografischer Umschnalldildo“) dieser Medienwelt, sondern auch meine Kolleginnen, die von sich sagen „ich habe meinen Ingenieur 1986 gemacht“, oder in eMails an eine gemischtgeschlechtliche Gruppe mit „Liebe Kollegen“ beginnen, oder die eine kurze Rückfrage an den einzigen Genderstern-verwendenden Kollegen schicken, warum er das jetzt für wichtig hält und ob er das vielleicht lassen kann, oder die junge Kollegin, die seit zwei Jahren mit dem Studium fertig ist und bei uns arbeitet, Gendern aber klar ablehnt und von sich meint, sie möchte keine Hervorhebung und Verkomplizierung in der Sprache.
        Oder meine Mutter, die das ganze schlicht „die wissen doch nicht mehr, wo sie noch Probleme suchen sollen“, oder meine ehemalige Schwiegermutter, die kopfschüttelnd meint „Was steckt da wirklich dahinter? Wovon wollen sie uns diesmal ablenken?“. Die 28jährige Nachbarin hier im Haus, die kopfschüttelnd meint, sie will mit solchem Unsinn nichts zu tun haben, bei ihr auf Arbeit beginne man nun auch damit, die Angestellten mit Sternchen anzuschreiben, was alle dort nerven würde.

        All diese Frauen könnten sich bitte auch mal in Medien wie diesem hier äußern. Sehr gern. Aber das tun sie halt nicht, weil sie keine Lust haben auf den Aufwand. Es bleiben halt leider „nur“ ein paar Männer, die auf dieser Seite der Diskussion stehen und sich äußern. Ich hätte es auch gern anders!

        Und nein, es ist kein Problem, wenn junge Leute Dinge in Frage stellen. Wie gesagt, bei der Zigeunersauce bin ich auch drauf gekommen. Durch die Studenten im Sportverein bekommt man auch das ein oder andere Thema mit, was als Gedankenanstoß dienen kann.
        Aber gegen die so genannte „geschlechtergerechte Sprache“ gibt es einfach jede Menge gute Argumente, und deshalb ist es richtig, wenn der Minister das mal einfach klarstellt und darauf besteht, dass solcher Unsinn unterbleibt.

      7. Ein Weilchen habe ich jetzt schon überlegt, ob..
        ich diesem „weißen männlichen Rumgeheule“, so aus alternativer Sicht, doch mal gegenrede.

        Wenn junge Menschen Althergebachtes hinterfragen, finde ich das einfach grundsätzlich gut.
        Erst wenn man merkt, welchen Stereotypen man im Allgemeingebrauch unterliegt,
        kann man auch darüber nachdenken, ob diese vielleicht einen anderen Menschen verletzen bzw. in eine Schublade einordnen.
        Die dann wieder dazu führt, dass ich den anderen nicht als gleichberechtigtes Gegenüber wahrnehme.
        Was dann den Anderen, in der Gesamtheit, mehr verletzt als mich selbst.
        Und mir meine Würde nimmt.

        „Alter weißer Mann“.
        Nun, davon abgesehen, dass auch ein dunkelhäutiger Mensch sich absolut konservativ reaktionär und verbal aggressiv verhalten kann, ist es doch schon interessant, wer sich da so angesprochen fühlt (obwohl es hier eigentlich nicht um den geht ^^^).

        Ich bin da eher eine bekennende, neugierige „Kartoffel“, wenn mir jemand etwas interessantes aus seiner Sicht unserer Welt erzählt.
        Und schaue, wie ich das in meine Gedanken einbauen und ob ich die Gedanken des Anderen sinnvoll ergänzen und erweitern kann.

        Zum Thema:
        Der Herr Piwarz hat dieses Schreiben durch seinen Abteilungsleiter und dessen Stellvertreter ausfertigen lassen(*), deshalb muss er dann auch nicht persönlich darauf antworten, meint er.

        Persönlich „empört“ hat mich im Zuge der letzten Rechtschreibreform das Wort „aufwändig“. Ist für mich von „Wand“ abgeleitet, irgendwie die Wand hoch gehen.
        Inzwischen geht ja beides, weil die neue Schreibweise sich nicht durchgesetzt hat.

        Und das ist das Problem mit der Gesellschaft für Deutsche Sprache.
        Da werden irgendwelche „Rechtschreib-Ge/Verbote“ auferlegt, um dann festzustellen, dass diese Schreibweisen nicht benutzt werden.
        Und irgendwelche Gender-Varianten werden deshalb nicht empfohlen, weil es dann keiner benutzt, gesetzlich wird „die Empfehlung“ allerdings erst dann, wenn staatliche Stellen sie verordnen.

        Was dieses Kultus-Ministerium im Namen des Herrn Piwarz gemacht hat.

        Deshalb ist er persönlich der richtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, neue Trends in der Schule zu setzen, die die Empfehlungen ändern werden. Schon aus demographischen Gründen.

        So und ab jetzt, könnten ja mal Kommentare der NutzerInnen .. oder Nutzenden zum Thema kommen.
        Im Übrigen, mit auf den Weg gegeben: „Es werden noch Kindergärtner gebraucht.“

        *) Nix ohne/mit Binnen-I, steht da:
        https://www.queer.de/docs/geschlechtergerechte-sprache-und-schreibung.pdf

        Und beim DUDEN gibt’s da noch sehr viel diverses:
        shop.duden.de/products/handbuch-geschlechtergerechte-sprache

      8. Steckt in der ganzen Sache mit dem Gendern nicht auch ein wenig „Spaltung“ drin. Kämen wir raus aus der Schwierigkeit, in Gruppen zu teilen, wenn wir uns Menschen als Menschen verstehen und uns gegenseitig wertschätzen? Verstehen einfach nur als Menschen, so wie wir gewachsen sind. Die Suche nach der genauen Definition, wer was ist, verbraucht viel unserer Kraft, die wir für das schöne Leben nehmen könnten und erschwert die Sicht auf das „menschliche Leben“.

      9. Der Fehler im „Mindset“ könnte auch darin liegen, dass es sich um eine sehr eingeschränkte Gerechtigkeitssuche handelt, mit der man sich in diesen Kreisen beschäftigt.
        Das sieht man auch daran, dass negativ besetzte Zuschreibungen wie „Teufel“, „Verbrecher“, „Ausbeuter“ oder „Halbstarke“ selten gegendert werden. Wahrscheinlich denkt man in diesen Fällen nicht an intersexuelle Teufel. Oder sich-nicht-definierende Verbrecher.
        Wobei ich schon das Wort „Hexe* “ auf einem Plakat gelesen habe und dachte, ob da vielleicht nicht eine nonbinäre Frau auf dem Scheiterhaufen gelandet ist. Denn darum geht es ja bei dieser wichtigen Sache: Die Geschlechtlichkeit rückt in den Vordergrund, verschiebt die Aussage. Es ist nicht mehr wichtig, dass es großes Unrecht gab und Menschen für Demagogie starben, sondern dass das Geschlecht der Frau, die dort der Hexerei bezichtigt wurde, nicht vom Textautor definiert werden soll.

        Der andere Aspekt ist noch, dass man auch nie alle (gefühlten) Ungerechtigkeiten beseitigen kann, geschweige denn überhaupt möchte. Das Narrativ vom alten, weißen Mann wird von diesen Gerechtigkeitskämpfern sehr gern verwendet und damit direkt mal mehrere Diskriminierungen gleichzeitig rausposaunt.
        Wenn der Zeitgeist, sowohl in Form der „woken Leute“, als auch in Form der Hypersensiblen und im-Voraus-Korrekten in Ämtern und Konzernzentralen, eine geschlechergerechte Sprache fordert, warum dann keine altersgerechte Sprache? Oder einkommensgerecht? Gewichtsgerecht? Grönemeyer sang einst „seit wann zieht´s Dich zu Fetten hin? – los sag was!“, heute klingt das so furchtbar gemein…

        Das Wort „Mohr“ war auch mal eins, was man (ohne es negativ zu meinen) für das optische Erscheinungsbild von erzgebirgischen Räuchermännern benutzte, oder für Apotheken. Man tut das heute nicht mehr, aber man darf noch Sätze sagen wie „Behinderte und Alte werden besonders gefährdet sein“. Völlig unsensibel, diese Sprache! Als Rentner wäre ich dann also kein Mensch mehr, so wie Du und ich, sondern plump abgekürzt nur noch „ein Alter“. Also ich bin für sensible Sprache in jeder Hinsicht! Sonst ist meine Welt nicht lebenswert.

        Man kann gar nicht so viel Satire verwenden, wie es nötig wäre…

        Ihr letzter Satz verdeutlicht noch mal einen anderen Aspekt: Wer sich angesprochen fühlen möchte, der schafft das auch. Ich sage dazu immer „im wohlverstandenen Sinne“, einfach weil man nicht überall den Konflikt suchen muss, sondern alles viel leichter in der Kommunikation geht, wenn man nach der eigentlichen Aussage sucht. Bringt aber weniger Aufreger und Aufmerksamkeit bei Twitter.

      10. Ich sehe bei diesen Menschen, auch wenn sie jung sind, ein sehr rückständiges Mindset.

        Höre ich die Worte Ärzte, Bürger, Schüler, Nachbarn, Kollegen usw., dann habe ich nicht jeweils eine Gruppe von nur Männern als Bild im Kopf, sondern einfach eine gemischte Gruppe Menschen.
        Warum sollte man das biologische/gefühlte/gewollte Geschlecht betrachten, wenn es nicht explizit darum geht (geht es meistens nicht)?
        Wenn der Lehrer sagt, alle Schüler dürfen jetzt nach Hause gehen, dann fühlen sich sicherlich auch alle angesprochen. Schon seltsam.

      11. Ich war sehr froh über dieses beruhigende Zeichen, eines der wenigen mutigen von offizieller Seite, die einfach nur den Normalzustand versuchen wiederherzustellen. Viele Menschen in meinem beruflichen und privaten Umfeld, darunter ausdrücklich auch Frauen, fanden die ministerielle Festlegung völlig richtig. Endlich, könnte man sagen, wurde das mal so ausgesprochen.

        Lange Zeit galt der Konsens, und das ist eigentlich alles, was ich an der Stelle möchte, dass es eine Hochsprache gibt (Nachrichten, Amtspost, Aufsätze, Geschäftspost) und eine gelebte, lebendigere Sprache für den allgemeinen Umgang der Leute miteinander.

        Letztere hat sich immer schon stärker verändert, zum Beispiel durch Einflüsse der Jugendsprache („Fetzt“, krass, cool, usw.), oder Medieneinflüsse, vor allem aus dem englischsprachigen Raum (Übertragungen aus der Komiksprache ins Verbale wie „Whaaat?“ am Anfang einer Antwort), oder Anglizismen überhaupt („Boosterimpfung“, Handy) oder gern auch aus dem Geschäftsumfeld (wir „canceln“ Termine auch im privaten Umfeld, wir bestätigen ein Danke mit „nicht dafür“ statt „bitteschön“ zu sagen).

        Es ist also klar, dass sich Sprache verändert. Das kommt von selbst, das kommt durch Einflüsse durch außen, das kommt durch den Zeitgeist. Und ich kann für mich, andere Leute sehen das kritischer, komplett nachvollziehen, dass im Sinne von „Negerkuss“ oder „Zigeunersauce“ auch mal die Sprachpolizei durchgeht und medial aufgeklärt wird, dass man sowas heute nicht mehr sagt. Tue ich auch nicht (mehr).
        Aber die Hochsprache soll bitte unberührt bleiben von den gedanklichen rettet-die-Welt-Experimenten von selbsternannten Gerechtigkeitssucher_:/innen\außen. Wenn man gern auf Plakaten, in Mails, in alternativ gelesener Presse oder ähnlich die schon lange im IT-Bereich genutzten Sonderzeichen wie das Sternchen mitten in Wörtern benutzen möchte (*.bin), dann bitteschön. Ich kann mir dann aussuchen, ob ich sowas lese möchte oder mich anderweitig umsehe. Aber wenn es per Dekret in alle Bereiche des Lebens von oben hineingekippt wird, dann kotzt mich das einfach nur grob an.

        „Im Zuge der kritischen Auseinandersetzung…“ beginnt Frau Pleger einen Ihrer Sätze.
        …komme ich zu dem Ergebnis, dass das Gendern nicht auf die Hochsprache angewendet werden sollte, vervollständige ich.
        Medien wie dieses hier, wo auch gern mal ein oder zwei Sätze pro Absatz für sich allein stehen, und wo man dann doch die „Haltung“ oft höher hält als die Umsicht in die Breite, wo man die jungen alternativen Leute im Fokus hat, erst mal egal ob sie sinnvolles tun oder nur rumoren, halten sich daran nicht. Die Artikel sind daher auch gern mal weniger gut lesbar als die in den großen Medien. Was eben auch heißt, dass es eine Alternative für die Interessenten der Presse gibt, die keine Sonderzeichen im Fließgeschlechtertext haben wollen.
        Ganz krass beim Katapult: dort wird noch mit dem Doppelpunkt gegendert, was für mich wirklich der GAU für konzentrierten Lesefluss ist.
        „Renommierte Forscher:innen schlussfolgern: Es wird generell wärmer.“
        Zwei Doppelpunkte in kurzem Abstand. Jedes Mal macht das Lesen eine kurze Pause und fokussiert sich. Mir ist das zu anstrengend. Das kann unmöglich der Standard werden in Schultexten, Gesetzen oder ähnlichem Stoff der Hochsprache.

        Und die Sichtbarkeit der Geschlechter ist nicht das wichtigste Ziel einer Sprache. Es geht um Pragmatismus, Verständlichkeit, um Eindeutigkeit (oder gerade nicht, je nachdem).
        Aus meiner Sicht selbstverständlich sollte es sein, eine gemischtgeschlechtliche Gruppe von Zuschauern, Abonnenten, Kollegen oder Speerwerfern in der Anrede auch getrennt konkret anzusprechen. Damit ist völlig klar, dass es sich um beide Geschlechter handelt, die in dem dann folgenden Schreiben oder der Ansprache gemeint sind. Sie werden explizit erwähnt.
        Und nach der Anrede zu Beginn ist damit gern auch Schluss, denn dann darf ich auf den Inhalt konzentriert werden, und nicht auf die „jahrhundertealte Gewohnheit nur den Mann zu sehen, die nun gebrochen werden müsse“.

        Das ist alles betroffener Quatsch einer kleinen „gebildeten“ Menge, die in ihren Plenen diskutieren bis der Rotwein alle ist. Die Mehrheit der Leute, auch der Frauen, lehnt es ab.
        Und bitte nicht mit diesen schiefen „Umgehungskonstruktionen“ kommen:
        „Die Studierenden treffen sich nach der Vorlesung zum Umtrunk“
        oder
        „Die Autofahrenden besprechen nach dem Unfall das weitere Vorgehen.“

        Ein trinkender Student ist in dem Moment eben kein Studierender, und ein verunfallter Autofahrer kein Autofahrender mehr.

        https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/

      12. Sehr geehrte Damen, Herren und Diverse,

        dem Artikel ist zu entnehmen, dass gemäß jenem Schulleiterbrief auf eine individuelle Anwendung von Gendermerkmalen zu verzichten sei.
        Das ist verständlich und konsequent, hat sich doch der Deutsche Rechtschreibrat, der Regeln für Schulen, Verwaltung und Rechtspflege festlegt (bzw. für uns alle), eindeutig dazu positioniert (03/2021).
        Insofern ist der Brief vom Kultusminister nur ein Hinweis, dass sich dieses Thema nicht verselbstständigt und Wildwuchs entsteht, wie es leider bei den Bildungssystemen in den Bundesländern schon eklatant der Fall ist.
        Auch in Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen werden ungeachtet bestehender Regularien leider schon Festlegungen auf Basis von verschiedenen Sonderzeichen ausgegeben.

        Wo soll das bitte hinführen?

        Ich bin durchaus für gendersensible Sprache und achte bereits darauf, aber diese sollte eine abgestimmte und einheitliche Basis besitzen.
        Das ist momentan noch nicht der Fall; zudem ist dies ein gesellschaftspolitischer Prozess, den man nicht einfach mit eigenmächtigen orthographischen Regeln abbiegen oder abkürzen kann.

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